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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-05-14 · Heft 20 (14.5.1909) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
Seite 234 (sequence 6)
Language
German
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ebensowenig wie seither, irgendwelche Anerkennung für ihre in der Judenheit aller Länder einzig dastehenden Leistungen zugunsten anderer Gemeinden zu erwarten haben: es ist einfach ihre gesetzliche Schuldigkeit. Würde nun mit diesem verhältnismäßig immensen Aufwand Hervorragendes für die Erhaltung und Hebung des Judentums geleistet, sa könnte man bei genügender Opferwilligkeit schließlich ganz zufrieden sein. Allein, was erreicht wird, ist lediglich die Erhaltung eines „geordneten" Gottesdienstes und Religionsunterrichts auch in kleineren Gemeinden, das heißt ein der Gewohnheit der Alten entsprechender, die Jugend aber kalt lassender und daher die religiöse Gleichgültigkeit stetig vermehrender Mechanismus, an dem auch durch die Institution der Bezirksrabbiner und die diesen aufgetragene formale Inspektion des Religionsunterrichts - rein gar nichts gebessert wird. Eine ebenso nutzlose Kraftvergeudung ist die Inanspruchnahme der tüchtigsten Persönlichkeiten, wie sie in den Städten sich finden, durch die Quisquilien und Streitigkeiten ländlicher Duodezgemeinden. Dagegen könnte wahrhaft Großartiges und Erspießliches geleistet werden, wenn die größeren Gemeinden, auf denen allein die Zukunft. des Judentums beruht, sich — bei voller Wahrung ihrer Selbständigkeit — zur Pflege ihrer gemeinsamen Interessen freiwillig zusammentäten und vor allem diese mit gemeinsamen Mitteln förderten. Dabei braucht und soll die Unterstützung der kleinen Gemeinden nicht vergessen werden. Nach dieser Richtung sollten die maßgebenden Persönlichkeiten der preußischen Großgemeinden arbeiten und sich nicht, wie wir im Süden, durch Staatsgesetze die Hände binden lassen. Daß dies vermieden wird, liegt im allgemeinen jüdischen Interesse. Dann könnten auch unsere süddeutschen Großmeinden zu dem gleichen Zwecke sich mit ihnen vereinigen. Wenn sie aber glauben sollten, daß nur eine staatlich organisierte Gemeinschaft das nötige Gewicht bei den staatlichen Instanzen haben werde, so teilen wir diese Auffassung nicht. Wir sind vielmehr überzeugt, daß, wenn innerhalb des uns vorschwebenden Verbandes israelitischer Stadtgemeinden im Deutschen Reich ein Preußischer Landesverband israelitischer Stadtgemeinden gebildet würde, die Vertretung dieses Landesverbandes bei der preußischen Regierung mindestens das gleiche Ansehen und den gleichen Einfluß genießen würde wie der Vorstand der geplanten Landesgemeinde mit ihren disparaten Elementen. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei übrigens bemerkt, daß wir bei dem Vorschläge eines Verbandes der Stadtgemeinden nicht die einseitige Verfolgung liberaler Interessen im Auge haben, sondern daß es unseres Erachtens mit zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören würde, die geeigneten Mittel und Wege zu finden, um die berechtigten Bedürfnisse aller in den Großgemeinden vertretenen religiösen Richtungen im Sinne gegenseitiger Duldung und Verträglichkeit möglichst ausgiebig zu befriedigen. Lin Kurses Mort sur AebrrproduKtion such im Ksbdinerberuk. Von Kreisrabbiner Dr. M. Beermann-Jnsterburg. an hat wohl noch nie in unseren Blättern Warnungen gelesen vor zu großem Andrang zum Studium der jüdischen Theologie. Gewiß wünsche auch ich, daß sich das alte Moseswort erfülle: „O wäre das ganze Volk des Ewigen Propheten"! Möchten möglichst viele Juden sich mit der Gotteslehre befassen; es liegt aber in den Verhältnissen) daß nur eine beschränkte Anzahl Thorakundiger als praktisch/ wirkende Rabbiner Verwendung finden können. Gewiß ist es für die Heraufzüchtung tüchtiger Seelsorger wichtig und wertvoll, wenn bei Stellenbesetzung ein größeres Material zur Verfügung steht. Aus dem Wettbewerb entsteht naturgemäß eine rege Anspannung aller Kräfte. Allein, demgegenüber bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die Zahl der Rabbinatsvakanzen in den letzten Jahren in einem beklagenswerten Mißverhältnis zu dem Angebot stand. Die Rabbinerseminäre haben gerade im letzten Dezennium eine im Vergleich zu früher große Zahl von Rabbinern ausgebildet. Hingegen ist die Zahl der Rabbinatsgemeinden nicht gestiegen. Der Wegzug der Juden aus den östlichen Provinzen hat viele Gemeinden, die früher einen Rabbiner besolden konnten, numerisch so geschwächt, daß sie sich mit einem Kultusbeamten, der zugleich Lehrer, Vorbeter und Schächter ist, begnügen müssen, und gar, manche Gemeinde im Osten, in der jetzt noch ein Rabbiner amtiert, wird die Stelle bei eintretender Vakanz nicht wieder besetzen. Damit alle brauchbaren Kräfte, die für den Rabbinerberuf vorgebildet sind, auch die entsprechende Verwendung finden, müßte nach meiner Meinung angestrebt werden: 1. Die Bildung von Bezirksrabbinaten, wo kleinere Gemeinden sich zu einem Sprengel zusammenschließen, wie das ja bereits vom Rabbinerverband vorgeschlagen, tatsächlich aber noch wenig durchgeführt ist. 2. Die Neuanstellung von Rabbinern und Adjunkten in Großgemeinden. Es sollte zur Ausübung einer geregelten Seelsorge kein Rabbiner mehr als 1500 bis 2000 Seelen zu pastorieren haben. Auch der Begabteste wird bei ernster Erfassung seiner Berufspflichten kaum eine größere Menschenmenge dauernd und planmäßig geistlich beeinflussen können, als die hier normierte Zahl. 3. In manchen Gegenden Deutschlands — ich denke an Westfalen — gibt es rabbinerlose Gemeinden, die sehr wohl einen Rabbiner honorieren könnten. Hier müßte der Rabbiner- Verband in geeigneter Weise die Gemeindeleitungen für Anstellung von Rabbinern gewinnen. Mir liegt heute nur daran, die Diskussion über diese Frage anzuregen. Ich begnüge mich, dazu den Anstoß zu geben. Ich halte mich nicht für Praktisch genug, um zu diesem Problem eine irgendwie abschließende Meinung zu äußern. Im Gegenteil; ich wäre dankbar, wenn Klügere sich zum Worte meldeten. I'ora hi welilmod ani zaricb. Ich sehe freundlicher Belehrung gern entgegen. Äriek aus Meltrrrrich. Ende April. as Passahfest war für uns in Oesterreich in diesem Jahre wirklich ein Fest der Erlösung von 'schwerem Drucke. Wie ein Alp lastete auf uns allen die drohende Kriegsgefahr. Die Einsichtigen freilich wollten es auch im düstersten Augenblicke nicht zugeben, daß das kleine Serbien es wagen werde, mit dem mächtigen Nachbarn anzubinden. Und die Herren taten so, wie es der österreichische Aristophanes, Johann Nestroy, in seinem „Lumpazivagabundus" höchst ergötzlich schildert. „Sie, wenn ich anfangs, wenn ich anfangs, ich fang^ aber nicht an." So haben es sich unsere liebenswürdigen Nachbarn auch überlegt, anzufangen. Denn man kennt zwar den Anfang, aber das Ende nicht. Sie jagten demnach ihren Kronprinzen, den man hierzulande in Wienerischer Weise

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