Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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des stellvertretenden .Todes' gewinnen Avdllte? Zeigen wir ernst, daß wir nichts'davon halten! Sollte man auf die Auslassung.des Nema -z. St.- Hinweisen, so sei daran erinnert, daß .man in einem ähnlich unschönen Falle, - der -im 8cllu1cllan Arucll Or. CH. Nr. .3 kodifiziert ist, nämlich das lliskaddu mecllullodim. (Seid geehrt, ihr Geehrten)1). als außer Uebung später bezeichnet hat." (Seite 40.) 4.1. Selbst die Einlagen im Priestersegen, sind Berliner. nicht heilig:. '??' . „Der Priestersegen wurde bereits früh mit kabbalistischen Geheimnissen ausgestattet, was später die Schule Jsac Lurjas zu einem förmlichen Ritual herausbildete. . . Das aus dem Talmud - in Berachoth 54 d empfohlene Gebet, von demjenigen, der einen bösen Traum gehabt, zur Beruhigung während, des Priestersegens zu sprechen, erhielt für einen solchen ' Spezialzweck Aufnahme in den Siddur Amrams und Machsor Vitrh. Aber mit Meir Rothenburg begann man den Usus zu verallgemeinern, indem man das Gebet im Priestersegen am Festtage für jedermann, der auch keine Veranlassung durch einen bösen Traum hierzu hatte, einfügte. Allerdings haben sich manche der späteren gegen eine solche Verallgemeinerung ausgesprochen (so zum Beispiel der Verfasser des Schloh und andere); aber die Gewohnheit siegte — und heutzutage spricht ein jed« dieses Gebet im Siddur, ohne daß er hierzu spezielle Veranlassung habe." (Seite 41.) „Eine besondere Schwierigkeit bietet die Kombination für den 22 buchstabigen Namen Gottes, der aus dem Priestersegen hervorgehen soll- und in. die 22 Buchstaben -ESN P81N PSPSJM DJONSJM im Jelii rozon am Schlüsse gekleidet wird. Wie. das Ganze im Siddur enthalten ist, ist es aus dem Zellaars. Zijon. des N. Hanndv'er entlehnt, in welchem eine große Anzahl'von ähnlichen Chiffren, zugleich aber auch als Anfänge für Auflösung von Wörtern, sich finden. Die verschiedensten Gebete wurden hinterher aus den Initialen dieser und anderer kabbalistischer Formeln her* gestellt und bei vielen hierdurch der Glaube erweckt, daß diese Gebete ursprünglicher als die ihnen zugrunde gelegten Initialen selbst seien. Die beregte Chiffre ANKSM stammt aus dem Buche Rasiel, wo sie an drei Stellen erwähnt wird; sie gehört dort zu tausenden solcher ersonnenen Engelnamen und erdichteten Worte, mit denen die ganze himmlische Oekonomie beschrieben-wird. Wer könnte sich durch dieses unheimliche Gestrüpp an dos Licht der Betrachtung drängen? Und gerade diesem ANKSM wurde eine so große Aufmerksamkeit zugewendet, bis man sogar griechische Götternamen^) darin erblicken wollte. Diese Aufmerksamkeit ist durch die Aufnahme des ganzen Gebetes mit der erwähnten Chiffre aus dem Scllaare Zijon in den Siddur hervorgerufen worden, in welchem jeder die aneinandergereihten Buchstaben anschaut, ohne sie deuten zu können. Da kam man sogar auf den Gedanken, diese vier Wörter aus einzelne Stichwörter im Gebete selbst zurückzusühren, also ANKSM — enkas thom usw. Aber man hat vergessen, daß das Gebet im Scllaare Zijon Jahrhunderte jünger ist als jene Chiffre selbst. Somit ist auch diese Art der Deutung zu allen den vergeblichen Erklärungsversuchen für solche willkürlich gewählten Chiffren hinzuzufügen." (Seite 40 bis 42.) 12. Mehr Befriedigung gewährt Berliner die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Safed ebenfalls von kabbalistischer Seite geschaffene besondere Einleitungsfeier für. den Sabbat, bestehend au§ Lechu neranano (Ps. 95 bis 98, 29) und Lecho dodi: „Dieses Gedicht. Lecho dodi ist ein anderes als das bei uns übliche, läßt aber durch einige gleichlautende Phrasen erkennen, daß es unserem als Muster gedient habe. Diese Feier breitete sich bald weit über Safed "hinaus, aber mit einem anderen Lscllo dodi-Gedichte, das ebenfalls vom Safed ausging, nämlich verfaßt von Salomo Alkabezdas besonders geneigte Aufnahme fand, nachdem vom . Alt- Meister der Kabbalah-Kunde, Jsak Lurja, bekannt geworden war, *) Anfangsworte einer im Talmud (Berach. 60 d) vorgeschriebenen Anrufung der. Schutzengel beim Hineingehen in das Haus der Verbergung (Abort). . .?) In den vier obenangeführten Buchstabenzusammenstellungen las Man: Anäx, Hephaestos (ob« Mephistos), Phosphoros,' Dionysos. daß er alle älteren Gedichte aus der spanischen' Schule verwerfe mbdem Poem des Alkabez die Sanktion erteile, weil es zum größten Teile den kabbalistischen Ansprüchen entspreche." (S. 43.) „Doch nicht? ohne Widerspruch konnte die'neue Feier zur Ausnahme in die Liturgie des Siddur -gelangen; oft wurde schon der Versuch; hierzu zurück-?■; gewiesen... Der Streit, der in den Gemeinden, besonders in den deutschen, darüber geherrscht hat, führte zu der Einigung, daß man die Feier, die man als zum eigentlichen Gottesdienst nicht gehörig . bezeichnete, nicht vor dem Betpulte (Amud) vornahm, sondern sie nach dem Raume der Limall verlegte." (S. 44.)? ■■;?? 18. In einem, besonderen Kapitel führt Berliner die Gebet-?? stücke an, die aus Furcht vor der Inquisition oder unter dem Zwange der mittelalterlichen Zensur beseitigt, verstümmelt oder, geändert worden sind. Er ist jedoch weit entfernt, jetzt, nachdem Inquisition und Zensur längst, nicht mehr drohen, die Wiederherstellung jener Gebete zu fordern — im Gegenteil, er wünscht, daß manche dieser Stücke (die mit ulleollen mi. l.o beginnenden am Versöhnungstage) vollständig ausgeschieden? werden. (S. 49.)?, ' . 14. Das ursprünglich. für die Neujahrsliturgie. verfaßte,? später auch an den Anfang oder Schluß des. täglichen Gottes- / dienstes übernommene Olenu-Gebet, mit dem im Mittelälter die jüdischen Märtyrer in den Tod gingen,- hatte neben der noch in der jetzigen Tefilla enthaltenen Danksagung ,-daß Er uns nicht geschaffen wie die Völker der Länder^ und uys nicht gleichgestellt den Geschlechtern des Erdbodens/ dast -er unser Teil nicht gleichgemacht dem ihren, und unser Los.dem ihrer Scharen" die Worte: „denn sie bücken sich vor Eitlem und Nichtigem und beten zu einem Gott, der nicht. WM Diese Worte sind später, „um jeden Verdacht zu entfernen, als sei darin eine Anspielung an das Christentum gegebengestrichen worden." (S. '60.) 15. Den schwierigsten Punkt bietet für Berliner die Formulier rung des zwölften Absatzes des Achtzehngebets (IVelamatscdmirn), » „die, ursprünglich gegen die Minim (Häretiker) gerichtet, nach vielfachen, durch Zeiten und Verhältnisse gebotenen Aend.erungen? noch immer nicht zum angemessenen Abschluffe gelangt ist . .. Eine einheitliche Form zu schaffen, ist ein dringendes Bedürfnis, nachdem die talmudische Formel im Laufe der Zeiten ganz? ins Schwanken gekommen ist". (S. 50, 53.) ' 16. Zu dem für Montag und Donnerstag bestimmten, sogenannten langen Wehu rachum bemerkt Berliner: „Die Andacht'hierfür würde gewinnen, wenn man. das Ganze auf die beiden Tage dergestalt verteilen möchte, daß die eine Hälfte bis schomea tefillas kol pell geht, die andere mit.el; rachum wechannun beginnt und bis zu Ende geführt werde. Hier gilt es auch sonst noch, worüber weiter unten — den Grundsatz, mit welchem der 8cllu1cllan Arucll eingeleitet wird, zur Geltung zu bringen:. Besser wenig Gebete mit Andacht als viele ohne Andacht." (S. 71.) / ' V? Zur Stelle haniddah bis bejad zar bemerkt Berliner, daß sre bereits in älteren Ausgaben fehle und ganz wegbleiben sollte, „zumal das Wort weschikkezunü mit seiner Vokälisation ohnedies ein Monstrum ist". (S. 64.) ' 17. Der für Freitagabend bestimmte Mischnah-Vortrag Lamell madljkin (über die zum Brennen der Säbbatlichfer geeigneten Stoffe) sollte nach Berliner, „wie in alten Riten auch gebräuchlich, nach dem Minchagebete erfolgen". '? „In manchen Synagogen der Neuzeit hat man bereits diese Rück-? Verlegung durchgesührt und damit auch dem zuweilen sich äußernden ^) Diesen Passus führt Berliner nicht an. Wollte er vielleicht der Konsequenz aus dem Wege gehen, daß, nachdem, er. kurz, vorher (s. Ziff. 1) sich für die Beseitigung einer ähnlichen Wendung („der mich nicht als Nichtjuden erschuf") ausgesprochen, auch - hier geändert werden müßte? ■'