Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1909)
- Date
- 1909-05-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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^':-K ’l-:■-■-<'-v■;V^;i'-:V:.'}--.'^:.;-v"v^■ v'V^''-; S'--t ■ - -1 Väter, Abraham, Isaak und Jakob, stand Ihnen bei. Zum Patriarchen Abraham' sprach der Ewige: er möge sein Vaterland verlassen und in das Land der Verheißung ziehen. Ihnen ward das Ungarland zur Heimat. Hier brauchen Sie keinen Kampf mehr zu führen um Ihren Glauben — ich glaube. Sie betrachten uns doch nicht als Feinde. Beharren Sie nur fest in der strengen Ausübung Ihrer Religion in des Wortes edelster Bedeutung und unterrichten Sie nur weiter Ihre Jugend in der heiligen Sprache, in jener kernigen geist- und ausdrucksvollen „Loschaun hakodesch", welche in unvergleichlich markanter Weise Charaktere schildert, und Bilder entwirft und aus deren erhabenen Einfachheit wahres ungekünsteltes Leben spricht. Und da Sie die Gläubigkeit mit dem Patriotismus in Einklang zu bringen verstehen, können Sie zu jeder Zeit auf unsere Unterstützung rechnen." Meran, 14. Mai. Der Verein „Asyl für mittellose kranke Israeliten" hat nach einjähriger erfolgreicher Tätigkeit durch den Betrieb des herrlichen Genesungsheims, in welchem feit Februar 1909 die zur Verfügung stehenden 86 Betten mit über hundert Pfleglingen dauernd belegt waren, den Beweis seiner Tüchtigkeit erbracht. Am 28. März legte der Vorstand der Generalversammlung Rechenschaft ab. Der Präsident Herr Dr. med. M. Koref begrüßte die Anwesenden in einer längeren Ansprache, in welcher er nicht allein die Prinzipien, nach denen das Haus geführt wird, auseinandersetzte und das Verständnis für die Geschäftsgebahrung bei den Anwesenden weckte, sondern auch in herzlichen Worten des verstorbenen Präsidenten H.rrn Friedrich Stransky und der verstorbenen Mitglieder des Vereines gedachte. Der Geschäftsbericht des Herrn Dr. W. Hersch, des gcschäftsführenden Vizepräsidenten des Vereines, bot durch die Fülle des Materials und statistischer Daten einen ungemein klaren Einblick in das Getriebe dieses großen Werkes und zeigte, wie viel Voraussicht und Planmäßigkeit notwendig war, um aus den vorhandenen Mitteln ein Haus aufzustellen, welches mit allem aus gestattet ist, was Hygiene und moderner Betrieb verlangt. Auch der Kassa- und Revisionsbericht (Kassier Herr Katzenstein und Revisor Herr Gutmann) fand seitens des aufmerksam zuhörenden Publikums ungeteilte Anerkennung. Zum Schlüsse wurden von der Versammlung Herr und Frau Dr. Hersch, Herr A. Winterberg-Wien und Frau Emma Zinner zu Ehrenmitgliedern einstimmig ernannt und hierdurch für die großen Verdienste, die emsige Arbeit und Unermüdlichkeit der genannten Herren und Damen der Dank äußerlich kundgetan. Es ist zu wünschen, daß das großartige Genesungsheim dieses Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" von allen Glaubensgenossen gefördert . werde und jeder einzelne durch einen Beitrag dem Institute über den ersten und schwersten Anfang hinaus helfe. Vvn Matz und jfrrn. Den Charakter als Justizrat haben erhalten die Rechtsanwälte Max Hahn, E. Masur, A. Lewinsky, Dr. H. Straßmann, O. Emanuel, S. Wreschner, L. Lewin, L. Hamburger, L. Hirsch, G. Jacobsohn in Berlin, Jaco bi in Frankfurt a. O., Dr. Brasch in Coblenz, Dr. Mannheim in Köln, Waldstein in Altona. — Dr. G. Altmann ist zum städtischen Oberlehrer in Charlottenburg gewählt worden. — Der Stadtverordnete H. Witkowsky, der seit Jahren seine hingebende Tätigkeit dem jüdischen Krankenhause zuwendet, feierte am 22. d. M. mit seiner Gattin Erika, geb. Goldmann, unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise das Fest der goldenen Hochzeit. — Der verstorbene Generalkonsul Martin Burchardt hat in seinem Testament denjenigen Vereinen, deren Mitglied er bis zu seinem Ableben gewesen ist, ein Vermächtnis von je 1000 Mark mit der Bestimmung ausgesetzt, daß er als immerwährendes Mitglied in den betreffenden Vereinen geführt werde. — Gegen den Grafen Pückler Klein-Tschirne sollte jüngst vor der Strafkammer in Glogau verhandelt werden. Trotzdem er wegen Geisteskrankheit entmündigt worden ist, war gegen ihn ein Wiederaufnahmeverfahren durchgesetzt worden. Die Sache mußte jedoch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden, weil die Aerzte der Heilanstalt, in der Graf Pückker seit Jahresfrist untergebracht ist, begutachtet hatten, daß er seines gegenwärtigen Zustandes halber zum Termin nicht erscheinen könne. — Die auf .dem Essener Gymnasium beliebte Unterscheidung der Schüler nach dem Stande und den Vermögensverhältnissen der Eltern, die im preußischen Abgeordnetenhause zu lebhaften Debatten Anlaß gegeben hat, scheint auch auf die Konfession ausgedehnt worden zu sein. Die „Germania" verlangt eine Aufklärung von dem Gymnasialdirektor Biese, weshalb in der Klasse A niemals ein Israelit gewesen ist. — In Trier ist der Oberrabbiner Dr. Baß freund von der Regierung zum Ortsschulinspektor der israelitischen Volksschule ernannt. — Amtsrichter Dr. Rosenwald ist zum zweiten Staatsanwalt in Nürnberg ernannt worden. — Der Stadtmagistrat in Bad Kissingen hat an einer Bank in den Promenaden eine Gedenktafel für Jules Oppert, den berühmten Orientalisten und Assyriologen aus Paris, anbringen lassen. Oppert war ein ständiger Kurgast in , Kissingen. — Die bürgerlichen Kollegien in Stuttgart haben Herrn Geheimen Hofrat Dr. Eduard v. Pfeiffer in dankbarer Würdigung seiner gemeinnützigen Tätigkeit und Opferwilligkeit das Ehrenbürgerrecht der Stadt Stuttgart verliehen. ' Diese Auszeichnung ist umso ehrenvoller, da sie nur sehr selten verliehen wird; gegenwärtig ist nur noch Graf Zeppelin Ehrenbürger von Stuttgart. —In Luxemburg sind nach dortigen Blättern zahlreiche Gemeindemitglieder aus der Gemeinde ausgetreten und haben eine neue jüdische Religionsgemeinschaft begründet. Anscheinend haben weitgehende Reibereien zwischen den Gemeindebeamten die Streitigkeiten verursacht. — In Auxerre ist Professor Leon Levy, der Schwiegersohn des Großrabbiners von Frankreich Alfred Levy, ' gestorben. — In der am vorigen Montag in London stattgehabten Massenversammlung, in welcher Israel Zangwill seine vorstehend skizzierte Rede gehalten hat, erklärte der Multimillionär Joseph Fels, einer der eifrigsten Anhänger der' „Jto", unter stürmischem Beifall der Versammlung, daß er für den Ankauf kommunalen, dem jüdischen Volke gehörenden Landes im neuen Territorium die Hälfte seines Vermögens zu widmen bereit sei. — Die „Riv'sta Critica“, das Organ des Senators Angel Pulido in Madrid teilt mit, daß sich daselbst eine Liga zur Beförderung der Rückkehr der Juden nach Spanien unter dem Namen „Allianzä Hispano Israelita“ konstituiert habe; an ihrer Spitze stehen die namhaftesten Persönlichkeiten, darunter der ehemalige Ministerpräsident Moret, der Deputierte Eanalejas und die Schriftsteller Perez Galdos und Blasco Jbanez. — Ein generelles Verbot jüdisch-deutscher Jargon- Vorstellungen für das ganze russische Reich hat das Ministerium des Innern, gestützt auf eine Senatsentscheidung, erlassen. Dadurch würden etwa sieben Schauspielertruppen mit über 150 darstellenden Kräften brotlos gemacht. — Die privaten Handels- und Realschulen in Warschau sind von der höheren Unterrichtsbehörde durch Rundschreiben anfgefordert worden, sich streng an den für Juden fest, gesetzten Prozentsatz zu halten und unter keinen Umständen mehr als 40 v. H. jüdische Schüler aufzunehmen. — In den letzten Wochen ist daselbst eine Menge jüdischer Fabriken, deren Besitzer den Arbeitslohn herabsetzen wollen, geschlossen worden. Die Arbeiter behaupten, daß man es hier mit einer regelrechten Aussperrung zu tun hatte. — Behufs Realisierung seines Cyrenaika-Kolonisationsprojektes befindet sich Herr Eugen Doctor augenblicklich in Konstantinopel. Die türkische Regierung wird nach seiner Ansicht zweifellos eine jüdische Kolonisation dort willkommen heißen. — Bei den Metzeleien in Adana wurde auch eines der dort existierenden vier jüdischen Häuser zerstört. DerGeschädigte hat mit den christlichen Kompetenten gemeinsam seine Entschädigungsansprüche an die Regierung gestellt. — Jn'^der Deputation, die dieser Tage die Stadt Brussa an den neuen Sultan schickte, um ihn zum Besuche der Stadt einzuladen, waren auch die Juden durch einen Delegierten vertreten. — Wie bereits berichtet, hat der frühere amerikanische Handelsminister Oskar S. Straus die Botschafterstelle in Konstantinopel angenommen. Straus hat Amerika unter drei Präsidenten daselbst vertreten. Zum erstenmale wurde er 1887 als Botschafter nach Konstantinopel gesandt. Als Harrison zum Präsidenten der Union gewählt wurde, wurde Straus auch von diesem in seinem Amte bestätigt. Dann 1897 wurde Straus von Mac Kinley abermals als Botschafter nach Konstantin opel gesandt.