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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-30 · Heft 18 (30.4.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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^Wirksamkeit', aller freiwilligen Gemeindeverbände während der feit dem letzten Deutsch-Jsraelitischen Verbandstage verflossenen 7 Jahre. s. Berlin, 26. April. Eine schöne Feier fand gestern im Garten der dritten Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde statt. Zum Andenken an den 75. Geburtstag der Stifterin der Anstalt,- Frau Erna falscher, haben die Hospitaliten der Anstalt eine Eiche pflanzen lassen, die von einem scl öuc-n monumentalen Gitter umgeben Und mit einer Bronze-Widmungstafel versehen, in Anwesenheit der Jubilarin eingeweiht wurde. Die alten Leutchen, ungefähr achtzig an der Zahl, hatten es sich nicht nehmen lassen, das Denkmal auf ihre Kosten Herstellen zu lassen. Sämtliche Ehrendamen und der Vorstaud waren erschienen; die Jubilarin, von einem Vorsteher, sowie vom Inspektor geleitet, wurde im Garten mit Gesang von den Hospitaliten empfangen und durch eine Ansprache des Vorstehers, sowie von einer 73 jährigen Hospitalitin durch ein von ihr selbst verfaßtes Gedicht begrüßt. Nach abermaligem Chorgesang, wobei manche Träne der Rührung und Dankbarkeit erglänzte, schloß die Feier. *§* Berlin, 26. April. Der Verein „Freunde der Taübstummen-Jed ide Jlmim" hielt gestern seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. I. Boas, eröffnete die zahlreich besuchte Versammlung mit dem Hinweis darauf, daß der Verein nunmehr auf eine fünfnndzwanzigjährige Tätigkeit zurückblicke, und sprach allen denen, die wahrend dieses Zeitraumes die Bestrebungen des Vereins und seiner Anstalt gefördert, haben, den Dank des Vorstandes aus. Mit tiefempfundenen Worten gedachte er sodann der im verflossenen Geschäfts- : fahre verstorbenen Vorstandsmitglieder, Gustav Tuch-Hamburg und Adolf Erlanger-Bamberg, deren Andenken die Anwesenden durch Erheben von den Plätzen ehrten, und erteilte hierauf Herrn Direktor- Reich das Wort zur weiteren Berichterstattung. Im Anschluß an den sämtlichen.Mitgliedern zugegangenen gedruckten Jahresbericht, der neben einer vorzüglichen Skizze über die Geschichte und Wirksamkeit des Vereins während seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens auch die treffliche Predigt enthält, die Herr Rabbiner Professor Dr. Mayb aum beider Eröffnung der Taubstummenanstalt in Weißenfee am 31. Mai 1891 gehalten hat, dankte der Referent zunächst dem Vorstand für das ihm und dem Lehrer-Kollegium stets entgegengebrachte Wohlwollen, das ihm in seiner schwierigen Arbeit zum Besten der jüdischen Taubstummen immer Mut und Kraft verliehen. „Das Ziel, das die Anstalt von Anfang an verfolgt, besteht hauptsächlich darin, den Zöglingen möglichst, die Sprache beizubringen und sie zu sittlich-religiöser Gesinnung und bürgerlicher Brauchbarkeit zu erziehen. Die 94 Zöglinge, 58 männliche und 36 weibliche, die in'der Anstalt ihre Ausbildung genossen und jetzt in verschiedenen Berufen sich betätigen, bilden ein glänzendesZeugnis fürdiesegensreicheWirksamkeit des Vereins und seiner Anstalt. Nur sind die Anforderngen, die in hygienischer, wie in pädagogischer Hinsicht an eine Taubstummenanstalt gestellt werden, so sehr gewachsen, daß der Vorstand nunmehr vor der Aufgabe steht, einen Erweiterungsbau vorzunehmen. Neben neuen Wirtschaftsräumen, einem Saal für Hausarbeit und einem, auch von Schulrat Ullmann kürzlich vermißten Zeichensaal sind mehrere neue Klassenzimmer nötig. Gegenwärtig werden 46 Zöglinge in acht aufsteigenden Abteilungen und fünf gesonderten Klassen nach einem vom Provinzial-Schulkollegium genehmigten Lehrplan von dem Direktor, drei Lehrern, zwei Lehrerinnen und einer Erzieherin unterrichtet. Neben seiner Schwester, Fräulein Anna Reich, die ihm seit 35 Jahren hilfreich als Erzieherin zur Seite steht, wirken als Lehrkräfte an der Anstalt Herr Kolodzinski bereits seit 15 und Fräulein Hedwig Reich seit 7 Jahren. Sowohl diesen als auch den übrigen jüngeren Lehrkräften gebührt Dank und Anerkennung für ihre tatkräftige Mitwirkung an den erzielten Erfolgen." Mit einem warmen Appell an die Mitglieder, in ihren Kreisen auch ferner, für die Bestrebungen des Vereins, zu wirken, schloß der Referent seine beifällig aufgenommenen Ausführungen. Hierauf erstatteten die Revisoren den Kassenbericht und beantragten für die Kassenverwaltung die Entlastung, die ebenso wie die Genehmigung des Etats für das Jahr 1909 einstimmig erfolgte. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Adolph Salomon, Kommerzienrat Richard Friedländer, Willibald Loewenthal, Justizrat Arndt-Berlin, Sally Reiß-Mannheim, Adolf Schwarz-Nürnberg per Akklamation wieder- und Alfred Levy-Hamburg, S. Ehmann- 'Bamberg neugewählt. Durch Zuruf fand auch die Wiederwahl der Rrvisoreli Dscar Berlin^Heinrich Fränkel und Oscar Rathen an statt. Zum Schluß sprach Herr Carl Schwarz dem Vorstand für seine Mühewaltung den Dank der Versammlung äus. Zur Feier des Tages fand abends in den Räumen der.Gesellschaft der Freunde ein Festessen für geladene Gäste statt. s Berlin, 25. April. Die von dem Verband für jüdische Wohltätigkeitspflege in der Rosenstraße 2/4 errichtete Auskunftsstelle, die jeden Montag. Dienstag und .Donnerstag nachmittags von fünf bis sechs .Uhr geöffnet, ist, erfreut sich regen Zuspruchs. Die dort ehrenamtlich tätigen.Damen und Herren bemühen sich, die Vitt-, steller. welche die Auskunftsstelle aufsuchen,, möglichst davor zu bewahren. daß sie der öffentlichen Armenpflege anheimfallen. Vereine und Privatpersonen werden ersucht, sich in Zweifelsfällen an die Auskunftsstelle zu wenden und geeignete Bittsteller an diese Stelle zu verweisen. 8. Berlin, 27. April. Die Beisetzung des Handelskammermitgliedes, Kommerzienrat Emil Salomon, der am Freitag während der Sitzung der Berliner Handelskammer plötzlich vom Tode ereilt wurde, fand. gestern vormittag auf dem Friedhofe der Jüdischen Gemeinde in Weißensee unter großer Beteiligung statt. Fast sämtliche Mitglieder der Handelskammer Md ihrer Fachausschüsse, an ihrer Seite der Präsident der Handelskammer, Geheimrat Herz, die Mitglieder des Aeltestenkollegiums der Kaufmannschaft von Berlin, der .Börsenvorstand, der Verein junger Kaufleüte von Berlin, dessen Kuratorium der Lehrlingsabteilung der plötzlich Verschiedene angehörte, die Vorstände verschiedener Aktiengesellschaften, zahlreiche Bankdirektoren sowie Vertreter der Stadt Berlin und des Handelsministeriums wohnten der .Trauerfeier bei. Das Brandenburgische Füsilierregiment Prinz Heinrich, Nr. 35, bei dem der Verstorbene als Offizier gestanden, hatte eine Offiziers-Abordnung von fünf Offizieren entsandt, der sich höhere Offiziere anderer Regimenter angeschlossen. Alle Korporationen und Vereinigungen hatten herrliche Kränze und Palmengebinde niedergelegt. Die Trauerfeier in der Halle des Friedhofes, in der der Sarg vor einem Lorbeerhain aufgebahrt wurde, begann um 10 Uhr mit Gesang des Chores der Jüdischen Reformgemeinde; der Prediger Dr. Jelski hielt die Gedächtnisrede. Unter Gesang wurde. der Sarg aus der Halle getragen. Die Beisetzung erfolgte unter, den üblichen Gebeten im Erbbegräbnis der Familie. . v. Berlin, 28. April. Nach langem Krankenlager ist am 25. d. M. der frühere langjährige Leiter des lokalen Teiles des „Berliner Tageblattes", Sigismund Perl in Friedenau gestorben. Schlesier von Geburt, kam Perl Ende der sechziger Jahre nach Berlin, als es gerade die ersten Schritte in der Entwicklung zur Weltstadt tat. Perl war, nachdem er vorher am einigen inzwischen eingegangenen Blättern sich die journalistischen Sporen verdient hatte, auf seinem Posten im „Berliner Tageblatt" etwa zwanzig Jahre hindurch, bis in die Mitte der neunziger Jahre. Den stets pflichttreuen und arbeitsfreudigen Mann zwang dann vor fünfzehn Jahren ein immer stärker auftretendes Gichtleiden, aus seinem Amte zu scheiden und in den Ruhestand zu treten. In den letzten fünf Jahren war Perl ständig an das Zimmer gefesselt und vor vier Jahren starb ihm auch seine Lebensgefährtin. Noch im November vorigen Jahres konnte er unter allgemeiner Teilnahme seinen 75. Geburtstag feiern, dann siechte er hin, bis der Tod infolge von Herzschwäche eintrat. Die Beerdigung findet heute nachmittag vier Uhr auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee statt. 8. Berlin, 25. April. Am 28. v. M. wurde hier von jungen Leuten ein Verein gegründet, der den Namen „Jüdischer Jugenöbund" erhielt. Die Tendenz des Vereins ist es, das jüdische Bewußtsein und Selbstbewußtsein der Jugend zu beleben Md zu pflegen, den Mitgliedern auf dem Gebiete der allgemeinen Bildung, besonders aber der Kenntnis des Judentums und seiner Geschichte, Belehrung und Anregung zu bieten und durch Pflege der Geselligkeit freundschaftlichen Zusammenschluß herbeizuführen. Der Verein will des weiteren im Rahmen seiner Hauptziele seinen Mitgliedern Gelegenheit zu sportlicher Betätigung bieten. Einen politischen oder religiösen Zweck soll der Verein nicht haben, insbesondere soll er sich nicht auf

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