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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-04 · Heft 23 (4.6.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang Nr. 23. ► Berlin, 4. Juni 1909. Vellage zur „Allgemeinen Lettung deF Judentums". korrklponden?en und Mchrichten. Deutschland. s. Berlin, 30. Mai. Am 25. und 26. d. M. hat im Krankenhause der jüdischen Gemeinde zu Berlin die staatliche Prüfung von fünf Sch Western des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin durch die aus den Herren Geheimen Medizinalrat Dr. Wehmer, den Professoren Dr. Jsrael und Dr. Lazarus bestehende Prüfungskommission in Gegenwart der Oberin Fräulein Blau statt« gefunden. Sämtliche Prüflinge bestanden das Examen mit dem Prädikat „sehr gut". Meldungen von Schülerinnen und sonstige Anfragen sind an die Oberin, Fräulein Blau, Schwesternheim, Auguststraße 17, zu richten. s. Berlin, 31. Mai. Wir haben bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, daß eine evangelische Kirchengemeinde irrtümlich einem jüdischen Bürger der Stadt 145 Mark Kirchensteuer für das letzte Finanzjahr abgefordert, und da derselbe nicht rechtzeitig rekurierte, auch abgenommen hat. Das Oberverwaltungsgericht hatte bekanntlich entschieden, daß die Kirchengemeinde das Recht zur Einbehaltung des Geldes habe, da der Betreffende nicht rechtzeitig Einspruch erhoben hatte. Inzwischen hat sich aber die Kirchengemeinde davon überzeugt, daß ihr nur das zugesprochene formale Recht zur Seite stehe, wenn sie evangelische Kirchensteuer von einem Andersgläubigen erhebt, für den diese überhaupt nicht gemacht sind, und sie hat dem trotz' des Oberverwaltungsgerichtserkenntnisses zur Steuer herangezogenen Zensiten das Geld wieder zugestellt. Auf dem Postanweisungs- Abschnitt hieß es mit lakonischer Kürze: „Kirchensteuern. Nicht Verpflichtung!" L2 Berlin, 30. Mai. Gestern ist hier nach schwerem Leiden der Fabrikbesitzer und Hanbelsrichter Jacob Weinberg gestorben. Der Heimgegangene hat seit vielen Jahren an den Gemeindeangelegenheiten lebhaften Anteil genommen, und zwar im Sinne der Vertretung konservativer Interessen. Für diese gründete er seinerzeit den „Zentralverein", dessen Leitung er auch mehrere Jahre hindurch führte. Bei den Wahlen, in denen dieser Verein zum erstenmal eine starke Agitation entfaltete, kam er selbst in die Repräsentanz der Gemeinde, und dort hat er seither eine eifrige Tätigkeit entfaltet. Auch im „Israelitischen Frauen-Unterstützungsverein" war er jahrelang Vorsitzender; auch hier hat er sich um die Entwicklung desselben große Verdienste erworben. Ebenso gehörte er noch vielen anderen gemeinnützigen Vereinen und Instituten als Vorstandsmitglied an. Ehre seinem Andenken! 8. Berlin, 30. Mai. Die „Victoria", Allgemeine Versicherungs- Aktien-Gesellschaft, versendet ihren Jahresbericht. Bei dem großen Interesse, das weite jüdische Kreise an diesem vorzüglich geleiteten Institut nehmen, rechtfertigt es sich, auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen. Die am 26. d. M. abgehaltene Generalversammlung der Aktionäre genehmigte die Verteilung des in dem Geschäftsjahre 1908 erzielten Ueberschusses entsprechend dem Vorschlag des Aufsichtsrats und der Direktion. Er belief sich auf 30370360.99 Mark gegenüber 28220840.22 Mark im Vorjahre. Von dem Ueberschuß erhalten die Aktionäre der Victoria eine bare Dividende von 345 Mark pro Aktie, die an der Gesellschaftskasse zu erheben ist, und die mit Gewinnanteil Versicherten zusammen 28159240.93 Mark, aus welcher Summe entnommen werden für die mit Gewinnanteil auf den Todesfall Versicherten der Abteilung, der größeren Lebens-Versicherungen eine Dividende von 3% der Summe der für jede Versicherung seit, deren Beginn gezahlten Jahresprämien, für die gewinnanteilsberechtigten Versicherten der Unfall-Versicherungs-Abteilung 40°/0, der Volks- Versicherungs'Abteilung 25%, der Abteilung der Erlebensfall- Versicherung mit Gewinnanteil (L10°/q der gezahlten Jahresprämie. Die Gesamtzahl der in allen Abteilungen eingereichten Versicherungsanträge betrug 640657, das sind pro Arbeitstag über 2000. Die Gesamteinnahme an Prämien und Zinsen betrug 142318189 Mark und zeigt gegen das Vorjahr eine Vermehrung von 10253261 Mark. In der Unfall- und Haftpflicht-Versicherungs-Branche betrug die Einnahme an Prämien und Zinsen 13350147 Mark. Die Gesamtreserven aus allen Abteilungen betrugen 670781711 Mark und die gesamten Aktiva erreichten die Höhe von 691950005 Mark. Der Hypothekenbeständ hob sich um 27251649 Mark aus 580003593 Mark. Zugunsten der mit Gewinnbeteiligung bei der Victoria Versicherten find als Dividendenfonds Ende 1908 einschließlich der aus dem Jahresüberschuß entnommenen Zuweisungen 134936470.41 Mark zurückgestellt, und zwar für die Todesfallversicherungen (inklusive Kriegsversicherungs-Reservefonds) 52763840.66 Mark, die Erlebensfall- Versicherungen mit Gewinnanteil 1597006.79 Mark, die Volks- Versicherungen 76448009.85 Mark, die Unfall-Versicherungen 4127613.11 Mark. ' Königsberg, 25. Mai. Der Geschäftsbericht des Verbandes der ostpreußischen Synagogen gemeinden läßt zum Teil eine veränderte Stellungnahme der Staatswie der Bezirksbehörden zu den jüdischen Angelegenheiten erkennen. Diese Modifikation wird möglicherweise nicht ohne Einfluß auf das Geschick des Organisationsentwurfs sein, den die jüdischen Gemeinden Preußens nach der für die nächsten Tage vorgesehenen endgültigen Beratung den Staatsbehörden unterbreiten werden. In Ausführung des Schulunterhaltungsgesetzes. sind zum erstenmal leistungsschwachen Gemeinden Beihilfen für Unterrichtszwecke gewährt worden, und auch die bürgerlichen Gemeinden haben Beiträge für den jüdischen Religionsunterricht geben müssen, und zwar in Abstufungen von 50 bis 2000 Mark (Königsberg). Die Beihilfen der Staatsregierung sind im Wesentlichen dazu bestimmt, die oft jämmerlichen Gehälter der Religionslehrer aufzubessern. Allerdings sind die ostpreußischen Religionslehrer zum Teil für den Lehrberuf wissenschaftlich und methodisch nicht vorgebildet, und es soll deshalb nur noch die Anstellung geprüfter Religionslehrer zugelassen werden, wie es der Lehrerverband früher gefordert hatte. Der Bericht klagt in einem andern Punkt über eine allzu bureaukratische Auslegung einer Bestimmung des Schulunterhaltungsgesetzes. Danach sollen Staat oder Gemeinden verpflichtet sein, Beihilfen für den jüdischen Religionsunterricht zu gewähren, sobald zwölf, jüdische Schüler vorhanden sind. Im Ministerium verlangt man als Voraussetzung für die Gewährung von Beihilfen das Vorhandensein dieser Mindestzahl von Schülern auf einer „Station". Das Abgeordnetenhaus aber hat kürzlich festgestellt, daß es bei der Normierung der gesetzlichen Bestimmungen eine viel weitergehende Absicht gehabt hat: es hatte nur verlangt, daß m einem Religionsschulverband 12 Schüler verhanden seien. Der Ausschuß des Verbandes setzt sich jetzt folgendermaßen zusammen: Sanitätsrat Dr. Kamnitzer - Allenstein, Vorsitzender, Justizrat Holz-Königsberg und Rechtsanwalt Wistinetzki - Allenstein, stellvertretende Vorsitzende, Apothekenbesitzer W. Lewin-Allenstein, Kassierer, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg, B. Breslau-Tilsit, Professor Dr. Lassar-Cohn-Königsberg, Stadtrat O. Eichelbaum» Jnsterburg, B. Holz-Insterburg, Stadtrat S. Jacoby - Osterode, E. Jacobh-Rastenburg, Max Jacobsberg-Zinten, I. Lazar, Inspektor Peritz und Rabbiner Dr. Vogelftein-Königsberg. Dem Verbände gehören. jetzt 44 Gemeinden mit einem Beitrag von 1544 Mark an. Die Einnahmen betrugen 6277.51 Mark, die Ausgaben 3190.04 Mark, das Gefamtvermögen 14401.46 Mark. b. Hildesheim, 28. Mai. Unser Gemeindevorsteher Herr- Gustav Sabel, von dessen 70. Geburtstage vor einem halben Jahre Sie in Ihrem geschätzten Blatte Notiz genommen haben, ist am 18. dieses Monats einem Leiden, das sich bald darauf eingestellt hatte, erlegen. Der Verblichene leitete mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit 18 Jahre lang ' die Obliegenheiten unserer

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