Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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73. Jahrgang- Nr. IS. '| Berlin, 7. Mai 1909! Hellase zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". lkorrelpondknsm und Kschrichten. Deutschland. S. Berlin, 3. Mai. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde, den Fabrikbesitzer Herrn Carl L. Net!ker, in den Ausschuß ber Jewish Colonisation Association an Stelle des verstorbenen Justizrats Dr. Lachmann delegiert. In der Tat, eine bessere und geeignetere Wahl konnte kaum getroffen, werden, und wir hoffen,.daß Herr Netter im Ausschuß der Jewish Colonisation Association die Anschauungen und Interessen zur Geltung bringen wird, die dem Wohl des Ganzen und dem Gedeihen der großen Institution am meisten entsprechen. Es ist sehr notwendig.' daß in die Verwaltung der Jewish Colonisation Association etwas frisches Blut komme! s. Berlin, 2. Mai. Der zehnte Jahresbericht (1908) des Vereins „Israelitisches Lehrerinnen heim" ist erschienen. Obgleich einer größeren Zahl von Lehrerinnen durch Hilfe des Vereins ein. friedliches Heim geschaffen worden ist, so muß es die ernste Aufgabe sein, an eine baldige Erweiterung des Heims zu denken, weil die Gesuche um Aufnahme in letzter-Zeit besonders angewachsen sind. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. hat durch ein Legat ein eigenes Haus erhalten, infolgedessen zweigt sich die Gruppe ab. Zwischen dem Berliner und dem Frankfurter Verein wurde jedoch eine Interessengemeinschaft vereinbart, die durch Statuten in Weimar am 31. Mai v. I. zwischen Vertretern beider Vereine festgesetzt worden ist.' In erfreulicher Weise haben sich die Ortsgruppen vermehrt und -.vergrößert, woraus das allgemeine Interesse für diese Sache hervorgeht. Um neue Freunde zu gewinnen, ist Fräulein Münchhausen unermüdlich tätig gewesen und hat persönlich Beziehungen in Wien und größeren schlesischen Städten angeknüpft. Der Propaganda für Köln soll binnen kurzer Zeit energisch nähergetreten werden; -bereits interessieren sich dort führende Persönlichkeiten. Im Heim selbst - wurde im Laufe des Jahres eine Bewerberin - ausgenommen; zwei weitere Aufnahmen stehen bevor. Somit ist im Heim nur noch ein Zimmer zu besetzen, während die Mittel begrenzte sind. Das Heim hat gegenwärtig 21 Insassinnen; die Verpflegungskosten betrugen pro Kopf und Tag 0.93 Mark; an Extraspesen waren erforderlich 212.40 Mark. Die beiden für Erholungszwecke bestimmten Räume waren fast während des ganzen Jahres in Anspruch genommen In der Leitung ist eine Aenderung eingetreten, insofern als Fräulein Carow jetzt die Stelle der Oberin bekleidet und-- sich mit Hingabe und Treue, ihrem Amte widmet. Den Vorstand des Vereins bilden: Dr. 2C Oliven, 1. Vorsitzender, Fräulein Pauline Münchhausen, 2. Vorsitzende, Frau Direktor Henriette May, 3. Vorsitzende, Fräulein Jda Zucker, Lehrerin,/1. Schriftführerin, -Fräulein Marie Kutnewsky, Pensionsvvrsteherin, 2. Schriftführerin, . Frau Berthold Burchardt, 3. Schriftführerin, C. L. Netter, Schatzmeister, Frau Geheimrat Landau, stellvertretende Schatzmeisterin, Fräulein Regina Baginskh, Lehrerin, Frau L. M. Bamberger, Rektor Dr. Gütmann, Frau Laura Henschel, Frau Ferdinand Neichenheim, Frau Louis Sachs, Professor Dr. Schäfer. — Am 25. v.M. fand in Groß- Lichlerfelde die Generalversammlung des Vereins statt. Außer Vorstand und Kuratorium hatte sich eine große Zahl von Mitgliedern, auch Delegierte anderer Städte eingefunden. Wir möchten es nicht unterlassen, unsere verehrten Leser an dieser Stelle aus diese nötige und segensreiche Stiftung besonders'aufmerksam! zu machen. n. Berlin. 2. Mai. Am 29. v. M. tagte die 37. Generalversammlung des H ilfsvere ins-der Ra witscher im Altstädter Hof. Wie immer war die Beteiligung eine recht rege. An Stelle des durch dringende. Gemeindepflichten :sehr -in Anspruch' genommenen ersten Vorsitzenden, Herrn Leopold. Badt, wurde die Sitzung durch den langjährigen Rendanten/ Herrn' Jacob Pasch eröffnet. Derselbe gab einen größeren Rechenschaftsbericht über das abgelauseneJahr, spornte die Mitglieder zur. Bereitschaft größerer Ressourcen an und zur Vermehrung der Mitgliederzahl. Die.' Caritas wächst und stellt größere Ansprüche. Hierzu kommt noch, daß in Breslau sich auch ein Verein der Rawitscher konstituiert hat und daß dergleichen Gründüngen der Zentrale nicht förderlich sind. Es schieden aus dem Vorstande: die Herren Blaß, Friedenau; Gutherz und Dr. Rothstein. Die ersten drei wurden wiedergewählt. Herr Dr. Rothstein ist durch' wissenschaftliche Arbeiten zu sehr in Anspruch genommen, so daß er wohl stets ein treues Mitglied bleibt, aber die Tätigkeit im Vorstand aufgeben muß. An Stelle desselben wurde der Kaufmann Herr Ludwig Braun gewählt. In die Revisions? : kommission wurde der Mathematiker Dr. Küpperberg deputiert. Nach Schluß der geschäftlichen Angelegenheiten hielt Herr Adolphe Cohn wieder einen längeren humoristischen Vortrag, Causerie benannt. In der ein gesprochenes Feuilleton znm Austrag kam, „Alte und neüe Zeit der Heimat"; dies waren die fesselnden Wanderbilder. Im Namen des Vereins dankte der Vorsitzende, Herrn Adolph Cohn, für den Vortrag/ der Vorstand und Mitglieder zu großem Dank verpflichtete-. In. rührend treuer Anhänglichkeit -hat Herr Dr. Ungerleider 'in herzlichen Zeilen der Rawitscher gedacht und dem Verein - weiteres Blühen gewünscht. . ’i . — Stettin, 2. Mai. Die „Freisinnige Zeitung" bringt folgende Notiz von hier: „Die. vergiftende und zersetzende Wirkung des Anti-' semitismus selbst auf dem Gebiete der Wohltätigkeit, auf dem bisher Angehörige aller -Parteien, Konfessionen- und Stände einträchtig zusammenzuarbeiten gewöhnt waren, wird durch eine Affäre beleuchtet, die augenblicklich das Stadtgespräch in Stettin bildet. An den Bestrebungen des dortigen Vaterländ ischen Frauenvereins beteiligte sich in hervorragender Weise Frau Rabbiner Dr. Vogelstein, die als Vorstandsmitglied dem Verein sehr gute Dienste leistete. Vor einiger Zeit trat nun die ebenfalls dem Vorstand ungehörige Frau Eisenbahndirektionspräsident Dr. Sombach mit dem Ersuchen an die genannte Dame heran, aus dem Vorstände auszutreten, unter der Motivierung, daß Frau Dr. Vogelstein anderweitig auch sehr in -Anspruch genommen sei. Diesen Wink mit dem Zaunpfahl hat Frau Dr. Vogelstein richtig verstanden. .Sie trat aus dem Verein aus, mit ihr: aber fast sämtliche Damen jüdischen Glaubens, die dem Verein angehörten. Wer hat nun den Schaden von dieser konfessionellen Engherzigkeit? Die bisherigen jüdischen Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins jedenfalls nicht!" mb. Breslau, 2. Mast Welchen schmerzlichen Verlust unsere Gemeinde durch den Tod des Professor Dr. B. Badt erlitten hat, eines Mannes, der Jahrzehnte hindurch,im Mittelpunkt aller ihrer .Interessen stand und diese, selbst wenn sie weit über die Grenzen -der Vaterstadt hinaus, der Allgemeinheit angehörten, bei uns heimisch. machte und pflegte. - Seine praktische Wirksamkeit wandte sich vor allem in außeramtlicher Zeit zunächst dem jüdischen Lehrerftande zu. Er hat die nächsten .Interessen seines -Vaterhauses niemals vergessen und wurde im Winter 1878/79 ein Mitbegründer des Vereins jüdischer Lehrer in Schlesien und Posen. Die geistige Förderung, die soziale Hebung .und materielle Sicherstellung unserer jüdischen Lehrer im Osten Deutschlands fand durch Benno Badt unschätzbare Anregung und Mithilfe. Im Anschluß an diesen Verein trat er auch bald daraus für den Gedanken ein. eine Unterstützungskasse zur Altersversorgung der Lehrer ins Leben zu rufen und arbeitete seitdem als Mitglied des Vorstandes und zuletzt als Vorsitzender an der Entwicklung dieser Organisationen. Mit gleicher Wärme widmete ex, sich der.Begründung eines" jüdischen- Lehrerinnenheims in unserer 'Gemeinde, ünd sein Name wird auch in diesem jüngeren Institut stets in dankbarer- Erinnerung bleiben. — Mit dieser ausgebreiteten ' zielbewußten Tätigkeit war aber der Umfang seines Wirkens keineswegs erschöpft. Mit dem wachsenden Reichtum seiner Erfahrungen und der- Vertiefung seiner Einsicht wandte er sich allen Interessen und'Bestrebungen der Glaubensgemeinde zu. Der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen Synagogengemeinde nennen ihn in ihrem warmen Nachruf einen Mann, der im Kampfe für seine.Jdeale.