Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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von hoher Begeisterung beseelt, auch andere zu gleichen Zielen anzüfeuern wußte. Badts vielseitige Interessen und das Bestreben, ' jede edle Lebensäußerung in unserer Glaubensgemeinschaft liebevoll zu beobachten und zu pflegen,, bewirkte, hast sich fast aste jüdischen Vereinigungen an ihn wandten und seine unermüdliche Arbeitskraft für ihre Zwecke zu gewinnen trachteten. Der warmherzige Menschenfreund , wies keinen ab, und er benutzte selbst scheinbar entgegengesetzte Wege, wenn sie Nur zu einem schönen Ziele führten; Wo immer etwas zur Ehre des Judentums unternommen wurde, oder wo und wie Juden des Schutzes und Beistandes bedurften, nie versagte Badts rastloser Eifer zu raten "und zu Helsen. Sein für das Gemeinwohl so lebhaft empfindendes Gemüt trug natürlich noch ganz besondere Blüten für die zahlreichen persönlichen Freunde, welche der edle Mann überall auf seinen beziehungsreichen Wegen fand. Und alle waren von der Wahrheit des Gefühls tief ergriffen, als sein ältester Jugendfreund, Rabbiner Dr. Guttmann, vor der großen Versammlung, welche trauernd die Bahre des Heimgegangenen umstand, seine Abschiedsrede mit den Worten einleitete: „Wie ist mir's leid um Dich, mein Bruder Jonathan!" . Badts Tod läßt eine so tiefe Lücke in der deutschen Judenheit, weil der Verstorbene zu den wenigen Männern gehörte, die mit dem vollsten Verständnis für die wechselnden Erscheinungen der Gegenwart eine unverbrüchliche Treue gegen das Bleibende und Ewige in unseren Ueberlieserungen verband. . u. Breslau, 30. April. Die „Peah", Jüdisches Brockenhaus, versendet ihren Jahresbericht für 1908. Der Verein hat sich das Prinzip gestellt, nichts zu verschenken; dagegen wird es jedem Bedürftigen ermöglicht,. Gegenstände des täglichen Gebrauchesderart billig zu erwerbe», wie er sie weder im Ladengeschäft, noch.beim Trödler, noch sonst irgendwie käuflich zu erhalten in der Lag? ist. Gesammelt werden Kleidungsstücke, Wäsche. Schuhwerk usw. Möbel, Betten, Vorhänge,.Teppiche usw. Wirtschaftsgeräte, Eisenzeug, Kinderspielzeug, Staniolkapseln, Korken, Bücher, Flaschen, Papier, Zeitungen, Briefmarken, Verpackungsmaterial usw. In einem ruhig gelegenen, kleinen, sauber gehaltenen Haus, Kleine - Holzgässe 8, werden alle Gegenstände geordnet und aufgestapelt. Anfang Dezember 1907 trat ein Komitee von Herren und Damen zusammen, das nach Bildung eines Vorstandes zur definitiven Gründung der Peah schritt. Der Vorstand konstituierte sich: neben dem geschästsführenden Ausschuß Frau Justizrat Henschel, Herrn Eugen Perle, aus den Damen: Frau Professor Tr. Badt, Frau Grete Bial, Frau Rabbiner Tr. Guttmann, Frau Rosalie Hirschel, Frau Justizrat Ollendorf. den Herren: Rechtsanwalt Pollak, Berthold Lewy, Louis Simonsohn, Willy Falk,. Wilhelm Freyhahn. Als Kaffen - Revisoren fungieren die Herren Herrmann Hamburger und Apotheker Ernst Muhr. Die Spender werden ersucht, den ungefähren Umfang der Gaben mitzuteilen, damit die entsprechenden Transportmittel zur Abholung geschickt werden können-. Auch stellt der Verein sauber gearbeitete handliche Kisten sowie Säcke zur Ansammlung von Papieren zur Verfügung. Sie verbleiben, bis sie gefüllt sind, bei den Herrschaften und werden dann abgeholt und gegen leere um getauscht. Während des ersten Betriebsjahres, sind 9550 kaufende Parteien abgefertigt worden, durch die 8967.44 Mark vereinnahmt wurden. Für die Zukunft ist neben der bereits bestehenden Brockenhauseinrichtung eine Arbeitswerkstätte mit erweiterter Arbeitsgelegenheit in Aussicht genommen. Der Verein erhält seine Spenden fast ausschließlich aus jüdischen Händen. Nur von dieser Seite könne verschämten jüdischen Armen und arbeitsuchenden Glaubensbrüdern vollste Berücksichtigung zuteil werden. — Bremerhaven, 2. Mai. Ein bedauerlicher Fall von Unduldsamkeit ist hier vorgekommen. Der Vor st an d der Synagogengemeinde zu Geestemünde hat den Sohn eines langjährigen früheren Mitgliedes aus der Religionsschule während der Schulzeit durch den Lehrer verwiesen, und außerdem dem Lehrer, sowie dem II. Kultusbeamten amtlich untersagt, dem betreffenden Knaben privaten Unterricht in irgendeiner Form zu erteilen. Dem Knaben wnrpe aufgetragen, diesen Beschluß seinem Vater mitzuteilen. Eine schriftliche Benachrichtigung ist dem Vater über dieses bedauerliche Vorkommnis nicht zugestellt worden. Zur Erklärung muß hierbei bemerkt werden, daß der Vater des Knaben allerdings einige Tage vorher ans der Synagogengemeinde ausgeschieden ist, und zwar anläßlich -einer Entscheidung' der Regierung in Stade, wonach, die Bremerhapener Mitglieder entgegen der früheren Auffassung keine ' Stimmrechte in dev Gemeinde mehr ausüben konnten. Bremerhaven gehört, zur Freien- und Hansestadt Bremen, während Geestemünde im preußischen Regierungsbezirk Stade liegt: Der Vater des Knaben Hab in dieser SchulangelLgenheit dir Entscheidung des Landrabffiners Dr. Gronemann in Hannover angerufen; indessen hat Dr. Gronemann bei. allem persönlichen Bedauern über den Fall, keine Veranlassung genommen. Remedur zu schaffen; beziehungsweise ist es ihm nicht gelungen, den Vorstand zu veranlassen, den Beschluß wegen Ausschluß aus der Schule rückgängig zu machen. Wir müssen solche Vorkommniffe vom Standpunkt des Judentums bedauern; mag es selbst der Fall sein, daß der-Vater des Knaben sich ins Unrecht gesetzt hat, so durste doch der Vorstand nicht zu dem oben angeführten Mittel greifen, zumal die Kosten für den Unterricht von dem Vater ohne weiteres gedeckt worden wären und der Schüler, wie uns durch vorgelegte Zeugnisse nachgewiesen wurde, ein außerordentlich guter war. In heutiger Zeit, wo vielfach die kleinen Gemeinden nicht in der Lage sind, einen Religlonslehrer . zu besolden, und die Kinder infolgedessen ohne Religionsunterricht äufwachsen, berührt uns dieser Vorfall um so mehr betrübend. Der Vater hat es nun übernommen, feinen Sohn weiter zu unterrichten. Ergibt selbst zu, daß der Unterricht wahrscheinlich nicht so erfolgreich ist, als wenn er von geschulten Pädagogen gegeben wird. 8. Köln, 30. April, Unsere Gemeinde hat den Tod eines hervorragenden Mitgliedes, zu beklagen. Amtsgericktsrat H u go Fleck erlag am.23 d. M., kaum 50 Jahre alt, einem schweren Leiden. Er gehörte mehrere Jahre dem Vorstand der Synagogengemeinde an, bis ihn sein Beruf einige Zeit aus Köln entführte. Kurz nach seiner Rückkehr war er wieder im Interesse seiner Glaubensgenossen tätig; und bald darauf gehörte er. abermals dem Vorstande au. Sein schlichtes, leutseliges Wesen verschaffte ihm sowohl in seinem Richterberuf, wie auch in seiner öffentlichen Wirksamkeit viele Freunde. Mit Wärme verteidigte er seine freisinnigen Ideen, die immer in ihrer Entwicklung logische Schärfe bewiesen und niemals unter tendenziösem Einschlag litten. Seine stete Ueberzeugungstreue, seine seltene Aufrichtigkeit, sein hoher Wohltätigkeitssinn dürfen als vorbildlich hingestellt werden. Mit einem Wort, er war ein Mensch im vollsten Sinne der Bezeichnung. Bei der Beerdigung am vergangenen Dienstag schilderten im Trauerhause Rabbiner Dr. Frank, auf dem Friedhofe Rabbiner Dr. Rosenthal in ergreifenden Worten die Persönlichkeit des Entschlafenen, wie überhaupt die ganze Trauerseier zu einer eindrucksvollen Kundgebung der hohen Sympathie und allgemeinen Verehrung sich gestaltete, die der Verewigte durch seinen geraden Sinn und sein vornehmes Wesen zeitlebens verdient und genossen hat. Ehre seinem Gedächtnis! — Darmstadt, 29. April. In der zweiten Kammer der Stände brachte Abgeordneter Reinhardt die Wünsche israelitischer Lehrer vor. daß den israelitischen Gemeindebehörden das Recht der Anstellung genommen würde, daß also die Regierung ernenne, ohne die Gemeinden zu fragen!! Geheimer Rat Eisenhut: Die vom Ab- ‘ geordneten Dr. Osann vorgebrachten Gefichtspunkte könnten bei einer Revision des Volksschulgesetzes berücksichtigt werden. Bei der Anstellung israelitischer Religiouslehrer sei die Regierung vielfach auf Widerstand bei den Gemeinden gestoßen. Auch Dr. Glässing hatte schon vorher bemerkt: Notwendig fei ferner die Besserstellung der israelitischen Religionslehrer. Solange die Gemeinden die Religion» lehrer bezahlen müssen, steht ihnen auch die Wahl zu; das Bestätigung?- . recht übt ohnehin das Kreisamt aus. i. Alzey (Rheinhessen), im April. Unsere israelitische Gemeinde hatte am 20. d. M. einen hochgeschätzten Gast, den Roofevelt- Profes sor Dr. Felix Adler, einen geborenen Alzeyer, den Sohn des früheren hiesigen Rabbiners. Auf Veranlassung unseres Großherzoglichen Rabbiners Dr. Lewit hatte der berühmte amerikanische Austauschprofessor, der Begründer Der ethischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika, nachdem er nun seine Vorlesungen an der Universität zu Berlin beendet, seiner Heimatstadt einen Besuch ab gestattet; Professor. Adler spendete den Alzeycrn eine Gabe aus seinem reichen Wiffensschatze, indem er im Verein für jüdische