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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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der jüdischen. Gemeinden Preußens in Frdge gestellt. Nimmt man' auch den Standpunkt ein, daß dieser Antrag nur Material für die dritte Lesung sein soll, so wäre ein Weiterarbeiten der Gesetzeskommission auf dieser Grundlage dennoch unfruchtbar. „Eine gesetzliche Organisation der jüdischen Gemeinden Preußens über dieLokal- und Bezirksgemeinde nur insoweit zu schaffen, als es zur Bildung und zur Unterhaltung von Bezirks-Gemeinden, sowie zur Bildung von Ruhegehaltskassen erforderlich ift" — würde nur zur Bildung einer Zwangskasse führen —. „Eine Organisation von Provinzial- und Landesgemeinden, durch welche die Selbständigkeit der Gemeinde in keiner Weise beeinträchtigt' wird", ist etwas Widersprechendes — die Beschlüsse der Provinzial- und Landesgemeinden könnten durch die der selbständigen Gemeinden vollständig illusorisch gemacht werden. Anzuerkennen ist, daß die Gründung' einer allgemeinen Kasse zur Unterstützung notleidender Gemeinden und zur Regelung ihrer Pensionsverhältnisse, sehr segensreich wirken könnte. Aber die großen Gemeinden, welche dieser Kasse am wenigsten bedürfen und wohl den größten Beitrag dazu liefern müßten, werden nie in eine Organisation willigen, die ihnen nur materielle Opfer auferlegt, jedoch ihnen nicht dafür bürgt, daß als Ersatz für diese Opfer, ihre Wünsche für ersprießliche Regelung der gesetzlichen Verhältnisse der preußischen Juden in Erfüllung gehen. Die Konsequenz dieser Erkenntnis wird nun sein, daß man entweder überhaupt nicht weiter an einem neuen Organisationsentwurf arbeitet, oder einen neuen Gemeindetag einberuft, welcher jenen Antrag revidiert. Diese Einberufung hat umsomehr Berechtigung, als bei der Abstimmung bereits viele Mandatsinhaber abgereist waren und viele der noch Anwesenden sich der Tragweite des Antrags nicht bewußt waren. Selbst einige der Herren, welche den Antrag mit Unterzeichneten, versicherten , mir persönlich, daß sie bei klarer Erkenntnis der Sachlage ihre Unterschrift nie gegeben haben würden. Jedenfalls hat man trotz der stürmisch verlaufenden Verhandlung von allen Seiten anerkannt, daß eine Neuregelung der gesetzlichen Organisation der jüdischen Gemeinden Preußens allseitig als dringendes Bedürfnis empfunden wird. Nach Beseitigung des obigen Antrages wird unter Berücksichtigung der auf dem Gemeindetag gewünschten Abänderungen hoffentlich ein Entwurf zustande kommen, der die Billigung und Zustimmung der Gemeinden findet. Köln, im Mai 1909. Sanitätsrat Dr. Apfel. Die Unterzeichneten ziehen, nachdem sie von dem Verlaufe, der Verhandlungen über den Antrag Friedmann nähere Kenntnis erhalten haben, ihre Unterschrift beziehungsweise das Votum zu dessen Gunsten wieder zurück. Königshütte (O.-Schl.) und Düsseldorf, 25. Mai 1909. Justizrat Berger. ' Dr. Meyer. Meine Ausführungen bei dem Deutsch-Israelitischen Gemeindetage, wie sie in der vorigen Nummer dieser Zeitung wiedergegeben sind, könnten Mißverständnisse im Gefolge haben, da durch die Unruhe während meiner Rede verschiedene Sätze und die Schlußfolgerungen nicht gehört wurden. Nach meiner Schilderung der Notlage der-kleinen Gemeinden selbst und insbesondere der darin wirkenden Kultusbeamten, eine Notlage, die geradezu zum Himmel schreit, bedauere ich, daß viele Hunderttausende von verschiedenen Verbänden, auch von der Alliance, zur Unterstützung und Errichtung - von Schulen nach dem Ausland geschickt würden, während unsere deutschen Religionsschulen die bitterste Not leiden. Würden alle diese Verbände, deren Kulturarbeit wir Lehrer anerkennen und zu fördern suchen, auch die Unterstützung der Kleingemeinden in ihr Programm ausnehmen, sie bekämen die doppelte Anzahl Mitglieder aus allen Gemeinden. Dafür strebe ich seit Jahren, und das sollte in der illustren Versammlung, wo die Vertreter fast aller großen Gemeinden und Verbände versammelt waren, zum Ausdruck kommen. Tempelburg, im Juni. . Lion Wolfs. Der Verband der jüdischen Iugendoereine. Berlin, 5. Juni. n teilweise stürmischer Sitzung hat sich am Pfingstsonntag in - Berlin der „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" konstituiert. Delegierte der verschiedenen jüdischen Jugendvereine waren aus allen Teilen des Reiches erschienen. Von Straßburg bis Allenstein, von Hamburg bis Stuttgart hatten sich die Vertreter der Jugendvereine hier zusammengefunden, um in einer Zentralisation die Bestrebungen der deutschen jüdischen Jugendvereine zusammenzusassen. Das Hauptverdienst an der Ermöglichung dieses Zusammenschlusses gebührt der „Großloge" und zu einem Teile auch dem „Zentralverein.". Eröffnet wurde die Tagung, auf der etwa 50 Jugendvereiue vertreten waren, namens der Großloge durch Herrn Geheimen Sanitätsrat Dr. Maretzki. „Der Verband jüdischer Jugendvereine." so etwa führte Dr. Maretzki aus, „sei die jüngste Erscheinung der modernen Entwicklung der Judenheit. Diese Entwicklung sei charakteristisch durch drei hervorstechende Erscheinungen, die gewissermaßen von programmatischer Bedeutung für die Zukunft sind. Auch der hier zu begründende „Verband jüdischer Jugendvereine" wolle 1. durch kräftige, starke Betonung des jüdischen Bewußtseins bekunden, daß die Juden nicht nur in Deutschland, sondern überall ein Recht auf Existenz, Geltung und Achtung haben, ganz gleich, ob man sich auf den Höhen dßs Lebens oder in den Niederungen bewege; 2. sei ein Charakteristikum der modernen Entwicklung die Arbeit an uns selber und an anderen, die freie, selbstbestimmende Arbeit miteinander und füreinander, eingedenk dessen, daß Wert nur das habe, was man selbst erringe. Diese Arbeit schließe ein das Streben nach ideeller, materieller und sozialer Gleichberechtigung. Die dritte charakteristische Erscheinung liege in dem Zusammenraffen und Zusammenfassen aller in der Judenheit vorhandenen immanenten Kräfte zur Entfaltung aller guten Eigenschaften, die unserer Religion anhaften und so alle hohen sozialen Gedanken, die im Judentums enthalten sind, in Taten umzusetzen. Nunmehr folge auch die Jugend, welche dereinst berufen ist, das Errungene zu erwerben und zu erhalten. Ihr, der Jugend, sei es vergönnt, unter wesentlich besseren und leichteren Bedingungen ihren Zielen nachzugehen, da sie in einer Zeit lebt, die gegenüber den alten Verhältnissen denn doch einen gewissen Fortschritt gebracht habe. Der Großloge sei es einzig'und allein darum zu tun, den Verband zu schaffen, die Selbständigkeit des Verbandes aber in keiner Weise anzutasten. Die Tätigkeit der Großloge sei hiermit beendet. „Wir wollen nicht bevormunden, wir wollen Ihnen nur helfen, Sie fördern, aber nicht in Ihre Tätigkeit eingreifen. Wir wollen, um das Wort eines großen Staatsmannes zu gebrauchen. Sie nur in den Sattel heben, reiten werden Sie schon selber. Dieses Vertrauen werden Sie nicht täuschen. Sie werden mehr leisten, als wir vielleicht erwarten." Die verschiedensten Vereine müssen hier unter einen Hut gebracht werden, daher hoffe er, daß man lokale Wünsche und Schmerzen gegenüber dem Gesamtziel zurückstellen werde. In dem vorliegenden Statutenentwurf seien nur die grundlegenden Ideen, Ziele und Zwecke festgelegt. „Die ganze deutsche Judenheit sieht heute aus Sie, die Sie die Zukunft der Judenheit repräsentieren. Unseren Traum sollen Sie erfüllen, der Boden dafür ist jetzt geschaffen." Mit einem warmen Mahnwort zur Einigkeit und Eintracht schloß Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki seine mit großem Beifall aufgenommenen Worte. Nach der Bildung des Bureaus, das sich aus.Herrn Dr. Apfel- Köln (Vorsitzender), Felix Meyer-Frankfurt a. M. (Stellvertreter), Dr. Rosenkranz-Berlin, Fischer-Hannover, Stern-Halberstadt zusammensetzt, und nachdem der Vorsitzende mitgeteilt hatte, daß den Delegierten seitens der Großloge Ersatz der Reisekosten und Tagesspesen bewilligt seien, ergreift Herr Professor Philippson das Wort, um die Jugendvereine namens des „D. I. G. B." zu begrüßen. Es sei ein Zeichen der inneren Kraft der Judenheit und des regen deutsch-jüdischen Lebens, das jetzt auch die Jugend in die Arena tritt, um für jüdische Ideale nach außen wie nach innen zu kämpfen. Die Geschichte lehre uns, daß. wo immer auch die Juden zurückgewiesen und bedrängt wurden, sie da um so stärker und gefestigter wieder hervortraten. „Wenn jetzt ein jüdisches Geschlecht heranwachse, das erfüllt

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