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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-14 · Heft 20 (14.5.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang Nr. 20. Berlin, 14. Mai 1909. Vetlsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. 8. Berlin, 9. Mai. In der heutigen Repräfentanten- Versammlung, die nur eine Stunde währte, berichtete der Vorsitzende Louis Sachs zum geschäftlichen Teil, daß Herr Kurl Leopold Netter zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeinde- Vorstandes gewählt ist, und' in das Kuratorium der Loewenthal- Stiftung die Herren Kommerzienrat Simon, Manheimer und Louis Sachs entsandt worden sind. Alsdann erfolgte die Annahme mehrerer Zuwendungen: Zuwendung der vier Kinder des verewigten Justizrats Dr. Edmund Lachm an n im Betrage von 20 000 Mark zur Begründung einer Edmund Lachmann-Stiftung bei der Armenkommission; der Frau Julie Neumann im Betrage von 1000 Mark für den Fonds für entlassene Waisen; des Herrn Julius Rotholz im Betrage von 10 000 Mark für das Hospital. Das Vermächtnis des verstorbenen Fräulein Agnes Carlberg im Betrage von 900 Mark zu Grabeserhaltungszwecken findet ebenfalls debattelose Annahme. — Die Vorlage betreffend Ueberlassung der Shnagogenvrgeln an jüdische Organisten war, wie erinnerlich, der Festgottesdienstlichen Kommission zur gutachtlichen Aeußerung überwiesen worden. Die Kommission ist zu dem Beschluß gekommen, die Benutzung der Orgel nur denjenigen Herren jüdischen Glaubens, die das Orgelspiel bereits beherrschen, zur Einübung der Liturgien zu gestatten. Auch soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, sich durch Vertretung der Gemeindeorganisten weiter auszubilden. Dagegen sollen die Orgeln zur Ausbildung im Orgelspiel nicht hergegeben werden. Das Plenum erklärt sich mit diesem Beschluß einverstanden. — Zum Gemeinde-Aeltesten wurde alsdann in geheimer Abstimmung der bisherige Aeltesten-Stellvertreter Herr Louis Badt einstimmig gewählt. Die hierdurch eintretende Vakanz in der Zahl der Aeltesten-Stellvertreter soll baldmöglichst erledigt werden. Zur Vorbereitung dieser Wahl ist eine aus den Herren Geheimrat Blumenthal. Dr. Cohn, Hirsch, Manheimer, Dr. Minden, Justizrat Veit Simon und Louis Sachs bestehende Kommission tätig. — In die gemischte Kommission zur Beratung über Schaffung eines Reservefonds und Neuregelung des Kontos .Liegende Gründe" sind seitens des Gemeindevorstandes die Herren Badt und Seligsohn entsandt worden; die Repräsentantenversammlung ist in dieser Kommission durch die Herren Loewenberg, Emil Cohn, Benas Levy und Hirsch vertreten. — In die Waisenkommission wurde Herr Dr. med. Friedeberg, in den wissenschaftlichen Beirat Professor Dr Simon, Bibliothekar an der Technischen Hochschule in Charlottenburg, gewählt. — Als Beihilfe für den Religionsvereiu Ahawes scholaum wurden 1500 Mark für das Jahr 1909 bewilligt, 50 Mark zur Passahbeköstigung der Strafgefangenen in Insterburg, 528 Mark für die innere Einrichtung der Wochentagssynagoge in der Lindenstraße. Den Koscherfleischhändlern wurden, wie alljährlich, die Beiträge zu dem Pensions- und Unterstützungsfonds pro 1909 erlassen. — Gemäß dem Anträge des Gemeindevorstandes erklärt sich die Versammlung damit einverstanden, daß diejenigen wissenschaftlichen Lehrerinnen, welche vor dem Inkrafttreten der neuen Besoldungsskala angestellt sind, in denjenigen Jahren, in denen sie nach der neuen Skala schlechter gestellt sind als nach der alten, nach der letzteren Skala besoldet werden sollen.— Schließlich bringt Justizrat Dr. Simon noch eine Reichsgerichtsentscheidung zur Kenntnis, die den Abschluß einer Klage der jüdischen Gemeinde gegen das Erbschaftssteueramt bildet. Wir kommen in einem Sonderartikel aus diesen interessanten Rechtsstreit noch zurück. s. Berlin, 9. Mai. Der Israelitische Frauen-Unter, stützungsverein hatte am 29. v. M. im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde seme 26. Generalversammlung, die diesmal von größter Wichtigkeit war, da die Neuwahl des Vorstandes und die Verlesung der neuen Statuten zwecks Eintragung in das Vereinsregister auf der Tagesordnung standen. Frau H. May eröffnete und leitete in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Herrn I. Weinberg die gut besuchte Sitzung. Die neuen Statuten wurden einstimmig angenommen, und da nach diesen auch durch Frauen die Aemter im Vorstand bekleidet werden können, so wurde Frau H. May zur J Vorsitzenden, Frau Mielziner zur Schriftführerin an Stelle des aus- -'v| scheidenden Herrn M. Fernbach gewählt. Beiden Herren wurde der v Dank des Vereins ausgesprochen. n. Breslau, 7. Mai. Am.Rehdigerplatz 3 erhebt sich inmitten eines Gartens ein stattliches Haus. Es ist vom Verband zur Er- 5 ziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder errichtet -j worden und soll dem Zwecke dienen, Kinder, die sich in materieller;; oder sittlicher Not befinden, aufzunehmen und sie zu brauchbaren ' 3 Menschen zu erziehen. Die Anstalt beschränkt ihre Tätigkeit nicht ' auf vaterlose Waisen, sondern erstreckt sie darüber hinaus auf alle die Kinder, die des Elternschutzes entbehren oder innerhalb der Familie, der sie angehören, sittlich gefährdet erscheinen. Bisher hat - j der Verband, der seit 20 Jahren in segensreicher Weise wirkt und während dieser Zeit 130 Kindern das Elternhaus ersetzt hat, seine '% Zöglinge in Familienpflege gegeben. Bei der wachsenden Anzahl der ' ihm anvertrauten Kinder erwies sich aber dies System nicht länger J als durchführbar, und so entstand der Plan, ein Haus zu bauen, ein .Plan, dessen Ausführung nur durch die werktätige Opferwilligkeit angesehener Gemeindemitglieder ermöglicht worden ist. Dem RegierungsbaUmeister Paul Ehrlich ward das Werk anvertraut, das heute vollendet dasteht und am 4. d. M. seine Weihe empfangen :]j hat. Der Einweihungsfeier wohnten der Herr Oberpräsident -ß! Graf v. Zedlitz-Trützschler, der Regierungspräsident v. Baumbach und als Vertreter des Magistrats Stadtrat Müller bei. Nachdem der Synagogenchor durch einen Psalm die Feier stimmungsvoll eingeleitet :! hatte, begrüßte Rabbiner Dr. Rosenthal als Vorsitzender des Ver-;.;1 bandes die Vertreter der Behörden und alle Anwesenden, die D gekommen seien, dem Werke der Liebe die Weihe zu geben. Der J Oberpräsident brachte hierauf in seinem und des Regierungspräsidenten I Namen dem neuen Hause seinen Segenswunsch dar. Er sei, so führte Graf Zedlitz aus, zu der Feier gekommen, obwohl er wenig von dem gewußt habe, was bisher hier geschehen sei; aber „die Fürsorge für die Jugend bewegt uns alle gleich, welchen Glaubens wir sind, und welche Ansichten wir sonst hegen. In diesem Punkte treffen wir alle zusammen." Unter dem ergreifenden Eindruck dessen, was er soeben hier gehört hatte, wünschte er dem Werke Glück, das aus der kleinen Keimzelle in einem oberschlesischen Städtchen zu dem stolzen Baume herangewachsen sei, der nunmehr Hunderten von Kindern Schutz und Schirm gewähre. Wenn das Bibelwort „Der Herr ist mein Hirte" über diesem Hause dauernd steht, dann wird denen, die darin wohnen;y und denen, die dafür wirken, nichts mangeln. Nachdem ein weihe- \J; voller Gesang die Feier beendet hatte, erfolgte ein Rundgang durch \ das Haus, der allen, die daran teilnahmen, bewies, daß Regierungs- /Ä väumeister Ehrlich die ihm gestellte Aufgabe aufs trefflichste gelöst hat. Am Nachmittag fand die religiöse Weihe statt, der auch die;f Zöglinge der Anstalt beiwohnten. Rabbiner Dr. Guttmann hielt J dabei die Weiherede und pries die Nächstenliebe als Ausgangs- und e, Endpunkt aller guten Werke. Mit einem Gebet für das Gedeihen;?i des Werkes schloß er seine Ansprache, der noch Chorgesang folgte. - | So ist Breslau nynmehr um eine Anstalt reicher, die, eben weil sie \ nicht nur Waisen aufnimmt, eine fühlbare Lücke in der Reihe der Wohlfahrtsanstalten ausfüllt. « m. Kattowitz, 3. Mai. Am 25. v. M. fand hier eine Tagung?! des oberschlesischen Rabbiner-Verbandes statt. Der Vor- ' sitzende, Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, eröffnete die Versammlung | und begrüßte die erschienenen Kollegen, von denen anwesend H waren: Braunschweiger-Kattowitz, Cohn-Kattowitz, Dienemann-Ratibor, /';* Galliner-Beuthen, Goldmann-Oppeln, Kaatz-Zabrze, Kopfstein-Beuthen, Rau-Pleß, Winter-Myslowitz. Entschuldigt fehlten: Ellguther-Neisse, Friedmann-Lublinitz, Gradenwitz-Tarnowitz und Münz-Gleiwitz. Nach Z Eintritt in die Tagesordnung und. Erledigung interner Angelegen- ' . heiten wurde über die Revision des Religionsunterrichts in den A ,.....z&U

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