Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-30 · Heft 18 (30.4.1909) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228852-3228871--65521-3277650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

das Programm irgendeiner bestiminten Partei festlegen; hingegen soll die Belehrung über keine allgemeine oder jüdische Frage/ oder, deren Diskussion ausgeschlossen sein. Mitglied kann jeder Mann im Alter von 17 bis 30 Jahren werden; der Mitgliedsbeitrag ist auf 4 Mark pro Jahr festgesetzt worden. Bisher haben sich dem Bund erfreulicherweise Angehörige aller Berüfsstände.-aller sozialen Schichten und aller Richtungen innerhalb des Judentums in großer Anzahl angeschlossen. Zuschriften sind zu richten an die Adresse: „Jüdischer Jugendbund, Berlin, Wilhelmstraße 118". s. Berlin, 25. Aprill Mit Beginn des nächsten Monats kann die Koscherfleisch-Kommission der hiesigen Gemeinde aus eine 25 jährige Wirksamkeit zurückblicken. Im Jahre 1884 ging die Schechita auf die Gemeindeverwaltung über. Von dieser Zeit ab ist der verdiente erste Vorsitzende des Gemeindevorstandes Herr Julius Jacoby der Leiter dieser segensreich wirkenden Verwaltungskommission. Mit ihm können die Herren Akiba Lewin und Abrahamsohn, die für die Kommission als Schächter füngieren, ebenfalls ihr 25 jähriges Dienstjubiläum feiern. — Rogaseir, 22. April. Am 15. d. M. feierte Herr Lehrer I. Brock sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Anläßlich desselben wurden ihm vielerlei Ehrungen zuteil. Vormittags hielt der Vorsitzende des Bibliothekvereins Herr Hauptlehrer a. D. Fr. Worm eine Ansprache an den Jubilar und überreichte eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Namens ehemaliger und jetziger Schüler, deren Eltern und Freunde, überbrachte hierauf Herr R. Ehrlich die Glückwünsche und Geschenke derselben, eine elegante Mappe mit Gedenkschrist und eine Gaskrone. Alsdann erschien der Vorstand der jüdischen Gemeinde in corpore. Der erste Vorsteher, Herr I. Hammerschmidt, richtete an Herrn Brock Worte der Anerkennung und überreichte namens des Kuratoriums der jüdischen Religionsschule ein Sparkassenbuch. Der Talmud-Thora- Verein war durch seinen Vorstand vertreten und Herr S. Ruschin widmete dem Jubilar Worte herzlichster Gratulation unter Ueb.ergabe einer Gaslampe. Um 12 Uhr wurde die Schulfeier in der festlich geschmückten jüdischen Schule eröffnet. Nach einleitendem Chorgesang der Schulkinder richtete Herr Schulrat Streich'.ehrende Worte an Herrn Brock,, warf einen. Rückblick aus dessen amtliche Tätigkeit und gratulierte als Vertreter der Schulaufsichtsbehörde, Nach Deklamationen der Schulkinder hielt Fräulein Lehrerin Jakoby eine .Ansprache an den Jubilar, in welcher sie die guten Charaktereigenschaften des Kollegen hervorhob. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit seiner Schüler übergab Fräulein Jakoby die Werke von Grillparzer und Lenau. In Vertretung des Vorsitzenden des Schulvorstandes richtete sodann Herr Ratmann Jastrow das Wort an Herrn Brock und überreichte ihm als Zeichen der Anerkennung für seine langjährige erfolgreiche Wirksamkeit als Lehrer ein.Paar kostbare silberne Leuchter. Herr Lehrer Klawek überbrachte sodann Glückwünsche und Geschenke des Rogasener Lehrervereins. Nunmehr ergriff Herr Lehrer. Brock das Wort und dankte bewegten Herzens für die Beweise aller "Liebe und Anerkennung seiner Pflichttreue, und die ihm dargebrachten Ehrengeschenke. Chorgesang schloß die erhebende Feier, worauf die Festteilnehmer der freundlichen Einladung des Jubilars zu einem Imbiß in dessen Behausung Folge leisteten. — Im Laufe des Nachmittags stellten sich noch viele Freunde und Bekannte in der Wohnung des Herrn Brock ein, um ihm persönlich ihre Glückwünsche zu überbringen. Um 8 Uhr abends nahm im Saale von Kaubes Hotel ein vom Rogasener Lehrerverein veranstalteter Festkommers seinen Anfang. — Nach all dem Vorstehenden ist der Beweis erbracht, daß Herr Brock es während seiner mehr als 20 jährigen amtlichen Tätigkeit hier, verstanden hat, sich die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten Behörde, und die Liebe und Achtung seiner Kollegen und Gemeindemitglieder zu erwerben. n. Breslatt, 23. April. Unsere Gemeinde hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Im Alter von 65 Jahren ist nach längerem Krankenlager der Gymnasialoberlehren Professor Dr. Benno Badt am 15. d. M. verstorben. Benno Badt wurde am 17. Januar 1844 zu Kurnik, Provinz Posen, geboren und absolvierte seine philologischen Studien an der Universität. Breslau; gleichzeitig trat er hier als Zögling in das jüdisch-theologische Seminar, an dem er 11 Jahre lang studierte. Am 29. Juni 1872 bestand er die wissenschaftliche Staatsprüfung und wurde nicht lange daraus Oberlehrer am städtischen Johannisgymnasium in Breslau, an welcher Anstalt er bei seinen Kollegen und Schülern gleich beliebt, bis zu seinem Tode segensreich wirkte. Neben einer Anzahl philologischer Arbeiten hat er eine „Kinderbibel" versaßt, die bereits mehrere Auflagen erlebt hat, und auch Professor M. A. Levys biblische Geschichte für die reifere Jugend seit 1876 herausgegeben. . In seinem außeramtlichen Wirken hat' er sich ganz besonders humanitärer und religiöser Angelegenheiten aufs wärmste angenommen. Seit 1897 gehörte er der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Breslau als eines ihrer eifrigsten Mitglieder an. An dem großen sozialen Hilfswerke zugunsten der zur Auswanderung getriebenen armen russischen und rumänischen Juden war er hervorragend beteiligt. Mit reichen Gaben des. Geistes und. des Herzens ausgestattet, ein gründlicher Kenner weltlicher Wissenschaft nicht minder wie der heiligen Lehre, von echter Frömmigkeit erfüllt, hat der Verstorbene mannhaft und unerschrocken für seine Ueberzeugung gestritten und seine ganze Kraft für den Schutz und die Förderung unserer Glaubensgemeinschaft eingesetzt. Wie er im Kampfe für seine Ideale, von hoher Begeisterung beseelt, auch andere zu gleichen Zielen anzufeuern wußte, so hat er als Mitglied der Repräsentanten-Versammlung. der Kultuskommission I. und der Schülkommissiön es verstanden, seiner aus dem Boden des traditionellen Judentums festgegründeten Auffassung Beachtung auch bei Vertretern abweichender Anschauungen zu. verschaffen, von denen sein von edelsten Absichten erfülltes Streben, die Vornehmheit seiner Gesinnung und die Lauterkeit seines Herzens stets unumwunden anerkannt und hochgeschätzt worden ist. Hilfreich und gut. freundlich und liebenswürdig gegen jedermann, schlicht und anspruchslos, hatte er in den weitesten Kreisen unserer Gemeinde aufrichtige Verehrer und treue Freunde gefunden, die seinen allzufrühen Heimgang schmerzlich beklagen. — Unter einem starken Andrang von Leidtragenden, wie ihn der alte israelitische Friedhof in der Lohestraße in dieser Stärke seit langem nicht gesehen, wurde am Sonntag Professor Badt zur letzten Ruhe gebettet. Dem imposanten Leichenzuge, der sich um vier Uhr nachmittags vom Trauerhause aus in Bewegung setzte, schritten die,Schüler des städtischen Johannesgymnasiums unter Führung des Direktors Laudien und des Lehrerkollegiums voran; in offener Equipage folgten die Chargierten des „V. I. St." in Wichs mit umflorter Fahne. Nahezu vollzählig war der Vorstand der Synagogengemeinde, das Repräsentantenkollegium, der Lehrkörper und die Hörerschaft des jüdisch-theologischen Seminars im Leichenzuge vertreten; ferner Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, Delegierte anderer städtischer und kirchlicher Behörden, die Direktoren und Lehrer zahlreicher hiesiger Lehranstalten, Abordnungen wissenschaftlicher und humanitärer Vereine usw., usw. Bei der Trauerfeier in der Leichenhalle, welche die überaus große Zahl der Leidtragenden nur zum weitaus kleineren Teile zu fassen vermochte, rühmte Rabbiner Dr. Guttmann die hohen Tugenden, die den Verstorbenen geziert, mit dem er, Redner, in mehr als vierzigjähriger, treuester Freundschaft aufs innigste verbunden gewesen. In liebevoller Charakterisierung schilderte er Benno Badt als edlen Menschen und wahren Juden, als echten Freund und vortrefflichen Lehrer, als wackeren Bürger und treuen Familienvater. Auf dem Wege, den der Kondukt von der Leichenhalle zum Grabe nahm, bildeten die Schüler des Johannesgymnasiums Spalier. Am offenen Grabe nahm dann noch Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort zu einem ergreifenden Nachruf, in dem er besonders das reiche Wirken des Verstorbenen im Dienste der Gemeinde und der Schule beleuchtete, und vor allem sein unermüdliches und segensvolles Schaffen auf humanitärem Gebiete würdigte. Unter dem üblichen Zeremoniell wurde sodann der schlichte Sarg der Erde übergeben. — Essen, 19. April. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens versendet seinen Jahresbericht pro 1908. Der Verein zählt 170 Mitglieder und 7 Ehrenmitglieder Das Vermögen seiner Pensionskasse ist auf 156 300 Mark gestiegen; an Pensionen wurden rund 8000 Mark gezahlt. Der Bericht appelliert besonders an die westfälischen Lehrer, rühriger für die Kasse zu werben. Von besonderem Interesse ist noch die Mitteilung, daß im verflossenen Vereinsjahr abermals vier private jüdische Volksschulen in öffentliche umgewandelt worden sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.