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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 nur dann zu berücksichtigen-/ wenn festgestellt sei, daß nichtdas Streben nach Ermäßigung der Pensionskosten, sondern der Wunsch, die Kinder in einer jüdischen Anstalt zu wissen, dem Aufnahmeantrag zugrunde läge. Zwar gestattet die finanzielle Lage? des Vereins durchaus nicht, den Geldpunkt außer acht zu lassen,.aber es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Verein weitere Freunde gewinnen wird und daß er so seine Bestimmung, eine Hilfe für die Aermsten zu sein, in vollem Maße wird erfüllen können. §. Berlin, 5. Juli. Am 22. v. M. fand im Genesungsheim zu Lehnitz unter reger Teilnahme die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins „Jüdisches Genesungsheim Berlin" statt. Aus dem vom Vorsitzenden Herrn Dr. W. Feilchenfeld erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß im Jahre 1908 439 weibliche Pfleglinge Aufnahme in dem Heim gefunden haben, während im Jahre 1907 nur 394, im Jahre 1906 397 Pfleglinge dorthin entsandt wurden, dieselben wurden 1908 in 14 665 Verpflegungstagen, 1907 in 13 285 Verpflegungstagen, 1906 in 13 552 Verpflegungstagen versorgt. Außer den Mitgliedern nahmen an dem durch schönstes Wetter begünstigten Ausflüge nach Lehnitz viele Freunde und Gönner des Vereins teil. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils blieben sie alle bei freundlicher Bewirtung, für welche die Oberin des Heims, Schwester Emilie, Sorge getragen hatte, noch bis zum späten Abend beisammen. Das Genesungsheim, das alljährlich einer großen Anzahl von Frauen und Mädchen Gelegenheit gibt, ihre Gesundheit zu kräftigen und ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten, verdient die Förderung weitester Kreise. s. Berlin, 2. Juli. Am 27. v. M. fand im Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde unter zahlreicher Beteiligung hiesiger und auswärtiger Delegierten die 25. Jahresversammlung des „Esra. Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina, und Syrien" statt. Dem vom Vorsitzenden, Herrn Moritz Dorn, erstatteten Bericht pro 1908 entnehmen wir, daß die Einnahmen im Berichtsjahre im ganzen die Summe von 17 177 Mark erreicht haben, während der zur Sanierung der Colonie B’neh-Jehuda bestimmte Kolonisationsfonds 52 000 Mark erreicht hat. Der Kassenbestand hier und bei der Bank in Palästina beläuft sich auf 15 000 Mark. Unter den Einnahmen figurieren 981 Mark, welche dem Verein „Esra" von der jüdischen Gemeinde in Posen zum Bau eines Hauses für einen jüdischen Landarbeiter überwiesen wurden. Der Vorsitzende erwähnte ferner, daß auch Rückzahlungen der Kolonisten einzulaufen beginnen, und bezeichnete diese Erscheinung als erfreulichen Beweis der ökonomischen Erstarkung der palästinischen Kolonien, sowie des wachsenden Verantwortlichkeitsgefühls der Kolonisten gegenüber der jüdischen Gesamtheit. Die Tätigkeit des Vereins „Esra" erstreckte sich im Berichtsjahre über folgende drei Gebiete: 1. Schulwesen. Die Belkindsche Ackerbauschule Lirjatti-Leker bei Lydda hat vom „Esra" eine Subvention von 2400 Franken erhalten. Die Schule bezweckt, jüdische Waisenkinder zu schlichten, anspruchslosen und geeigneten Landarbeitern in Palästina zu erziehen. 2. Häuserbau für jüdische Landarbeiter. Um die bereits bestehenden jüdischen Kolonien mit einem geeigneten jüdischen Arbeiterelement zu versehen, ist der Bau von jüdischen Arbeiterwohnungen erforderlich. Zu diesem Behufs ist der Verein „Esra" durch Vermittlung der jüdischen Bank in Jaffa mit den in Pethach-Tikwah wohnenden Besitzern des Bodens von Kafar- Saba in Verhandlung getreten, um auf letztgenannten Platze jüdische Besitzung in eine jüdische Kolonie zu verwandeln. Durch die im laufenden Jahre bevorstehende Verwirklichung dieses Planes wird ein neuer Typus von jüdischen Ansiedlern geschaffen werden, die bei minimalen Jnstallierungskosten dennoch eine völlig gesicherte Existenz als Agrararbeiter und Halbbauern haben dürften. 3. L'nsll-Isbucla. Das Schmerzenskind des Vereins „Esra" bleibt nach wie vor die transjordanische Kolonie L'ued-^ebuda, deren Sanierung infolge der isolierten Lage der Kolonie, sowie durch die in der Türkei gegenwärtig herrschenden inneren Wirren auch im Berichtsjahre nicht gelungen ist. Glücklicherweise bedürfen die auf der Kolonie noch verbliebenen sechs Familien keinerlei materieller Unterstützung, und die im Berichtsjahre für sie verausgabten 1600 Franken sind zur Erlangung der gesetzlichen Besitztitel (Eushans) ans einen Teil des Bodens der Kolonie verwendet worden. Nach Entgegennahme des Berichts I des Vorsitzenden und erfolgter einstimmiger Dechargeerteilung wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Zentralkomitees (Schatzmeister Konsul Julius Friedemann, die Herren Dr. Caspari, Berthold Israel. Willibald Loewenthal, Dr. Eugen Mittwoch und Professor Dr. Marburg) Wiedergewählt. Endlich wurde der lang-' jährige verdienstvolle Vorsitzende des „Esra", Herr Moritz Dorn, anläßlich des 25 jährigen Jubiläums des „Esra" zum Ehrenmitglied ernannt. In der darauffolgenden Sitzung des Zentralkomitee des Vereins wurden die Herren- Dr. Paul Nathan und Dr. Isidor Ginsberg in das Zentralkomitee kooptiert. s. Berlin, 3. Juli. Die jüdischen Ferienkolonien versenden ihren 25 jährigen Jahresbericht. Im Jahre 1884 wurde die Berliner jüdische Ferienkolonie begründet. Die Notwendigkeit der Einrichtung besonderer jüdischer Ferienkolonien ergab sich aus dem nicht abzuweisenden Bedürfnis nach ritueller Verpflegung der armen jüdischen Kinder, deren Eltern lieber auf die Wohltat der Ferienkolonie verzichteten, als daß sie ihren Kindern den Genuß nicht rituell zubereiteter Speisen gestatteten. In den 25 Jahren des Be-, stehens der jüdischen Ferienkolonien wurden 6182 jüdischen Kindern mit einem Kostenaufwand von 227 661 Mark die Wohltat eines Sommeraufenthaltes verschafft. Besonders haben sich verdient gemacht um das Liebeswerk die Spender Frau Franziska Ginsberg und deren Kinder, sowie die Führer und Führerinnen, namentlich die Herren Oberkantor Sarasohn in Stettin, Lehrer Borchard in Samter, Prediger Wolfs in Tempelburg und Herr Sanitütsrat Dr. Robert Reimann. In dem Heim der Ferienkolonien, im Solbad Elmen, wurden im Jahre 1908 135 Kinder in drei Kolonien untergebracht, im Seebad Misdroy wurden in dem von den Berliner Logen errichteten Adolf Mayer-Ferienheim ebenfalls drei Kolonien mit 135 Kindern untergebracht. In der Waldkolonie Schreckshaide in Züllichau waren 42 Knaben, in Petershagen 10 Knaben, in Freistellen und Pensionen 117 Kinder untergebracht. Den Vorstand des Komitees bilden die Herren Rabbiner Dr.- Blumenthal, Manuel Schwarz, Direktor Paul Schlesinger, B. Benjamin. Siegfried Korach, Leopold Katz. Das Unternehmen der Ferienkolonien verdient die wärmste Unterstützung. o. Königsberg, 1. Juli. Die Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen versendet ihren Rechenschaftsbericht für 1908/09. Trotz nur achtjährigen Bestehens hat die Kasse bereits Fortschritte gemacht und ein ansehnliches Grundkapital gesammelt. Sie ist auch schon in Aktion getreten und hat einem amtierenden Lehrer 500 Mark und einer Lehrerwitwe 300 Mark Pension gewährt. Ueber ihre Daseinsberechtigung, ihre Zwecke und Ziele bemerkt die Einleitung folgendes: „Was wir in dieser Art für die Sicherstellnng und Aufbesserung der Verhältnisse unserer jüdischen Beamten tun, geschieht zugleich zur Förderung' unseres Judentums. Nur wo der Beamte über seine Zukunft einigermaßen beruhigt und mit seinen zeitigen Verhältnissen einigermaßen zufrieden sein kann, wird er sich ganz mit Eifer und Liebe seinem Berufe hingeben und unserem Judentums mit ganzer Kraft dienen können. Es gehört mit zu den Aufgaben, die wir uns für die Besserung der religiösen Verhältnisse in den kleinen und mittleren Gemeinden unserer Provinz gestellt haben, das wir auch in dieser Hinsicht das Erforderliche tun." Lp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Der in Guatemala lebende Kaufmann Sachs hat neulich anläßlich eines Besuches seiner Vaterstadt Kempen der dortigen Synagogengemeinde einen Betrag von 15 OOO Mark zur Erbauung einer Leichenhalle als Geschenk überwiesen; auch den Vereinen spendete der wohltätige Gast reiche Geschenke. — Der Lehrer Margolius in Krotoschin ist zur Teilnahme an einem an der Handelshochschule in Berlin im Juni und Juli stattfindenden OberkursuS zur Ausbildung von kaufmännischen Fortbildungsschullehrern einberufen worden. — In der Synagoge zu Ostrowo sind kürzlich sämtliche Opferkasten erbrochen und beraubt aufgefunden worden; vermutlich hat sich der Einbrecher in den Raum einschließen lassen, um seine Missetat ausüben zu können. Bisher fehlt von demselben jede Spur. — Rabbiner Dr. Coh n in Hohensalza ist zum Ehrenmitglied des dortigen Literatur- und Geschichtsvereins ernannt worden. — In der letzten Generalversammlung des

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