Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228874--65573-3277705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Wesel 1× ep/1045997
OCR text
Verhalten in der Schule, verbunden mit eifrigem Bemühen, nach Kräften den an sie gestellten Anforderungen zu genügen und dem Bestreben, in den einzelnen Klassen den besseren Schülern zugezählt zu werden, wird bei den meisten der Zöglinge von ihren Lehrern an' erkennend hervorgehoben. Die regelmäßigen Schulzeugnisse und die gelieferten Schularbeiten, welche bei strengster Wahrung der Selbständigkeit unter Aussicht im Hause angefertigt werden, zeigen auch bei der Mehrzahl der Knabeü ein ordnungsmäßiges Fortschreiten in der geistigen Ausbildung. Die körperliche Entwicklung der Zöglinge hält sich sowohl in bezug auf Körperwachstum als auf Gewicht durchaus in den normalen Grenzen. Die gesunde, einfache Lebensweise übt selbst bei Knaben, die in besonders schwachem Zustande in die Anstalt kamen, meist in kurzer Zeit ihren kräftigenden Einfluß aus. Es ist in Erwägung gezogen, zur Gründung eines Verbandes der ehemaligen Zöglinge zu schreiten. Ein solcher soll diese aus allen Orten ihres Aufenthaltes zu einer Gesamtheit vereinigen und seinen Mittelpunkt hier im Hause finden. Seit Jahren sind der Anstalt von einem edlen Gönner in Berlin ohne Namensnennung Geldgeschenke durch die Post zugegangen. Derselbe Freund hat im verflossenen Jahre der Anstalt zwei künstlerische Gemälde des jungen, talentvollen Malers S. Maisner aus Kalisch überwiesen. Beide Genrebilder stellen Szenen aus dem jüdischen Gesellschaftsleben einer Kleinstadt dar und zeichnen sich durch originelle Auffassung und frische, anschauliche Wiedergabe aus. Die Anstalt vereinnahmte im abgelaufenen Berichtsjahre im ganzen 32 549.86 Mark, hierunter sind Beiträge von 3560.50 Mark und Spenden 3550.20 Mark. Nach Abzug der Ausgaben ergab sich ein Ueberschuß der laufenden Einnahmen von 415.20 Mark. Am 2. d. M. fanden Ergänzungswahlen für den Vorstand statt. Gewählt wurden die Herren: Rabbiner Dr. Bloch, Bankdirektor Smoszewski, Amtsgerichtsrat Dr. Holzmann, Justizrat Manheimer und H. Wollheim. — Bocholt, 1. Mai. Der Hilfsverein Esraß K'fusim hielt am 27. v. M. seine Generalversammlung ab. Vertreten waren die Ortsgruppen Bocholt, Emmerich, Wesel, Oberhausen und Geldern. Zweck der Vereinigung ist, hilfsbedürftige Glaubensbrüder, die arbeitsfähig und arbeitswillig sind, durch ein zinsfreies Dahrlehn wieder erwerbsfähig zu machen. Denjenigen, die nicht in der Lage sind, ein Darlehn zurückzuzahlen, kann eine nicht zurückzahlbare Zuwendung gemacht werden. In den 19 Jahren seines Bestehens hat der Verein, wie der greise Vorsitzende, Lehrer I. Spier berichtete, 46 000 Mark ausgeliehen, von denen bereits 33 736 Mark zurückgezahlt wurden. Im verflossenen Jahre konnten zwei unbemittelten Bräuten je 300 Mark überwiesen werden, während unter anderem für ein junges Mädchen zu Unterrichtszwecken 100 Mark und ein gleicher Betrag für Unterbringung eines geistig zurückgebliebenen Knaben bewilligt wurden. Die Ausgaben des letzten Jahres beliefen sich auf 5863 Mark, die Einnahmen auf 6060 Mark. o. Essen, 6. Mai. Die Kasse des Zentral-Armenverbandes der Synagogengemeinden Westfalens und des Jndustriebezirks, die sich in Bochum befindet, und die der Bekämpfung der lästigen Wanderbettelei ihr Entstehen verdankt, wurde im ersten . Quartal 1908 von 619, im zweiten von 558, im dritten von 343 und ini vierten von 331 Personen jeden Alters und aller nur erdenklichen Berussarten besucht, an die insgesamt 4390 Mark oder pro Kops 2.41 Mark an Unterstützungen verabreicht wurden. Daß es auf diesem Gebiete auch Konjunkturen gibt, beweist der Umstand, daß im letzten Jahre 400 Personen weniger an der Kasse vorsprachen als in 1907. Nach dem Muster dieses Verbandes ist nun in Köln ein gleicher für die rheinischen Shnagogengemeinden ins Leben gerufen worden. * Nürnberg» 15. Mai. Am 1. d. M. feierte einer der angesehensten Bürger unserer Stadt Herr Geheimer Kommerzienrat Ludwig v. Gerngros in Meran, wo er sich zur Erholung aufhält, seinen siebzigsten Geburtstag. Bekanntlich ist Herrn v. Gerngros schon seit längerer Zeit von seiten der Stadt das Ehrenbürgerrecht zuerkannt worden, und durch Beschlüsse beider gemeindlicher Kollegien ist ihm zu dem siebzigsten Geburtstag die große Goldene Bürgermedaille verliehen worden, welche ihm Oberbürgermeister Dr. v. Schuh und der Vorstand des Gemeindekollegium Rechtsanwalt Bräutigam, die nach Meran abgereist sind, am 70. Geburtstage daselbst feierlich überreichten. Der Lokalausschuß der Deutschfresinnigen Partei in Nürnberg, welcher Gerngros seit Jahrzehnten angehört und zu deren eifrigsten, tatkräftigsten und aufopferungsvollsten Mitgliedern er stets gehört hat, hat ihm durch ein eigenes Schreiben seine Glückwünsche ausgesprochen. In dankbarer Anerkennung der vor kurzem von demselben für die Beamten und Bediensteten des Stadtmagistrats Nürnberg gemachten Stiftung haben diese ihm eine künstlerisch ausgestattete Glückwunschadresse überreicht. Dem Jubilar wurde aus Anlaß seines 70. Geburtstages vom Prinzregenten das Komthurkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen. i. Neustadt a. Hdt. im Mai. Am 18. v. M. fand im Hotel „Eintracht" dahier die erste ordentliche Mitgliederversammlung des im Vorjahre gegründeten israelitischen Kreis'-Asyl-Vereins für die Pfalz E. V. statt. Dieselbe war sowohl seitens der Ausschuß- Mitglieder und Vertrauensleute, wie auch der übrigen Mitglieder aus allen Gauen der Pfalz zahlreich besucht und legte beredten Beweis dafür ab, welch begeisterte Aufnahme die Absicht des Vereins gefunden hat. alten oder erwerbsunfähigen Glaubensgenossen ein würdiges Heim erstehen zu lassen. Aus dem Rechenschaftsberichte sei bemerkt, daß sich der Vermögensstand im ersten Vereinsjahr auf den Betrag von rund 60 000 Mark beziffert, und daß die fortdauernden jährlichen Beiträge sich jetzt auf rund 8000 Mark belaufen, so daß bereits in naher Zeit an die Vorbereitung zur Verwirklichung des Vereinszweckes gedacht werden kann. Außerdem ist aus dem Geschäftsberichte ersichtlich, daß sich auch die außerhalb der Heimat wohnenden pfälzischen Glaubensgenossen in lebhafter Weise an den Sammlungen beteiligen, und sind bereits große Zeichnungen aus allen Teilen Deutschlands, ja sogar aus dem Auslande eingegangen oder in Aussicht, gestellt. Etwaige Zuwendungen sind an die Vereinsleitung in Speyer zu richten. Mögen die wohltätigen Bestrebungen des Vereins auch fernerhin allseitige Unterstützung finden! b. Zweibrücker», 8. Mai. Eine heute im Kallenbachschen Saale dahier abgehaltene öffentliche, sehr zahlreich besuchte Versammlung, in welcher Herr Dipl.-Jng. Dr. Albert Löb über die Streitverhältnisse zwischen der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und dem Bezirksrabbiner Herrn Dr. Eugen Mayer referierte, faßte folgende Refolution: „Die Versammlung, welche die Mehrheit der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde in sich begreift, erhebt lebhaften Protest gegen die seit vielen Jahren zu Unrecht erfolgte Bekämpfung des Herrn Dr. Meyer. Es unterliegt keinem Zweifel, daß all die widrigen Anschuldigungen sich als haltlos und jeder Grundlage entbehrend erwiesen haben. Demgemäß erwartet die Versammlung, daß der Shnagogenausschuß im Gesamtinteresse von der Verwaltung der Gemeinde zurücktritt, damit die Wiederherstellung friedlicher, verständiger, geordneter und würdiger Zustände ermöglicht werden kann. Dieser Weg erscheint als der richtigste und zugleich als der einfachste. Die Versammlung spricht Herrn Dr. Meyer, der in neunjähriger heftigster Bekämpfung mit unerschütterlichem Selbstvertrauen standgehalten hat, Anerkennung aus und vertraut darauf, daß er ungeachtet aller weiteren Anfeindungen pflichtbewußt sein Amt verwaltet." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. o.Strasiburg, 17.Mai. Die amtliche „StraßburgerKorresPondenz" veröffentlicht in diesen Tagen den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Gehalts- und Pensionsverhältnisse der staatlich besoldeten Religionsdiener und ihrer Hinterbliebenen, der demnächst dem Landesausschuß zugehen wird. Danach sollen die Oberrabbbiner und Rabbiner ihre Gehälter nach folgenden Sätzen erhalten: 1. Die Oberrabbiner bis zu sechs Dienstjahren 4000, bei mehr als sechs Dienstjahren 4400 Mark (bisher 4000 Mark). 2. Die Rabbiner bis zu drei Dienstjahren 2000. bei mehr als drei bis zu sechs Dienstjahren 2200, bei mehr als sechs bis zn neun Dienstjahren 2400, bei mehr als neun bis zn zwölf Dienstjahren 2500, bei mehr als zwölf bis zu fünfzehn Dienstjahren 2600, bei mehr als fünfzehn bis zu achtzehn Dienstjahren 2700, bei mehr als achtzehn bis einundzwanzig Dienstjahren 2900, bei mehr als einundzwanzig bis zu vierundzwanzig Dienstjahren 2900, bei mehr als vierundzwanzig Dienstjahren 3000 Mark (bisher von 1600 bis 2400 Mark) Die Gehälter und Gehaltszuschüsse werden vierteljährlich im voraus bezahlt. Der § 10 des Entwurfs begründet das Recht der Religionsdiener auf Pension. Der Mehraufwand, der durch die Besoldungserhöhung