Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Shnagogengemeinde. Eine nicht genug zu würdigende Tätigkeit entfaltete er als Vorsteher der Ghewrahkadischah, ein Anit, dastzr 26 Jahre hindurch inne hatte. Mit regem Eifer widmete er sich auch den vielen Humanitären Stiftungen in unserer Gemeinde. Ein langer Leichenzug, in dem wir auch den Vorsteher von Hannover und viele Herren aus der Umgebung Hildesheims sahen, gab dem Verstorbenen das letzte Ehrengeleit. Landrabbiner Dr. Lewinsky verlieh der allgemeinen Trauer beredten Ausdruck und mit tränenerstickter Stimme, gedachte er des teuren Freundes und treuen Beraters der Gemeinde. Im Namen der „Hillel-Loge", zu deren Gründern der Entschlafene gehörte, sprach Herr Dr. med. Cohn ergreifende und zu Herzen gehende Worte. Am zweiten Schwuaustage wurde noch eine besondere Feier zu Ehren des Verstorbenen durch eine Gedenkrede des Herrn Dr. Lewinsky und durch einen Trauergesang des Vorbeters veranstaltet. --- Hannover, 23. Mai. Die städtischen Kollegien bewilligten am 14. Mai in der gemeinschaftlichen Sitzung zu den ,Kosten für den von der Synagogengemeiude gestellten jüdischen Religionsunterricht auf Antrag .des Magistrats einen jährlichen Zuschuß von 12 500 Mark unter gleichzeitiger Feststellung desselben, daß eine rechtliche Verpflichtung nicht vorliege. Letztere Vorstellung griff Bürgervorsteher-Wortführer Wegener auf, der schließlich namens des Bürgervorsteher-Kollegiums im Interesse des Friedens beantragte, den erwähnten jährlichen Zuschuß ab 1. April d. I. bis31> März 1913 festzulegen mit der Maßgabe, daß von dem Zuschüsse 6000 Mark der jüdischen Lehrerbildungsanstalt und der dieser angeschlossenen Uebnngsschule reserviert bleiben. Diesem Anträge stimmten beide Kollegien zu. M. Hamburg, 26. Mai. Dem eben erschienenen Bericht der Talmud Thora-Realschule über das Schuljahr 1908—1909 entnehmen wir folgendes: Der Lehrplan der Schule ist im ganzen derselbe geblieben wie in den Vorjahren. Nur ist seit dem Oktober d. I. in der vierten Realklasse eine Veränderung in der Weise vorgenommen, daß die sämtlichen Zweige des hebräischen Unterrichts für alle Schüler ohne Ausnahme gelten, während bisher für einige Fächer gleichzeitig unterrichtete-Abteilungen bestanden. Die Neuordnung soll ein Versuch sein, der im Laufe der Jahre bis in die oberen Klassen fortgesetzt wird. Aus dem Lehrerkollegium sind im verflossenen Jahre Herr Dr. M. Lange, der 2*/* Jahre dem Lehrkörper angehört hatte und Herr Emanuel Wechsler, der 2l}2 Jahre an der Anstalt gewirkt hatte, ausgeschieden. Einen herben Verlust erlitt die Schule durch das Hinscheiden des Oberlehrers Dr. I. Heinemann, der26Jahre lang der Anstalt gedient hatte. Herr Rabbiner Dr. Nobel zeigte sich bereit, mit einigen wöchentlichen Stunden im Hebräischen in die Lehrerschaft einzutreten. Die Zahl der Schüler betrug im vergangenen Jahre 578. Endlich sei noch mitgeteilt, daß im Laufe des Berichtsjahres der Schule von ihren Freunden und Gönnern einige größere Geschenke und Spenden zugegangen sind. Der Schulvorstand ist um ein Mitglied vermehrt. Herr Dr. med. Kalmus wurde zum Vorstandsmitglied gewählt. — Eine neue Stiftung zur Unterstützung schwächlicher Kinder oder in Rekonvaleszenz befindlicher Israeliten, sowohl für Kinder als für Erwachsene ist vor kurzer Zeit in unserer Gemeinde errichtet worden. Herr Joseph Wolff Israel und seine Frau Julie, geb. Bachrach, haben testamentarisch außer sonstiger Vermächtnisse für Wohlfahrtszwecke ein größeres Kapital zur Errichtung obiger Stiftung bereitgestellt, die ihren Namen tragen soll. o. Köln, 31. Mai. Die hiesige Jüdische Lesehalle wurde seit Eröffnung ihres neuen Lokales in der Agrippastr. 19, das ist vom 21. März bis einschließlich zum 10. Mai d. I., von insgesamt 1367 Lesern besucht. Die höchste täglicher Besucherzahl betrug 78, die geringste 8. Gegenwärtig liegen 86 Zeitungen regelmäßig auf, davon 3 jüdische und hebräische Tageszeitungen, 22 jüdische Wochenblätter in deutscher Sprache, 8 jüdische Wochenblätter in jüdischer, 1 in polnischer, 2 in französischer, 8 in englischer. 2 in rumänischer, 1 in russischer, 2 in ungarischer, 2 in spaniolischer, 1 in holländischer Sprache. Außer den Lesestunden, die täglich von 7Va Uhr, am Samstag und Sonntag von 1 Uhr nachmittags, bis 10 Uhr abends stattfinden, wird jeden Sonntag ein Vortrag abgehalten. Bisher fanden statt: 2 literarische, 1 hygienischer und 2 Vorträge aus der jüdischen Geschichte, sowie ein Diskussionsabend. Jeder Vortragsabend wurde von ungefähr 200 Personen besucht. Ferner wurde ab 1. Mai ein Unterrichtskursus in deutscher Sprache (Lesen, Schreiben und Rechnen) errichtet, der vier Unterrichtsstunden in der Woche umfaßt und zurzeit von 37 Teilnehmern besucht wird. Die rege Teilnahme an den Einrichtungen der Lesehalle rechtfertigt in vollem Maße die Erwartungen, die die Gründer und Leiter dieser Institution bei der Schaffung hegten. Das Kuratorium wird auch weiterhin an dem Ausbau der Lesehalle tätig sein. Neben den sozial-pädagogischen Zielen, wie die Errichtung weiterer Kurse aus allgemeinen und sachlichen Gebieten und Schaffung einer Bibliothek, soll auch der sozialen Fürsorge Rechnung getragen werden, für die innerhalb jener Kreise, die heute zumeist die Einrichtungen der Lesehalle in Anspruch nehmen, ein reiches Gebiet ersprießlicher Tätigkeit vorhanden ist. r. 8. Homburg v. d. Höhe, 21. Mai. Der Israelitische Holz-Verein und Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen versendet seinen Jahresbericht für das Jahr 1908. Das verflossene Jahr brachte in die sonst so stille Vereinstätigkeit eine erfreuliche Abwechslung. Es war die am 2. März 1908 stattgehabte Feier des 90jährigen Bestehens. Fast die ganze Gemeinde war zu der würdigen Feier erschienen und folgte mit Interesse dem Vortrage des Herrn Rabbiners Dr. Kottek, der die Entstehung und Fortentwicklung des Vereins schilderte. Eine stattliche Anzahl von Zuschriften, Telegrammen und Geldspenden bewies, daß man auch in der Ferne des schönen Ereignisses gedachte. Wenn auch der Mädchen- Ausstattungsverein zur Zeit noch nicht auf ein so hohes Alter zurückblicken kann, wie der Holzverein, so hat doch auch er längst seine Existenzberechtigung erwiesen. In diesem Jahre wurden wiederum 3000 Mark zu zwei Mitgiften verausgabt Die Jahresrechnung bilanziert mit 1466,87 Mark. Nürnberg, 21. Mai. Im Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde hat gestern die fünfzehnte Jahresversammlung des Ausschusses des Landesvereins für die israelitischen Kultusgemeinden in Bayern stattgefunden. Die-Versammlung, die sehr zahlreich besucht war, wurde von Herrn Geheimen Hofrat Josephthal geleitet. Der Bericht über das verflossene Jahr erwähnt, daß 84 Unterstützungsgesuche im Betrage von 8390 Mark und außerdem noch verschiedene Anstalten, Vereine und Fortbildungskurse unterstützt wurden. Die Petition an das Ministerium hatte zunächst keinen Erfolg, es wurden aber trotzdem Mittel zur Verfügung gestellt im Betrage von 3000 Mark. Die Kommission, die zur Revision des Judenedikts von 1813 eingesetzt worden, hat ihre Beratung fortgesetzt; es wäre zu wünschen, daß etwas Vernünftiges zustande käme. Ein Antrag auf Begründung eines Landesarchivs in Bamberg wurde angenommen. Dem Antrag auf Besserstellung der Religionslehrer wurde besondere Aufmerksamkeit zugewendet, verschiedene Vorschläge wurden nach dieser Richtung angenommen. Auch hier wäre es zu wünschen, daß es gelänge, den nicht genug zu beklagenden Notstand zu heben oder doch wenigstens zu mindern. Von dem bayerischen Niederlegeapparat beim Schächten, der sich auf zirka 45 Mark stellt und deshalb auch, von kleineren Gemeinden leicht zu beschaffen ist, wurde eine größere Anzahl angefertigt. Die Einnahmen des Landesvereins belaufen sich auf 25 302.61 Mark, die Ausgaben aus 13 998.59 Mark, das Gesamtvermögen auf 31404.02 Mark. Geheimrat Josephthal erklärte, eine Wiederwahl unter keinen Umständen wieder annehmen zu können und blieb trotz der vielen Versuche, die gemacht wurden, ihn zur Wiederannahme zu bewegen, fest auf diesem in Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand modifizierten Beschlüsse. Die Versammlung wählte ihn wegen seiner Verdienste um den Verein einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Bei der hierauf folgenden Vorstandswahl wurde Justizrat Ofner-München zum ersten Vorsitzenden gewählt. Außerdem gehören der Vorstandschast an Justizrat Wittelshoefer, Fürth, Justizrat Dr. Held. Nürnberg, Rabbiner Dr. Neubürger, Fürth; und Rabbiner Dr. Cohn, Jchenhausen. ol. Stuttgart, 23. Mai. Die Württembergische Rabbinerkonferenz hat abermals hier unter reger Teilnahme stattgefunden. Nur drei Mitglieder fehlten. Die in Ihrem Blatte schon berichtigte Notiz, daß die Israelitische Oberkirchenbehörde den Rabbinern des Landes die geistliche Mitwirkung in den Krematorien freigestellt habe, wurde vom Vorsitzenden Kirchenrat Dr. Krön er dahin berichtigt,