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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-06-04 · Heft 23 (4.6.1909) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 23 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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wmmm Kinder, ohne Unterschied, mit den anderen Kindern zugleich, .in;.allen russischen Schulen, Gymnasien und Universitäten ausgenommen werden 'muffen. Im Bahre 1835 sah die Regierung, ich bediene mich/ihrer eigenen/ Worte-. in der Bildung-das Unterpfand einer moralischen. Besserung des Zustandes) der Juden/ und die Verbesserung ihrer.Lebensart/ und ' meine Herren, diese Anschauung der Regierung ist bis aus.den heutigen Tag in den bestehenden Gesetzen erhalten:-lesen Sie cden Abschnitt 966 im IX.'Bande, dann den Abschnitt 787 in - der Gesetzausgabe i>es- Jahres 1899 — so werden Sie ersehen, daß die Kinder der Juden auch dort in den höheren Lehranstalten, ohne jedweden Unterschied, als Auszunehmende betrachtet werden; die: Norm, die viel später aufgetreten ist, ist aus einem Allerhöchsten Befehl begründet, der dem Minister bloß das Recht gibt, dieselbe zu verordnen; etn Recht, das nun durch eine Methode normiert ist, deren Gesetzlichkeit für mich einem Zweifel unterliegt: Sie haben für alles nur eine Antwort: „Die Juden haben die Revolution gemacht, und die Juden muß man hinrichten". (Stimmen rechts: „Nein, warum hinrichten?") Wenigstens, das Mitglied der Duma, Schulgin, scheint mir, sagte dies — das sind seine authentischen Worte... „Meine Herren! wenn das Dorfvolk, im Falle einer Cholera, sich auf die Aerzte stürzt, in dem Glauben, daß die Cholera deshalb entstanden, weil die Brunnen vergiftetsind, (eine Stimme rechts: „Und was glauben Sie?") oder, daß auf der Welt ein ganz besonderer Mensch herumlaufe, der di.e Cholera heißt, und den dasselbe bei Gelegenheit tötet, so begreife ich, daß man dieses Dorfvolk belehrenmuß. .Wenn aber das Mitglied des Verbundes des russischen Volkes, der Advokat Paul Bulazel, in der ,Uu8sLo)6 Znamja“ („Sie russische Fahne") eine Reihe von Aufsätzen schreibt, die beweisen, daß der Tod durch eine Herzlähmung speziell den rechten Gemeindevertretern eigen ist, und daß dieser Tod durch ein gewisses Gift, „Kurare“, verursacht wird, das die Freimaurer und die jüdischen Bankiers verbreiten, so glaube ich dann, daß man den Paul Bulazel kurieren muß. Was aber muß man dann sagen, wenn der finstere Volksinstinkt oder das Phantasieren eines Verrückten zu einem Regierungsprogramm gemacht wird? Gewiß, dagegen muß man kämpfen, und man muß anerkennen, daß jenes Land unglücklich ist, welches von Ungebildeten und Manioken, unter geneigter Vermittlung von Spitzbuben regiert wird." (Lärm. Beifallsklatschen links.) Geradezu vernichtend sind die Enthüllungen, die über das Treiben des „Verbandes der echten Russen" gemacht werden. Die Reichsduma hat eine Interpellation über die verbrecherische Tätigkeit dieses Verbandes mit großer Majorität angenommen. Eine Kommission ist, mit Untersuchung der Angelegenheit betraut worden, die noch im Laufe der Woche ihren Bericht erstatten soll. Sie wird Mühe haben, ihre Arbeit in dieser kurzen Frist zu erledigen, denn die Enthüllungen über die Zusammen-- arbeit des Verbandes und der Behörden zur Organisation der grausamsten Judenverfolgungen mehren sich jetzt von Tag zu Tag. Es ist kein Zweifel mehr, daß vom Dubrowinschen Hauptquartier aus der weiße Schrecken im Reiche verbreitet wurde. Heute erzählt in dem Blatte „Nowaja Ruß" das frühere Vecbandsmitglied Barkow, daß nach dem Erlaß des Oktobermanifestes die Mehrzahl aller Pogroms vom Verbände unter Mithilfe der Regierung organisiert w u r d e. Barkow führt das Odessaer Pogrom als ein ganz charakteristisches Beispiel für die Ausführung an. Der Ausführung war dort ein ausführlicher Brief- und Depeschenwechsel zwischen Dr. Dubrowin, dem Präsidenten des Verbandes, und dem Grafen Konownizyn, den Leiter der Odessaer Filiale des Verbandes vorangegangen. Nach dem Gelingen des Odessaer Pogroms kam nun Graf Konownizyn 'mit dem früheren Postbeamten Moifsejenko, einem Hauptteilnehmer an dem Pogrom, nach Petersburg, wo Moissejenko als Held des Tages gefeiert und von Dubrowin ausgezeichnet wurde. Der Einfluß des Zentralkomitees des Verbandes ging so weit, daß Dubrowin seine Helfershelfer einfach zu den Gouverneuren sandteund durch.diese ganz neutrale' Personen- .verhaften - und answeisen ließ. . Ueberall in . der ' Provinz hat dann noch, bewaffnete Polizei, auf Veranlassung .der Gouverneure und Verbändler Unruhen angeftiftet. -* Wir sagten, diese Enthüllungen wären vernichtend. Gewiß, in aller Wett — nur leider ni-cht in-Rußland. ~ \ y. Der neue Scheich-ul-Jslam, Sahib Molla Beh, hatte lange vor seiner Berufung auf diesen Posten nach der Wiederherstellung der Verfassung der ' Regierung den Rat erteilt^ durch das Scheich-ul-Jslamat ein Rundschreiben an , alle Ulemas und Muftis in der Türkei zu richten, das diesen zur Pflicht machen sollte/ den Muselmanen die Wohltaten der Verfassung zu erläutern und sie insbesondere aufzusordernfür ein Einvernehmen mit allen Söhnen des Vaterlandes ohn e Un t er sch i e d d er Rasse und der R e ligiön zu wirken. Sein Wunsch wurde aber von seinen beiden Vorgängern im Amte nicht beachtet. Wenn man ihm entsprochen hätte, so wäre die Eintracht zwischen den verschiedenen Elementen des Landes viel leichter hergestellt worden. Nach seinem Amtsantritte war es seine erste Sorge, ein derartiges Rundschreiben zu erlassen, und die wohltätigen Folgen dieses Schrittes machen sich bereits bemerkbar. In türkischen Kreisen ist man der Ansicht, daß auch die geistlichen Oberhäupter der anderen Glaubensgemeinschaften in der Türkei das Beispiel des Scheich-ul-Jslam nachahmen sollten. Der Großrabbiner Nahum wird sicher gern diesem schönen Beispiel folgen. ■ ■ Die türkischen Staatsmänner, die jetzt am Ruder sind, scheinen wirklich die Einwänderung von Juden in die Türkei begünstigen zu wollen. So hat am 15. dieses Monats, wie man der „Welt" aus Konstantinopel berichtet, der Präsident der türkischen Kammer, Achmed Riza Beh, dem Großrabbiner Nahum einen längeren Besuch abgestattet und diese Frage berührt. Er wiederholte und verstärkte, was er schon vor vielen Wochen über diesen Gegenstand geäußert hatte. Er ist nach wie vor der Meinung, daß die Einwanderung der Juden in die Türkei geradezu eine Notwendigkeit für das Land ist. Seine Landsleute wünschten und wollten die Verstärkung des jüdischen Elementes im Reiche. Er spreche nicht nur von sich aus und unverbindlich, sondern die türkische Regierung denke so wie er. Sie werde auch der Immigration der Juden alle mögliche Erleichterung zuteil werden lassen. So werde Vorsorge getroffen werden, daß die einwandernden russischen, - rumänischen oder galizischen Juden zum sofortigen Erwerb der ottomanischen Staatsangehörigkeit gelangen könnten. Als Einwanderungsgebiet stünde ihnen der ganze Umfang des Reiches ohne irgendeine einschränkende Ausnahme offen. Der Großrabbiner nahm Gelegenheit, den Kammerpräsidenten darauf, hinzuweisen, daß einstweilen wenigstens ein türkisches Gebiet existiere, daß der jüdischen Einwanderung Schwierigkeiten bereite. Das sei Palästina, wo der Jude keinen freien Eintritt habe. Bei der Landung in Jaffa nehme man ihm den Paß ab und gebe ihm den berüchtigten roten Zettel, der seinen Aufenthalt in diesem Lande beschränke und ihn allen anderen Einwohnern und Besuchern Palästinas gegenüber als Menschen zweiten Grades erscheinen lasse. Die Konstitution mit Verkündung der Gleichheitsrechte und der Freizügigkeit sei zwar eingeführt, aber der rote . Zettel sei nichtsdestoweniger in Wirksamkeit geblieben. Achmed Riza hörte erstaunt diese Bemerkung an. Er wußte von dem roten Zettel nichts und war über seine Beibehaltung durch, die Lokaladministration sehr entrüstet. Er. bat .den

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