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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Gemeinde die Summe von je 3000 Mark überwies, über deren Verwendung er sich spätere Bestimmung Vorbehalten hat. Mögen alle Wünsche, die dem Jubelpaare in Wort und Schrift dargebracht wurden, in Erfüllung gehen. 6. Siegen, 2. Juni. Am letzten Wochenfeste waren seit der Gründung der hiesigen jüdischen Gemeinde 25 Jahre verflossen. Trotz ihres geringen Umfanges ist sie in ihren inneren und äußeren Verhältnissen mustergültig geordnet und besitzt eine öffentliche Volksschule und ein imposantes Gotteshaus, was hauptsächlich das Verdienst ihres ersten Vorstehers, des Herrn M. L. Stern ist, der sie in all den 25 Jahren mit Umsicht und unermüdlichem Eifer geleitet hat. Mit ihm sieht auch der zweite Vorsteher, Herr S. Sondermann auf eine 25 jährige Amtstätigkeit zurück. Von einer offiziellen Festlichkeit wurde abgesehen; die Bedeutung des Tages fand außer ihrer Würdigung in der Festpredigt (gehalten vom Lehrer S. Grünewald) einen sinnigen Ausdruck durch die Einweihung einer neuen 8eker Torali. . v. München, 4. Juni. Eine eigenartige Inschrift trägt der kürzlich auf dem hiesigen israelitischen Friedhose aufgestellte Grabstein des vor einem Jahre verstorbenen berühmten Arabienreisenden Dr. Eduard Glaser. Zur Besichtigung derselben fand sich am 17. vorigen Monats an Glasers Grab eine Anzahl feiner Freunde unter Führung des Universitätsprofessors Dr. F. Hommel ein, welcher die runenhaften Zeichen erklärte. Die Inschrift ist nämlich — nach Hommels Entwurf — in der Sprache und in den Schriftzeichen der alten Sabäer (des Volkes des berühmten arabischen Landes Saba) nack dem Muster altsabäischer, größtenteils von Glaser selbst kopierter Grabdenkmäler abgefaßt und lautet in wörtlicher Uebersetzung: „Seele und Grab des Hussein ben Abdallah, des ForschungsreisendöN aus Prag. Es möge ihm schenken der Herr des Himmels Wohlgefallen seines Herzens und Glück seiner Rechten." (Zum Verständnis seibemerkt, daß Hussein ben Abdallah der Name war, unter dem Glaser, als mohammedanischer Priester verkleidet, seine gefährlichsten arabischen Expeditionen unternahm.) Der zu früh verschiedene Forscher hatte wohl nickt daran gedacht, daß die von ihm kopierten Grabinschriften dereinst das Muster für seine eigene bilden würden, so wenig wie die Priester und Gelehrten der alten Sabäer daran denken mochten, daß ihre Inschriften nach Jahrtausenden im fernen, ihnen unbekannten Norden Nachahmung finden könnten. - * Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 7. Juni. Eine größere Stiftung, die von dem Schwiegersohn des verstorbenen Tr. Arnold Rapaport v. Porada „zur Verteilung an Arme ohne Unterschied der Konfejsion" gemacht wurde, macht viel von sich reden. Denn „ohne Unterschied der Konfession", .das heißt selbstverständlich in Wien: mit Ausschluß der Juden! Die Art und Weise, wie die christlich-sozialen Machthaber hier mit den von Juden gestifteten Legaten umgehen, sollte doch die Leute klüger gemacht haben. Leider scheint dies aber nicht der Fall zu sein. —Im Anzeigenteil der „Kur- und Badezeitung der österreichischen Riviera" empfiehlt sich der Wunderrabbi B. Josef in Abbazia, und zwar als Talmudist, Kabbalist, Chiromant und Physiognomiker! Die Wunderrabbi machen mit ihren Gesundbetereien und Prophezeiungen ganz gute Geschäfte und haben einen ziemlich umfangreichen Kundenkreis in Oesterreich-Ungarn. Das ist das traurige Charakteristikum unserer aufgeklärten Zeit! — In Arad wurde das Testament des verstorbenen Gutsbesitzers und Bankiers Ignaz Spitzer eröffnet. Spitzer hat der hiesigen israelitischen Neligionsgemeinde 500 000 Kronen, kleineren Wohltätigkeitsvereinen 200 000 Kronen, insgesamt 2 000 000 Kronen für humanitäre Zwecke hinterlassen. — Sehr interessant ist eine Parallele zwischen den Verhältnissen der hiesigen und der Budapester Kultusgemeinde, deren Jahresbericht konstatiert, daß die Gesamtausgaben im Vorjahre 1565 600 Kronen betrugen; hiervon entfielen auf Personalausgaben 788 000 Kronen, auf fachliche Ausgaben 489 000 Kronen, auf Enadengehälter 288 000 Kronen. Das Defizit beträgt 37914 Kronen 42 Heller. Der Unterrichtsminister hat die Vorlage der Religionsgemeinde über die Errichtung eines israelitischen Gymnasiums vollinhaltlich genehmigt. Der Titel dieser Anstalt wird „Stiftungs-Obergymnasium der Pester israelitischen Religionsgemeinde" 'sein. Die Professoren werden vom Ausschuß ernannt, der die Ernennung zur Kenntnisnahme dem Kultusminister vorlegt. Zur Ernennung des Direktors ist die Genehmigung des Unterrichtsministers erforderlich. Den Lehrplan und den Stundenplan stellt der Ausschuß fest. An Samstagen, den anderen israelitischen Feiertagen und den Nationalfeiertagen findet kein Unterricht statt. Im Gymnasium finden auch Schüler anderer Konfessionen Aufnahme. Dem Unterricht der Geschichte der Juden wird besondere Sorgfalt zugewendet werden. — Der Landesgerichtsrat Dr. Sigmund Preu ß wurde zum Oberlandesgerichtsrat beim Landesgericht Wien ernannt. Er ist der vierte jüdische Oberlandesgerichtsrat im niederösterreichischen Oberlandesgerichts-Sprengel.—Dem berüchtigten Antisemiten, Professor N. Jorga aus Jassy ist von der Grenzbehörde das Betreten der österreichischen Grenze verboten worden, als er im Begriffe war, diese zum Zwecke einer antisemitischen Hetzreise zu überschreiten. Vvn Mh und Ifrrn. Der Kaiser hat Frau Emilie Mosse in Anerkennung ihrer wohltätigen und gemeinnützigen Wirksamkeit den Wilhelms-Orden verliehen. — Geheimer Justizrat Oscar Cassel hat am 4. dieses Monats seinen sechzigsten Geburtstag unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise gefeiert. — Herrn Ernst Hirsch, Mitinhaber von Louis Hirschs Telegraphischen Bureaus, ist der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Der Verfasser des von der Großloge des U. O. B. B. preisgekrönten Kulturbildes „Die schwarze Chaje" ist Lehrer Borchardt in Berlin. — Dem praktischen Arzt Dr. Arthur Alexander ist das Prädikat Professor beigelegt worden. — Unter den 7543 Personen (5844 männliche und 1979 weibliche), welche 1907 in Preußen Selbstmord verübten, befanden sich 146 jüdische Selbstmörder. Während auf je 100 000 Christen 19,3 Selbstmörder entfielen, kamen auf je 100 000 Juden 35 Selbstmörder. — Sanitätsrat Dr. I. Kamniher in Allenstein hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Wir haben zu berichtigen, daß Dr. A. Berliner in Kattowitz nicht den Charakter als Sanitätsrat, sondern als Geheimer Sanitätsrat erhalten hat.. — In Raschkow ist der Rabbiner M. Landau, der dort viele Jahre segensreich gewirkt hat, in hohem Alter gestorben. Ehre seinem Andenken! — Der in Thorn verstorbene Stndtrat M- Glückmann war nicht mehr Jude. — Dr. H. Wolpe, in Thorn, hat den Titel Sanitätsrat erhalten. Derselbe ist langjähriges Repräsentantenmitglied der jüdischen Gemeinde und im Vorstande des Vereins der Auswanderung russischer Juden. — Der Kaufmann Rudolf Selig in Graudenz, langjähriger Repräsentant der Synagogengemeinde und Vorstandsmitglied verschiedener Vereine, erhielt das vom Kaiser gestiftete Ehrenzeichen für ausgezeichnete Leistungen im Feuerlöschwesen. — Den Charakter als Professor haben die Baugewerkschuloberlehrer Birnbaum und Klasmer in Breslau erhalten. — Daselbst verschied Herr Richard Lobethal, in weiten Kreisen bekannt durch seine Tätigkeit als Handelsrichter, Mitglied der Handelskammer und der städtischen Getreidemarktkommission, sowie durch seinen Wohltätigkeitssinn und sein dichterisches Talent. — Der bekannte Philanthrop Max Elb, Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde Dresden und Vorsitzender des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen, ist zum Kommerzienrat ernannt worden. —. Das Zentralkomitee der Alliance Israölite Universelle in Paris hat in seiner Sitzung vom 2. Juni als Beitrag zu den Einrichtungskosten des von dem Verein für Obdachlose in Hamburg , erworbenen und umgebauten Hauses eine Subvention von 2500 Mark votiert. — Herrn Kommerzienrat Georg Rosen - berg in Cassel ist der Rote Adlerorden IV. Klasse und Herrn Kommerzienrat Gustav Plaut daselbst das Fürstlich Waldecksche Verdienstkreuz III. Klasse verliehen worden. — Dem Sanitütsrat

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