Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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73. Jahrgang Nr. 21, Deilage Der Oemetndevote. ° - zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Lorrelpondensrn und Sschrichten. Deutschland. s. Berlin, 9. Mai. Im ersten Quartal dieses Jahres sind zahlreiche Stiftungen vom Kaiser genehmigt worden. Von den größeren Stiftungen ist die „Fanny Liepmann-Stiftung" mit 200 000 Mark zur Unterstützung bedürftiger und würdiger, vorzugsweise handarbeitender Mädchen und Frauen zu erwähnen. Stifter sind die Geschwister Professor Dr. Hugo Liepmann in Berlin, verwitwete Frau Landgerichtsrat Anna Meyer geborene Liepmann in Berlin und Amtsgerichtsrat Dr. Paul Liepmann in Charlottenburg. Ferner haben folgende Zuwendungen die Genehmigung des Kaisers gefunden: die Zuwendung der Witwe Berta Sobernheim geborenen Joseph im Betrage von 50000 Mark für das von der städtischen Waisenverwaltung geleitete Kinderashl „Schmidt-Gallisch- Stiftung"; Zuwendung der verstorbenen Witwe Fanny Dorothea Cohn geborenen Misch an die jüdische Gemeinde im Betrage von 65 000 Mark zur Begründung einer Stiftung für skrofulöse Kinder und zu einem Stipendium für die technische Hochschule in Charlottenburg; Zuwendung des Kaufmanns Jaques Salomon für die jüdische Gemeinde im Betrage von 12 000 Mark zur Unterstützung von in Not geratenen älteren Familienvätern und Müttern; Zuwendung des Landgerichtsrat a. D. Viktor Lion im Betrage von 68 800 Mark für die jüdische Gemeinde zugunsten der Gebrüder Lionschen Stiftung für schulentlassene Voll- und Halbwaisen; letztwillige Zuwendung der Witwe Berta Sobernheim geborenen Joseph im Betrage von 3O 000 Mark an den Verein Kinderheim von 1889 in Wilmersdorf; Zuwendung des Kaufmanns Max Mecklenburg an die hiesige jüdische Gemeinde im Betrage von 12OO0Mark zur Errichtung einer Zimmerstiftung für die Altersversorgungsanstalt in der Exerzierstraße; Zuwendung der Witwe des Geheimen Kommerzienrats Becker geborenen Jsenheim für die jüdische Gemeinde im Betrage von lO OOO Mark zu einer Stipendienstiftung für unbemittelte jüdische weibliche Personen; Zuwendungen der Witwe Marie Schultz geborene Piele im Betrage von je 10O0O Mark, zusammen 40OOO Mark für das Elisabeth Kinder-Hospital in Berlin, das Zentraldiakonissenhaus in Bethanien, das Sankt Hedwig-Krankenhaus und das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde; Schenkung des Korsettfabrikanten William Neumann im Betrage von 20000 Mark an das Emil Frommel-Heim und die Schenkung des Kunstmalers Eduard Cohen in Frankfurt a. M. im Betrage von 10 000 Mark an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. 8. Berlin, 4. Mai. Der Verein für Statistik der Juden hat sich für die nächste Zeit folgende Aufgaben gestellt: Zunächst ist an eine Neubearbeitung der „Juden in Deutschland" zu denken, sobald die Ergebnisse der Berufszählung vom Jahre 1907 zur Veröffentlichung gelangt sind. Eine zweite, schwierigere Aufgabe besteht darin, statistische Erhebungen in jenen Ländern zu veranstalten, deren amtliche Statistik das Religionsbekenntnis gar nicht oder in ungenügender Weise berücksichtigt, wie Frankreich, England, Belgien, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, sowie in den Ländern, die keine amtliche Statistik, wohl aber eine jüdische Bevölkerung besitzen. An zwei Punkten haben die diesbezüglichen Bemühungen des Vereins eingesetzt. Es schweben Unterhandlungen mit den maßgebenden Körperschaften der Schweiz, um dort eine eingehende Enquete zur Durchführung zu bringen Seit längerer Zeit wird ferner eine selbständige Erhebung über die jüdische Bevölkerung in Palästina vorbereitet, die zunächst die Unterrichts- und Erziehungsverhältniffe beleuchten soll. Eine dritte Aufgabe bildet die Gesamtstatistik der Juden. Es liegt der Plan vor, tabellarische Uebersichten zu schaffen, die die gesamten Verhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern übersichtlich darstellen und einerseits zur schnellen Orientierung über einzelne Fragen dienen, anderseits Bausteine für die Gesamtstatistik der jüdischen Bevölkerung der Welt bilden sollen. An diese Serie von Arbeiten werden sich Monographien über einzelne soziologische Erscheinungen angliedern. So wird zurzeit eine selbständige Erhebung über die Verhältnisse der arbeitenden jüdischen Mädchen und Frauen in Berlin vorbereitet, die hauptsächlich die Lebensbedingungen der in den großen Warenhäusern beschäftigten Frauen und Mädchen beleuchten soll. Ferner werden Monographien über die Verhältnisse großer jüdischer Gemeinden, wie Berlin, Frankfurt und andere, vorbereitet. s. Berlin, 18. Mai. Der neue amerikanische Austauschprofessor George Foot Moore von der Harvard-Universität ist zwarkein Jude, aber er ist trotzdem für uns von besonderem Interesse, da er soeben zum Dozenten für Exegese an dem demnächst zu eröffnenden Dropsie-College in Philadelphia gewählt wurde und diese Wahl angenommen hat. Professor Moore, der im nächsten Semester in Berlin über Religionsgeschichte lesen wird, ist 1851 in West-Chester Pa. geboren, studierte Theologie an der Hale-Universität, war dann eine Reihe von Jahren als presbhterianischer Geistlicher erst in Chikago und später in Zanesville (Ohio) tätig. Von 1883 bis 1902 war er Professor der hebräischen Sprache am Theologischen Seminar in Andover, seit letztgenanntem Jahre wirkt er als Professor der Religionsgeschichte und der alttestamentlichen Exegese in Harvard. Außer zahlreichen Aufsätzen in theologischen und orientalistischen Zeitschriften veröffentlichte er einen umfassenden kritischen Kommentar zum „Buch der Richter" sowie eine kritische Textausgabe und eine englische Uebersetzung desselben. s. Berlin, 16. Mai. Eine silberne Hochzeitfeier, die auch allgemeines Interesse beanspruchen darf, fand am 9. d. M. hier im Hause des durch seine gemeinnützige Tätigkeit und Wohltätigkeit allgemein bekannten und geschätzten Herrn Manuel Schwarz statt. Als erste Abordnung erschienen der Vorstand des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" und das Kuratorium des jüdischen Kurhospitals zu Kolberg. In herzlicher Ansprache entbot Herr James Simon dem eifrigen Mitarbeiter den Dank beider Vereine und verlas zunächst eine Adresse des Kolberger Instituts, die mit dem Bilde des Hauses geschmückt ist, und dann die des „Hilfsvereins". Sichtlich ergriffen lehnte Herr Schwarz die großen Ehrungen, die seinem bescheidenen Wirken nicht gebührten, ab und wies auf die Bilder seiner Ahnen, seines Vaters Rabbiners Dr. Israel Schwarz seligen Andenkens in Köln und seines Großvaters seligen Andenkens Rabbiners in Hürden. hin, der das berühmte Werk über Palästina geschrieben, deren Beispiel ihm selbst Ansporn gewesen sei. Es folgte eine Deputation der B'nei Brith-Logen und der Berthold Auerbach-Loge, für welche deren Präsident, Herr Rosenow, gratulierte. Herr Oscar Rathenau sprach im Namen des Vorschuß-Vereins der Berliner Gemeinde, die Herren Leop. Katz und S. Korach erschienen für die jüdischen Ferien-Kolonien. Professor Dr. Maybaum sprach für die Reliktenkasse der Rabbiner, Frau Professor Maybaum für den Frauen-Verein. Ferner ließen Glückwünsche entbieten: der Fürsorge-Verein für hilflose jüdische Kinder, die jüdische Lesehalle und Bibliothek, die Toynbee-Halle, der jüdische Arbeits-Nachweis, das Israelitische Heimathaus, das Jaffasche Waisenhaus, der Frauen-Verein der Berliner B'nei Brith-Logen, das Kinder-Genesungsheim zu Elmen, der Vorstand des Nagins Reim- Vereins usw. Viele Vereinigungen übersandten wertvolle Blumen und herzlichste Gratulations-Schreiben und Telegramme. Mögen alle Wünsche, die dem Jubelpaare in Wort und Schrift dargebracht wurden, volle Erfüllung finden. ff. Posen, 4. Mai. Die Zahl der Zöglinge der hiesigen israelitischen Waisenknabenanstalt betrug bei Beginn des Berichtsjahres 32; davon waren 5 Lehrlinge und 27 Schüler. Ein Lehrling, der seine Lehrzeit beendete, schied Ostern des Jahres aus; von den Schülern verließen drei die Schule — darunter einer mit den: Zeugnis der Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligendienst — und wurden zu ihrer beruflichen Ausbildung in geeigneten Gewerben am hiesigen Orte untergebracht. Ein gesittetes, bescheidenes