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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-23 · Heft 17 (23.4.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gestrigen Tage für Beerdigungen geschlossen worden: . Der Begräbnisplatz tst einer - der ältesten unserer Stadt, in den. letzten Jahren wu.rde er ^nur. noch für.Erbbegräbnisse benutzt.' Auf dem Friedhof, der an der Rentzelstraße belegen ist, befinden sich die Grabstellen vieler berühmter Männer, unter anderen wurden hier Gabriel Riesfer und Isaak Bernahs zur letzten Ruhe bestattet. Der Friedhof hat eine, für die Entwicklung der hamburgischen Verhältnisse interessante Geschichte,. eine diesbezügliche Akte befindet sich im Gemeindearchiv. Aus der Geschichte des Friedhofes sei nachstehendes mitgeteilt: 'Im siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert bildete die Mehrzahl der in Hamburg wohnenden Juden mit denen in Altona und Wandsbek eine Gemeinde, sie genössen dänischen Schutz, wofür sie ein jährliches Schutzgeld zu entrichten halten. Ihre Toten begruben sie in Altona (Königstraße) und Wandsbek auf den der Gemeinde gehörenden Plätzen, und weder in Hamburg noch auf hamburgischem Gebiet hatten sie einen Begrabnisplatz. Als aber im Jahre 1713 die Pest Hamburg heimsuchte, und die dänische Regierung den Verkehr zwischen Hamburg und Altona untersagte, sah der Senat sich veranlaßt, den Juden einen eigenen Begräbnisplatz, „bei dem Gimdelhöf" anzuweisen. Lazarus Herz, 92 Jahre alt,' war der Erste, welcher dort beerdigt wurde, und' zwar am 27. August 1713. In der Mitte des Begräbnisplatzes erhebt sich ein kleiner Hügel, unter welchen: die an der Pest Verstorbenen ruhen. Nach Aufhebung des Verbots wurden die Beerdigungen wieder in Altona fortgesetzt, und der Friedhof „beim Gimdel" diente zuerst nur für fremde Juden, welche hier keine Anverwandten besaßen. Im Jahre 1806 und später 1816 fand jedoch bereits eine Vergrößerung des Friedhofes statt. Am. 8. März 1832 übernahm die Gemeinde von der Stadtkämmerei eine weitere Fläche von 89 Quadratruten. Im Jahre 1835 erließ die dänische Negierung wieder ein Verbot, daß die Leichen der Hamburger Juden nicht eher wieder in Altona begraben werden sollten, >is die Differenzen betreffs Zahlung von Schutzgeldern erledigt feien. Von diesem Zeitpunkt an wurde der Friedhof „am Girndel" fast ausschließlich für Beerdigungen der in Hamburg verstorbenen Juden benutzt. Im Jahre 1864 erfolgte bei Placierung der. Verbindungsbahn durch Umtausch eine abermalige Vergrößerung des Friedhofes. Im September 1883 wurde der jüdische Friedhof in Ohlsdorf seiner Bestimmung übergeben, und der Friedhof „am Glindel" blieb nur noch für Erbbegräbnisse offen. Die letzte Beerdigung, die dort stattfand (5.'Februar 1909), war die des Philanthropen Gustav Tuch. Von den Grabdenkmälern, die sich auf dem Friedhof befinden, ist wohl das hervorragendste, das unseres Mitbürgers Gabriel Riesters. Das Denkmal, welches im Jahre 1865 von christlichen und jüdischen Freunden Riesters errichtet wurde, ist von Engelbert Pfeiffer geschaffen und besteht aus einem tempelartigen Bau mit einem Marmorrelief, darstellend eine weibliche Figur mit einem Stern am Haupt, das Gewand öffnend, die leuchtende, unverhüllte Wahrheit,, die die Schlange der Lüge, tötet, symbolisierend. Auf der Rückseite des Monuments befindet sich die einfache Inschrift „Dr. Gabriel Riesser" mit Geburts- und Todestag. — Bremen, 19. April. Der Tod des Generaldirektors Dr. Wiegand vom Norddeutschen Lloyd erweckt auch in jüdischen Kreisen lebhafte Teilnahme-- Dr. Wiegand war nicht nur'frei von allen nationalen und religiösen Vorurteilen, ihn.verband auch innigste Freundschaft mit vielen unserer angesehenen Glaubensgenossen in Berlin und Fränkfurt a. M. Die Bestrebungen der jüdischen Organisationen zur Regulierung der jüdischen Auswanderung fanden bei ihm volles Verständnis, und tatkräftige Förderung. Zur Verbesserung des Loses der jüdischen Auswanderer hat er Hervorragendes getan. Seiner Initiative ist es zu danken, daß auf den transatlantischen Llohddampfern besondere rituelle Küchen eingerichtet worden sind, und er hat darüber gewacht, daß der religiösen Eigenart der jüdischen Passagiere das weitgehendste Entgegenkommen bewiesen wird. In Anerkennung dieses Verdienstes sind von der . Alliance lsra&ite Universelle und dem Hilfsverein der deutschen Juden an die Direktion des Norddeutschen Lloyd Beleitstelegramme gerichtet worden. .-■■■■'■ . n. Marburg, 19. April. Am 5. d. M. feierte der Senior unserer Gemeinde, Herr Jacob Cohn, in selten geistiger Frische und Rüstigkeit unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde seinen 90. Geburtstag. , . “r Ein frömmer, für das Gedeihen der jüdischen Gemeinschaft lebhaft ' interessierter Jude, hat Herr Cohn fast fünf Jahrzehnte in der, jüdischen Gemeindeverwaltung gesessen und an dem Wohl und Wehe der Gemeinde den regsten- Anteil genommen. Er, hat - aus kleinen Anfängen heraus sein Geschäft durch strengste Reellität mit,feinen Söhnen zu einer Wellfirma entwickelt. Am Geburtstage, dem Rüst- . tage zum Pessachseste, hielt der Prediger der - Gemeinde, Herr. Alexander, an den Geburtstagsjubilar,-um den sich seine ganze Kinder-, Enkel- und Verwandtengemeinde geschart hatte, eine ergreifende Ansprache, in der erdas Glück der Familie hervorhob, einen Vater bis zu diesem Alter in so geistiger Anteilnahme für seine Umgebung zu besitzen. Der Vorstand der Gemeinde überreichte eine. Adresse, in der dem Jubelgreis die dauernde Ehren Mitgliedschaft der Gemeinde verliehen wird. Am ersten Tage des Pessachfestes wohnte Herr Cohn noch bis zum Schluß dem Gottesdienste bei, in welchem nochmals von der Kanzel herab des Tages gedacht und die junge Generation zur Nacheiferung in Werken der Frömmigkeit und Menschenliebe ermahnt wurde. g. Kassel, 19. April. Im Jahre 1907 wurde im ehemaligen Kurhessen eine an den Minister des Innern gerichtete Petitiotr verbreitet, die die Abänderung der noch in Geltung befindlichen, die Verhältnisse der israelitischen Gemeinden ordnenden kurhessischen Verordnungen und Gesetze von .1823. und 1833 in wesentlichen. Punkten forderte. Die. Agitation für die Unterzeichnung dieser Petition ward in intensivster Weise betrieben, und es gelang, zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinden zur Unterschrift zu be. wegen. Nunmehr ist den ersten Unterzeichnern die Antwort des Ministers des Innern zugegangen. Sie hat folgenden Wortlaut: „Der in Ihrer Vorstellung vom 21. Oktober 1907 beantragten Neuregelung der für die Juden des ehemaligen Kurfürstentums Hessen geltenden Gesetzgebung haben die von uns gehörten jüdischen Provinzial-Vorsteherämter zu Kassel, Marburg, Hanau und Fulda teils ausdrücklich widersprochen, weil sie die bestehende Gesetzgebung der von Ihnen angeregten Neuregelung entschieden vorziehen, teils haben sie gegen wesentliche Punkte Ihrer Vorschläge so erhebliche Bedenken, geltend gemacht, daß sich auch nur über die Grundlagen Ihres Abänderungsplanes keine Einigkeit hat erzielen lassen. Unter diesen Umständen können wir uns von einem gesetzgeberischen Vorgehen' im Sinne Ihrer Anregungen, das von dem einmütigen Wunsche der geordneten Vertretungen der hessischen Judenschaft getragen sein müßte, einen Erfolg um so weniger versprechen, als offenbare Mißstände. welche vom Standpunkte der Staatsaufsicht zu einem Eingriff in die bestehenden Verhältnisse nötigten, bisher nicht herborgetreten sind." ' i. Frankfurt a. M., 18. April. Der Vorstand der „Achawa" versendet den 44. Jahresbericht für das Jahr 1908, in dem dev Verein einen schweren Verlust durch den Tod des Vorsitzenden Adolf Baer- Goldschmidt erlitten hat. An seine Stelle wurde seitens des Vorstandes Herr Julius Heyman gewählt. Sonst sind keine Veränderungen im Schoße der Verwaltung vor sich gegangen, und das verflossene Jahr war eine Periode stetigen Weiterschaffens auf dem eingeschlagenen Wege. Der Verein war in der Lage, die Quote, die im Laufe des letzten Jahrzehnts von M. 140 auf M. 180 sich steigern konnte, nunmehr auf M. 188 zu erhöhen. Trotz dieser erhöhten Verteilung konnte auch der Kapital-Stock noch etwas vermehrt werden. Die Zahl der Ehrenmitglieder hat sich von 1270 im Vorjahre auf 1335 gehoben, die der lebenslänglichen Ehrenmitglieder hat -sich um 9 vermehrt- Gleichwohl erhebt der Vorstand mit Recht die Klage, daß in vielen Teilen unseres Vaterlandes seine Bestrebungen nicht hinlänglich gewürdigt werden. Als ein direktes Mißverhältnis, erscheint es, wenn wir die Höhe der gewahrten Unterstützungen in der Provinz Hannover, in den Rheinlandenin Westfalen, ja selbst in Berlin mit veräußerst geringen Zahl der Ehrenmitglieder vergleichen, die dem Verein in diesen Gegenden' angehören. Die Zahl der von der „Achawa" im verflossenen Jahre unterstützten Pensionäre betrug 123 gegen 117 im Vorjahre. Es sind dies 9 alleinstehende, dienstunfähige Lehrer, 36 Lehrer mit größerer oder kleinerer Familie, 70 alleinstehende Witwen, 6 Witwen mit unmündigen Kindern, sowie 5 Waisen. Der Reservefonds wurde 23 mal in Anspruch genommen; auch der Spezial-

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