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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-07-02 · Heft 27 (2.7.1909) · p. Seite 319

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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darnach die Absicht, eine jüdische Facultät mit einem Seminare ans freiwilligen Beiträgen der deutschen Israeliten zu errichten. Wir nehmen keinen Anstand von diesem zufällig zu Unserer Kenntniß gekommenen Vorgang hiedurch ehrerbietigst eine Anzeige zu machen, nicht nur weil zu dieser Art des Collectirens, die vielleicht in einem sehr ausgedehnten Umfange stattfinden wird, überhaupt eine höhere Genehmigung nöthig, daneben auch irgend eine Garantie für die entsprechende Verwendung der gesammelten Beiträge vor deren Versendung ins Ausland nöthig erachtet werden könnte, sondern auch, weil möglicherweise anderweite Pläne zur Verbeßerung der Verhältniße der Israeliten im Königreich Hannover besonders hinsichtlich des Schulunterrichts vorzugsweise dazu geeignet sehn könnten, wenn einmal die Mildthätigkeit der Israelitischen Glaubensgenoßen in Anspruch genommen werden soll, ihnen wenigstens gleichzeitig bekannt gemacht und empfohlen zu werden. Wir erbitten uns hierüber eine höhere Entschließung." (Stade, 5. Januar 1838). Das Ministerium des Innern überwies die Erledigung dieser Angelegenheit dem Ministerium der auswärtigen „Verhältniße" und richtete an dasselbe folgendes Schreiben: „Da ein Israelit Philippson zu Magdeburg, geschehener Anzeige zu Folge, eine Aufforderung zur Unterzeichnung von Geldbehträgen Behuf einer zu errichtenden jüdischen theologischen Facultät auch an die Schutzjuden des Königreichs versandt hat, woneben er angiebt, von der Preuß. Regierung zur Aufnahme solcher Geldbeyträge ermächtigt zu sehn: so scheint es wünschenswerth, daß einige nähere Kenntniß von dieser Angelegenheit durch die diesseitige Gesündtschaft in Berlin eingezogen werden möge." (26. Januar 1838). Das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten wandte sich hierauf mit einem Schreiben an den Hannoverschen Gesandten, General-Leutnant v. Berger, nach Berlin und ersuchte denselben, sich darüber zu informieren, „ob und in wiefern die K. Preußische Regierung die beabsichtigte Errichtung einer jüdischen theologischen Facultät amtlich unterstützt? namentlich, ob selbige von ihr als eine öffent. liche Staatsanstalt künftig betrachtet werden soll, oder ob ihr nur der Schutz des Staats als einer Privat-Einrichtung zu Theil werden würde und welche Befugnisse dieser Facultät beygelegt oder eingeräumt werden sollen? Ferner ob, und welche Universität zur Ueberweisung dieser beabsichtigten Facultät ausersehen ist? so wie endlich; ob der Eingangs gedachte Philippson zur Aufnahme von Geldbehträgen zu dem gedachten Zwecke von Seiten der Regierung ermächtigt worden." Am 19. April 1888 überreicht der Hannoversche Gesandte dem Ministerium des Innern in Hannover folgende Jnformationsnote: „Der Dr. Philipp Ludwig Philippson ist am 10. März 1834 von der Prüfungskommission der Königlichen' Regierung zu Magdeburg, nachdem er derselben seine Gymnasial- und akademischen Zeugniße, sowie das in Jena erlangte Doktordiplom eingereicht hatte, als geistlicher Lehrer geprüft worden, wobei er das Zeugniß „vorzüglicher Kenntniße" erhalten hat. Seitdem fungirt er als geistlicher Lehrer bei der jüdischen Gemeinde zu Magdeburg, deren vorzügliche Achtung er sich erworben hat. In den Jahren 1830 bis 1832 gab er eine Schrift in lateinischer Sprache über zwei griechische Trauerspiele, sowie eine andere über Spinoza heraus. Im Winter von 1833 zu 1834 hielt er in Magdeburg Vorlesungen über die geschichtliche Entwicklung des Menschengeschlechts. Seit dem 1. Mai v. I. redigirt der Dr. Philippson eine „allgemeine Zeitung des Judenthums", welche im Verlage der Baumgärtnerschen Buchhandlung in Leipzig erscheint und dort auch gedruckt wird. In Nummer 88 dieser Zeitung ließ er mit Königlich Sächsischer Censurerlaubniß eine Aufforderung an die Israeliten Deutschlands abdrucken, um Subscriptionen — nicht aber Geldsendungen — zur Begründung einer jüdisch-theologischen Facultät und eines desgleichen Seminars zu erhalten. Zur Sammlung solcher Subscribenten durch die Aeltcsten der jüdischen Gemeinde zu Magdeburg ist ihm die Erlaubniß Seitens der dortigen Ortsbehörde unter dem 18. November v. I. ertheilt worden. Außerdem hat der Dr. Philippson seiner Angabe zufolge an die Aeltesten der jüdischen Gemeinde zu Hannover, deren Rabbiner Dr. Adle* und an die dortigen Israeliten Perez und Cohen das Gesuch um Förderung seines Projekts gerichtet. Bei der diesfälligen Unternehmung scheint übrigens den Dr. Philippson keine gewinnsüchtige Absicht sondern nur das Bestreben zu leiten, seine Glaubensgenoßen auf eine hsheve Stufe der Bildung zu heben und zunächst auf eine wissenschaftlichere Bildung ihrer Religions- und Schullehrer hinzuwirken. Seine Führung ist ohne Tadel. Sollte seine Unternehmung unter seinen Glaubensgenoßen durch Zusicherung hinreichender Geldbeiträge Unterstützung finden, so würden sich nach der diesfälligen Aeußerung des betreffenden inner« Königlichen Ministeriums die von ihm beabsichtigten Anstalten doch jedenfalls nicht einer diesseitigen Staats-Anstalt anschließen können, sondern als Privat-Einrichtungen bestehen mäßen, zu denen die Genehmigung des Staates einzuholen sehn würde." Das Ministerium des Innern gibt der Landdrostei Stade von dem Inhalte dieses Schreibens Kenntnis und schließt seinen Bericht mit den Worten: „Wir erachten hienach nicht für angemeßen, daß von dieser Sache dermalen weitere Kenntniß zu nehmen seh." Heinrich o. Weilt? Ein Nachtrag. ieser Artikel hat mit Heinrich v. Kleist eigentlich gar nichts zu tun. Daher der Titel. Aber er handelt von dessen intimstem Freunde und bespricht den Kreis jüdischer Gesellschaft in Berlin, den auch Kleist gekannt, und endlich verdanken wir auch diesen Beitrag zur Geschichte der Berliner Salons demselben ausgezeichneten Schriftsteller, dessen Kleist- Buch wir die ganze Anregung zu diesen Skizzen verdanke«. Schon vor längerer Zeit hat Dr. Siegmund Ra hm er in einem sehr interessanten Aufsatz: Goethe und Ernst v. Pfuel zwei Briefe des letzteren veröffentlicht, die in diesem Zusammenhänge sehr wertvoll sind. Ernst v. Pfuel, der spätere General und Staatsminister, war bekanntlich der intimste Freund Kleists. Im August des Jahres 1810 lernte er in Teplitz in Böhmen Goethe kennen. Den mächtigen Eindruck, den der Dichterfürst auf ihn machte, schilderte er in Briefen an seine Cousine, die Schriftstellerin Caroline de la Motte Fouque, in sehr anschaulicher Weise. Aber auch das ganze Milieu, in dem Goethe damals in Teplitz lebte, führt er uns in humoristischer Weise vor, und schließlich enthüllt er das Wesen und die Charaktereigentümlichkeit jener interessanten und vielfach bemerkenswerten Fvauen, die Goethe dort nahegestanden, und über die wir bisher nur mangelhaft unterrichtet waren. Pfuel war ein scharfer und kompetenter Beobachter, wie man aus den folgenden Briefen ersehen kann. Die Frauen sind uns aus dem Tagebuch Goethes wohlbekannt, zum Teil auch aus ihrer langjährigen Korrespondenz mÄ dem Dichterfürsten. Wir wissen, daß er während seines Karlsbader und während des sich unmittelbar anschließenden Teplitzer Aufenthalts seine Zeit fast ständig in der Gesellschaft der bekannten h In dem ersten Artikel heißt eS über den Fabrikanten Cohen: „... An dem Juden Cohen habe ich eine interessante Bekanntschaft gemacht, sowohl seinetwegen als wegen seines prächtigen Kabinets. .." Die Stelle muß aber tatsächlich heißen: „An dem Juden Cohen habe ich eine interessante Bekanntschaft gemacht, nicht sowohl seinetwillen, qls" usw.

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