Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- Seite 240 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228873--65554-3277685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
erhalten. Eine unbefangene Prüfung kann über die Bewertung dieser neuen Gutachten-Sammlungnicht zweifelhaft sein und' muß bei^ pflichten, daß damit den Angriffen gegen das Schächten jede sachliche Unterlage entzogen ist. Dr. H. Hildesheimer hat sich dadurch aber-' mals ein großes Verdienst um die von ihm mit so großer Energie vertretene Sache erworben. ■ * ---- Rahmer- Abraham: Hebräische Lesefibel, zugleich eine Vorstufe zu Rahmer-Abrahäm: Tefilla Kezara. Völlig neu bearbeitet von Michael Abraham. Zwölfte, der Neubearbeitung dritte verbesserte Auflage, mit einem Anhänge: Vorlagen zur Erlernung der hebräischen Schreibschrift. Frankfurt a. M. 1909. I. Kauffmann. .Wer nach vorliegendem Buch unterrichtet hat, wird gern zugeben, daß die großen Vorzüge, die ihm nachgerühmt werden, auf Tatsachen beruhen. Schon äußerlich fallen uns die hübschen neuen Typen,, das gute Papier und die übrige Ausstattung angenehm in die. Augen. Den Leseübungen hat der geschickte Verfasser die Monotonie vorweg genommen, indem er dem Lesestoff von der ersten Seite an Vokabeln eingefügt hat, deren mühelose Einprägung dem Schüler viel Freude bereiten wird. Der Lehrer hat überdies Gelegenheit, den ersten Leseunterricht mit manchem schönen Wort zu beleben, womit er jede neu auftretende Vokabel einführen wird. (Gott, Mutter, Volk, Licht usw.) Auf diese Weise kann er den Unterricht um ein wertvolles Motiv bereichern. — Daß ein Buch, welches in kurzer Zeit eine so große Verbreitung gefunden hat, den pädagogischen Anforderungen der Zeit entsprechen muß, ist selbstverständlich. Es muß aber wohl noch eine besondere Anziehungskraft besitzen, und die durfte nach des Referenten Ansicht in dem weiten Spielraum liegen, den es. der Persönlichkeit des Lehrers überläßt, indem es ihm die verschiedensten Verwandlungsmöglichkeiten bietet: als Lesebuch, Vorschule des Uebersetzens und in gewissem Sinne als Religions- und Gebetbuch. Letzteren Zweck erreicht es einerseits durch einen geeigneten, den täglichen Bedürfnissen angepaßten Lesestoff, der übrigens in der' vorliegenden Auflage erweitert worden ist, anderseits durch das schon oben angedeutete leise Hervortretenlassen eines Gefühlsmomentes, das uns an das Goethesche Wort denken läßt: Dein eigen ist nur, was Du fühlst. E. Gut. ----- Unter den Dichtern Dänemarks, deren Namen weit über die Grenzen ihres Vaterlandes gedrungen, und die jetzt noch — Jahrzehnte nach ihrem Tode — mit unverwüstlichem Glanze leuchten, nimmt Meyer Aron Goldschmidt einen der hervorragendsten Plätze ein. Mit Recht und unbestritten wird er als Vater dänischer Romantik geschätzt und bewundert, als Meister des Stils und der Form geehrt» unübertroffen wie er dasteht in der Behandlung seines Stoffes, ohne gleichen als Bildner der verschiedenartigsten Typen und Gestalten, und. durch seine packenden Schilderungen gleich wie durch seine aus der Tiefe der Seele quellenden, gedankenreichen poetischen Darstellungen ist er ein Liebling der Lesewelt geworden und geblieben. Ein zweitöniger Klang ist mit seinem Namen ein zweiarti'ges Element in> seiner Person und ein zweifältiger Begriff mit diesem Dichter unzertrennlich in seinen Werken verbunden und ihnen den Wert verleihend der Jude und der Patriot! Mit seltener Klarheit, mit feinstem Verständnis und echt nationaler Färbung sind seine jüdischen Romane ausgeführt, die neben den besten und ergreifendsten aus allen Ländern ihren Platz haben. Und daher ist es auch ein Ereignis, daß der vornehmste und größte Verlag in Kopenhagen seine gesammelten Werke mit unwesentlichen Auslassungen in Volksausgabe auf den Büchermarkt sendet, eine Wohltat dem ganzen dänischen Publikum gegenüber, im Lande selbst, sowie den im Auslande wohnenden Landsleuten eine billige Subskriptionsausgabe zu veranstalten, ein Unternehmen, das freudig und dankbar begrüßt worden, und des besten Erfolges sicher ist, was die zahlreichen Einzeichnungen aus allen Gegenden beweisen. Eingeleitet wird diese Ausgabe durch eine Biographie des Dichters von dem als besonderen Goldschmidt-Forscher bekannten Bibliothekar Julius Salomon, der zugleich die Textrevision und die eigentliche Herausgabe übernommen. P. E." Sprechlssl. Geehrter Herr Redakteur! n dem unlängst in dieser Zeitung erschienenen Artikel „Stöcker" wird der Hofprediger a. D. mit Recht als einer der größten Judenfeinde geschildert. Nichtsdestoweniger müssen wir auch dem toten Gegner Gerechtigkeit widerfahren lassen. Dies möge, dadurch geschehen, daß wir seine günstigen Aeußerungen über das Judentum hervorheben, die um so wertvoller für uns sein müssen, als sie von einem so verbissenen Hetzapostel getan worden sind. Besonders dürfte uns seine Ansicht über die soziale Frage im Judentum interessieren. Am 25. Januar 1878 verlieh Stöcker im Saale des Handwerkervereins in Berlin in einer Versammlung der eben gegründeten christlich-sozialen Arbeiterpartei seiner Verehrung für die sozialen Einrichtungen des jüdischen Staates beredten Ausdruck in folgenden Worten: „Wenn im alten Testament verboten ist, vom Kapital Zins' zu nehmen, wenn der Zusammenkauf vieler Güter in der Weise verhindert ist, daß jedesmal im 50. Jahre alle verpfändeten und verkauften Güter wieder an ihre Eigentümer von früher zurückfallen müßten, dann werden Sie erkennen, daß hier mit einer ungemein göttlichen Weisheit die soziale Frage angefaßt und für die damalige Zeit völlig gelöst ist. Wo die Dinge so geordnet sind, da ist es gar nicht möglich, daß sich auf der einen Seite ein ungeheures Vermögen ansammelt und auf der anderen ein Pauperismus eintritt, der das Elend der gesamten Nation ist." In einer Rede im folgenden Jahre 1879 (19. September) sagte er zu derselben Arbeiterpartei: „Wir achten die Juden als unsere Mitbürger und lieben sie als das Volk der Propheten und Apostel." Im preußischen Landtage äußerte er sich am 22. November 1880 also: „Wir wissen sehr wohl, daß unser Volk bekehrten Israeliten viel verdankt, ich erinnere an Namen wie Stahl, Neander, Mendelssohn. Wir ehren alle Israeliten, auch die nicht getauften, welche in Kunst und Wissenschaft sich an der Entwicklung unseres Volkes beteiligt haben. Ich habe auch offen erklärt, daß ich gar nicht daran denke, den jüdischen Mitbürgern irgend etwas von ihrer staatsbürgerlichen Berechtigung zu nehmen." Schwetz. Ergebenst Dr. V. Nordheimer. Geehrte Redaktion! estatten Sie mir, auf einige Punkte im „Entwurf eines Gesetzes betreffend die Verfassung der jüdischen Gemeinden Preußens" hintveisen zu dürfen. Der § 9 Abs. 2 und entsprechend der § 19 Abs. 1 müßten meines Erachtens dahin geändert werden, daß auch Angestellte der Gemeinde, ob besoldet oder unbesoldet, als Gemeindevertreter wählbar sind. Wäre es für viele Gemeinden nicht recht dienlich, den Lehrer im Gemeindekollegium zu haben? Man denke doch an die Landgemeinden! Er ist dort doch oft der einzige Sachverständige. Sollen also Sachverständige von der Beratung ausgeschlossen sein? Man denke sich einmal, die Lehrer würden von der Schuldeputation ausgeschlossen! Es liegt also in der Bestimmung des § 9 Abs. 2 etwas Rückschrittliches. Im § 21 müßten die Worte „gegen Besoldung" gestrichen werden. Ich bin Beamter der Gemeinde, aber ohne Besoldung. Der Vereinbarung zwischen Stadt und Synagogengemeinde entsprechend, bin ich verpflichtet, das Vorbeteramt unentgeltlich auszuüben. Ich bekomme nur Gehalt als städtischer Lehrer, bin aber auch Vorbeter. § 77 müßte auch meines Erachtens abgeändert werden. Soll denn der Vorstand jeder Eifeler Synagogengemeinde wegen der Einführung desselben Buches mit der Schulbehörde unterhandeln? Es genügte auch, wenn die Provinzialgemeinde die Verhandlung führt. Zu § 80. Wie wird es mit den bisherigen Kreis-Synagogen» gemeinden, wie sie hier im Rheinlande bestehen? Die Einzelgemeinden sind teils ganz, teils wenig von der Hauptgemeinde abhängig. Es wäre da eine klare Scheidung angebracht, um den vielen Unzuträglichkeiten ein Ende zu bereiten. Hochachtungsvoll Viersen. Lehrer Nußbaum. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.