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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-09 · Heft 28 (9.7.1909) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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-Klus der WMer EMmnde. 8. Berlin, 1. Juli. ti bet heutigen Abendsitzung der Repräsentanten»Ver- I- H sammlung, die fast drei Stunden in Anspruch nahm, wurde!;; der stattliche Rest von 40 Vorlagen noch vor Beginn der »X Sommerserien zur Verabschiedung gebracht. Mehrere Zuwendungen wurden debattelos angenommen, die Zuwendungen des Herrn \l Hermann Joseph h und der Frau Bertha Alexander zu jGrabeserhaltungszwecken, ferner die Zuwendung des Herrn Max Lev in im Betrage von 1000 Mark an die Armenkommisfion zur Begründung einer Max Levin-Stiftüng für Diabetiker und schließlich die Zuwendung des Herrn Otto I. Michel zur Vermehrung des Grundkapitals der Adolf und Ottilie Michel-Stiftung beim Reichen- - heimschen Waisenhause. \i In die gemischte Deputation zur Beratung der Frage der Erbauung neuer Synagogen wurden die Herren Louis ■ S Sachs, Dr. Cohn, Löwenberg und Professor Blaschke abgeordnet. Das erforderte statistische Material über die Verteilung der Juden im Gebiete der Gesamtgemeinde unter entsprechender Angabe der Kultusstätten ist inzwischen hergestellt worden, und der Gemeindevorstand hat' in diese Deputation die Herren Justizrat Timendorfer und S. Seligsohn entsandt. Zur dritten Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden, die am 17. Oktober in Breslau stattfindet, wurden die Herren Geheimrat Blumenthal, Direktor Minden, Dr. Cohn, Emil Cohn, Geheimrat Geiger, Professor Kalischer, Loewenberg, Loewenthal, Hirsch und Maurermeister Weile abgeordnet. Seitens des Gemeindevorstandes sind die Herren Netter, Kommerzienrat Eisner, Sanitätsrat Dr. Stern, Oliven, Justizrat Timendorfer, Badt, Dr. Feilchenfeld, S eligsohn und Syndikus Justizrat Lilienth al als Delegierte bestimmt worden. Die Gemeinde Groß-Berlin wird also durch 20 Delegierte vertreten sein- Nach Mitteilung des Ausschusses wird beabsichtigt, wie bei den früheren gleichartigen X Veranstaltungen für die Lauterkeit und Reinheit der jüdischen Religionslehre gegenüber allen Angriffen ein öffentliches Bekenntnis der verschiedensten Richtungen innerhalb des Judentums abzulegen. Es soll ferner neben einem geschichtlichen Rückblick auf die Stellung der Juden in den Ostmarken Deutschlands eine energische Kundgebung zugunsten völliger politischer Gleichberechtigung veranstaltet werden. Die durch das Ableben des Herrn I. Weinberg eingetretenen Vakanzen werden besetzt in der Armenkommission durch Herrn Emil Pineus, in der Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches durch Herrn Loewenberg, im Vorstand der Synagoge Kaiserstraße durch Herrn Loewenberg, in der gemischten Deputation zur Beratung der Frage der Vorbereitung von Rabbinerwahlen durch Herrn Dr. Minden und in der gemischten Deputation zur Beratung der Frage der Errichtung einer Synagoge im Nordwesten durch Herrn Dr. Ginsberg. Die Wiederwahl der Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Bibliothek-Kommission wurde genehmigt. In den Vorstand der Synagoge Rykestraße wurde Herr Jsmar Hamburger gewählt. Vom Referenten wurde auch die Resolution des Ausschusses zur Annahme empfohlen, den Gemeindevorstand zu ersuchen, die Vorstände der Synagogen aufzufordern, daß sie künftighin zur Wahl in die Vorstände der Synagogen nur solche Herren Vorschlägen, die in der Nähe der Synagoge wohnen und mit Gemeindeämtern nicht überlastet sind. Der Referent sowohl wie Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn klagten darüber, daß die in der Nähe der Synagoge Rykestraße wohnenden Herren, die um Annahme dieses Amtes gebeten worden, sämtlich abgelehnt hätten. Das Plenum billigte die Wahl und nahm auch die Resolution an. Alsdann erfolgte die Einführung des neugewählten Aeltesten Herrn Leopold Badt, des bisherigen Aeltesten-Stellvertreters. In einer längeren Ansprache dankte der Vorsitzende Louis Sachs dem Neugewählten für die Annahme des Amtes und verpflichtete ihn auf dasselbe durch Handschlag. Er betonte, daß der Kandidat kein Neuling in der Verwaltung sei, daß die beiden großen Ressorts, die ihm bisher unterstellt seien, durch ihn eine segensreiche Förderung erfahren hätten, und daß die 5. Versammlung erwarte, ihn in dem gleichen Sinne, mit weitem Blick - und mit Eifer für bic Interessen der Gemeinde weiter wirken ' ztt sehen, wie er bisher gewirkt habe. Die sich daran anschließende . Wahl eines Gern ein de-Aeltesten-Stell Vertreters ergab in geheimer Abstimmung einstimmig die Wahl des Geheimen Baurats Professor Dr.-Jng. Landsberg. Mit dem Anträge eines Mitgliedes, daß die für die Repräsentanten einberufenen Stellvertreter auch in den ständigen Ausschüssen mitsitzen sollen, erklärt sich das Plenum einverstanden. Nach Genehmigung des Etats derAlterversorguritzsansta lt pro 1909/10, der in Einnahme und Ausgabe mit 181385 Mark abschließt, wird der Friedhofskommission pro 1908/09 Entlastung erteilt. Aus dem Rechnungsabschluß entnehmen wir, daß die Ein- . nahmen der Friedhofshauptkasse sich auf 417 882.67 Mark, die Ausgaben auf 267 530.10 Mark beliefen, so daß sich ein Ueberschuß von . 150 352.57 Mark ergibt. Im Berichtsjahre sind auf dem Friedhof Weißensee 361, auf dem Friedhof Schönhauser Allee zwei Arme bestattet worden. Der Ausfall an Beerdigungskosten hierfür betrug 28 603 Mark; außerdem wurden Beerdigungsgebühren im Betrage von 5670.25 Mark niedergeschlagen, so daß der Gesamtausfall an Beerdigungsgebühren sich auf 34273.25 Mark belief. Beerdigt wurden im Berichtsjahre in Weißensee 1432 Erwachsene, 319 Kinder, in Schönhauser Allee 42 Erwachsene, ein Kind, insgesamt 1794 Personen gegen 1765 Personen im Vorjahre. Für Erbbegräbnisse wurden vereinnahmt 9! 696.30 Mark. Der Gärtnereibetrieb nimmt ülljährlich an Umfang zu. Im Berichtsjahre ergab die Gärtnerei Weißensee an Ueberschuß 153 989.17 Mark, die Gärtnerei Schönhauser Allee 14 303.96 Mark. Das Erträgnis wäre in Weißensee noch weit besser gewesen, wenn die ungünstige Witterung,' namentlich der strenge Winter nicht so nachteilig gewirkt hätte. Durch Hagelschlag wurden allein Scheiben im Werte voN 2055 Mark zertrümmert. Jetzt sind übrigens sämtliche Scheiben im Werte von 10 120 versichert worden. Die Gärtnerei Weißensee hat seit Uebernahme das stattliche Mrinerträgnis von zirka 469 000 Mark gebracht, und zwar im 1906/07 173 868.83 Mark, im Jahre 1907/08 141 146.02 Mark und im Jahre 1908/09 153 986.17 Mark Die Inventur der Bestände an Pflanzen und Kulturen betrug in Weißensee 129 528.30 Mark und rn der Schönhauser Allee 10 760.70 Mark. Der Referent Herr Emil Cohn bringt dann noch die dringende Notwendigkeit der Errichtung der zweiten Bethalle in Erinnerung mit dem Hinzufügen, daß bei einer weiteren Verzögerung die Friedhofskommission nicht mehr die Verantwortung für eine ordnungsmäßige Erledigung der Arbeiten tragen könne. Schließlich fragt der Referent noch nach dem Stande der Erwerbung eines neuen Friedhofes für den Westen und begründet die Dringlichkeit der Anfrage durch die auch von uns in dieser. Zeitung gebrachte — und bereits beantwortete — Mitteilung über die Absicht einer Losrennung der Charlottenburger Einwohner von der Berliner jüdischen Gemeinde. Kommissar Netter erwidert, daß die nachgesuchte Bauerlaubnis für die zweite Bethalle, deren Pläne vollständig fertig vorliegen, in kürzester Frist erwartet werde; inzwischen seien auch die bestehenden Differenzen mit der Gemeinde Weißensee beigelegt worden, indem die jüdische Gemeinde sich zur Tragung der Hälfte der Anliegegebühren für die Straße 16a, welche später den Friedhof durchqueren soll, bereit erklärt habe. Bezüglich der Zeitungsnotiz erklärt er namens des Vorstandes, daß von irgendwelchen Abtrennungsgelüsten der Charlottenburger Gemeindemilglieder offiziell' nichts bekannt geworden fei. Dazu liege auch gar keine Veranlassung vor. Denn die Synagoge Fasanenstraße sei soweit gefördert, daß innerhalb drei bis vier Monaten mit dem Bau begonnen werden könne, und es sei begründete Aussicht vorhanden, daß Ostern 1911 das Gotteshaus eingeweiht werden könne. An dem Projekte der Neuerwerbung eines Friedhofes im Westen oder Südwesten werde bereits seit vier Jahren gearbeitet, leider sei der ad hoc eingesetzten gemischten Deputation ein sehr geeignetes Terrain (in Lankwitz Anm. d. Red.) im letzten Augenblick weggekauft worden. In bemerkenswerter Weise berichtigte der Kommissar die Zeitungsnotiz jedoch dahin, daß nicht die Charlottenburger .Separatisten"' sich an den.. Magistrat gewendet hätten, sondern bereits vor drei Jahren der hiesige Gemeindevorstand, und zwar mit der Bitte, falls in Charlottenbnrg ein Gemeindefriedhof errichtet würde, darüber an die Berliner Gemeinde Nachricht zu geben, damit die hiesige jüdische Gemeinde ein Teil des Terrains abnehmen oder im Anschluß daran eigenes Terrain

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