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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-28 · Heft 22 (28.5.1909) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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257 sich als Meister; niedergelassen, oft mit Hilfe von Betriebsvorschüssen, die wir ihnen geben. : ' . Gegenwärtig haben wir 33 Lehrlingsanstalter^ mit 1400 Knaben und Mädchen. Die Aufnahme der Mädchen in die Handwerks- und Lehrlingsanstalten begegnete Schwierigkeiten, die mit den besonderen Sitten des Orients im Zusammenhang stehen. Auch für die den Frauen zugängigen Gewerbe mußten wir Werkstätten im Zusammenhang mit der Schule einrichten. Aus dem Bericht des Herrn Dr. Porges haben Sie gesehen, daß die Einführung von Handwerken bei den Israeliten die befriedigendsten Ergebnisse gehabt hat. Für daS Jahr 1909 haben wir eine Ausgabe von 66450 Franken für die Knabenabteilung, von 13 600 Franken für die Mädchenabteilung des Lehrlingswerks eingestellt. Das Zentralkomitee studiert gegenwärtig die Schaffung von Stipendien für die fleißigsten und begabtesten Schüler, die besondere Fähigkeiten für technische Studien zeigen. Seit 20 Jahren hat übrigens die Alliance schon die Gewohnheit, derartige Stipendien zu verteilen, namentlich für die Lehrlinge gewisser schwerer Handwerke, für die im Orient guter Unterricht fehlt. Man ist im Begriff, diese Uebung auch auf Studierende der Medizin, der Rechtswissenschaft, des Jngenieurwesens und der Technik auszudehnen. Wir sind der Meinung, daß es sich mehr empfiehlt, unsere Schützlinge in den Universitäten und Hochschulen unterzubringen, wo sie ohne übermäßige Kosten studieren und in kameradschaftliche Verbindung mit den nichtjüdischen Studierenden treten können, als eigene kostspielige Anstalten zu schaffen. In Jerusalem unterhalten wir neben den Elementarschulen sür Knaben und Mädchen eine Handwerksschule, die ein Internat von 75 Lehrlingen umfaßt und außerdem von 40 Externen besucht wird. Die Internen rekrutieren sich aus der ganzen Türkei und namentlich aus Palästina. Ich brauche Ihnen von dieser Anstalt nichts zu erzählen, da unsere regelmäßigen Berichte über die Leistungen alles Erforderliche gesagt haben. Im Jahre 1908 haben wir für die Anstalt etwa 80 000 Franken ausgegeben. IX. Nicht minder bekannt ist, was wir getan haben, um die Tätigkeit der Juden der Landwirtschaft zuzuführen. Zu einer Zeit, wo noch niemand an den Zionismus dachte, begründete die Alliance am Eingang von Palästina, an den Toren von Jaffa, die Ackerbauschule von Mikweh Israel. Das Gelände hat uns der Sultan gegen eine jährliche Abgabe von 1600 Franken überlassen. Das Terrain war nackt und unbestellt. Die Bauten, die wir allmählich dort errichtet haben, die Weinberge, Orangegärten und anderen Pflanzungen, die wir dort angelegt habenstehen bei uns mit rund einer halben Million Franken zu Buch. Ich muß hinzufügen, daß ein Teil der großen Ausgabe durch Spezialgeschenke - eines Oheinis des Barons Hirsch, des Herrn Salomon Goldschmidt, gedeckt worden ist, der in der Präsidentschaft der Alliance auf Cremieux folgte. In Djedel'da bei Tunis haben wir im Jahre 1895 eine andere Ackerbauschnle geschaffen. Unsere Wahl ist glücklich gewesen. Wir haben eine Domäne von mehr als 4000 Hektar mit fruchtbarem Land gekauft, das von dem größten nordafrikanischen Fluß, Medjerda, durchströmt wird.. Dieser Besitz stellt sich sür uns auf eine halbe Million Franken, einschließlich der Bauten und Ameliorationen. Der Wert hat sich verdoppelt. Um unsere wirtschaftliche Tätigkeit auf Algier auszudehnen, haben wir ein schönes Gut, 25 Kilometer von Algier entfernt, erworben, die Reghaia, die uns etwa 850 000 Franken kostet. Diese Besitzung ist in sechs Pachtungen geteilt, von denen drei gegenwärtig an vier unserer ehemaligen Zöglinge aus Djedeida abgegeben sind. In unserem neuesten Jahresbericht haben Sie die moralische Bilanz unseres Landwirtschaftswerks lesen können, die Zahl der Schüler aus unseren Landwirtschaftsschulen, die sich gegenwärtig mit Landarbeit beschäftigen. Ich erwähne beiläufig: 255 Zöglinge von Mikweh Israel und 81 von Djedewa bearbeiten das Land und bleiben endgültig beim Landwirtschaftsbetrieb. X. Jm^Orient^'genirstt man. kein Ansehen, wenn man nicht eine stattliche Straßenfront besitzt. Die verschiedenen Völkerschaften , in der Türkei, namentlich Griechen und Armenier, haben wahre Schulpaläste gebaut, einmal, um ihre Macht zu zeigen, dann aus Liebe zum Unterricht. Die Juden haben auf die Alliance warten müssen, um Schulen und Schulhäuser zu besitzen. Die Alliance hatte nicht den Ehrgeiz, mit den Griechen und Armeniern hinsichtlich des Luxus ihrer Schulgebäude zu wetteifern; ihre Hauptsorge war, den Kindern Luft und Licht zu verschaffen. Gleichwohl hat die Alliance für den Erwerb oder den Bau von Schulanstalten große Opfer bringen müssen. Im Jahre 1875 hat sie ihren ersten Kauf in Saloniki vollzogen. Seitdem hat sie zahlreiche Schulgrundstücke erworben und Schulbauten errichtet und dafür über 31/2 Millionen Franken ausgegeben, die das weiter unten abgedruckte Verzeichnis ergibt. XI. Man weiß, daß wir, um unser Personal heranzubilden, um uns Lehrer zu sichern, die von unseren Gedanken und Grundsätzen erfüllt sind, in Paris ein Lehrerseminar haben schaffen müssen. Das Knaben- Lehrerseminar zählt gegenwärtig 85 Zöglinge und ist in einem großen und schönen Bau untergebracht, für den wir 850 000 Franken aufgewendet haben. Unsere derzeitigen weiblichen Zöglinge in Paris sind 79 an der Zahl, von denen 54 in einer Anstalt nahe der Ecole Normale, 25 in zwei anderen Anstaltei: untergebracht sind. Unsere beiden Lehrerbildungsanstalten kosten uns 114 000 und 93 650, zusammen 207 650 Franken jährlich. XII. Um unser Erziehungswerk im Orient und in Afrika zu vervollständigen und in gewissem Sinne zu krönen, blieb uns nur noch übrig, das ehemalige Rabbinat womöglich zu neuem Leben zu erwecken, so gelehrt wie erleuchtet und fromm. Die Lehrer vergangener Zeiten haben im Orient nicht mehr ihresgleichen, und die Judenheit des Orients wird geistig nicht mehr durch Männer von Ansehen und Einfluß geleitet. Aus diesem Grunde haben wir in Konstantinopel ein Rabbinerseminar eingerichtet, an dessen Spitze ein gelehrter Rabbiner steht, vielleicht der einzige im ganzen Orient: Herr Abraham Danon. Ein zweites, jüngeres Rabbinerseminar leiten wir in Tunis. Diese Anstalten werden die Gemeinden mit Seelsorgern versehen, die. ihnen gegenwärtig mangeln, und die die Achtung vor den Ueberlieferungen mit moderner Wissenschaft und Kultur vereinigen werden. Sie sind gewißermäßen unsere religiösen höheren Lehranstalten. XIII. In der Schilderung der mannigfaltigen Wirksamkeit der Alliance habe ich noch nicht von den Werken gesprochen, die wir unterhalten oder leiten, und die uns gleichsam aufgedrängt worden sind, weil keine andere Vereinigung in der Lage gewesen ist, diese Tätigkeit zu übernehmen. In Algier haben wir die religiöse Erziehung der Kinder übernehmen müssen. Da die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen besuchen, in denen ihnen kein Religionsunterricht und kein Unterricht im Hebräischen erteilt wird, so lag die Gefahr nahe, daß ein Geschlecht heranwachsen würde, das nicht imstande war, die hebräischen Gebete zu lesen. So mußten wir das Erziehungswerk in Algier, in Oran und in Constantine organisieren. Die betreffenden Anstalten werden von uns auf Kosten einiger Pariser Freunde unterhalten. Die Alliance hat dafür keine Aufwendungen zu machen; sie hat nur die Leitung. Die Alliance hat sich gleichermaßen mit der Verwaltung und Leitung des in Jerusalem von der Familie Rothschild gestifteten Krankenhauses befassen müssen. Sie ist außerdem im Begriff, ein jüdisches Krankenhaus in Safed auf Kosten der Baronin Edmond de Rothschild zu errichten. Ihr liegt es ferner ob, im Aufträge der Familie Rothschild die Verwendung ihrer Almosen und Unterstützungen nach außerhalb zu überwachen, namentlich derjenigen, die für Palästina bestimmt sind. Die Alliance unterhält ferner auf Kosten Sir Edward Sterns in London eine Klinik mit Apotheke in Damaskus. Sie hat nach der Trennung von Kirche und Staat auch : jüdische Schulen in Paris übernehmen müssen, die fast ausschließlich von Kindern russischen und rumänischen Ursprungs besucht werden. Die Alliance ist ferner Inhaberin eines bedeutenden Fonds, der ihr von Herrn Goldschmidt zur Verfügung gestellt worden ist, und dessen Erträgnisse zu Stipendien sür russische und rumänische Studierende - .nit

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