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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-21 · Heft 21 (21.5.1909) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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- 247 - niemalert trauen, wennglichen er auch die heilige Tausse angenomen hat ..." „Ein getaufter Jud ist so bös und verworfen wie ein ungetanster, man darf ihm erst trauen im vierten Geschlecht und soll ihm kein Amt geben, bis ins zehnte Geschlecht." Dieser Wegweiser zu einem herzlichen Umgang mit dem neuen Glaubensbruder sollte eigentlich heutzutage noch eindringlicher dem „eingeborenen" Christen gepredigt werden, wie vor mehreren Jahrhunderten. Denn der Judentäufling von heute ist noch hundertmal schofler, als der des Mittelalters, der oft nur um sein armseliges Leben vor Folter und Scheiterhaufen zu retten, den Glauben der Mächtigen und über sein Sein oder Nichtsein Gebietenden annahm. Der arme Tropf im Mittelalter hatte wenigstens einen plausiblen Entschuldigungsgrund, der für die Renegaten des zwanzigsten Jahrhunderts wegfällt, was sie natürlich um so verächtlicher macht. Von jeher sahen die Judenfeinde, die nicht im Gewände eines Torquemada vor ihren Mitmenschen und bei der Nachwelt erscheinen wollten, in der Taufe das einzig unblutige Mittel, das nicht den Anschein der Gewalt an sich trug, um das Judentum zu vertilgen. Noch in der „Allgemeinen deutschen Real-Enzyklopädie für die gebildeten Stände" (Konversations- Lexikon) von Brockhaus in Leipzig vom Jahre 1824 im 5. Band Seite 290, im Artikel: Juden, ist, nachdem das in Rußland eingeführte System, den Juden durch materielle Vorteile das Christentum annehmbar zu machen erwähnt ist, wörtlich gesagt: „.. . Was diese Verfügung bis jetzt gewirkt hat, ist noch nicht bekannt geworden, doch sollte man glauben, daß die Annahme gleicher oder doch ähnlicher Maßregeln, wenn sie — was freilich großen Schwierigkeiten unterworfen sein dürfte — allgemein stattfände, das beste Mittel sein würde, das jüdische Volkstum in Europa nach und nach gänzlich auszurotten." Wie im Mittelalter, und zu Zeiten der sechsten Auflage des Brockhausschen Lexikons 1824, so gilt dem Staate und seinen Interpreten die Judentaufe in der Gegenwart ebenfalls nur als ein Vertilgungsmittel, das sich jedoch als solches nur gegen diejenigen bewährt, die dieses Mittel an sich anwenden lassen. Und darin liegt sein Segen, denn es befreit uns von Auswurfstoffen, die, wenn sie im Volkskörper des Judentums zurückblieben, uns sicher eine Blutvergiftung zuziehen würden, an der wir zugrunde gehen müßten. Das Wasser allein tut es nicht, und das Taufwasser auch nicht, heute so wenig wie im Mittelalter, wie auch der allerneueste Vorgang im Reichstag zur Genüge bewiesen hat. Es war herzerfrischend und verdient daher auch besonders registriert zu werden, wie wenig dem Judentäufling und seiner Nachfolgerschaft die jüdische Abkunft vergessen wird. Noch herzerfrischender wirkt die Wahrnehmung, wie die gebornen Christen über die jüdischen Renegaten denken. Da hat sich seit Luthers Zeiten zu unserer Genugtuung nicht viel, wenn überhaupt etwas geändert. Und es wirkt auch wohltuend, wahrzunehmen, wie einig alle Christen, gleichviel zu welcher und ob sie überhaupt zu einer Kirche sich bekennen, in der Beurteilung des Taufjuden sind, eine Beurteilung, die zugleich und immer eine Verurteilung ist. Auch die politische Stellung läßt kein Unterscheidungsmerkmal entdecken, wenn der Taufjude unter die Lupe genommen werden soll; das gleiche Gefühl der Abneigung und Verachtung erfüllt dann alle. Wir Juden haben aber dann auch alle Ursache, vor diesem Empfinden selber Respekt zu zeigen, weil sich darin ein Ehrbegriff widerspiegelt, mag auch der angeborene Judenhaß miteinfließen, der in unseren eigenen Kreisen gegenüber dem Täufling nicht mehr empfunden zu werden scheint. Das ist das Beschämende für uns. Welche andere Gefühle, die noch immer dem Juden zugekehrt sein mögen, sich auch in der Verhöhnung des Tausjuden vouseiten seiner neuen Glaubensgenossen auch sonst noch im Spiele sind, diese bei allen Christen gleiche Abneigung gegen den Konvertiten verdient unsere Achtung. Umsomehr, weil eine gleiche Dosis von Verachtung, die die modernen Juden gegen die Judentäuflinge, wenn sie selber noch einen Funken von Selbstachtung besitzen, auch an den Tag legen müßten. Wie steht es aber in der Praxis? Während, wenn auch nur in einem Augenblick des Sichgehenlassens, der Christ seinen innersten Gefühlen des Mißtrauens und unsäglicher Verachtung einmal offen Ausdruck verleiht und damit bekundet, wie nichtswürdig ihm der Glaubensschacher dünkt, und den Täufling wenigstens zeitweilig von seinen Rockschößen abschüttelt, gibt es gegenwärtig eine Masse von Juden, die solche Renegaten wie alte Freunde behandeln und vor wie nach mit ihnen verkehren: Freilich sind diese unverminderten Freunde gegenseitig einander wert, gleich . achtungswert in Gesinnung und Charakter. Ja, sogar als Renommierumgang ziehen viele Juden solche Leute in ihre Gesellschaftszirkel. Allerdings sucht ja der Judentäufling nur aus Not den ihm unentbehrlich gewordenen ehemals glaubensgenössischen Umgang aus, weil der sittlich hoch -über ihm stehende Christ sich schönstens für die Ehre bedanken würde; und — die Pforten der Judenhäuser stehen ihm offen! Hier wäre Stoff für eine Schewuot-Predigt, der den Herren Rabbinern angelegentlich empfohlen sei. Wie dem jüdischen Renegatentum von christlicher Seite seine jüdische Abkunft als ein nie wieder gutzumachendes Verbrechen nachgetragen wird, das hat, ebenfalls herzerfrischend für jeden sich selber noch achtenden Juden die Reichstagssitzung vom 27. v. M. wieder einmal bewiesen. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Arendt, Reichsp. (früher hieß der Herr Arons) sprach bei der Verhandlung über die Kolonien und griff dabei die Sozialdemokraten au, worauf der sozialdemokratische Abgeordnete Eichhorn unter anderem gegen Arendt gewandt, sagte: „Er stellt sich jetzt gern als alter Afrikaner hin; ich nahm immer an, daß die Wiege seiner Vorfahren in Kleinasien gestanden hat". Selbstverständlich große Heiterkeit im ganzen Hause. Wir lachen ja selber mit. War nun schon ein Trumpf gegen den Judenstämmling hier gut ausgespielt, und zwar von einem Sozialdemokraterl, so brauchte der Zentrumsmann Erzberger nicht zurückzubleiben, und wandte sich nun ebenfalls gegen den Reichsparteiler mit den Worten: „Und was soll man erst von der Rede des Herrn Arendt sagen? Er glaubte eine Fanfare zu schmettern, aber im Grunde genommen war seine Rede nichts anderes, als das Klagelied des trauernden Jeremias auf den Trümmern seiner früheren Kolonialpolitik". Wieder große Heiterkeit. Wir stimmen mit ein; auch mit dem Lutherwort: „Wasser allein tut es nicht"; und Taufwasser erst recht nicht, wie diese Ausführung beweist. Alexander o. Humboldt. Von Dr. Adolph Kohut. I. on neuem hat in diesen Tagen die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt sich auf einen der größten Naturforscher und Universalgelehrten gelenkt. Alexander v. Humboldt, der Polyhistor, starb am 6. Mai 1859. Seinen Verlust betrauerte nicht allein Deutschland, sondern die gesamte Kulturwelt. Nicht bloß die Ergebnisse seiner Forschungen,

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