Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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73. Jahrgang- Nr. 18. Berlin, 30. April 1909. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". kltrrrlpondkn?rn und Nachrichten. Drvtschland. 8. Berlin, 25. April. Die heutige Repräsentanten-Versammlung unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Blumenthal nahm einen sehr schnellen und geschäftsmäßigen Verlauf. Die Zuwendung der Frau Sophie Neisfer geborene Oppenheim im Betrag von 12 000 Mark an die Alterversorgungsanstalt in der Exerzierstraße zur Errichtung einer Albert und Sophie Neisser-Stiftung wurde debattelos angenommen. Die Vorlage betreffs Umwandlung der freien Kommission zur Wahl von Ehrenbeamten in eine ständige gemischte Deputation soll auf Vorschlag des Ausschusses noch sechs Monate zurückgestellt werden. Eine große Zahl von Vorlagen betraf Abordnung von Mitgliedern der Versammlung in die verschiedenen Verwaltungskommissionen. Die Versammlung entschied sich gemäß den Beschlüssen des Ausschusses für die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder. Die Modifizierung der neuen Besoldungsskala für diejenigen wissenschaftlichen Lehrerinnen, welche vor dem Inkrafttreten der Besoldungsskala angestellt sind, sowie die Vorlage, betreffs anderweitiger Festsetzung der Anciennität mehrerer Lehrerinnen wurden vertagt. Die erforderten Ausgaben zur Aenderung der Be- und Entwässerungsanlagen auf den beiden Friedhöfen wurden bewilligt, ebenso erklärte sich die Versammlung mit der Nachbewilligung von 33 000 Mark zur Vornahme von Reparaturen an Gemeindegrundstücken einverstanden. Zur Veranstaltung von Haupt- und JugendgottesdieNst wurden die Säle des Marinehauses am Kölnischen Park neu gemietet, zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst wurde der Vertrag für den Saal Beuthstr. 20 erneuert. An Subventionen wurden pro 1909/10 bewilligt: 3000 Mark an den Verein für Arbeitsnachweis, 300 Mark an den Fortbildungsverein Monte» siore, 2500 Mark an das Gesamtarchiv der Deutschen Juden, 100 Mark an das jüdische Kurhospital zu Salzhrunn, 600Mark an den Jüdischen Volks verein unter besonderer Hervorhebung des äußerst segensreichen Wirkens dieses Vereins, 1500 Mark zur Renovation der Synagoge der Lelioedars hatow B’ne Brith- GeMeinde, 1400 Mark an den Luisenstädtischen Brüderverein. In die Deputation zur Beratung der Krankenhaus-Statuten wurden die Herren Stadträt Dr. Weigert, Geheimrat Senator, Geheimrat Blumenthal, Kommerzienrat Simon, Louis S ach s und Justizrat VeMSimon abgeordnet; vom Gemeindevorstand gehören die Herren Badt, Netter und Sänitätsrat Stern dieser Kommission an. — In dringlicher Vorlage wurden die Mietskontrakte für die Säle im Lehrervereins haus und im Johann Georg-Haus zur Veranstaltung von Festgottesdiensten gutgeheißen. — In der darauffolgenden geheimen Sitzung beschäftigte sich die Versammlung in sehr langer Diskussion mit dem Berichte des Ausschusses zur Vorbereitung der Wahl eines Gemeindeältesten. Die Nominierung ist noch nicht erfolgt. 8. Berlin, 26. April. Die soeben erschienenen „Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" (Nr. 72) übertreffen an Umfang und Reichhaltigkeit ihres Inhalts viele Vorgängerinnen. Vor allem enthalten sie den Text eines Gesetzentwurfs betreffend die Verfassung der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen, wie er aus der zweiten Lesung hervorgegangen ist und den einzigen, aber hochbedeutsamen Beratungsgegenstand des am 16. und 17. n. M. zusammentretenden 11. Gemeindetages bilden wird. Der vorangeschickte Bericht des geschäftsführenden Vorsitzenden gibt Aufschluß über die Tätigkeit des Bundes während der seit dem letzten Gemeindetage verflossenen vier Jahre. Wir entnehmen daraus folgende Tatsachen: Der Bund hat in der Berichtszeit zwei neue Institute begründet. Die Schaffung der Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder iw Beelitz bedeutet einen wichtigen Erfolg, der viel Mühe gekostet hat. Innerhalb von drei Jahren ist es gelungen, ein Terrain zu erwerben und die 105000 Mark - 4 betragenden Baukosten, sowie einen kleinen Betriebsfonds zu sammeln. 4 Die seit Oktober vorigen Jahres eröffnete Anstalt ist bereits mit 19 Knaben und 15 Mädchen besetzt. Das Gesamtarchiv der 4 Deutschen Juden hat bereits die Archivalien von 192 Gemeinden gesammelt und mit seinen Publikationen begonnen. Das Archiv dient 1 neben seinen wissenschaftlichen Aufgaben auch praktischen Verwaltungszwecken. Die Archivalien bleiben auf Wunsch der Gemeinden J deren Eigentum; darum braucht keine Gemeinde Scheu zu tragen. j ihm ihre entbehrlichen Akten zu überweisen. Die F ü r s o r g e - Erj ziehungsanstalten des Bundes für Knaben in Repzin, für ,; Mädchen in Plötzensee weisen eine steigende Frequenz aus allen Teilen des Reiches auf. In Repzin wurden 45 neue Zöglinge, in ' | Plötzensee 27 ausgenommen. Seit der Eröffnung der Anstalt hat | Repzin 105, Plötzensee 48 verwahrloste Kinder beherbergt. Die < jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee fährt fort, ihre segensreiche soziale Mission zu erfüllen; sie hat in den sieben Jahren Sj ihres Bestehens 3152 Jnsaffen beherbergt und den meisten davon H zu einer eigenen Existenz verholfen. Zahlreiche Enqueten sind durch das Bureau veranstaltet worden. Die wichtigsten be- :$> treffen den Religionsunterricht und die durch das neue preußische | Schulunterhaltungsgesetz geschaffenen Verhältnisse. Erwähnt seien 1 noch die Rundfragen an' die preußischen Staatsanwaltschaften 4| zur Ermittelung der Zahl der zu längeren Gefängnisstrafen 4 verurteilten Juden, diejenigen betreffend des Beerdigungswesens, bic zur Ausarbeitung einer Normalfriedhofsordnung' geführt H hat, die Zusammenstellung der von sämtlichen Institutionen zur Beförderung des Handwerks, des Ackerbaues und der technischen 'I Gewerbe unter den Juden Deutschlands prästierten Leistungen, über 71 Vergebung von Synagogenplätzen, über Ablösung der Kasualgebühren ... J1 an die Herren Rabbiner. Die Beihilfen zu den Kosten des - I Religionsunterrichts an kleine Gemeinden sind wiederum gestiegen. y I Neben der Gemeindeunterstützungskommission ist die Siegfried und ■i,| Emma Brünn-Stistung ins Leben getreten, die nach denselben Grund- M satzen wie die Gemeindeunterstützungskommission Beihilfen gewährt, .71 sofern der Unterricht durch einen seminarisch geprüften Lehrer erteilt 5! wird. Insgesamt wurden durchschnittlich jährlich 225 Gemeinden j aus allen Teilen Deutschlands mit einer Summe von über 20000 Mark M unterstützt Die Lehrabteilung hat verschiedene Schulbücher und . M andere literarische Werke subventioniert. Für den 1. Oktober d. I. §1 kommt ein mit 800 Mark dotiertes Preisausschreiben zur Erlangung W einer Methodik des jüdischen Religionsunterrichts zur Auszahlung. 4» Unter den Stiftungen des Bundes ragt die Friedrich-Wilhelm- W Viktoria-Stiftung, Zentralversicherungs- und Pensionskaffe für f jüdische Gemeindebeamte hervor: in den letzten 4 Jahren ist eine Versicherungssumme von einer viertel Million ausgezahlt worden, W wozu die Stiftung den vierten Teil beigetragen hat. Bei Zahlungs- § Verlegenheiten kommt die neu begründete Theodor Marcus-Stiftung W den Klienten zu Hilfe. Die Verbreitung des Handwerks unter den 4[| Juden ist durch Stipendien aus der Kristeller-Stiftung und durch 4! vielfache Anregungen gefördert worden. Die Philippson-Stiftung für 78 notleidende Beamte und die Herxheimer-Stiftung für Seminaristen haben in bisheriger Weise ihre Benefizien verteilt. Für die Bibliothek des Bundes ist ein Realkatalog ausgearbeitet worden. . 4 Die Tagesordnung des am 18. Mai, vormittags 10 Uhr zusammen-? tretenden dritten Deutsch-Israelitischen Verbändstages umfaßt folgende Berechnungsgegenstände: Die Erhaltung von Beihilfen auf 7 Grund des preußischen Schulunterhaltungsgesetzes; Bekämpfung des 4 Wanderbettels; Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiete des S Religionsunterrichts 1. Revision der Religionsschulen, 2. Wanderrabbiner. 3. Wanderlehrer; Vermehrung der Einnahmequellender 4 Gemeindeverbände; gegenseitige Unterstützung der Verbände auf den , 4 Grenzgebieten; Beseitigung' des Mangels an Kultusbeamten. Als | Vorlage enthalten die „Mitteilungen" einen Sammelbericht über die 4