Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sei von jüdischem Geist und den alten Idealen des Judentums, dann können wir Alten ruhig sein, und dereinst auch beruhigt ihnen die Zukunft der Judenheit anvertrauen. Setzen Sie Ihre Arbeit, erfüllt von echt jüdischem Geiste und vom Idealismus weiter fort, der Segen wird nicht ausbleiben, und auch unserer Förderung dürfen Sie sicher sein." — Namens des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" überbrachte Professor Dr. Blumenthal die herzlichsten Wünsche. Er verwies darauf, daß der Zentralverein von jeher - ein lebhaftes Interesse an der Bildung von Jugendvereinen gehabt habe und diese Bewegung stets gefördert habe, wie er das auch in Zukunft tun werde. — Für den „Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" sprach, der Generalsekretär, Herr Albert Katz. Möge der heutige Tag in der Geschichte Jung-Jsraels eine neue Periode einleiten. Der Verband begrüße es mit großer Freude, daß sich hier die Jugendvereine zu einem festen Bunde zusammenschließen. Die Vereinigung der Literaturvereine werde stets bereit sein, die idealen und von jüdischem Geiste getragenen Bestrebungen des zu bildenden Verbandes zu fördern und zu unterstützen. Schließlich brachte Herr Dr. jur. S. M o s e s noch die besten Grüße und Wünsche vom „Bund jüdischer Korporationen" (jüdischen Studentenvereinen). Dann ergriff Herr Dr. Apfel-Köln das Wort, der die Bedeutung der heutigen Tagung als eine von historischer Bedeutung würdigte. Schon vor drei Jahren hätte man die Absicht in Köln, Frankfurt und Braunschweig gehabt, den Gedanken des Verbandes zu verwirklichen. Historisches Verdienst an dem Zustandekommen des Werkes aber, habe die Großloge, die mit Feuereifer an die Idee herantrat. Es sei eines ihrer größten Verdienste, diese Bewegung gefördert zu haben und unvergänglich werde in der Geschichte des Verbandes aufbewahrt bleiben, wie hochverdient sich besonders auch die Mitglieder der Großloge Maximilian Stein und Geheimrat M aretzki gemacht haben. Er dankt insbesondere auch Herrn Professor Philippson und dem Zentralverein. Er bezeichnet es als die Hauptzwecke des Verbandes: Gegenseitige Hilfe, Austausch von Erfahrungen, Ausgleich der Meinungen über Erziehungsfragen. Ferner sollen, insbesondere den kleinen Vereinen Redner gestellt werden; und auch die Forderung eines Vereinsorgans sei der Erfüllung nahe geführt, da die Großloge sich bereit erklärt habe, den Betrag der Kosten für ein zehnmal erscheinendes neues Blatt herzugeben. Als ideale Momente seien hervorzuheben, es müsse gesorgt werden, daß die jüdische Jugend trotz aller Meinungsverschiedenheiten, einig werde. Es dürften ferner die Jugendvereine nicht das Hauptgewicht auf gesellschaftliche Veranstaltungen legen, diese dürften immer nur Mittel zum Zweck sein. Es müsse vor allem das Selbstbewußtsein gehoben werden, auch nach "außen. Wenn er der großen Verdienste der Großloge gedacht habe, so verdiene ganz besonders auch Herr Dr. Finkel für die große Mühe und Arbeit der Vorbereitung besondere Anerkennung. Er dankt ferner Geh. Sanitätsrat Herrn Dr. Maretzki, daß er mit Nachdruck betont habe, man solle die Sache allein machen, die Alten hielten sich im Hintergrund. Die Parole sei: „Alles für die Jugend durch die Jugend!" Unabsehbare Debatten entspannen sich über die 16 Paragraphen des Statuts, das nur durch weitgehende Kompromisse schließlich zustande gebracht werden konnte. Besonders lebhaft entbrannte der Streit über die grundlegenden, prinzipiell bedeutungsvollen Bestimmungen der Paragraphen 1. 2 und 16 des Statuts. Der letztgenannte Paragraph verlangt, daß bei den Veranstaltungen des Verbandes nichts geschehen dürfe, was gegen das jüdische Neligionsgesetz verstößt. Der große, zirka 1300 Mitglieder umfassende Frankfurter Jugendverein „Montefiore" machte von der Annahme dieser Bestimmung seinen Beitritt abhängig. Mit Rücksicht hierauf ließen eine Anzahl anderer Jugendvereine, die diese Bestimmung als selbstverständlich nicht statutarisch festgelegt sehen wollten, ihren Widerspruch fallen, so daß dieser Paragraph 16 zur Annahme gelangte. Heftigen Widerspruch gegen den Paragraphen 1 erhoben insbesondere Hannover und Berlin und zwar gegen jene Bestimmung, welche die Neutralität der Jugendvereine auf parteipolitischem und parteireligiösem Gebiete festsetzte.. Noch stärkeren Widerspruch fand der Paragraph 2, der als Aufgabe der Jugendvereine die Heranbildung der Mitglieder „zu selbstbewußten Juden und guten Staatsbürgern" deklarierte. Der Vertreter Berlins, Herr Dr. Rosenkranz, polemisierte besonders heftig gegen diesen Paragraphen, von dem er die Mutmaßung aussprach, daß bei den „selbstbewußten Juden" die Großloge, bei den „guten Staatsbürgern" der „Zentralverein" Pate gestanden habe, eine Behauptung, die der Vorsitzende mit aller Deutlichkeit als gänzlich unbegründet zurückwies. Da indeß eine ganze Reihe anderer Vereine gleichfalls gegen diesen Paragraphen 2, der teils Selbstverständliches, teils Unmögliches enthalte, da in einigen Jugendvereinen auch eine große Anzahl ausländischer Glaubensgenossen sich als Mitglieder befänden, entschiedenen Widerspruch erhob, so wurde dieser Paragraph überhaupt gestrichen. Dagegen wurde der Paragraph 1, der die parteipolitische und parteireligiöse Neutralität aller Jugendvereine festlegte, die dem Verbände beitreten, schließlich. angenommen. Ein weiterer prinzipieller Kamps entbrannte über die Mitwirkung der Großloge und des Zentralvereins in der Leitung der Geschäfte. Während einige wenige Herren es befürworteten, daß der Großloge wie dem Zentralverein in dem geschäftsführenden Komitee, das heißt im Vorstand, je ein Mitglied mit beschließender Stimme zugebilligt wurde, verlangte eine größere Anzahl, daß man den Herren keinerlei Einfluß, respektive Anteilnahme an der Leitung des Verbandes gewähren solle. Doch einigte man sich schließlich auf eine mittlere Linie, und zwar auch hier nur provisorisch, daß nämlich bis zur nächsten Delegiertenversammlung der Vorstand aus fünf Vertretern von Vereinen und je einem Mitglieds der Eroßloge und des Zentralvereins, welch letzterem aber nur beratende Stimme zuerkannt wurde, die Geschäfte leiten solle. Erst in der siebenten Abendstunde nach etwa Zuständiger Beratung war die Statutenberatung beendet, so daß man endlich an die Konstituierung des Verbandes herantreten konnte. Ihren unbedingten Beitritt erklärten: Geestemünde, Göttingen, die beiden Vereine Bremen, Trier, Saarbrücken, Hamburg, Kempten, Wiesbaden, Allenstein, Köln, Kassel, Bielefeld, Nordhausen, Freiburg, Stettin, München, Gotha, Metz, Thorn, Königshüite, Braunschweig, Berlin, Stuttgart, unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Generalversammlung die Vereine: Hannover, Düsseldorf, Danzig, Halle, Frankfurt a. M., Elberfeld, Görlitz, Essen, Duisburg, Halberstadt und Magdeburg, im ganzen 35 Vereine. Eine Anzahl anderer Vereine, deren Vertreter nicht mehr anwesend waren, werden zweifellos ihren Beitritt nachträglich erklären. In den provisorischen Vorstand wurden gewählt: Berlin, Köln. Braunschweig, Frankfurt und Hannover, und als Verbandsbeitrag 20 Pfennig pro Jahr und Mitglied eines jeden angeschlossenen Vereins festgesetzt. Da es inzwischen bereits 9 Uhr abends geworden war, wurden sämtliche übrigen Gegenstände abgesetzt und die Tagung geschlossen. Die Gehälter der Lerliner AeWonslehrer. erlin kann unbedenklich als die Zentrale des deutschen Judentums bezeichnet werden, wenngleich Frankfurt am Main in mancher Hinsicht der Reichshauptstadt die Palme streitig macht. Wenn freilich die absolute Zahl der Anstalten für soziale Fürsorge und die für dieselben aufgewendeten Summen in Betracht gezogen werden, dann marschiert Berlin an der Spitze aller Städte im Deutschen Reiche. Indes würde man mit einem solchen Verfahren mancher anderen Gemeinde bitteres Unrecht tun. Nur die Verhältnisziffer gibt einen absolut verläßlichen Maßstab für die wirkliche Höhe der Leistungen. So gemessen, wird das sechsmal kleinere Frankfurt a. Main sicher obenanstehen. Es soll aber anerkannt werden, daß Berlin — von dem in dieser Hinsicht ohne Beispiel in der Welt dastehenden Frankfurt a. Main abgesehen — den ersten Rang behauptet. Berlin dehnt den Wirkungsbereich seiner sozialen Tätigkeit weit über die provinziellen Grenzen von Brandenburg aus. So muß es auch sein, und es ist eine Krähwinkelpolitik, ein Lamento zu erheben, daß wir das schöne Geld in die Ferne, meinetwegen nach dem Orient, schicken^ .statt mit kleinkrämer-