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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-28 · Heft 22 (28.5.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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7J. J.hrg.ng Kr.!!. dxx (§emxtnbxbnrr. “»"■• «• »•' »«- Detlase zur „Allgemeltien Leitung drß Judentums. korrelpondenHM und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin. 24. Mai. Am 17. d. M. versammelte sich der große Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin, um dem Verband wieder einen ersten Vorsitzenden zu wählen, nachdem die Stelle durch den Tod des Justizrats Lachmann verwaist geworden war. Die Wahl fiel, wie schon gemeldet, auf Justizrat Horwitz in Berlin. Von den sonstigen Gegenständen der Tagesordnung ist zu erwähnen, daß die Liste der Vorträge für die am 17. Oktober 1909 in Breslau abzuhaltende dritte Hauptversammlung des Verbandes nunmehr festgestellt ist. Es sprechen: Rabbiner Dr. Guttmann- Breslau, Justizrat Breslauer-Berlin, Landtagsabgeordneter Justizrat Wolff-Lissa. Die Gemeinden und Verbände erhalten in nächster Zeit die Aufforderung zur Wahl ihrer Delegierten. s. Berlin, 20. Mai. Den Beschluß der Tagungen, in deren Zeichen diese Woche stand, bildete die Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, welche heute im Bureau des D.J. G. B. stattsand. In dem vom Vorsitzenden Herrn Prof. Dr.M. Philippson erstatteten Geschäftsbericht wurde das stetige Anwachsen der Mitglieöerzahl, die seit Dezember vorigen Jahres abermals um 100, von 1100 aus 1200, gestiegen ist, als ein deutlicher Beweis für die Wertschätzung hervorgehoben, deren sich die Gesellschaft in immer weiteren Kreisen erfreut. Ferner teilte Dr. Brann-Bres lau mit, daß der zweite Band der G esammelten Schriften von David Kaufmann, deren erster Band seinerzeit allseitigen Beifall gefunden hat, im Herbst erscheinen würde. Von Schriften der Gesellschaft werden demnächst der zweite Band der Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes von Prof. Philippson und die Systematische Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage von Rektor Dr. K. Ko hl er-Cincinnati die Presse verlassen; von dem ersten Band des Philippsonschen Werkes ist zurzeit eine Uebersetzung in jiddischer und hebräischer Sprache tu Vorbereitung. Hieraus erstatteten die Vorsitzenden der wissenschaftlichen Kommissionen' ihre Berichte, wobei Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau die Sammlung der agadischen Baraitot des palästinensischen Talmud von Dr. M. Berdyczewski-Breslau als erste druckfertige Arbeit des Oorpug Tannaiticum vorlegte. Der Ausschuß bewilligte sodann eine größere Reihe von Subventionen im Gesamtbetrags von 2000 Mark, was ihm nur dadurch ermöglicht worden ist, daß Generalkonsul Franz Philippson-Brüssel, der der Gesellschaft schon zu wiederholten Malen sein tätiges Interesse bekundet hat, auch in diesem Jahre wieder ihr den Betrag von 4000 Mark zur Verfügung gestellt hat. — Wir heben noch hervor, daß die Gesellschaft einen ausführlichen Prospekt ihrer sämtlichen Schriften herausgegeben hat, welchen ebenso wie ihre Satzungen sowohl von ihrem Bureau, N., Artilleriestraße 35 a, als auch von ihrem Verlage, Gustav Fock, Leipzig, kostenlos zu beziehen ist. ‘ s. Berlin, 25.Mai. Von der Jugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. (Vorsitzender Herr Dozent Dr. I. Elbogen) geht uns nachstehende Zuschrift zu. „Infolge unseres zweiten Preisausschreibens vom März 1908 sind zwölf Arbeiten eingegangen. Das Preisrichterkollegium bildeten drei Mitglieder der Jugendschriften-Kommission: die Herren Richard Kaufmann-Stuttgart, Tr. Moses-Mannheim und Dr. Spanier-Magdeburg, sotvie die Herren Lehrer Bachrach-Altona und Meyer-Lünen, die der „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich" ernannt hat. — Auf Grund der abgegebenen Urteile hat die Jugendschriften-Kommission in ihrer Sitzung vom 19. Mai d. I. beschlossen: 1. den II. Preis dem Verfasser des Kulturbildes „Die schwarze Chaje" mit dem Motto: „Fürs Judentum" zu gewähren; 2. den III. Preis dem Lebensbilds „Ludwig August Frankl" mit dem Motto: „Durch Wort und Tat" zuzuerkennen. Verfasser war Herr Oberlehrer Dr. Eugen Wolbe- Berlin. Der I. Preis konnte keiner der Arbeiten zugesprochen werden. Die Autoren der nicht preisgekrönten Arbeiten werden ersucht, ihre Adresse dem Bureau der Großloge, Wilhelmstraße 118III7anzugeben, damit ihnen die Arbeiten zurückgesandt werden können. s. Berlin, 24. Mai. Die Baruch Auerbachschen Waisen- Erziehungs-An st alten hatten nach ihrem eben erschienenen 76. Jahresbericht einen Zöglingsbestand von 56 Knaben und 30 Mädchen, d. i. 9 Zöglinge mehr als in dem früheren Anstaltshause; hierzu kommt nach vollständiger Tilgung der Bauschuld für das laufende Jahr wieder eine neue Zöglingsstelle. Bei vorhandener Veranlagung besuchen die Zöglinge, denen eine auf Die volle Entwicklung ihrer Bildungsfähigkeit gerichtete Erziehung geboten wird, im allgemeinen höhere Schulen, die Knaben fall durchweg bis zur Einjährig-Freiwilligen-Berechtigung, besonders begabte und" würdige sogar bis zur Reifeprüfung, während die Mädchen in der Regel noch nach beendetem, und zwar meist höherem Schulbesuch während ihrer beruflichen Ausbildung in der Anstalt bleiben. Im ganzen haben bisher 642 Zöglinge in den Anstalten Pflege, Erziehung und Ausbildung und weit ins Leben hinausreichende Fürsorge genossen. Die dem letzteren Zwecke dienenden und besonders verwalteten Stiftungen, die wiederum namentlich zur Selbständigkeit und Verheiratung früherer Zöglinge größere Summen beigesteuert haben, betrugen nebst den aus Stiftungszinsen und sonstigen Zuwendungen gebildeten Guthaben der Zöglinge 567 435 Mark. Die unmittelbaren Anstaltsbedürfnisse erforderten einschließlich Bureau, Gottesdienst, Gräberpflegc, Renten und andere Zuschüsse insgesamt 86 754 Mark (im Vorjahre 82 760 Mark), die Verpflegung 22151 Mark (21770 Mark), etwa 58Vg Pfennig für den Kopf und Tag. d. i. etwa 1 Pfennig mehr als im Vorjahre. An Zinsen stehen etwa 50 300 Mark, an Jahresbeiträgen 9000 Mark, an Renten 1650 Mark zur Verfügung; im übrigen sind die Anstalten, zu deren Unterhalt weder Stadt noch Genieinde im geringsten beitragen, auf das Wohlwollen ihrer Gönner angewiesen, das ihnen auch im abgelaufenen Jahre in reichem Maße zuteil geworden ist. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Professor Dr. Strelitz die Herren B. Marckwald, Kommerzienrat E. Lohnstein, Generalkonsul E. Landau, Professor Dr. F. Liebermann, Geheimer Kommerzienrat Dr. Loewe und G. Mosler. Ehrenmütter sind: Frau Professor Cäcilie Liebermann, Frau Konsul Flora Fränkel und Frau Kommerzienrat Else Israel. s. Berlin, 24. Mai. Das Judentum und die Wissenschaft haben den Verlust eines als Forscher, Lehrer und Mensch gleich angesehenen Vertreters zu beklagen. Am 20. d. M. ist hier nach längerem Leiden der etatmäßige Professor an der Tierärztlicher Hochschule, außerordentliche Professor an der Berliner Universität, Geh. Regierungs- Rat Dr. Adolf Pinner im 67. Lebensjahre verschieden. Am 31. August 1842 zu Wronke in der Provinz Posen geboren, erhielt er seine Vorbildung auf dem Gymnasium in Glogau, das er 1863 mit dem Reifezeugnis verließ. In Breslau widmete er sich dann zunächst dem Studium der Theologie am Rabbiner-Seminar, das er aber später mit dem der Naturwissenschaften vertauschte. Nachdem er 1867 promoviert, war er einige Zeit Vorlesungsassistent bei A. W. Hofmann und habilitierte sich 1871 als Privatdozent an der Universität. Im Jahre 1874 wurde er gleichzeitig etatmäßiger Lehrer an der damaligen Tierarzneischule und 1878 außerordentlicher Professor an der Universität. Daneben war er seit 1884 als Mitglied der Technischen Deputation im Handelsministerium, seit 1885 auch als Mitglied des Patentamts tätig, welches letztere Amt er jedoch aus Gesundheitsrücksichten vor zwei Jahren wieder niederlegte. In weitesten Kreisen ist Pinners Name durch seine beiden trefflichen Lehrbücher der organischen und anorganischen Chemie bekannt geworden, die seit ihrem erstmaligen Erscheinen im Jahre 1872 bezw. 1873 eine große Reihe Auflagen erlebt und Tausenden von Medizinern und Pharmazeuten in Examensnöten wertvollste Hilfe geleistet haben. Auch als akademischer Lehrer war Pinner wegen der musterhaften Klarheit und Anschaulich-

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