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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
Seite 334 (sequence 10)
Language
German
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fähigen Kreise, auch die jüdischen zumeist, ihr.Jnteresse andern^. nützlichen Dingen, wie z. B. dem Sport und der Körper-z kultur, zu. Und doch könnten gerade die Pioniere des-, Geistes, des Ideals, unsere hervorragenden jüdischen Künstler, ein Mäcenatentum heute sehr gut brauchen! Monumentale Aufträge für Kirchen usw. gibt es für den jüdischen Künstler grundsätzlich nicht. Wovon soll er nun leben? . Wo die Sanunlung und Muße zum Hervorbringen grandioser. Monumente der Kunst, die für die Ewigkeit bestimmt sind, finden, wenn er in der Zwischenzeit darben muß, wenn gerade die Mäcene ganz fehlen, welche für das altbiblische und für das jüdische Stoffgebiet Interesse haben. Und diese Mäcene; gerade sind heute leider dünn gesäet. Früher hätte auch ein Bild wie das bereits in unserer ersten Skizze erwähnte Gemälde „der Tanz ums goldene Kalb" wochenlang das allgemeine Gespräch in Berlin gebildet. Heute findet die r wahre Kunst mitunter schon kein rechtes Echo mehr in Berlin von den durch die Not der Zeit leidenden anderen Städten, . Bezirken, wo unsere Glaubensgenossen, die L'ne anijim an- , gesessen sind, schon garnicht zu reden! Umsomehr ist auch an dieser Stelle der Opfermut aller derer anznerkennen, die mit^ Werken der Kunst für das Judentum einzutreten, stets bereits sind! Aber auch die Kunst geht nach Brot. Und so finden wir auch auf der diesjährigen großen Kunstausstellung jüdische Künstler mit einer besonders großen >. Anzahl von Porträtbüsten und Bildnissen mehr oder t weniger hervorragender Männer und schöner Frauen vertreten. In den illustrierten Katalog aufgen.ommen wurde wegen seiner hervorragenden künstlerischen Eigenschaften das Porträt von Frau Dr. Lili Sch. von N. Schattenstein (Wien). Besondere Aufmerksamkeit beansprucht das Bildnis „Bernhard Kellermann" von unserem sonst durch Genrebilder auch aus dem jüdischen Leben hervorragenden Glaubensgenossen M. Koschell. Der bekannte Porträtmaler Ernst Nelson stellte in Saal 39 b ein interessantes Selbstbildnis und in Saal 39 e ein Damenbildnis aus. Mehr dein künstlerisch komponierten Genrebilde nähern sich schon die Arbeiten vom , Simon Glücklich (München), Simon Buchbinder (Berlin), Alfred Schwarzschild (München) und Felix. Borchardt (Paris), dessen Porträt des deutschen Kaisers . Wilhelm H. auch in Paris hervorragende Anerkennung gefunden hat. In der nach dem Muster der Londoner Porträtgalerie hervorragender Männer zum erstenmal auf der diesjährigen Ausstellung am Lehrter Bahnhof eingerichteten „Bildnisgalerie" bemerken wir das Porträt unseres Glaubensgenossen Prof. Michael, der mehrere Jahrzehnte als Lehrer in der Genre- . malerei an der Berliner Kunstakademie gewirkt hat, das Selbst- , bildnis von Eduard Magnus und von Plastiken die Meyer- , Heim-Büste von Hugo Dermald. Man sieht deutlich auch auf der diesjährigen Kunstrevue, welchem Gebiet der Kunst sich derjenige jüdische Maler oder Bildhauer notgedrungen oft zuwenden muß, um leidlich durch die Welt zu kommen. Jüdische „ Künstler von Ruf — wir nennen nur von Bildhauern Arthur Lewin und von Malern Max Fabian — geben neuerdings, . neben ihrer künstlerischen Arbeit auch Unterricht in ihrem. Fach. Wieviel Konzessionen an die herrschenden Geschmacks- ,, richtungen muß der jüdische Maler oder Bildhauer, oft gegen; sein Naturell, um der Selbstherstellung willen, gerade heute-, der Masse machen! Wie gerne würde mancher Künstlerisches, für Juden schaffen und bilden! Mit nicht weniger als vier beachtenswerten Bildern ist, der erwähnte Max Fabian, der jetzt in Berlin eine Malschule leitet, vertreten. Das Gemälde in Saal 11 „Stumme Unterhaltung" mit seinem diskreten Humor gefällt vielen besser als das mit seinen geflügelten Engeln, die da auf dem Boden und sogar mit Grazie an der Wand herumschweben, doch sehr manierierte Bild „In der Hoffnung". Genial gemalt ist das in einzelnen Zügen an Adolf. Menzel erinnernde Gemälde „Eisengießerei" von M. Stern (Düsseldorf). Das ist das hohe Lied der ernsten Arbeit, vor der wir gern in Hochachtung den Hut ziehen-.. Me Kompagnons. Roman von Ernst Heilmann. II. |jott allen Menschen auf Erden haßte der Buchhalter V'. Steinfels am meisten. Nicht etwa, weil dieser ihm jemals etwas zu Leide getan hatte, sondern weil er nicht wußte, was er aus ihm zu machen habe. Die Reichen, wie Grosser konnte er beneiden, verfluchen, innerlich mit Schmähungen und Drohungen überhäufen, die Armen, Arbeiter, Lehrlinge, Bittsteller, mit denen er zu tun hatte, konnte er quälen, drücken, schnöde behandeln, aber Steinfels — der war weder das eine noch das andere! Seiner Stellung nach war er der Kompagnon des Hauses — das heißt allerdings nur für einen kleinen, bestimmten Teil der Unternehmungen von Edmund Grosser. Aber Steinfels war nicht reich, und es war Müller unleidlich, sich für seinen Untergebenen halten zu müssen. Alfred war von gleichmäßiger Höflichkeit gegen seinen Mitarbeiter, gestattete aber allerdings nicht jene Vertraulichkeit, die dieser wiederholt angestrebt hatte. Besonders war er den bissigen, hämischen Bemerkungen gegenüber, mit denen der Buchhalter alles begeiferte und verlästerte, sehr kühl, so daß er für diesen im Laufe der Zeit eine Persönlichkeit wurde, auf die Müller seine Abneigung gegen die über ihn Stehenden und seine Anmaßung und Bosheit gegen die Geringeren vereinigte. Auch heute blickte er bei Steinfels'Eintritt von seinem Buche kaum auf und gab auf seine Frage unangemessene Antwort. Alfred ignorierte dies. Er trat an sein Pult, das mit dem des Buchhalters Wand an Wand stand, so daß er ihm gegenüber saß, öffnete den Deckel und nahm verschiedene Schriftstücke heraus. „Niemand hier gewesen, Müller?" Niemand! Nur der israelitische Mann, dem Sie soeben begegnet sind, und der den Beweis dafür erbrachte, daß es nicht nur reiche Juden" — er deutete mit der Hand nach dem Privatkontor, „sondern auch Schnorrer unter Ihren Glaubensgenossen gibt." „Ich verbiete mir Ihre ebenso albernen, als boshaften Bemerkungen," gab Steinfels entrüstet zur Antwort, suchte aber sogleich seiner Empörung Herr zu werden und fügte ruhiger hinzu: „Hat Herr Grosser ihn empfangen?" „Nein!" . . . „Das ist schade, vielleicht hätte er ihm geholfen ..." Während dieser Worte war Edmund im Rahmen der hinter dem Platze Steinfels' liegenden Tür erschienen. Der Buchhalter hatte es bemerkt, tat aber so vertieft in seine Arbeit, als ob er das Erscheinen seines Chefs nicht gesehen hätte. „Herr Grosser wünscht ein für allemal nicht gestört zu werden. Das reißt ja gar nicht ab von diesen jüdischen Bittstellern. Er hätte den ganzen Tag . nichts anderes zu tun,

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