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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-02 · Heft 27 (2.7.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang Nr. 27, Der Grmetndrvote. Veilgge zur „Allgemeinen Leitung drß Judentums". kerlin, 2. Juli 1909. lkarrelponLenren unv Nachrichten. Deutschland. s. Berlin, 28. Juni. Jüdischen Lehrern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen' auf dem Gebiete der Religionswissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner.jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschten Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die jährlich im März und September stattfindet, erstreckt sich auf folgende Gebiete: Methodik, Biblische Geschichte, Hebräisch, Jüdische Geschichte, Religionslehre,' Religionsphilosophie und Einleitungs- Wissenschaft. Gesuche um. Zulassung zur Prüfung sind' zu richten: „An den Schul- und Talmud-Thorä-Vorstand der jüdischen Gemeinde, Berlin N 24. Oranienburger Straße Nr. 29". Interessenten wird üuf Ersuchen Abdruck des Prüfungsreglements verabfolgt. S. Berlin, 25. Juni. Hiesige, Zeitungen wollen von Bestrebungen der in Charlottenburg wohnenden Juden erfahren haben, die darauf hinzielen, eine Trennung von der Berliner Gemeinde herbeizuführen und eine eigene Religionsgemeinde zu bilden. Wie es in der betreffenden Notiz weiter heißt, hätte hauptsächlich. das Fehlen eines eigenen Friedhofes die Charlottenburger Glaubensgenossen an der Bildung einer besonderen Gemeinde gehindert. Doch soll diese Schwierigkeit durch Anlegung eines städtischen interkonfessionellen Gemeindefriedhofes behoben werden, dessen einer Teil den Juden zur Schaffung eines Friedhofes nach .ihrem Ritus überlassen werden soll. Soweit die Notiz. Wie wir von authentischer Seite dazu erfahren,, ist dem Berliner Gemeindevorstand bisher nichts von derartigen Bestrebungen bekannt geworden,, und es must auch ernstlich bezweifelt werden, daß solche Absichten bestehen, deren Durchführung nach Läge der Dinge auf sehr große Schwierigkeiten stoßen müßte. s. Berlin, 27. Juni. Die-vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde gemeinsam mit der Großloge des Vnei Brith-Ordens begründete, durch einen besonderen Verein verwaltete Israelitische Erziehungsanstalt für geistig „zurückgebliebene Kinder Wilhelm-Auguste-Viktoria-Stiftung in Beelitz versendet ihren ersten Jahresbericht. Aus der Vorgeschichte Her Anstalt sei erwähnt, daß ein vom Generalsekretär Dr. Neumann auf dem X. Gemeinderage in Frankfurt a. M. am 13. Juni 1905 erstattetes Referat .den Anstoß zur Bearbeitung dieser Frage im.Schoße des Gemeindebundes gegeben hat. Eine Sammlung, an der. sich hie Gemeinden Berlin, Breslau und Frankfurt a. M. mit je 10 000 Mark und. zahlreiche Private beteiligten, Hatte bis zum Frühjahr 1907 zirka. 69000 Mark ergeben. Durch den Beitritt der Großloge Bn.ei Brith mit einem Betrage von 40000 Mark, durch den sie das Recht eines gleichberechtigten Partners des Deutsch-Israelitischen. Gemeindebundes erwarb, war die aus 105 000 Mark berechnete Bausumme mit einem Schlage beisammen. Das Bauterrain in Größe von> fünf. Margen hatte die m geographischer wie hygienischer Beziehung gleich günstig, gelegene Stadt Beelitz (Mark) geschenkt. Am 8. August 1907 wurde der Anstalt durch Allerhöchsten Erlaß des. Königs von Preußen der Name: Wilhelm Auguste Viktoria-Stiftung verliehen. Am 28., Juni. 1908 war die Konstituierung eines besonderen Vereins erfolgt. . Der Bau ist innerhalb Jahresfrist durch'Baumeister Alterthum-Berlin nach den. Vorschlägen des um das .Werk verdienten Fachmanns Dr. Natvxatzki- Nikolassee in praktischer und. ästhetisch befriedigender Wei.se.ausgefühxt. Die wohlgelungene Eröffnungsfeier erfolgte am,25.. Oktober 1908. Leiter der .Anstalt ist Erziehungsinspektor S. Bein. - Seine ,Frau; .steht;■! ihm als Lehrerin zur Seite; das übrige Personal besteht, ..aus,einem Pfleger (gelernter Buchbinder), einer'Pflegerin. (Heide jüdisch), einem Pförtner (gelernter Gärtner) , und .Küchenpersonal. Der Zöglingsbestand ist zurzeit 23 Knaben und 13 Mädchen aus allen .Teilen Deutschlands. Fünf davon sind durch Behörden überwiesen; möglich ist noch die Aufnahme von höchstens drei Knaben und sieben Mädchen. Vorsitzender des Vereins ist der geschäftsführende Vorsitzende des Gemeindebundes, Professor Philippson. Sein Stellvertreter ist Justizrat Timendorfer, Großpräsident des Bnei Brith-Ordens. Der Verein hat 178 Berliner und 58 auswärtige Mitglieder. Unter letzteren zahlreiche Gemeinden und Logen.. Die Jahresbeiträge belaufen sich auf insgesamt 7874 Mark, die Pensionseinnahmen auf 13 430 Mark. Die Anstalt.wird selbstverständlich nach den Vorschriften der jüdischen Religion geführt. Sie ist für bildungsfähige Minderjährige bestimmt. Die Altersgrenzen für die Aufnahme liegen zwischen dem 7. und. 14. Lebensjahre. Der Pensionspreis beträgt, auch für Bemittelle, höchstens 600 Mark. Die ungünstige Vermögenslage der Angehörigen findet weitgehende Berücksichtigung. Die noch nicht gesicherte Finanzlage der Anstalt gestattet zurzeit nur zwei bereits besetzte Freistellen. ' s. Berlin, 27. Juni. Eine sehr würdige Gedächtnisfeier für Dr. Theodor Barth fand am 25. d. M. bei zahlreicher Beteiligung im Mozartsaale statt. Geheimrat Professor Dr. Förster würdigte Barth als verständnisvollen Förderer aller sozialethischen Bestrebungen und Förderer des Kulturfortschritts. Reichstagsabgeordneter Gothein pries den Politiker Barth. Frau Regina Deutsch sprach über Barth als Vorkämpfer der Frauenrechte, während Justizrat Dr. Hormitz und Professor Dr. Philippson ihm als Gegner des Rassenaberglaubens und unentwegten Streiter für die Gleichberechtigung aller Konfessionen den Dank der deutschen Juden aussprachen. - Die ganze Feier machte einen tiefen Eindruck. Dresden, 25. Juni. Wieder gestattet der Verwaltungsbericht und die Jahresrechnung der israelitischen Gemeinde auf das Jahr 1908 Veranlassung, einen interessanten Streifblick. auf die hiesigen Verhältnisse zu werfen. Wir haben im abgelaufenen Jahre große Verluste erlitten durch, den Tod der Vorsteher Adolf Salzburg und Kommerzienrat Max Arnhold, sowie des Lehrers Auerbach und des Oberkantor Wolfsohn. Bei der Neuwahl wurden gewählt: Kommerzienrat Elb und Herr E. R. Mattersdorff zu Vorstehern, die Herren I. Hirsch, M. Levi, G Tuchler und Rechtsanwalt Nathansohn zu Deputierten. In ganz Sachsen wohnen gegenwärtig 14 697 Israeliten, davon in Dresden 3931, in Leipzig 7938 und in Chemnitz 1569. llebertritte zum Judentum fanden statt zwei, Austritte , acht. Der Beitrag an Jahressteuern lieferte 64 690,63 Mark. Wie seit einer Reihe von Jahren, so wurde auch diesmal an den hohen Feiertagen in Freiberg Gottesdienst abgehalten. Die Neligionsschule hat sechs Knaben- und sechs Mädchenklassen mit je zweijährigem Kursus für die erste und die Vorschulklasse. Die Zahl der den Religionsunterricht genießenden. Kinder beträgt zurzeit 420; außerdem wird Religionsunterricht in Freiberg, Meißen und Pirna erteilt. Der verstorbene Kommerzienrat Arnhold hat der Gemeinde 100 000 Mark für ewe „Soziale Stiftung" hinterlassen. Es folgt noch ein Bericht über die verschiedenen Stiftungen und Wohltätigkeitsvereine der Gemeinde. Eine neue und sehr wichtige Einrichtung ist die Auskun stsstelle derselben. Der Ausschuß des Verbandes der israelitischen -Religionsgemeinden im Königreich Sachsen bereitet eine Petition en ^die Landesregierung um Aufhebung des Schächtverbots im Königreich Sachsen vor. Dieselbe soll im Laufe dieses Jahres zur Abseydung kommen. Ebenso soll eine die Wünsche der Israeliten bei dem zu erwartenden neuen Volksschulgesetz eingehend erörternde Eingabe an das Kultusministerium gerichtet werden. Die Einnahmen betrugen 125 066.18 Mark, die Ausgaben 112 649.69 Mark. -- Brannschweig, 26. Juni. Wie der Bericht des hiesigen Jüdischen Jugendbundes für das Vereinsjahr 1908/0ß ergibt, zählte dieser Bund hier am Ende des ersten Vereinsjahres 103 ordentliche und 58 außerordentliche Mitglieder, was bei einer jüdischen .Gemeinde von nur 850 Seelen sicher als ein erfreuliches Ergebnis bezeichnet werden kann. Durch zahlreiche Vorträge und Referate,

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