Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1909)
- Date
- 1909-07-09
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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»k«narää^&g Auf seine literarische Tätigkeit haben besonderen Einfluß geübt die Schriften Zunzs, Rapaports, Reggios, Luzattos, Frankels, Sachsh Löws, Geigers, Josts, Grätzs und Nachman Krochmals, dessen Werk ,More I^eboebe baseman" ihn anregte, Glossen zu Jbn Esras Bibel-Kommentar zu schreiben. Diese im „Hamagid" erschienenen Aufsätze haben seinerzeit die Aufmerksamkeit namhafter Gelehrter, aus den bescheidenen Mann gelenkt. Besonderen Anklang fanden auch seine Bemerkungen zum 1?argum Önkelos. Seine zahlreichen hebräischen Aufsätze sind in Zeitschriften, wie: Kochbe Ben lirebak, Obanansa, Jüdisches Centralblatt, Ka^okeb, Hamagid, Orar Hasikrutb, Betb lalmud usw. erschienen. Im Laufe der Jahre 1872—1890 hat er das vierteilige Hauptwerk seines Lebens: „Beiträge zur rabbinischen Sprache und Altertumskunde" veröffentlicht. Seine letzte Schrift „vibre Jebuda haach’ronim" Studien und Kritiken enthaltend, ist 1899 erschienen. Er Polemisiert darin gegen S. D. Luzzatto, den enragierten Spinoza-Hasser, welcher Gelehrte von Ruf mit Schmähungen überhäuft habe, weil nach deren Ansicht Spinoza wirklich ein großer Denker und Weltweiser gewesen ist. In dieser Polemik gegen Luzzatto, den er nebst Reggio wegen der bedächtigen, maßvollen Bibelkritik verehrte, zeigte Eisler die freisinnige Anschauung, welche alle seine Werke kennzeichnet. — Mehr als dies Söhne und Töchter bewirken könnten, haben Leopold Eisler seine literarischen Erzeugnisse einen unvergeßlichen Namen bei der Nach-. weit gesichert. Er gehört in die Reihe der ersten Aufklärer und fortschrittlich gesinnten Rabbiner Mährens. Sein Andenken wird gesegnet bleiben. Das Leichenbegängnis des Mannes fand unter zahlreicher Beteiligung beider Gemeinden, Eiwanowitz und Wischau, nicht nur .der jüdischen, sondern auch der christlichen, intelligenten Bevölkerung statt. Die angesehensten Männer der Gemeinde trugen die Bahre in das schwarzgeschmückte Gotteshaus, wo ein Trauerchoral von dem Wischauer Damenchor gesungen wurde. Dann hielten am Sarge Dr. Kupfer-Kojetein, Dr. Tauber-Prerau als alter Freund, Dr. Freimann-Holleschau im Namen des Nabbinerverbandes und Dr. Goldschmidt- Proßnitz ergreifende Trauerreden, in welchen sie in Anerkennung der Verdienste des Verstorbenen als Seelenhirt, als Gelehrter und Schriftsteller, seine große Gerechtigkeit und Menschenliebe gegen alle ohne Ausnahme der Konfession priesen und hervorhoben, daß mit dem Verstorbenen ein altes Stück Judentum zu Grabe getragen werde, daß er in seiner großen Bescheidenheit sein ganzes Glück und seine Zufriedenheit in der wissenschaftlichen Forschung gefunden habe, daß er noch im Greisenalter ein kindlich reines Gemüt und wahre Seelengröße bewahrt habe. Alle drei Rabbiner betonten die treue, aufopfernde Liebe seiner Gattin, die unter Entbehrungen ihm sein stilles Gelehrtentum ermöglichte und die ihn in seinem Studium unterstützte, indem sie durch ihre zärtliche Fürsorge jede Sorge und jeden Kummer von ihm fernhielt. In der Leichenhalle hielt Herr Löwenthal-Kojetein im Namen der Wischauer Kultusgemeinde einen tiefempfundenen Nachruf. Am offenen Grabe sprach Herr Dr. Kupfer-Kojetein in rein hebräischer Sprache einen ergreifenden Abschiedsgruß. Sämtliche Herren Rabbiner und Kultusvorstände Mährens und viele bedeutende Männer der Gegenwart kondolierten in der herzlichsten Weise. Das Andenken des gelehrten und edlen Mannes wird unvergessen fortleben. Der Salon IMS. Von M. Friedeberg. ' II. ie in unserem letzten Brief bereits erwähnte, in doppelter Auffassung auf der diesjährigen Kunstausstellung vertretene Heldengestalt des Alten Bundes „Simson" hat der Kunst von jeher einen dankbaren Stoff geboten, und nicht nur der bildenden Kunst sondern auch der Musik. Heute entzückt die Oper von Saint Saens „Simson und Dalila" die Zuhörer zweier Welten, und selbst in der Politik wurde jüngst vom Reichskanzler Fürst Vülow die Gestalt Simsons als Vorbild heraufbeschworen, da dieser Staatsmann die hadernden Parteien ermahnt, sich von „Philisternetzen zu befreien" . . . Schon Goethes Dutzfreund, der Direktor der Berliner Singakademie, Zelter, wollte den Simson der Bibel als dramatischen Helden in Musik setzen. Aber Goethes feinfühliger Sinn wehrte sich gegen den Gedanken, Gestalten der alttestamentarischen Ueberlieferung aus die heutige Bühne zu zerren. Goethe schrieb offiziell über „Simson" sehr ausführlich an Zelter aus Karlsbad, den 19. Mai 1812: „Zu dem Simson hätte ich kein Zutrauen ... die alttestamentlichen Gegenstände tun bei uns einen ganz wunderlichen Effekt; ich konnte bei Roberts Jephta und bei Alfieris Saul hierüber Betrachtungen anstellen. Es ist kein Widerwille, der erregt wird, aber es ist gar kein Wille, keine Abneigung, aber eine Unneigung. Jene Mythen, wahrhaft groß, stehen in einer ernsten Ferne, respektabel da, und unsere Jugendandacht bleibt daran geknüpft. Wie aber jene Heroen in die Gegenwart treten, so fällt uns ein, daß es -Juden sind, und wir fühlen einen Kontrast zwischen den Ahnherren und den Enkeln, der uns irre macht und verstimmt ..." Wie xrnst es Goethe mit dieser Ansicht über die Verwertung alttestamentarischer Gestalten in der Kunst war, erhellt daraus, daß der Dichterfürst (wie Ludwig Geiger in seiner Ausgabe dieser Briefe hervorhebt) diese letztere Stelle ursprünglich im Konzept noch schärfer gefaßt hatte. Zelter gab sofort seinen Plan mit „Simson" auf und antwortete Goethe, auch er finde Simsons Verhältnis zu Dalila abstoßend. Zelter schloß: „Auch, was Sie gegen alttestamentliche Gegenstände überhaupt erinnern, erfahren wir hier an Joseph und an Salomon. Man ist gewohnt, jüdische Helden nur mißhandeln zu sehen. Wenn die Worte gesprochen werden: „tut nichts, der Jude wird verbrannt!" so ist die Wirkung so sicher wie bares Geld . . ." Heute find wir, Gott, der die Zeiten ändert, sei Dank, denn doch schon wieder etwas weiter. Man hat mit Erfolg sogar „Moses" und den von Zelter erwähnten biblischen „Joseph" aus die Bühne gebracht, und wir möchten den sehen, der nicht mit Andacht den von einem bekannten jüdischen Mäcen erworbenen „Simson" und namentlich den von demselben edlen Förderer der Kunst auf der Ausstellung der Sezession angekauften „David" von Max Levi - gerne ernst betrachtet, auf den wir am Schluffe unserer Besprechung über die Plastik auf der Sezession noch zurückkommen. yj Einstweilen muß aber einmal gerade heraus festgestellt werden, daß das allgemeine Interesse an den beiden großen Kunstausstellungen, sowohl an der großen Akademischen wie an der Sezession überhaupt ganz ungemein zurückgegangen ist; früher hätte sich „ganz Berlin", soweit es sich für Theater und Kunst interessiert, an dem Gespräch über die hier erwähnten Kunstwerke beteiligt, heute wenden gerade die zahlungs-