Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ü III p — (ZeUträlblatt für Vie-Ünterrichtsverwaltung Serie 7004) sein Bewenden behalten. ' . , Im Aufträge •* ... Schn»artzko p ff. Nach diesem Bescheide sind' also die kleineren jüdischen Gemeinden, ' die weniger als zwölf volksschulpflichtige Kinder zählen, genötigt, sich zu Schülstationen zusgmmenzuiun, wenn sie^aus. eine Staatsünterstützüng rechnen wollen. So wünschens*. wert, an?sich ein solcher Zusammenschluß ist, so liegt es doch aufder Handdaß. an vielen Orten die lokalen. Verhältnissewie weite örtliche Trennung der kleinen Gemeinden voneinander, schlechter Zustand der Kommunikationswege, Verschiedenheit der religiösen Auffassungen Usw., die Vereinigung zu gemeinsamen Schulstationenunmöglich Machen werden. ' ' ,' / Die einzige Hilfe kann solchen kleinen Gemeinden von dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde, und seinen Verbänden kommen. Es ist vorauszusehen, daß infolge dieser schlimmen Enttäuschung die finanziellen Ansprüche der kleinen jüdischen Gemeinden an den Gemeindebund sich beträchtlich vermehren werden. Um so notwendiger ist es, daß Körperschaften und Privatpersonen, die für die religiöse und moralische Erziehung Tausender unserer Söhne und Töchter ein warmes Herz Und ein lebhaftes Interesse besitzen, dem Gemeindebunde durch ihren Beitritt die Hände stärken. Nur dann können wir, wie so oft, aus eigenen Mitteln uns das schaffen, was der Staat uns versagt. ■ ■. * Den russischen Juden drohen wieder neue Beschränkungen. Man schreibt uns darüber aus St. Petersburg: „Dem Ministerkonseil liegt jetzt die Frage der Aufnahme von Juden in höheren Lehranstalten des Unierrichtsministeriums zur Behandlung vor. Diese Frage ist schon früher einmal, und zwar Ende 1.905 vom damaligen Unterrichtsminister I. I. Tolstoi angeregt worden» welcher damals in seiner Vorlage an den Ministerkonseil darauf aufmerksam gemacht hatte, daß die Beschränkung der Aufnahme von Juden nur im Hinblick auf das Charkower Institut auf gesetzgebendem Wege sestgelegt sei, während die Aufnahmen von Juden in andere höhere Lehranstalten nur durch Zirkulare beschränkt worden sei, die mehr oder minder streng beobachtet worden seien. Gras Tolstoi hatte in seiner Vorlage ferner darauf hingewiesen, daß durch solche Beschränkungen nur die revolutionäre Stimmung geschürt werde. Sogar die christliche Jugend werde durch eine so: ungerechte Behandlung der Juden gegen die Regierung eingenommen.- Die Vorlage des Grasen Tolstoi, schreibt hierzu die „Rjetsch", hat im Ministerkonseil keinen Protest hervorgerüfen. Man fand im Ministerkonseil sogar, daß eine zu große Zähl jüdischer Studierender schon dadurch vermieden werde, daß für die Aüfyähme von Juden in mittlere Lehranstalten schon eine Norm besieh^ so daß eine wieder, holte Auslese bei der Aufnahme in die höheren Lehranstalten vollständig übersiüfsig sei. Die Stimmung war'daniÄs eine derartige, daß sogar N. P. Durnöwo die Motivi'MWsi des Grafen Tolstoi für. durchaus berechtigt hielt. Er war aber gegen Ausnutzung der Stimmung des Moments 'durch Aufhebung ' der Zirkulare ünd erklärte daher dem Grafen Tolstoi, daß er soviel Juden als er wolle ausnehmen könne, da die Zirkulare dem Minister hierzu das Recht geben. ' /’ Nur die Minister Birilew und Akimow waren gegen die Vorlage des Grafen Tolstoi. ' ' . ...... So wurde - danu vom Mmisterkönseil mit zehn-Stimmen gegen drei (Äkimow, Dgrnowö, Birilew) der .Beschluß/gefaßt, alle.Beschränkungen bei der,-Aufnahme von Juden in die höheren Lehranstalten,, d§s sinterri chtsministeriums auf zu heben. Dieser Beschluß ist aber nicht sanktioniert worden.Erist nicht bestätigt worden und soll wie behauptet wird — boM' Erafen Witte auch gar nicht zur Bestätigung vorgestellt worden sein.- - Jetztchat sich die Stimmung geändert. An der Spitze des Unterri chts- Ministeriums steht-jetzt A. N- Schwartzwelcher dem' Ministerkonseil eine Vorlage gemacht.hat, die. der Stimmung 'von-1905 diametral entgegengesetzt ist,, dafür aber,-dem..jetzigen Moment durchaus entspricht. , Der. Unterrichts ministerbeantragt, .das ,„Uebel" früherer Jahre zu beseitigen. - Darum , beantragt er bei . der Aufnahme von Juden nicht nur. chie Zahl der. gleichzeitig eintretenden Christen in Betracht zu ziehen, sondern die Zahl der an der betreffenden. Hochschule bereits studierenden Juden." Leider ist keine Aussicht vorhanden, daß dieser Antrag verworfen oder auch nur von, irgendeiner maßgebenden Seite bekämpft werden wird. . ' . * Die finnische Judensrage kommt nicht von der Tagesordnung. Bekanntlich hat im Jahre 1907 der finnische Senat ein Projekt, wonach die in Finnland geborenen oder daselbst seit mindestens zehn Jahren wohnhaften Juden Gleichberechtigung erhalten sollen, außgearbeitet und dasselbe allen Stadt- und Dorfverwaltungen Finnlands zur Begutachtung zugestellt. Nunmehr find alle Antworten daraus beim Senat eingegangen. Einige Verwaltungen von Städten, in denen die schwedische Partei und die Altfinnen die Mehrheit bilden, sprechen sich gegen eine baldige Gewährung der Gleichberechtigung an die Juden aus, weil die Finnländer ökonomisch noch zu schwach seien, um mit den Juden auf wirtschaftlichem Gebiete konkurrieren zu können und außerdem die rechtliche Gleichstellung der Juden in Finnland einen Massenzuzug von Juden aus Rußland zur Folge haben würde, was für die Finnländer nicht erwünscht wäre. Jene Verwaltungen raten deshalb,; zwar nicht den Juden den Aufenthalt im Lande zu verbieten, ihnen jedoch vorläufig keine rechtliche Gleichstellung zu gewähren. Die Selbstverwaltungen der Städte, in denen die Sozialisten die Mehrheit bilden, fordern dagegen die sofortige rechtliche Gleichstellung der Juden. Der Senat neigt dazu, jeder Lokalverwaltung selbst die Bestimmung darüber zu überlaffen, ob sie den Juden in ihrem Ort das Wohnrecht gewähren will oder nicht. 1 4 j 1 :•! . Wie aus Konstantinopel berichtet wird, machen die I Griechen unausgesetzt den Versuch, die Juden des Landes vor den Türken zu diskreditieren und letztere zu Judenverfolgungen '] auszuhetzen. Fast täglich tischen die griechischen Blätter ihren 3 Lesern die unglaubwürdigsten Ritualmordmärchen aus. Die -1 muselmanische Bevölkerung schenkt wohl vorläufig diesen | Märchen keinen Glauben, doch besteht die Befürchtung, daß y die Bevölkerung schließlich doch gegen die Juden aufgewiegelt werden könnte. Die Regierung versäumt es nicht, die angeführten Fälle zu untersuchen, die natürlicherweise sich ergebende Unwahrheit der verleumderischen Aeußerungen aufzudecken und die Verbreiter der Hetzgerüchte zu bestrafen. In jüngster Zeit häufen sich aber die -zwangsweisen Taufen jüdischer Kinder durch die Griechen in erschreckender Weise, wobei genau derselbe Vorgang beobachtet wird, wie bei den -A Entführungen jüdischer Mädchen ins Kloster in Galizien.. So wurden erst kürzlich in Larissa an der türkisch-ungärischen J Grenze vier jüdische Kinder am hellichten Tage entführt und j getauft. Der Chacham. Baschi Nahum hat, als ihm der Vorfall bekannt wurde, sofort bei der Regierung protestiert und Abhilfe verlangte Die Untersuchung ist eingeleitet.