Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1909)
- Date
- 1909-06-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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schaft regelmäßig zahlreiche Mitglieder und Nichtmitglieder als Zu- Hörer ein. Für die im Jahre 1908 von der Dr. M. Kirschstein^ Stiftung ausgeschriebene Preisaufgabe: „Die wesentlichen Unterschiede in der Beurteilung der Persönlichkeit und Wirksamkeit Davids und'' Salomos in H. Sam. Kap. 2 bis I. Könige Kap., 12 und in den Büchern der Chronik" sind zwei Arbeiten eingegangen. Es erhielt den Preis der Hörer Dr. Ernst Appel aus Karlsruhe. Für die von der Moses Mendelssohn-Stiftung für das Jahr 1908 ausgeschriebenen beiden Preisaufgaben zur Exegese des Buches Hiob sind Arbeiten nicht ein gegangen. Für das Jahr 1909 werden folgende Preisaufgaben gestellt: a) für die Kirsch stein-Stiftung: 1. Das Teilgeständnis nach talmudischem und rabbinischem Recht; 2. Komposition und Alter des Mclrasoli Echa rabbati. b) Für die Mendelssohn- Stiftung: Die Bezeichnung Minim in Talmud und Midrasch. Auch die von der Lazarus-Stiftung für die Jahre 1907 und 1908 ausgeschriebene Aufgabe „Die religionsphilosophischen Gedanken in den religiösen Dichtungen Jehuda Ha-Levis" hat keine Bearbeitung gefunden. Für die Jahre 1909 und 1910 wird für die Hörer der Lehranstalt folgende Aufgabe gestellt: „Der Gedanke der Auserwählung Israels in der talmudischen Literatur." Der Preis wurde aus den in den Vorjahren nicht verteilten Zinsen auf 1O00 Mark erhöht. Für den Preis des S. Maybaum-Fonds wurde als erste Preisfrage folgende Aufgabe gestellt: „Der jüdische Jugendgottesdienst nach Theorie und Praxis"; gewünscht wird ein Ueberblick über die Geschichte des Jugendgottesdienstes, eine kritische Erörterung der für ihn gebräuchlichen Liturgien und eine Darstellung der Theorie der Jugendgottesdienst-Predigt. Der Preis der Moritz Meyer-Stiftung ist im Berichtsjahre am 16. Februar, dem Todestage des seligen Stadtrats Moritz Meyer, auf Vorschlag des Lehrerkollegiums dem Hörer Dr. Hermann Löb aus Bruchsal zuerteilt worden. Das Vermögen der Anstalt wuchs von 715077.15 Mark auf 759007.61 Mark. p. Breslau, 18. Juni. Wie bereits berichtet, beginnen die" Ferienkurse in Religionswissenschaften am Sonntag den 4. Juli und dauern bis Freitag den 23. Juli. Es werden lesen: Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy: 1. Mischna: Sebachim, Kapitel 5 (sechs Vorlesungen), 2. Buch der Gesetze von Maimonives (sechs Vorlesungen); Dozent Dr. Brann: 3. Geschichte der deutschen Juden im 16. und 17. Jahrhundert (sechs Vorlesungen), 4. Pentateuch-Exegese (Patriarchen) (sechs Vorlesungen), 5. Methodik und Didaktik des systematischen Religionsunterrichts mit anschließenden Probelektionen (drei Vorlesungen); Dozent Dr. Horovitz: 6. Religionsphilosophie (Philo) (sechs Vorlesungen), 7. Midrasch mit homiletischen Uebungen (drei Vorlesungen); Rabbiner Dr. Deutsch: 8. Ritualien unter besonderer Berücksichtigung der hohen- Festtage (sechs Vorlesungen); Rabbiner Fabian: 9. Hebräische Grammatik: Allgemeine Einleitung, über das Verbum mit Uebungen (sechs Vorlesungen); Kapellmeister Elsner: 10) Musiktheorie (für Kantoren) in noch festzusetzenden Stunden. Der Kursus ist unentgeltlich und steht jüdischen Lehrern und Lehrerinnen allgemein frei. Auswärtigen Teilnehmern werden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventionen gewährt. Mit der Leitung des Kursus sind die Kollegen Prediger Karlsberg - Reichenbach i. Schl, und Hauptlehrer . Heymann, hier, betraut worden. — Neben der wissenschaftlichen Arbeit.sollen Annehmlichkeiten mannigfacher Art geboten werden. Die Nachmittage, die von Vorlesungen freigehalten sind, sollen besonders dazu benutzt werden, Breslaus Museen, gemeinnützige Institute, Sehenswürdigkeiten usw. unter sachverständiger Führung kennen zu lernen. Anmeldungen zur Teilnahme an dem Kursus sind baldigst an Lehrer Moops, Breslau, Ohlauer Straße 1 zu richten, der gern weitere Auskunft erteilt und den Teilnehmern Wohnung mit und ohne Beköstigung Nachweisen kann. Der Preis eines Zimmers mit Frühstück dürfte sich für einen dreiwöchentlichen Aufenthalt nicht höher als auf 25 Mark stellen. Der allgemeine Studienplan wird den sich meldenden Teilnehmern rechtzeitig zugesandt werden. Die Kommission, welche mit den Vorbereitungen zu dem Kursus betraut worden ist, wird sich freuen, wenn viele ihr Interesse für die Fortbildüngsbestrebungen der jüdischen Lehrerschaft durch rege Teilnahme an dem Kursus zum Ausdruck bringen wollten. Sohrait O.-S., 20. Juni. Ein hübsches Bild konfessioneller Eintracht läßt sich aus unserem Nachbarort Goldmannsdorf berichten: Als" ein jüdisches Ehepaar, das hier Jahrzehnte hindurch ansässig gewesen war, feinen Wohnsitz verlegte, verkündeten sowohl der dortige katholische Priester , als auch der zuständige evangelische Geistliche in der Kirche das ,Scheiden der jüdischen Mitbürger und rühmten von der Mnzel, herab das segensreiche Wirken des Ehepaares, das die Liebe und Dankbarkeit der ganzen Gemeinde sich verdient Hätte, und dessenWegzugjederalsfeineneigenenVerlust empfinde. Die katholischen „ wie dje evangelischen Gemeindemitglieder waren, wie es in einem uns vorliegenden Bericht heißt, zu Tränen gerührt. Dieses Beispiel mag denen vor Augen gehalten werden, die nach Beweisen dafür verlangen, wie Juden da. wo man sie kennt, und wo ihnen freie Wirksamkeit gestattet wird, gewertet werden. R. Wittenberg, 18. Juni. In unserer Stadt haben sich bekanntlich vor etwa'30 Jahren die ersten jüdischen Familien ansässig gemacht, und wechseln jetzt, wenn auch noch in seltenen Fällen die Familienfestlichkeiten. So feierte am Donnerstag den 10: Juni unser Mitbürger Herr Max Baumann sein 25jährigesGeschastsjubiläum und auch mit seiner Gattin im Kreise seiner Familie, Verwandten, Freunden und Bekannten die Silberhochzeit. Die Jubilare wurden nicht nur von ihnen Nahestehenden, auch von einem großen Teile der Mitbürger in sehr reichem Maße geehrt. Baumann, ein Süddeutscher aus dem fränkischen Städtchen Hammelburg gebürtig, und dessen Gattin, eine geborene Bendheim aus Halle a. S., erfreuen sich eines guten Rufes. Baumann, der in seiner soliden, schlichten Lebensweise bemüht ist, das Ansehen seiner Familie hochzuhalten, auch das geschäftliche Renommee in peinlichster Weise zu wahren wußte, betätigt sich auch in der uneigennützigsten Weise für die hiesige freie Religionsgemeinschaft. insofern an der Spitze stehend, daß er seit einer Reihe von Jahren dahin zu wirken verstand, daß unsere Jugend einen guten Religionsunterricht genießt, und an den Festtagen die Abhaltung eines würdigen Gottesdienstes in edelster Weise ins Leben rief. Er selbst aber steht der Hauptgemeinde Halle so nahe, daß er den geschäftlich erforderlichen Teil hier auch mit .erledigt. ä. Bad Elmen, 16. Juni. Von unserem lieblichen Badeorte gelangt nur selten etwas in die breite Oeffentlichkeit, trotzdem die jüdische Wohlfahrtspflege Berlins in der Fürsorge für die Jugend, hier im Mittelpunkte Preußens, zwei treffliche Heimstätten errichtet hat, wo jüdische Mildtätigkeit und Wohltätigkeit Sommer und Winter segensreich in aller Stille waltet. In der Jdastraße 3 befindet sich die Eugen und Amalie Rosenstiel-Stiftung, welche alljährlich 100 Ferienkindern der jüdischen Gemeinde Berlins von Mai bis zum September Erholung, Verpflegung und Kräftigung verschafft. Der Aufenthalt in hellen, luftigen Räumen, im schattigen Garten, in der freien, schönen Eottesnatur, die gute Verpflegung durch Fräulein Jda Cohn (Tante Jda), die schon über 20 Jahre ihres schweren Amtes waltet, die berühmten Soolbäder und die Spaziergänge am 2 Kilometer langen Gradierwerk bekommen den Großstadtkindern vorzüglich. Hier finden sie alle eine Stätte der Liebe, unter der sie sich entfallen zu einem blühenden, gesunden und heiteren Leben. Vis ä vis vom Gradierwerk erhebt sich seit einigen Jahren ein stattlicher, dem Orte zur Zierde gereichender Bau: Das Moritz Manheimersche Kindergenesungsheim, in welchem schwächliche, in der Rekonvaleszenz befindliche Kinder zu allen Jahreszeiten Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Hilfe erhalten. Der bekannte Philanthrop hat auch in seiner Geburtsstadt, dem benachbarten Gommern, eine Lungenheilanstalt ins Leben gerufen und so durch sein humanitäres Wirken sich den Dank unserer Heimatprovinz für alle Zeiten gesichert. In den lichtdurchfluteten Räumen des schönen und zweckmäßig eingerichteten Hauses, im großen Garten mit Spielplätzen und Turngeräten werden jährlich eine Anzahl Knaben und Mädchen unter Aufsicht der Oberin Fräulein I. Berg (Schwester des vor kurzem Heimgegangenen bekannten Schriftstellers Leo Berg) wieder der Gesundheit und dem schaffenslustigen Leben zugeführt. Blaß und schwach, oft von scheuem, unzugänglichem Wesen kommen die Kleinen hier an. Aber bald kommen sie zur Erkenntnis, daß sie hier unter Menschen weilen, die für sie besorgt sind, die sie pflegen, mit ihnen sscherzen und spielen, und beglückt atmen sie auf. Kaum sind die Kinder einige Wochen hier, so blicken sie mit leuchtenden, dankbaren Augen, mit rotwangigen, von Gesundheit zeugenden Gesichtern umher, und man freut sich, daß jüdische Wohltätigkeit hier