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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-28 · Heft 22 (28.5.1909) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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dienen. Die Ertragnisse dieses Fonds belausen sich ans etwa 50000 Franken jährlich.. Ich könnte die Liste der mit d.e.r Alliance verbundenen Wohltätigkeitswerke, die unsere Verwaltung mit einer Menge schwieriger Arbeiten belasten, noch erheblich verlängern. . XIV. ' ' Von der Bedeutung und Größe unseres Werkes und seineu Verwaltung werden Sie eine Vorstellung gewinnen, wenn ich Ihnen sage, daß das allgemeine Budget für das Jahr 1909 eine Gesamtausgabe von 2 450.000 Franken vorsieht. Ich habe weder die Zeit noch den Wunsch, diese Ziffer eingehend zu detaillieren; ich möchte nur einzelne besonders interessante Zahlen bervorheben. Die Vorbereitungsschulen kosten etwa 200 000 Franken, die Volksschulen im Orient 830 000 Franken, die Stipendien für die höheren Schulen und die Rabbinerseminare in Konstantinopel und Tunis beanspruchen 15 000 Franken, das Lehrlingswerk für Knaben 66 450, das für Mädchen 14 000 Franken. Unsere allgemeinen Verwaltungsausgaben, die des Berliner Bureaus einschließend, belaufen sich auf 175000 Franken. Die Ausgaben zur Schaffung eines Pensionsfonds für das Lehrpersonal sind für das Jahr 1909. mit 121.900 Franken eingestellt. 99 000 Franken sind für Nahrung und Kleidung unserer Zöglinge ausgeworfen. Die Landwirtschaftsschulen erfordern 150 000 Franken, die Handwerksschule in Jerusalem 80 000 Franken, die von Algier 33 000 Franken. Für Studierende werden 50 000 Franken gefordert. Unser Jahresbericht ist insofern nicht vollständig, als er nur die Ausgaben und Einnahmen der Alliance verzeichnet, die anderen Budgets aber, um den Bericht nicht übermäßig auszudehnen, unerwähnt lassen muß. Die Spenden und Beiträge belaufen sich auf jährlich 200 000 Franken. Unter dem Rubrum „Verschiedene Einkünfte" figuriert eine Summe von 890 652 Franken. Ich möchte nicht mit Zahlen Prahlen, aber Sie können selbst rechnen, und es ist unschwer festzustellen, welches Kapital zu solchen Zinserträgen gehört, zumal wenn man bei der Anlage der Gelder, wie dies bei unserer Organisation selbstverständlich ist, sehr vorsichtig sein muß. Hierzu kommt noch eine Summe von etwas über 6 Millionen, die der Leole Normale selbst gehört. Fügt man diesem mobilen Kapital das immobile hinzu — an Schulgebäuden und landwirtschaftlichen Gütern — so kommen Sie zu einem ganz ansehnlichen Vermögensbestand, der freilich gegenüber den wachsenden Bedürfnissen unseres Werks sogar noch unzureichend ist. Schließlich ein Wort über unsere Bibliothek: Die Alliance besitzt eine der reichsten und schönsten jüdischen Bibliotheken der Welt. Sie ist in Auteuil in einem speziell für diesen Zweck hergerichteten Vau untergebracht und steht den Gelehrten zur Verfügung, die an Ort und Stelle die Bücher einsehen oder sie, worauf ich besonders aufmerksam machen möchte, auch auf dem Korrespondenzwege entleihen können. Ein französischer Israelit hat ihr vor einigen Jahren ein Kapital von etwa 200 000 Franken zugewandt, dessen Erträgnisse zum Unterhalt und zur Vermehrung der Bibliothek dienen. Dieses der jüdischen Wissenschaft und der Vergangenheit Israels errichtete Denknial zeigt zur Genüge, daß, wenn wir besorgt sind, starke und kräftige Geschlechter für die Kämpfe der Zukunft zu erziehen, wir im Zusammenhang bleiben mit unserer Vergangenheit, mit unseren Ueberlieferungen, mit unseren großen Schristkundigen, und mit allem, was den Ruhm und die Ehre der Geschichte unserer Glaubensgemeinschaft bildet. Was endlich das Lokal-Komitee in Berlin und unsere Organisation in Deutschland betrifft, so kann ich mich wohl damit begnügen, Sie auf den ausführlichen Bericht zu verweisen, den ich bei der sechsten Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft den Mitgliedern erstattet habe. Nur kurz will ich noch streifen, daß sich auch in dem begonnenen neuen Jahr die Zahl unserer Mitglieder erfreulich mehrt, und daß überall, in Berlin wie im Reich, sich treue Mitarbeiterschaft der zu uns Gehörigen an der Förderung des Werkes betätigt." Die Woche. -y :; : ' ‘ Berlin/ 25. Mai. Ueber anderen und wichtigeren Ereignissen, sind die. Verhandlungen des Abgeordnetenhanses'ziemlich unbeachtet geblieben,, die sich mit. der Maßregelung. des Lehrers Brandau: in Kassel beschäftigten, weil derselbe im einer Volksversammlung erklärt hatte: , ' „Einen! wahrhaft liberalen Manne müsse es sehr schwer.' fallen, in der Stichwahl dem Antisemiten die Stimme zu geben, und ein solcher Mann würde sich wohl in der Stichwahl zwischen einem Antisemiten und einem Sozialdemokraten der Stimme enthalten." '' ' " Der Nationalli berale Ubg eordn eteSchröder,. der selbst, in einem ähnlichenFälle' die' Stichwahsparole für den antisemitischen Kandidaten ansgegeben hatte, .sprach trotzdem, gegen diese Maßregelung. Aber der Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopsß verteidigte sie mit großer Energie, obwohl er selbst zugcben mußte, Brandau habe nachher „diese seine Meinungdahin deklariert, daß er damit jüdische Wähler im Auge gehabt hätte, die für den Antisemiten nicht stimmen würden, aber er hat nicht behauptet, daß er gesagt habe, er würde für Stimmenthaltung eintreten, sondern erklärt, er wisse nicht, welche Parole der Wahlausschuß., ausgeben werde." Also unter Umständen für den Antisemiten, auch wenn sie Gegner des Antisemitismus sind — das ist doch wohl, die nicht ausgesprochene Schlußfolgerung der Rede des Negierungsvertreters. Der folgende liberalem Redner hat dieses Vorgehen treffend „echte Ketzerriecherei" genannt. -- * Frankreich hat wieder einen kleinen antisemitischen Skandal, dessen Held der verhaftete Artilleriehauptmann und öffentliche Ankläger beim Pariser Militärgericht Marix ist. Es wird vielerlei erzählt, auch viel , ab gestritten, und es wird geraten sein, den Beschuldigungen gegenüber große Vorsicht walten zu lassen, solange sie nicht durch gerichtliches Urteil als begründet erwiesen sind. Denn es stellt sich heraus, daß Hauptmann Marix Freimaurer höheren Grades und Jude ist, und in diesen beiden Eigenschaften erfreut er sich des besonderen Interesses der Klerikalen und der Nationalisten, die vom ersten Augenblick an den Fall, zu einer großen politischen Angelegenheit aufdonnerten. Marix wird beschuldigt, Begnadigungen vermittelt und andere unsaubere Geschichten gemacht zu haben. Er selbst leugnet jede Schuld. Er bezeichnet sich als Opfer.der Verleumdung und erklärt sich für etwaige Aufschneidereien und Erpreffungen feines Freundes Serös nicht verantwortlich. Man wirft ihm aber doch eine schwer belastete Vergangenheit vor. Wie gesagt, es empfiehlt sich, abzuwarten, ob sich alle Anklagen beweisen lassen werden. Diese Vorsicht haben freilich selbst liberale Blätter in Deutschland nicht geübt,, die sofort den Hauptmann „aus angesehener israelitischer Familie" als einen zweiten Dreysus bezeichneten. Als.wenn die israelitische : Familie für die Verfehlungen eines Mitgliedes charakteristisch oder haftbar wäre! Und das nennt sich liberal. * In der letzten Sitzungder russischen Duma sprachder Deputierte Gegetschkori über die: Verwaltung des Ministers Schwarz.- Wir bringen hier bloß den Auszug über dessen Verhalten den Juden gegenüber. Er sagte: „Di.es alles erscheint aber jedoch nicht' genügend, und Herr Schwarz ließ noch eine Lösung hervortreten — den Kampf

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