Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1909)
- Date
- 1909-05-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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i keit seines Vortrages bei den Studierenden außerordentlich? geschätzt/ Adolf Pinner war ein guter Jude, er nahm innigen Anteil anüven Angelegenheiten unserer Gemeinschaft. Auch' im Ehrendienst unserer Gemeinde war er bis zu seiner Erkrankung tätig. Der Bibliotheks- Kommission gehörte er bis zum Tode an. Alle, die den vortrefflichen' Mann kannten, werden ihm ein treues Andenken bewahren. >- Die- Trauerseier für den Verstorbenen fand am 24. Mai in der Aula der Tierärztlichen Hochschule statt. Rabbiner Dr. Hoch selb hielt eine ergreifende Rede. Dann hielt der Rektor der Tierärztlichen Hochschule, Geheimrat Schmalz, namens der Hochschule dem Entschlafenen einen Nachruf und würdigte seine akademische Lehrtätigkeit. Professor Gabriel sprach namens der Deutschen Chemischen Gesellschaft, deren Vorstand Pinner angehörte. Justizrat Dr. Horwitz gedachte der Wirksamkeit des Entschlafenen im Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Harmoniumspiel und das ,, Integer . vitae“ beendeten die Trauerfeier. s. Berlin, 24. Mai. Gestern abend ist infolge eines Schlagunsalles der.Oberlehrer an der Luisenstädtischen Oberrealschule, Professor Tr. Siegfried Hosch im 54. Lebensjahre gestorben. Als er die Fichtestraße.an der Hasenheide entlang ging, brach er auf dem Bürgersteige bewußtlos zusammen. Straßenpassanten nahmen sich seiner an und holten einen Arzt herbei.. Noch ehe dieser eintraf, starb Professor Hosch. Als Todesursache , wurde Herzschlag konstatiert. Professor Hosch gehörte schon seit Jahren dem Lehrerkollegium der Luisenstüdtischen Oberrealschule an und erfreute sich bei seinen Kollegen und Schülern allgemeiner Beliebtheit. n. Stettin, 20. Mai. . Das Zweigkomitee des hiesigen israelitischen Frauenvereins (außerordentliche Mitglieder) wurde im Januar 1904 mit 59 jungen Mädchen — sämtlich im Berufsleben stehend — gegründet. Die Tendenzen des Komitees gipfeln in der -sozialen Fürsorge für beruflich arbeitende junge Mädchen, Um das geistige Interesse der jungen Mädchen zu fördern, schuf das Komitee Lehrkurse wissenschaftlicher Art, wie auch kaufmännischer, welche sich der wachsenden Teilnahme der Mitglieder erfreuen. — Gestützt auf die großen Erfolge, welche durch die Gründung des Ferienheims in Misdroy respektive Swinemünde erzielt wurden und dessen Besuch sich von Jahr zu Jahr steigerte — so beherbergte das Heim im Jahre 1908 auch viele Berlinerinnen und junge Mädchen aus der Provinz — sah sich das Komitee veranlaßt, im Herbste deS letzten Jahres ein eigenes Heim am Orte zu gründen, um den beruflich arbeitenden Mädchen eine Häuslichkeit nach des Tages oft heißem Mühen zu geben. Der zunächst mit zwei jungen Mädchen gemachte Versuch glückte; denn schon im Laufe weniger Wochen wurde dem Komitee die Genugtuung, daß sich mehrere Mädchen um Aufnahme bewarben. Heute beträgt die Zahl der Pensionärinnen bereits acht. Die Wohnung, in bester Gegend gelegen, besteht aus sieben großen, freundlichen Zimmern; die jungen Mädchen zahlen je nach. Lage der Zimmer 45 bis 60 Mark pro Monat für völlige Pension, inklusive warmer Bäder. Mit dem Pensionat ist ein Koch- und Haüshaltungskursus, unter Leitung der Hausdame, verbunden, welcher Gelegenheit zur Erlernung der rituellen Küche und zur Leitung einer größeren Häuslichkeit bietet. Der tägliche Mittagstisch wird von zirka 15 Personen besucht. Die Kost ist Hausmannskost, das Mittagessen besteht aus Suppe, Gemüse, Braten und Kompott. Der Kursus für Haushaltung ist auf 15 Mark pro Monat festgesetzt, an demselben beteiligen sich augenblicklich fünf junge Mädchen. Nichtbemittelten wird Preis-- ermäßigung gewährt. Die Damen des Vorstandes sind alternierend täglich zur persönlichen Kontrolle des Haushaltes anwesend. Lx. Aus der Provinz Posen, im Mai. Der Kultusminister hat die Auflösung der jüdischen Schule in Zerkow angeordnet, nachdem dieselbe lange Zeit nur noch von einem Kinde besucht gewesen ist. Die jüdischen Schulväter sind der evangelischen Schulgemeinde einverleibt worden. — Am 1. Juli d. I. tritt der Geheime Medizinalrat, Kreisarzt Dr. Lißner in Kosten in den Ruhestand. — Neulich ist plötzlich an Gehirnschlag im Alter von 51 Jahren der Kaufmann,Leopold Ohnstein in Pieschen gestorben. Derselbe war Mitbegründer des dortigen Turnvereins, auch langjähriges Vorstandsmitglied und seit sechs Jahren Stadtverordneter daselbst. — Kaufmann L. Krön heim in Bromberg spendete neulich dem VerschöneruNgsverem und Tierschutzverein seiner Heimatstadt Frie d h e im .• je 50 Mark/ st. Pösett, 44. Mai. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde die Mitteilung gemacht, daß Herr Otto Stern, Inhaber; der Firma Leopold Goldenring, namens der Geschwister Goldenring in Posen-Berlin-Straßburg i. E. der Stadt Posen eine Spende von 12 000 Mark überwiesen hat. Der Betrag soll zu?,Verschönerungszwecken. insbesondere zur Aufstellung eines Kunstwerkes der Plastik Verwendung finden?— Der. Provinzialrat hat sich vor kurzem endlich mit dem Statut für die Sonntagsruhe beschäftigt und entschieden, daß..Beschwerden der Stadt gegen die Beschlüsse des Bezirksausschusses verwiesen. werden, das heißt, daß die Ausnahmebestimmung für sabbattreue jüdische Geschäftsleute, des Sonntags zu gewissen Stunden hinter verschlossenen Türen, arbeiten zu dürfen, nicht zugelassen worden ist. — Gestern wurden in der.Stadtverordnetenwahl in der. ersten Abteilung des Wahlbezirks Posen- Altstadt die gemeinsamen Kandidaten. des.. Freisinnigen und des Deutschen Vereins, Rechtsanwalt Jarecki und Generalagent 5. Oelsner mit großer Stimmenmehrheit gewählt. — Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Posen für 1907/08 ist über den Besuch der Privatschulen folgendes statistisch nachgewiesen. Die Knothe- Schule zählte 358 Mädchen, darunter 104 mosaische, die v. Hartmann- Schule 141, 46 mosaische. . -Während für den Religionsunterricht der nichtjüdischen Schülerinnen die betreffenden Schulleiterinnen Sorge tragen, geschieht in diesem Falle für die jüdischen Mädchen nichts. Ein Teil derselben besucht zwar die Feilchenfeldsche beziehungsweise Blochsche Religionsschule,' aber ein bedeutender Prozentsatz wächst heran, ohne eine Ahnung von jüdischem Religionsunterricht zu haben. So geschah es, daß bei einer. Schulrevision auf die Frage: „Wer war der größte/Prophet in Israel?" kein jüdisches Mädchen zu antworten wußte. Ein Nebelstand, der in einer Großstadt wie Posen und bei einer starken jüdischen Einwohnerzahl nicht Vorkommen dürfte. An wem liegt wohl die Schuld?, LI. Breslau, 24. Mai.. Die 31. ordentliche Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, findet am 31. d. M. vormittags 9^2 Uhr hier im. Sitzungssaale der Repräsentanten der Synagogengemeinde, Wallstraße' 14, 2 Tr., statt. Die Tagesordnung lautet : 1. Gedenkrede auf den verstorbenen Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Badt. 2. Bericht über das letzte Vereinsjahr sowie über die Tätigkeit des Verbandes der jüdischenLehrervereine im Deutschen Reiche. 3. Rechnungslegung der Kassenverwaltung. 4. Neuwahl des Vorstandes. (Antrag Hamburger-Brieg betr. Aendernng des § 5 der Statuten) 5. Die Disziplin in der Religionsschule (Hamburger-Brieg.) 6. Referate über Tennenbaum: Jüdische Tempelgesänge für den Sabbath, Löwh: Schaare-Tefillah und Vorstufe für den Uebersetzungsunterricht, Dr.. Freund: Jüdisches Volksschulrecht. (Heymann- und Movps-Breslau). 7. Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung. Die Ferienkurse in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer werden auch in diesem Jahre und zwar in der. Zeit von Sonntag den 4. bis Freitag den 23. Juli hier abgehalren werden. Der Studienplan wird in einer der nächsten Nummern dieses Blattes veröffentlicht werden. Anmeldungen zur Teilnahme wie Anfragen sind an Lehrer Moops, Breslau, Ohlauerstr. 1, zu richten. . i. Görlitz, 23. Mai. Die Feier der Grundsteinlegung zur neuen Synagoge hat am Mittwoch stattgefunden und nahm einen sehr würdigen Verlauf. Zunächst bezeugten dem feierlichen und bedeutsamen Akte Behörden und Bürgerschaft ehrende Anteilnahme. Ter Regierungspräsident zu Liegnitz hatte einen Vertreter entsandt. Die staatlichen Behörden vertrat ferner Landrat von Roeder. Die städtischenBehörden vertraten Oberbürgermeister Snay und stellvertretender Stadtverordneten - Vorsteher Justizrat Roth. Ferner waren Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums erschienen, und die Teilnahme des Superintendenten Pastor prim. Kirchhofer als. Vertreter der evangelischen Geistlichkeit wie des Erzpriesters Geistlichen Rats Urbanneck als Vertreter der katholischen Geistlichkeit zeugte von der herzlichen Eintracht der Konfessionen in unserem Görlitz. Zur Eröffnung der Feier erklang weihevoll das Eingangslied „Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken", vorgetragen vom Synagogenchor. Dann betrat der greise Rabbiner Dr. Freund das Rednerpodium. um die Weiherede zu halten, die den Mittelpunkt der Feier bildete und auf alle Anwesenden sichtlich :I