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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-28 · Heft 22 (28.5.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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einen tiefen Eindruck gemacht hat. Sie war von inniger Begeisterung für das Judentum und von wohltuender Toleranz durchweht, ein rechter Kiddusch Haschern. Hierauf ivurde eine in künstlerisch schönem Druck ausgeführte Urkunde in den Grundstein eingesührt, welche die Geschickte der hiesigen israelitischen Gemeinde, ihre bisherigen gottesdienstlichen Stätten Und das Zustandekommen des neuen Synagogenbaues behandelt. Wie die Urkunde erwähnt, flössen .an größeren Geschenken dem Baufonds zu: eine letztwillige Gabe, laut Testament vom verstorbenen Kommerzienrat L. Ephraim 10000 Mark, von Kommerzienrat Emänüel Alex. Katz an seinem 70. Geburtstage 30 0O0 Mark, die gleiche Summe an seinem 70. Geburtstage von Kommerzienrat Sally Heymann, von Handelsrichter Arthur Alex.-Katz 10 OOO Mark, Den regsten Anstoß aber und die gesicherte Ausführung erhielt der Plan des Synagogenbaues durch die hochherzige Gabe des ersten Gemeindevorstehers Herrn Kommerzienrat Emanuel Alex,-Katz, der den für 7O OO0 Mark von der Stadt angekauften Bauplan der Gemeinde zum Geschenk machte. Sodann erfolgten die Hammerschläge der offiziellen Vertreter unter entsprechenden Glückwünschen. Das Kaisergebet schloß die eindrucksvolle Feier würdig ab. M. Hamburg, 20. Mai. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde hat den Tod ihres geistlichen Oberhauptes zu beklagen. Oberrabbiner Markus Hirsch ist am .18. d. M. nach kurzer, schwerer Krankheit sanft entschlafen. Der Verblichene, der im 77. Lebensjahre stand, gehörte zu den bedeutendsten orthodoxen Rabbinern der Jetztzeit und genoß weit über die Hamburger Gemeinde hinaus hohes Ansehen. Im Jahre 1833 wurde er in Tisza-Beö in Ungarn geboren, er besuchte die Jeschibot seiner ungarischen Heimat und setzte seine Studien in Prag fort. Als 23jähriger wurde er bereits als Rabbiner nach Karczag berufen; 1861 folgte er einem Rufe nach Altofen. Dort hat Hirsch eine gedeihliche Tätigkeit, im Sinne der Status guo-Partei ausgeübt, um den Frieden zwischen Orthodoxen und Neologen herzustellen. Im Jahre 1880 wurde er zum Oberrabbiner von Prag gewählt, bis er neun Jahre später dem Rufe der Hamburger Gemeinde folgte, um hier als Nachfolger des 1888 gestorbenen Oberrabbiners A. Stern zu wirken. Hirsch hat sich große Verdienste um die Entwicklung der Hamburger .Gemeinde erworben, er hat die altbewährten Institutionen derselben zu hoher Blüte gebracht, Er hat aber auch viele neue Institutionen geschaffen. Seiner Initiative dankt die 1893 eröffnete Israelitische höhere Töchterschule ihr Entstehen, welche seitdem zu einer neunklassigen Musteranstalt sich entwickelt hat. Die neue Gemeindesynagoge ist in erster Reihe das Verdienst des Verstorbenen. Er gehörte der strenggläubigen Richtung an. genoß aber wegen seiner Toleranz und Klugheit auch bei den Vertretern der liberalen Richtung Beliebtheit. Auch von den Hamburger Behörden wurde er sehr geschätzt; als er im Februar 1903 unter Teilnahme der ganzen Gemeinde seinen siebzigsten Geburtstag feierte, erschien auch Herr Senator Kühler in der Wohnung des Herrn Oberrabbiners, um die Glückwünsche des Senats zu. überbringen. Die Beerdigung fand heute unter außerordentlicher Teilnahme statt. Nachdem im Sterbehause der Sohn, Rabbiner Dr. Hirsch-Karolinenthal, herzerschütternde Abschiedsworte gesprochen, wurde der Sarg nach der Synagoge in der Bornstraße überführt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Als Erster sprach Rabbiner Dr. N. .A. Nobel, sodann für den Synagogen-Verband Dr. B. Levh, für die Familie der Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Jacobson-Gnesen. Auf dem alten Friedhose in Ottensen sprachen die Herren Hermann Gumpertz- Hamburg für das Kuratorium, Dr. Hoffmann für das Dozenten- Kollegium des Rabbiner-Seminars, Dr. Bendiner für die Gemeinde Prag und schließlich Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu-München. h. Karlsruhe, 11. Mai. Ein Fall, der von allgemeinem Interesse ist, wurde heute vor dem Schöffengericht verhandelt. Der Kaufmann Kayser ist seiner Religionsanschauung nach orthodox, demgemäß Mitglied der hier bestehenden orthodoxen Religionsgesellschaft, zugleich aber auch der allgemeinen israelitischen Gemeinde. Kayser hatte seinen achtjährigen Knaben zunächst in den allgemeinen israelitischen Religionsunterricht der Volksschule geschickt. Dieser genügte ihm jedoch nicht, weil da angeblich nur biblische Geschichten gelehrt würden, während die eigentliche Religions- und Sittenlehre ausgeschaltet sei, und weil auch der Religionslehrer angeblich fundamentale Gesetze des Judentums, wie zum Beispiel die Sabbatseier, nicht einhalte. Kayser ließ also seinen Knaben diesen Religionsunterricht nicht mehr besuchen, sondern überwies ihn dem der orthodoxen Religioys» gesellschaft. Gleichzeitig suchte er bei dem Rabbinat um Befreiung von dem Religionsunterricht der Volksschule nach, wurde aber .abschlägig beschieden. Die orthodoxe Religionsgesellschaft richtete eine Eingabe an den Ob erschulrat. der zunächst entschied, daß der von zwei Rabbinern und zwei anderen Lehrern erteilte Unterricht der orthodoxen Religionsgesellschaft als Ersatz vollauf genüge. Auf Veranlassung des Oberrats der Israeliten ließ jedoch der Oberschulrat fick von diesem Standpunkt dann wieder ab bringen und verfügte neuerdings, daß auch orlhodoxe Eltern verpflichtet seien, ihre Kinder von dem Gemeinde-Religionslehrer unterrichten zu lassen, solange sie der badischen israelitischen Landeskirche angehörten. In diesem Erlaß erteilte der Oberschulrat den orthodoxen Israeliten auch den Rat, eventuell aus der Landeskirche auszutreten. Sie erhielten für diesen Fall Befreiung von der eigentlich noch auf ein Jahr weiter zu zahlenden Kirchensteuer. Das Gericht nahm an, daß die prinzipielle Seite der Frage vor das Verwaltungsgericht gehöre, und hielt sich zunächst nur an den formalen Hergang. Kayser wurde demgemäß zur Zahlung der gegen ihn verfügten Polizeistrafe von zwei Mark wegen Fernhaltung seines Kindes von dem allgemeinen Religionsunterricht verurteilt. Er hat Berufung eingelegt. Oesterrejch-Ungarn. □ Wien, 24. Mai. Der .jüdische Klub" im Parlament scheint einen Erfolg errungen zu haben. Der Kultusminister hat einen jüdischen Referenten ins Kultusministerium für die Angelegenheiten der Juden in Oesterreich berufen. Wie es heißt, soll Dr. Salomon Frankfurter. Kustos der Universitätsbibliothek, für diese Stellung designiert sein, eine Wahl, die jeder, der diesen Herrn kennt, nur billigen kann, da er umfassende Sachkenntnis mit inniger Liebe zum Judentum verbindet. — Ein altes Schreckgespenst, das Defizit, ist in der letzten Plenarsitzung des Kultusvorstandes, wirklich in die Erscheinung getreten; es beträgt für 1908 im ganzen 175848 Kronen! Dabei versicherte der Schatzmeister der Gemeinde, daß die Ausgaben in stetem Wachsen begriffen seien, während die Einnahmen immer mehr zurückgingen Allerdings hat man in diesem Jahre 150000 Kronen für die Mikwah äusgegeben — unter solchen Umständen wollte man das Ansuchen der historischen Kommission, das dahin geht, daß die Gemeinde für die Drucklegung eines Jnschristenwerkes der Grabsteine am alten jüdischen Friedhofe einen entsprechenden Beitrag leiste, mit — 1000 Kronen abfertigen! Erst der Intervention des Vorstehers Dr. M. Spitzer, der stets für die Wissenschaft des Judentums begeistert eintritt, gelang es, die Subvention auf 3000 Kronen zu erhöhen. — Was das übrige Oesterreich noch nicht erreicht hat, das haben die Juden in Kroatien in aller Stille geschaffen. Nach lOjühriger rastloser Tätigkeit des Esseker Knltusvorstehers Dr. Hugo Spitzer wurde am 29. Juni vergangenen Jahres in Agram die Gründung eines Verbandes des kroatisch-slavonischen israelitischen Gemeindebundes beschlossen, und es wurden damals in der Versammlung die allgemeinen Prinzipien der Verbandsstatuten festgelegt — aber am 19. v. M. wurde erst die Konstituierung des Verbandes vorgenommen und ein provisorischer Zentralausschuß gewählt, welcher die im Sinne der beschlossenen Abänderungen endgiltig redigierten Statuten der Regierung zur Genehmigung unter» breiten wird. Am 18. u. 19. v. M. hat in Agram eine Konferenz der Vorsteher und Rabbiner der kroatisch-slavonischen israelitischen Kultusgemeinde stattgesunden, in der die Konstituierung des Gemeindebundes vorgenommen wurde. Derselbe ist als Zentralstelle der gesamten Judenheit Kroatiens und Slavoniens gedacht und hat sowohl ihre Gesamtals auch die besonderen Interessen der einzelnen Kultusgemeinden zu fördern und zu vertreten- — Eine bemerkenswerte Rede hat der reformierte Bischof von Siebenbürgen auf die Begrüßung des Rabbiners zu Blasendorf gehalten. Er sagte wörtlich: .In unserer Zeit des Materialismus und religiöser Indolenz erfüllt mich die selbstbewußte Betonung , Ihrer Strenggläubigkeit mit Anerkennung und Freude. Schon vor vielen Jahrtausenden kämpfte Ihr Volk mit verschiedenen Nationen der Welt für die kostbaren Güter des heiligen Glaubens. Auch der Psalmist sagt: „Hommn rogschu Gojim ul-Umim johgu rik“ . . (diese Worte zitierte der Kirchenfürst im Original), aber das Wort Ihrer

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