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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-18 · Heft 25 (18.6.1909) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 25 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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auch allen anderen, die an der Leitung des Verbandes mitbeteiligt sind, ein Ansporn sein, auf dem bisherigen Wege in der Tätigkeit unseres Verbandes weiter fortzuschreiten. Die Wirksamkeit des Verbandes im vergangenen Jahre wurde an der Hand des vorher veröffentlichten Berichtes besprochen. Es zeigte sich dabei, daß auch bei unseren Gemeinden die neuen Bestrebungen unseres Verbandes immer größere Anerkennung finden und den Intentionen des Ver- .bandes jetzt überall gern entsprochen wird. Für eine Reihe neuer Gemeinden und Schulverbände wurden Beihilfen zur Anstellung seminaristischer Lehrer zugesagt. — Der Bericht über die Inspektion der Religionsschulen, den Rabbiner Dr. Vogelstein- Königsberg erstattete, zeigte sich etwas günstiger wie im Vorjahre. Es wurde beschlossen, für die Ausschußmitglieder ausführliche Berichte über die Schulinspektion in den einzelnen Gemeinden fortan schon vor dem Verbandstage Herstellen zu lassen, um eine eingehende Besprechung darüber in der Ausschußsitzung zu ermöglichen. Die erstatteten Berichts sollen in geeigneter Form den Gemeindevorständen und dem Lehrer mitgeteilt werden. — Die vom Ausschuß vorbereiteten Äenderungen der Verbandsstatuten wurden von der Versammlung beschlossen. Insbesondere wurde auch bestimmt, daß in den Berbandsausschuß stets ein Rabbiner und ein Lehrer der Provinz zu wählen sin^. — Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete das Referat des Amtsgerichtsrats Blumenfeld-Jnsterburg „Ueber den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Verfassung der jüdischen Religionsgesellschaften in Preußen". Die hervorragende, warmherzige Darstellung der Sache, die zugleich einen Bericht über die Verhandlungen des Gemeindetages zu Berlin enthielt, wurde mit großem Beifall ausgenommen. Die Versammlung beschloß, das Referat drucken zu lassen und es den Provinzial-Gemeinden als Unterlage für eine Besprechung in ihrem Kreise zuzustellen. Es wurde ferner einstimmig folgende Resolution angenommen: «Die zum 25. Verbandstage der Synagogengemeinden Ostpreußens zahlreich versammelten Vertreter der Gemeinden erklären nach einem eingehenden Referat des Herrn Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg den von der Kommission des Verbandes der Deutschen Juden und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ausgearbeiteten Entwurf als eine brauchbare Grundlage für ein zu erlassendes Organisationsgesetz; müssen jedoch mit Entschiedenheit verlangen, daß durch die zu schaffenden Gesamtverbände die Selbständigkeit und das Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Gemeinden nicht über das unbedingt nötige Maß hinaus angetastet werden. Der Verbandstag spricht zugleich dem Ausschuß des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes für seine hingebende Arbeit im Interesse des Gesamtjudentums den wärmsten Dank aus." Zur eingehenden Beratung über den Gegenstand wurde eine Kommission eingesetzt, bestehend aus den Herren: Sanitätsrat Dr. Kamnitzer-Allenstein, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg, Stadtrat Otto Eichelbaum-Insterburg, Justizrat Holz-Königsberg, Stadtrat Jacoby-Osterode, Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg, Kaufmann Petzall-Friedland, Rabbiner Dr. Olitzki-Allenstein, Di*, med. Rosenkranz-Tilsit, Maurermeister Schwärz-Guttstadt. Dieser Kommission sollen auch die Anträge und Anregungen der Einzelgemeinden der Provinz zur weiteren Behandlung übermittelt werden. — Bei der Besprechung allgemeiner Gemeindeangelegenheiten wurde. der Wunsch ausgesprochen, daß auch Wanderrabbiner zu gelegentlichen Reden an Sabbaten und Festtagen für die kleineren Gemeinden beschafft werden möchten. ’ Der Ausschuß wird diesem Wunsche nachzukommen suchen. Es wurde dabei auch bemerkt, daß die seminaristischen Lehrer auch vieb fach religiöse Ansprachen zu halten vermögen. Der Verbandsausschuß wurde für das- Verwaltungsjahr 1909/10 durch Wahl wie folgt gebildet: Sanitätsrat Dr. Kamnitzer-AÜenstein, Vorsitzender; Justizrat Holz- Königsberg und Rechtsanwalt Wistinetzki-Allenstein, stellvertretende Vorsitzende; Kaufmann Hermann Jaeoby-Allenstein, Kassierer; Kommerzienrat Alexander-Memel, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg, Kaufmann B. Breslau-Tilsit, Stadtrat Professor Dr. Lassar- Cohn-Königsberg, Stadtrat Otto Eichelbaum-Jnsterburg, Kaufmann B. Holz-Insterburg/ Stadtrat Jacoby-Osckrode, Kaufmann Ed. äfacofclj« Rastenburg, Kaufmann Jacobsberg-Zinten, Kaufmann Julius Lazar» Königsberg, Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg, Dr. med. Rosenkranz-Tilsit und Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg. Zu Mitgliedern der Schulkommission wurden wiedergewählt; Justizrat Holz, Vorsitzender; Rabbiner Dr. Vogelstein und Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg; als weitere Mitglieder Stadtrat Otto Eichelbaum und Obersekretär Klein. Auch die Zusammensetzung der übrigen Kommissionen blieb dieselbe. — An den Verbandstag schloß sich die Generalversammlung der Pensionskasse der jüdischen Religionslehrer und Kultusbeamten in Ostpreußen. Die Versammlung wurde von. dem Vorsitzenden der Pensionskasse, Amtsgerichtsrat BlumenfeldJnsterburg, geleitet. Waisenhausinspektor Peritz erstattete den Kassenbericht. Das Vermögen der Kasse, die jetzt acht Jahre besteht, ist im vergangenen Jahre auf 71100 Mark gestiegen. Die Gesamteinnahmen im vergangenen Jahre betrugen 12 866 Mark, davon allein aus Pflichtbeiträgen der Gemeinden und Beamten 5100 Mark. Die Gesamtausgaben beliefen sich aus 2800 Mark, so daß ein Ueberschuß von rund 10 000 Mark verblieb. Zurzeit hat die Kasse zwei Ruhegehälter und vier Witwenpensionen zu zahlen. Im ganzen gehören der Kasse 41 Gemeinden mit 43 Beamten als ordentliche Mitglieder an. Die Kasse hat die Absicht, auch eine Alterszulagenkasse an ihre Organisation anzugliedern, der ein Teil ihrer freiwilligen Beiträge zufließen soll. Der Referent erbat speziell für diesen letzten Zweck um größere Zuwendungen. — Auch das Alters- und Siechenhaus des Verbandes hielt im Anschluß an den Verbandstag seine Generalversammlung ab. Den Kassenbericht erstattete Herr Kaufmann Wohthaler-Allensteiu. Es wurden einige Statutenänderungen beschlossen und die Wahlen vollzogen. Das Altersheim hat im vergangenen Jahre eine Schenkung von 24 000 Mark von den Gebrüdern Krause-Berlin erhalten. Es sind zurzeit elf Stellen in dem Hause eingerichtet. — Um 4Vs Uhr wurde die Generalversammlung des Altersheims und damit der 25. Verbandstag der oftpreußischen Synagogengemeinden geschlossen. Lriek aus London. Von Dr. I. Eh otzner. ine der interessantesten Persönlichkeiten unter den Millionen von Juden, die in fast allen Weltgegenden lebenist unstreitig der, Chief Rabbi Dr. Herrmann Adler, der am. 30. v. M. seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Im Jahre 1839 in Hannover geboren, kam, er einige Jahre später nach London, wo sein Vater, Dr. Nathan Adler, den Posten als Chief liahdi übernommen hatte. Unter Aufsicht des letzteren erwarb sich der junge Adler ein ausgedehntes Wissen in jüdischreligiösen und allgemeinen Gegenständen, und Me§; tat er nicht allein in England,. sondern auch im Auslande, wie, zum Beispiel in Prag, wo er während einiger Zeit Rapaports Schüler war. . , . Adler begann seine -Tätigkeit - als jüdischer Prediger in? Jahre 1860, und etwa, zwanzig .Jahre später übernahm er provisorisch die rabbinischen Pflichten seines Vaters, als dieser infolge von Altersschwäche: sie nicht , mehr gehörig versehen konnte. - Nach dessen Ableben .im. Jahre 1891 wurde er als Würdiger Nachfolger zum!Chief kabd!-.- erwählt... .seitdem haben sich die Pflichten seines Amtes hundertfach vergrößertdenn zahlreiche neue jüdische Gemeinden haben sich ngch.und nach in allen., Teilen? des britischen Weltreiches gebildet-: die' fast alle unter seiner Jurisdiktion stehen, .und es ist daher stelbstverständlich, daß seine Tagesstunden jahraus, jahrein mit keineswegs leichten Arbeiten^ ausgefüllt, find. Ja, es geschieht nicht selten, daß, wenn er in später Abendstunde die wohlverdiente Ruhe im Kreise der < Seinigen genießen will, er

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