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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-25 · Heft 26 (25.6.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang Nr. 26. Berlin, 25. Juni 1909. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK KudentumK". SorrelponÄenHM und Oschrichtm. Deutschland.' s. Berlin, 18. Juni. Am 2. d. M. fand hier unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Cs wurden unter anderem Bewilligungen für Rußland,. Galizien, Rumänien, Bulgarien, die europäische und asiatische Türkei . vorgenommen. Besonders umfangreich waren die Bewilligungen für das Schulwerk in Palästina, dessen Gesamtbudget auf. der Tagesordnung stand. Die Subventionen für sämtliche palästinensischen Institute, die der Hilfsverein bisher unterstützte oder unterhielt, wurden erneuert und weitere Mittel für die Ausgestaltung und Ausdehnung des Schul- und Erziehungswerks zur Verfügung gestellt. Die Gesamtsumme der Bewilligungen betrug über 100 000 Mark. Es wurde bei dieser Gelegenheit die lebhafte Genugtuung seitens des geschäftsführenden.Ausschusses zum Ausdruck gebracht, daß die Grundsätze, nach denen der Hilfsverein der Deutschen Juden sein Schulwerk von Anfang an organisiert hat, sich nach jeder Richtung hin bestens bewährt haben und gerade unter den neuen Verhältnissen in der Türkei besonders fruchtbringend zur Geltung kommen. Das Schulwerk des Hilfsvereins im Orient hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens aufs erfreulichste entwickelt. Von den Sympathien weitester Kreise getragen, ist es überraschend schnell im Orient populär geworden, und es wird allgemein tief beklagt, daß der Hilfsverein seine Tätigkeit nicht bereits früher ausgenommen habe. Das, Schulwerk de? Hilfsvereins ist in den verschiedenen Ländern nach den Anschauungen und Bedürfnissen der Bevölkerung organisiert, der es dienen soll. Der Hilfsverein vermittelt überall, ohne in die Freiheit der Ueberzeugung und das Recht der Selbstbestimmung einzugreifen, die religiösen und kulturellen Werte, die im Einklang stehen mit den lebendigen starken Kräften und Bedürfnissen im dortigen Judentum. An allen Anstalten des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Orient, von den Kindergärten bis zu dem Lehrerseminar in Jerusalem, ist das leitende Prinzip des Unterrichts, die Erziehung zur Liebe zur Heimat und zum Judentum. Deshalb ist außer den Realien dem Studium der Landessprachen ein Hauptplatz eingeräumt, ohne daß darüber die Vermittlung von Kultursprachen, die erforderlich sind, vernachlässigt wird. Das Hebräische, das im Orient in Schule und Haus immer mehr das einheitliche Verständigungsmittel zwischen den vielsprachigen jüdischen Elementen bildet, ist im Schulprogramm des Hilfsvereins nach dem Maße seiner Bedeutung für das praktische Leben wie für pädagogische Zwecke gleichfalls von vornherein entsprechend berücksichtigt worden. Das Ziel des Hilfsvereins, den Juden die Bildung in Realien Und Sprachen zu geben, die sie zur vollen Teilnahme am wirtschaftlichen und öffentlichen Leben in der Türkei befähigt, gewinnt eine erhöhte Berechtigung und Bedeutung in der gegenwärtigen Zeit, wo eine Regeneration des Landes von ungeahnter Tragweite in die Nähe gerückt ist. Der beste Beweis, daß die Grundlagen seines Schulwerks den Bedürfnissen und Wünschen der einheimischen Bevölkerung entsprechen, sind die zahlreichen dringenden Anträge, die zur Reorganisation und Begründuyg von Schul- und Erziehungsanstalten nach dem Muster der bestehenden an den Hilfsverein gelangen und denen er nach Maßgabe der ihm zufließenden Mittel Folge geben wird. Um die Möglichkeiten und Chancen der Beteiligung der Juden an der Erschließung des Orients in neuer Richtung -zu vermehren, hat der Hilfsverein der Deutschen Juden die Initiative zu der Begründung des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Haifa ergriffen, des ersten seiner Art, das jetzt bereits seiner baldigen Realisierung entgegengeht. Es wurden ferner Institute in Deutschlandderen Wirksamkeit sich auf das. Gebiet des Auswanderungswesens erstrecken, subventioniert. .An der Gründung der Simon- Stiftung Hannover, der-Land- und Lehrgut-Gesellschaft in Hannover, die voraussichtlich wertvolle Dienste auch in dieser Hinsicht leisten wird, beteiligte sich der Hilfsverein mit einer Summe von 5000 Mark. Es wurde schließlich in der Sitzung mit Befriedigung begrüßt, daß die Konferenz, die der Hilfsverein der Deutschen Juden in Königsberg einberufen hatte und in der, außer Vertretern des Berliner Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Delegierte seiner Grenzkomitees und Vertreter der Jnformationsbureaus der Jewisli Colonisation Association in Rußland teilgenommen haben, einen weiteren Schritt vorwärts in der Richtung der planvollen und zweckmäßigen Regulierung der Auswanderung, insbesondere schon durch organisatorische Maßnahmen in Rußland geführt habe. s. Berlin, 21. Juni. Der Verband der Deutschen Juden hat neuerdings eine Reihe von bedeutsamen Arbeiten teilweise schon ausgeführt, und teilweise ist er noch in der Ausführung derselben begriffen. Das „Korrespondenzblatt" verzeichnet dieselben: Weitere Erhebungen über die Paßverhältnisse im Verkehr mit Rußland werden angestellt. Das Material ist einem Abgeordneten des Reichstages unterbreitet. Ueber die Zurücksetzung der Juden bei Berufung zu Schöffen und Geschworenen werden fortgesetzt Berichte erfordert und in geeigneten Fällen Beschwerde erhoben. Ueber die Lage der Juden in den Ostmarken finden fortgesetzt Ermittlungen statt, welche demnächst ihren Abschluß finden werden. Die Ergebnisse der Militärumfrage werden den Parteien des Reichstages mitgeteilt werden. Ihrer Besprechung am 19. März d. I. werden weitere Ermittlungen folgen. Der Verband überreichte eine Denkschrift, durch welche der Kultusminister in Preußen angeregt wird, Staatszuschüsse an leistungsschwache Synagogengemeinden zur Verbesserung der Gehälter der Rabbiner und Kultusbeamten und der Versorgung der Hinterbliebenen derselben in den Etat einzustellen. Beim Zusammentritt des Landtages erneuerte der Verband diese Anregung durch eine Eingabe an das preußische Abgeordnetenhaus. Für die Besprechung im Abgeordnetenhause, welche am 12. Februar 1909 stattfand, unterbreitete der Verband den verschiedenen Parteien einschlägiges Material. Ueber die Stellung der Juden im höheren Schuldienst und im höheren Eisenbahndienst finden Erhebungen statt. s. Berlin, 21. Juni. Von den „Mitteilungen des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" ist soeben Nummer 73 erschienen. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit dem 11. Deutsch-Jsraelitischeu Gemeindetag und bringt die Präsenzliste, das Protokoll, ferner die Präsenzliste und das Protokoll des Verbandstages, endlich die Rechnungsablage für 1908/09, Die in Zahlen ein klares Bild der weitausgebreiteten und fast über alle Zweige des jüdischen Gemeindelebens in Deutschland sich erstreckenden gedeihlichen Tätigkeit des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes geben. 8. Berlin, 20. Juni. Der Jahresbericht des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums für 1908 ist erschienen. Seit dem Wintersemester ist Rabbiner Dr. Hochfeld in den Lehrkörper eingetreten und hat es übernommen, über Methodik des jüdischen Religionsunterrichts Vorlesungen und Uebungen zu halten. Die Erweiterung der Vorbereitungskurse im Hebräischen, die dazu bestimmt sind, die neu eintretenden Hörer in das Studium des biblischen und rabbinischen Schrifttums einzuführen, hat sich gut bewährt. Die Zahl der Unterrichtsstunden in diesen Kursen, an denen sich künftig die Dozenten beteiligen werden, sollen weiter erhöht werden. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug im Wintersemester 39 (31 Deutsche, 3 Ausländer — 6 aus Öesterreich-Ungarn, 2 aus Rußland). Dazu kommen an Hospitanten im Wintersemester 10 (6 aus Deutschland, 2 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus Rußland). In Zukunft wird in jedem Wintersemester wenigstens eine Vorlesung veranstaltet werden, die auch für weitere Kreise von Interesse ist. Zunächst ist eine wöchentliche Abendvorlesung geplant. Der erste Versuch im Wintersemester 1908/09 war von Erfolg begleitet. Dozent Dr. Elbogen laS einmal wöchentlich über: „Die Juden im 19. Jahrhundert". Erfreulicherweise fanden sich hierzu außer der Hörer-

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