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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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einem verwaltungspolitischen und einem verwaltungstechnischen Teil bestehen. In dieser Woche solle bereits ein Modell eines solchen Blattes dem Gemeindevorstand vorgelegt werden, und unmittelbar nach den Sommerferien werde der Gemeindevorstand mit einem entsprechenden Anträge an die Repräsentanten herantreten. Eine weitere Diskussion schloß sich an diese Interpellation nicht an. — In den Vorstand der Albert Guttmann-Stiftung wurde seitens der Repräsentanz Herr Geheimrat Senator abgeordnet; an Stelle des Justizrats Dr. Lachmann ist seitenß des Gemeindevorstandes Herr Kommerzienrat Eisner in den Vorstand dieser Stiftung entsandt worden. Nach Techargierung des Rechnungsabschlusses der Armenkommission über die Beschaffung von Mazzoth für Arme, über die Passahbeköstigung der in hiesiger. Garnison dienenden jüdischen Soldaten (es hatten sich nur fünf Soldaten dazu gemeldet), über die Speisung der in hiesigen Gefängnissen befindlichen Glaubensgenossen während des Passahfestes, wurde debattelos die Bewilligung ausgesprochen der Ausgaben zur Herstellung einer polizeilich geforderten Verbindungstür in der Synagoge Kaiserstraße, zwecks Aenderung der elektrischen Beleuchtungsanlage der alten Synagoge, eines Beitrages zu den Kosten für die Verpflegung der Gefangenen im Zentralgefängnis zu Kottbus während des Passahfestes, für den privatim zu erteilenden Religionsunterricht des Knaben Julius Israel und zur Anschaffung eines fünften Leichenwagens. Mit der Erhöhung der Kur- und Verpflegungskosten — für hiesige Kranke auf 3.00 Mark, für auswärtige auf 3.50 Mark — im jüdischen Krankenhause erklärte sich die Versammlung einverstanden. — Die Vorlage betreffs Einrichtung von Seminarkursen für Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums wurde auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung mit Rücksicht auf die Abwesenheit des Herrn Justizrats Dr. Veit Simon gesetzt, welcher einen geharnischten Protest gegen die Vorlage eingereicht hat. Der Referent Prof. Blaschke bezeichnet diesen Protest als ungerecht, er kann in der Vorlage keinen Affront gegen die Lehranstalt sehen, wie dies Justizrat Dr. Simon tut; denn in der letzteren handelt es sich nur um die theoretische Ausbildung der Hörer, nicht aber um die straffe praktische Durchbildung, wie sie der Schul- und Talmud-Torah-Vorstand in der jetzigen Vorlage haben möchte. Die Vorlage solle jedenfalls nochmals im Ausschuß III vorberaten werden, bevor dem Anträge des Gemeindevorstandes. 600 Mark zu den Kosten der Ausbildung zu bewilligen, stattgegeben werden soll. Eeheimrat Geiger, der ebenfalls im Ausschuß gegen die Vorlage gestimmt hat, ist der Ansicht, daß die Sache etwas verfahren ist. Solange es sich nur um die praktische Ausbildung der Religionslehrer handle, gehe die Vorlage natürlich die Hörer der Lehr? anstalt nicht an. Was der Schulvorstand wolle, habe die Lehranstalt bereits eingerichtet, insofern als die Hörer der Lehranstalt dem Leiter der 9. Religionsschule zur praktischen Ausbildung überwiesen werden. Herr Jüstizrat Lilienthal betont mit Nachdruck, daß. gar nicht davon die Rede sein könne, daß durch die Vorlage irgend etwas geschaffen werden solle, was auch nur im entferntesten sich gegen die Lehranstalt richtet. Während die Kurse der Lehranstalt nur ein Teil der Vorlesungen und die Verarbeitung der Vorlesungen seien, wolle der Schulvorstand ein Probejahr für die Kandidaten, das übrigens bei der Gemeinde seit Dezember 1907 bereits eingerichtet utid gar nicht ausschließlich für die Hörer der Lehranstalt bestimmt sei. Herr Professor Kali sch er findet es unbegreiflich, in der Vorlage einen Affront gegen die Lehranstalt zu sehen. Ihm ist es unverständlich, wie die Lehranstalt die Gemeinde hindern wolle, noch andere Kurse einzurichten, die schon deshalb erforderlich seien, weil Herr Dr. Hochfeld in seinen Kursen überlastet sei. In der Abstimmung wurde die Vorlage nochmals dem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. — In dringlicher Vorlage wurde alsdann Geheimrat Blumenthal an Stelle des verstorbenen Herrn Weinberg in die gemischte Kommission zur Vorberatung der Petitionen des Liberalen -Vereins und des Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums entsandt. Ebenfalls in dringlicher Vorlage wurden alsdann noch 6000 Mark bewilligt für die Vorarbeiten des Baues der Synagoge Fasanenstraße. Herr Benas Levy fragte bei diesem Anlasse nach dem Stande der Arbeiten und forderte mit großem Nachdruck, mit Rücksicht auf die große Erregung der Charlottenburger Gemeindemitglieder, eine möglichst energische Beschleunigung des Baues. Herr Kommissar Netter erwiderte, daß in den letzten Monaten nichts versäumt worden sei. um das Projekt zur Ausführung zu bringen, und eröffnete die wenig tröstliche Aussicht, daß leider erst mitBeginn des Jahres 1911 (!) die Synagoge fertig , gestellt werden könnte. Von den Baumeistern Hesse und Höeniger sei nunmehr ein Projekt eingereicht, das in der gemischten Kommission bereits Annahme gefunden habe. Im Augenblick stehe noch zur Frage, ob die Synagoge mit einem Turm oder ohne Turm gebaut werden soll. Die gemischte Kommission habe sich für einen Turm entschieden, der Gemeindevorstand habe jedoch beschlossen, erst ein Modell im Maßstabe von 1:50 anfertigen zu lassen, um sich ein genaues Bild machen zu können. Die Anfertigung des Modells werde vier Wochen in Anspruch nehmen. Die Vorarbeiten sollen so beschleunigt werden, daß unmittelbar nach dem Eintreffen der baupolizeilichen Dispense mit dem Bau begonnen werden könne. — Mit der Wahl des Herrn L. Elkan in den Vorstand der Synagoge Kaiserstraße schloß die öffentliche Sitzung.— In der geh eimen Sitzung erstattete die ad hoc eingesetzte Kommission Bericht über die Wahl eines Aeltesten- Stellvertreters. 8. Schöneberg, 7. Juni. Dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war mitgeteilt worden, daß auf dem Standesamt zu Schöneberg sich der Brauch eingebürgert habe, dem die Geburt eines Kindes anmeldenden Vater, auch dann, wenn es sich um ein jüdisches Kind handelt, mit dem Geburtsschein ein Formular zu überreichen, in welchem zur Taufe des Kindes aufgefordert wird. Der Vorstand hat deshalb an den Magistrat der Stadt Schöneberg eine bezügliche Eingabe gerichtet, auf die nachstehender Bescheid zugegangen ist: Schöneberg, den 8. Mai 1909. Zu den Schreiben vom 3. März und 5. Mai 1909. Wir haben Anweisung gegeben, daß das Standesamt bei Geburtsanmeldungen von Kindern jüdischer Eltern eine Bescheinigung zum Zwecke der Taufe nicht mehr ausfertigt. Der Magistrat, gez. Linde. x. Liffa i. P«, 28. Mai. Ein Fest, das auch allgemeines Interesse beanspruchen darf, beging am gestrigen Tage der Reprüsentantenvorsteher unserer Shnagogengemeinde, Justizrat Wolfs, der zugleich Stadtverordnetenvorsteher und Landtagsabgeordneter ist. Es war das Fest seiner silbernen Hochzeit. Wohl kaum dürfte bisher zu einer Silberhochzeit in unserer Stadt und Synagogengemeinde die Freude mit dem Jubelpaare eine so allgemeine gewesen sein, wie diesmal. Ist doch der Silberbräutigam die bekannteste und infolge seiner zahlreichen Verdienste um seine Vaterstadt und seine Heimatsgemeinde gefeiertste Persönlichkeit Lissas. Das Jubelpaar wurde mit Glückwunschtelegrammen, Karten, Briefen, prachtvollen Blumenspenden und Geschenken von nah und fern überhäuft.- Am Morgen brachte ihm die Stadtkapelle ein Ständchen dar. Am Mittag erschien als erste eine Deputation der Lissaer Anwälte, in deren Namen Justizrat Nürnberg den Glückwunsch und ein herrliches Blumenarrangement überbrachte. Sodann folgten Deputationen des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten, die eine vom Hofphotographen Hacker in Berlin künstlerisch ausgeführte kostbare Adresse überreichten. Weitere Gratulanten waren die Raphael-Kosch-Loge und der Vorstand des Liberalen Wahlvereins. Im Namen des letzteren widmete Bürgermeister Schwidetzki dem Jubelpaare herzliche Worte der Beglückwünschung. Hieran schlossen sich Gratulanten der städtischen Körperschaften, an ihrer Spitze Erster Bürgermeister Wollburg. Diese Deputation überreichte eine sinnreich abgefaßte Widmung in prächtigem Goldrahmen. Um den Text dieser Glückwunschadresse, in deren Mitte sich das Bild des Lissaer Rathauses befindet, sind die Bilder aller städtischen Gebäude gruppiert, deren Entstehung dem unablässigen Wirken des Gefeierten zu danken ist. Die Fraktion der Freisinnigen Vereinigung im Preußischen Abgeordnetenhause beehrte ihr bewährtes Mitglied ebenfalls mit Glückwünschen und einer prachtvollen Blumenspende, desgleichen der Lissaer Hilfsverein in Berlin, dessen Ehrenmitglied'Justizrat Wolff ist. Auf alle Ansprachen erwiderte der. Jubilar dankend, zum Teil mit dem ihm eigenen Humor. Seine bekannte Wohltätigkeit und seinen Gemeinsinn hat er auch bei dieser Gelegenheit wieder bewiesen, indem er der Stadt und der jüdischen

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