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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-18 · Heft 25 (18.6.1909) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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daß sie weiter mit ihm befreundet und regelmäßige Geldunterstützungen von ihm erhalten hat. Varnhagen erwähnt ihrer in wehmütiger Stimmung noch kurz vor seinem Tode in seinem Tagebuch, da er den „Wilhelm Meister", welchen sie ihm zuerst geschenkt, zur Hand nimmt. In ihrem Hause hatte er ja Rahel kennengelernt, und nicht bloß die jungen Dichter, die ich hier genannt, sondern auch Staatsmänner und Philosophen verkehrten dort freundschaftlich. Besonders oft ist von Fichte die Rede, der, wie man weiß, später ein großer Judenhasser wurde, und als ein Universalrezept für die Lösung der Judenfrage den Vorschlag machte, sämtlichen Juden die Köpfe abzuschlagen. Ferner verkehrten dort der schwedische Gesandte v. Brinkmann, Gras Alexander zur Lippe, E. v. Brockes und andere. Es ist schade, daß wir über das Haus Cohen nicht mehr wissen. Hoffentlich läßt es sich der gelehrte Leiter unserer Gemeindebibliothek, die jetzt auch die Schatze des Landshutschen Nachlasses birgt, Herr Dr. M. Stern, angelegen sein, uns aus diesen näheres, wenigstens die historischen Daten über das Haus Cohen mitzuteilen. * - Die schöne geistige Anregung, die Kleist in diesen Kreisen empfangen hatte, darf nicht unterschätzt werden. Daß er besonders mit Rahel viel verkehrte, ist bekannt. Alles spricht dafür, daß die ersten Anregungen, sich mit Goethe zu beschäftigen, für Kleist von hier ausgegangen sind. Es ist charakteristisch für den Einfluß der Rahel auf Kleist, „daß auch seine nächsten Freunde, soweit sie zu ihr in intimer Berührung standen, glühende Verehrer Goethes waren." Sie war es auch, die Kleists Bedeutung zuerst ausgesprochen hat; sie stimmte nach seinem Tode durchaus nicht mit ein in die verdammenden uyd lästernden Urteile der Welt, sondern sie erwog mit milder, verstehender Seele sein bitteres kummervolles Los und empfahl den Unglücklichen der himmlischen Güte, während selbst seine besten Freunde damals noch Bedenken trugen, mit einem Worte für ihn öffentlich einzutreten. Das soll der kleinen Frau mit der großen Seele unvergessen sein. G. K. Lonlerostioe Wissknlchskt des Judentums. D Von Dr. Simon Bernfeld. ie „Jüdisch-Literarische Gesellschaft" in Frankfurt a. M. befaßt sich seit ihrer Gründung mit der Förderung der Wissenschaft des Judentums in konservativer Richtung. Man wird bei objektiver Beurteilung ihr Wirken als ersprießlich bezeichnen können, selbst wenn man auf einem anderen Standpunkt steht. Soweit mir bekannt ist, hat die Gesellschaft bisher das umfangreiche Werk von I. Halevy (vorot harischonim) herausgegeben; außerdem erscheint jährlich ein Sammelband, der wertvolle Abhandlungen über verschiedene Zweige der Wissenschaft des Judentums bringt. Auch der fünfte Jahrgang (1907/08), der mir vorliegt, enthält eine Fülle solcher Aussätze, von denen ich aber, um den üblichen Raum einer Besprechung nicht zu überschreiten, nur wenige ausführlich behandeln kann. 1. „Zu den neuen Papyrusfunden in Elephantine" betitelt sich eine Abhandlung von I. Barth. Es handelt sich um die bekannten geschichtlichen Dokumente aus dem Ende des fünften vorchristlichen Jahrhunderts, deren Auffindung mit' Recht so großes Aufsehen erregt hat. Barth ist sehr zurückhaltend und vorsichtig bei der Bemessung ihres Wertes. Er begnügt sich, darauf hinzuweisen, daß die Geschichtlichkeit der diplomatischen Urkunden im Buche Esra, die früher angezweifelt wurde (von Wellhausen sogar noch im Jahre 1907!), durch die aufgesundenen Papyri nunmehr bewiesen sei. Damit ist aber die Bedeutung des Fundes noch lange nicht erschöpft. Auf zwei wichtige Punkte möchte ich hier ergänzend aufmerksam machen. Jvsephus (Altert. XI, 7/1) berichtet von einem traurigen Vorfall in Jerusalem, der sich während. der Regierungszeit des Artaxerxes II. (so richtig Rufinus: alterius Artaxerxis) ereignete, worauf der persische Statthalter (strategos, in diesem Sinne von Josephus häufig gebraucht) Bagoas die Juden Hart bestrafte. Noch im Jahre 1907 bezeichnte Wellhausen (Geschichte S. 188) diese Erzählung als eine „lose Anekdote zweifelhafter Herkunft" und wollte das ganze nach Willrich als eine Dichtung aus späterer Zeit verstehen. Nun, den persischen Statthalter Bagoas aus der Regierungszeit Darius II. haben wir aus dem Papyrusfund kennengelernt. Artaxerxes II. war der Nachfolger jenes Darius, und Bagoas blieb zweifellos auch nach dem Tode dieses Königs in seinem Amt. Wir haben es also gewiß nicht mit einer „losen Anekdote zweifelhafter Herkunft" zu tun. Viel wichtiger ist. ein anderer Punkt. Willrich, dessen Buch „Juden und Griechen vor der makkabäischen Erhebung" in gewissen Kreisen nahezu kanonisches Ansehen genießt, erklärt positiv (S. 36.): „Zur Zeit des Philadelphia war eine Diaspora von Juden in Aegypten vielleicht überhaupt noch nicht vorhanden; jedenfalls war sie sehr unbedeutend." Jeden gegenteiligen Bericht erklärt er (S. 31) für „einen groben Schwindel", und Wellhausen (S. 232) folgt ihm darin. Aristeas (13 und 35) weiß von älteren zahlreichen Ansiedlungen der Juden in Aegypten und von jüdischen Hilfstruppen im Feldzuge Psammetichs II. (594—589) nach Aethiopien. Das ist nach der Ansicht Willrichs und seiner Nachbeter eitel Phantasiestück und Fälschung „jüdischer Schwindler". Nun haben wir Nachricht von einem jüdischen Gemeinwesen mit Heiligtum in Elephantine, und zweifellos bezieht sich darauf die Angabe des Jesaja (XIX, 18 und 19), wo von fünf Städten in Süd- Aegypten die Rede ist, deren Bewohner die „Sprache Kanaans",, das heißt aramäisch sprechen. Gerade aus der Gegend von Elephantine, an der Grenze von Oberägypten und Aethiopien, haben wir die berühmte Söldnerinschrift bei Abu-Simbel, deren griechischer Text besagt, daß bei der Ankunft des Königs Psammetich nach Elephantine drei Heeresabteilungen kamen, die Griechen, die-AegYPter und „Anderssprachige". In der Nähe des griechischenDextes stehen mehrere Namen in griechischer Schrift und viele andere in althebräischer Schrift. Die Angabe des Aristeas erhält dadurch ihre Bestätigung, und die frühe zahlreiche Ansiedlung von Juden in Aegypten ist eine geschichtliche Tatsache. 2. lieber dieZeit des Hohenpriesters Simon des Gerechten und des Josua Ben-Sira handelt eine Studie von I. Bon di in Mainz nach den Untersuchungen Halevys. In aller Kürze will ich hier die Frage umgrenzen. In den talmudischen Quellen wird der Hohepriester Simon I. als der Gerechte bezeichnet und zum Zeitgenossen Alexanders des Großen gemacht, mit welchem er vor Jerusalem im Jahre 332 vor Chr. zusammengekommen sein soll. Josephus nennt ebenfalls Simon I. den Gerechten, läßt aber Alexander mit dem Hohenpriester Jaddua, dem Großvater Simons, Zusammentreffen. Ein Hohepriester Simon II. ist uns aus Josephus (Altertümer XII, 4, 10 und 11) -bekannt, und. Ben-Sira (50, 1—24) verherrlicht in schwungvollen Versen den Hohenpriester Simon den Jochanan. Es ist nun eine ganze Literatur über die Frage vorhanden, zu welcher Zeit die beiden Hohenpriester gleichen Namens gelebt haben, und welchen von ihnen Ben-Sira verherrlicht. Krochmal, A

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