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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-18 · Heft 25 (18.6.1909) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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Depeschen aus, Rußland,. Jerusalem üsw. erhält, worin 'er, örsucht wird, die schwere Not seiner daselbst lebenden Glaubensgenossen so -schnell als. möglich lindern zu helfen.. Dies tut nun auch Dr. Adler mit Hilfe des englischen Auswärtigen. Amtes,- 'denn er ist eine persona grata am englischen Hofe sowohl als auch in vetschiedenen anderen hohen Kreisen der englischen Aristokratie. Adlers Predigten und Gelegenheitsreden sindimmer gediegen und höchst interessant, und eine ausgewählte Sammlung derselben' ist soeben im Druck erschienen. Freilich sind diese in klassischer englischer Sprache abgefaßt, aber er predigt zuweilen auch im Jargon, und zwar geschieht dies, wennsein Auditorium meist aus Immigranten besteht, die das Englische nicht verstehen. Einmal im Jahre diskutiert er in einer im Osten vom London gelegenen Synagoge über irgendein schwer scheinendes talmudisches Thema, und bewirkt oft ein befriedigendes, zustimmendes Lächeln von seiten graubärtiger „Lawdonim", die bei der Diskussion zugegen sind. Es würde'mich zu weit führen, wollte ich in diesem kurz sein sollenden Briefe noch weitere Einzelheiten über Dr. Adlers geistiges Tun und Schaffen hinzufügen. Ich will jedoch zum Schluffe noch bemerken, daß Dr. Adler auf der Rednerbühne und im Privatumgang zuweilen auch sehr witzig und sarkastisch ist. Eines seiner jeux 6'esprit ist folgendes. Er stand auf freundschaftlichem Fuße mit dem verstorbenen Kardinal Manning, und als dieser ihn einst fragte, wann er mit ihm dinieren würde, erhielt er zur Antwort: „Sobald Sie sich verheiratet haben". — Eine kurze Notiz über das Ableben des Rev. Prof. Dr. Marks, der seit 1840 Prediger der hiesigen Reformgemeinde war, ist bereits in diesen Blättern erschienen. Da der Verblichene aber eine seltene Erscheinung im englischen Judentum war, so dürften vielleicht folgende kurze Bemerkungen über ihn für manche Leser von einigem Interesse sein. Pros. Marks hat schon in frühester Jugend seine Eltern verloren, und, obschon arm und mittellos, erwarb er sich nach und nach auf privatem Wege ein jüdisch-theologisches und allgemeines Wissen, das ihn fähig machte, das Amt eines Predigers der ersten englischen Reformgemeinde zu übernehmen. Dieses -bekleidete er mit Würde und zur großen Zufriedenheit aller seiner Gemeindemitglieder etwa 70 Jahre lang! Als das Londoner Ilm versitz College vor vielen Jahren eröffnet wurde, zu dessen Gründung der verstorbene Sir Jsaac Goldshmid große Geldsummen beigesteuert hatte, erhielt Rev. Mr. Marks, auf des letzteren Empfehlung die Stelle -als Professor des Hebräischen an jenem Kolleg. Zu seinen Schülern zählte er einen Kardirtal und verschiedene hohe Würdenträger derenglischen Kirche, mit denen er freundschaftlich verkehrte. Im Hause des Sir Jsaac Goldshmid, r der ein eifriges Mitglied der hiesigen Reformgemeinde war, kam Prof. Marks mit hochgestellten Aristokraten, Dichtern und Künstlern in nahe Berührung. Da war es auch, wo er zuweilen Louis Napoleon traf, als dieser als Exulant in England lebte. Prof. Marks wiederholte oft die Bemerkung, die Jsaac d^Jsraeli ihm gegenüber machte, als dieser dem ersten Gottesdienst, der mit Orgelbegleitung war, beiwohnte. Er sagte nämlich, daß, wenn eine solche Synagoge und ein solcher Gottesdienst einige Jahre zuvor in London existiert hätten, sowohl er selbstals auch die Mitglieder seiner Familie dem Judentume nicht den Rücken gekehrt hätten! Das Aüdenken des ausgezeichneten Mannes wird in der GeWchte der englischen Juden fortleben. Lin neues Such kür Mütter? Von Regina Neisfer. „Kommt, laßt uns unfern Kindern leben." Friedrich Fröbel. ine sehr vornehme, sehr geistvolle und sehr gütige Frau, hat einst vor Jahren eine mir nahestehende katholische Schriftstellerin, auf die diese Prädikate ebenfalls Anwendung finden können, die Altmeisterin der deutschen Frauenbewegung, Frau Dr. Henriette Goldschmidt, Leipzig, genannt, die in frischer Jügendkraft den deutschen Müttern, und nicht zuletzt denen jüdischen Glaubens, soeben mit dem vorliegenden Buche einen kostbaren Haüsschatz beschert hat. ' Die verehrungswürdige Frau hat als eine der Berufensten auf dem Gebiete der Kindererziehung wie dem der Vorbereitung der erwachsenen weiblichen Jugend für die künftige Aufgabe als Erzieherin und Bildnerin einer neuen Generation, ob als Mutter, Lehrerin oder Kindergärtnerin, ihre Erfahrungen in diesem Werke niedergelegt. Seit vier. Jahrzehnten ist ihr die Vertiefung in die Erziehungslehre des großen Kinder- und Menschenfreundes Friedrich Fröbel Lebensarbeit, und kaum jemals vorher hat der Meister so volles Verständnis für diese bei einer Frau gefunden, wie bei ihr, die als seine Jüngerin in Wort und Schrift zu deren begeisterter Verkünderin geworden ist und sie weiteren Kreisen erschlossen hat- Der Kinderfreund Fröbel ist der großen Menge bei weitem mehr bekannt als der Pädagoge in seiner ganzen Bedeutung. In dem von ihr 1871 ins Leben gerufenen Verein für Familien- und Volkserziehung in Leipzig hat Frau Dr. Goldschmidt als dessen Vorsitzende mit den unter ihrer Aegide geschaffenen Institutionen, Volkskindergärten, Kindergärtnerinnen- Seminar und dem 1878 von ihr begründeten Dameu-Lyzeum ihrem großen Vorbilde ein würdiges, dauerndes Denkmal errichtet. Die Verfasserin zeigt uns in ihrer Schrift, daß Fröbels Lehre einen Kulturfortschritt in der menschlichen Entwicklung. bedeutet; sie hat vor allem auch den hohen Wert der Fröbelschen Erziehungslehre für die erwachsene weibliche Jugend, die künftigen Mütter, erkannt. Fröbel' hat die weitgehendsten Forderungen in Rücksicht auf die Stellung der Frauen aus- "gesprochen, indem er sagte: „Es ist das Charakteristische der Zeit, das weibliche Geschlecht seiner instinktiven, passiven Tätigkeit zu entheben und es von seinem Wesen aus und um seiner Menschheit pflegenden Bestimmung willen, zu ganz gleicher Höhe wie das menschliche Geschlecht zu erheben." Wir.sehen, daß Zweck und Ziel von Fröbels Erziehungslehre, wie man vielfach noch heute anzunehmen geneigt ist, nicht in Spiel und Beschäftigung der Kinder gipfeln, sondern daß er sich vorzugsweise an die Mütter wendet. Schon 1883 hat Frau Dr. Goldschmidt bei der Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins in Breslau mit einem meisterhaften Vortrage: „Der Erziehungsberuf der Frau und die Berufsbildung der Mädchen" die höchste Bewunderung hervorgerufen. Und nun schreibt sie: „Man braucht nicht polemisch gestimmi zu sein, um zu finden, daß die Bildungselemente, die namentlich an die erwachsene weibliche Jugend herangebracht werden,. nicht das Auge schärfen, um dem Instinkt zu Hilfe zu kommen, vielmehr wird er, da er nicht zu verwischen ist, einfach sich selbst überlassen. Die bisherige Ausbildung der Mädchen, hat alles andere eher zum Zweck, als den Naturberus des Weibes zu - 3) Was ich von Fröbel lernte und lehrte:. Versuch einer kulturgeschichtlichen Begründung der Fröbelschen Erziehungslehre. .Herausgegeben von Henriette Goldschmidk. Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H., Leipzig 1909.. - - ...

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