Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Lippstadt, 11. April. Iw einer Korrespondenz der Zentrumsblätter von hier wird folgendes berichtet: „Daß man ein guter Israelit und dabei ein treuer Zentrumsmann sein kann, hat der hier im Alter von nur 50 Jahren verstorbene Mühlenbesitzer Herr Emil Schüler bewiesen. Stets hat er sich, offen und entschieden als Anhänger der Zentrumspartei bekannt und ist für diese unentwegt eingetreten, keine Arbeit im Interesse der Partei war ihm zu klein, keine zu schwer. Bei seiner gestrigen Beerdigung war daher die hiesige Zentrumsleitung offiziell vertreten und hatte als Zeichen der Dankbarkeit ein herrliches Palmenarrangement aus den Sarg des trefflichen Mannes niedergelegt." Elberfeld-Barmen, 8. April. Auch im Wuppertals hat sich jetzt ein jüdischer Jugendverein gebildet. Dieser neue „jüdische Jugendverein Elberfeld-Barmen" zählt schon hundert jüdischen jungen Mädchen und Männer zu seinen Mitgliedern. Dies ist-ein erfreulicher Beweis dafür, -daß die Idee,, welche zur Gründung solcher Vereine geführt hat, in immer größeren Kreisen Anklang findet. Vorsitzender des Vereins ist Herr Rechtsanwalt Brück in Elberfeld. ' Die bergische Loge U. O. B. B. hat dem jungen Verein ihre Räumlichkeiten in hochherziger Weise zur Verfügung gestellt. Vlotho a. W., 11. April. Am 1. d. M. verließ unser Lehrer und Kultusbeamter, Herr Si Levi, seine hiesige Stelle, um an die Samsonschule nach Wolfenbüttel überzusiedeln. Herr Levi hat 10 Jahre die hiesige Lehrerstelle verwaltet und sich die Liebe seiner 'Gemeindemitglieder zu erringen gesucht. Der Schule und seinen Schülern galt der größte Teil seiner Wirksamkeit, was er auch bei seinem Abschiede von den Schülern, wozu auch der Vorstand und die Eltern der Kinder erschienen waren, besonders, hervorhob. Am vergangenen Sonntag hielt nun Herr Levi seine Abschiedspredigt in der Synagoge. Die Mitglieder der Gemeinde Vlotho und der Filialgemeinde Oeynhausen waren fast vollzählig erschienen. In seiner Predigt legte Herr Levi das innige Verhältnis dar, das zwischen ihm und der Gemeinde jederzeit bestanden, wie er seine Pflicht erfüllt, aber auch die Gemeinde ihrerseits stets die Pflichten gegen ihren Lehrer erfüllt habe. — Am Nachmittag erschien der Vorstand und überreichte Herrn Levi ein Abschiedsgeschenk in Form einer kostbaren Fruchtschale. — Die Gemeinde sieht Herrn Levi nur ungern scheiden, da er für sie stets gestrebt und besonders zur Verschönerung und Hebung des Gottesdienstes beitrug. — Herr Lehrer L. Meherhoff zurzeit in Arolsen (Waldeck) wird als Nachfolger am 15. April die hiesige Stelle antreten. n. Frankfurt a. M., 8. April. Nach dem 16. Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen für 1908 wurden im Geschäftsjahre 14 Schülerinnen — eine bisher noch nicht erreichte Zahl — ausgenommen. Von diesen sind 13 im Israelitischen Gemeindehospital hier und eine im Krankenhaus der Deutsch- Israelitischen Gemeinde in Hamburg ausgebildet worden. Die Zahl der Schwestern am Schluß des Berichtsjahres ist 26, also drei weniger als im Vorjahre. Infolge der auf V/2 Jahre festgesetzten Lehrzeit vollzieht sich die Zunahme der Schwestern nur langsam. Von diesen 26 Schwestern sind vorerst 16 für die Privatpllege bestimmt. Das Arbeitsfeld der Schwestern hat im Berichtsjahre keine Aenderung erfahren. Von 18 Schwestern, die jedoch wegen Vertretungen und Ferien usw. nicht sämtlich das ganze Jahr hindurch in der Privatpflege tätig sein konnten, wurden im ganzen 181 (im Vorjahre 162) Pflegen geleistet, und zwar ohne Unterschied der Konfession. Die Pflegen wurden geleistet unter der Aufsicht von 80 (im Vorjahre 75) verschiedenen Aerzten und erforderten im ganzen 3800 ^im Vorjahre 3268) Pflegetage und 412 (im Vorjahre 336) völlige Nachtwachen. Die Tätigkeit der Armenschwester bewegte sich in denselben Bahnen wie in den vergangenen Jahren; ihre Hilfe wurde von 230 (im Vorjahre 232) Kranken in Anspruch genommen. Von den Kranken gehörten, 171 der israelitischen und 69 der christlichen Religion an. Der Israelitische Wohltätigkeits-Verein in Heilbronn hatte ständig eine der Schwestern für. seine Aufgaben zur Verfügung. Zu manchen Zeiten wurde die Arbeit für eine Schwester zu umfassend, und dann wurde, noch eine zweite Schwester zur Unterstützung den: Verein überlassen. Die Einnahmen des Vereins betrugen 35 762.88 Mark, die Ausgaben 29 085.98 Mark. , - München, 10. April. Am 1. d. M. fand vor dem König!. Obersten Landesgerichte die Revisionsverhandlung in der Privatbeleidigungsklage des Shnagogenansschusses sowie des Kantors Bachenheimer und Kaufmanns Siegmund Kern von Zweibrücken gegen den Bezirksrabbiner Dr. Meyer statt. Wie früher berichtet, wurde der Beklagte dom. Schöffengerichte Zweibrücken freigesprochen; das Landgericht stellte sodann auf eingelegte Berufung unter Annahme eines verjährten Preßvergehens das Verfahren ein. Die hiergegen wiederum eingelegte Revision der fünf Privatk^äger wurde von Rechtsanwalt Dr. Zapf-Zweibrücken persönlich begründet, während Rechtsanwalt-Kastor-München den Beklagten vertrat. Der höchste Gerichtshof verwarf nach kurzer Beratung die Revision unter vollständiger Billigung der Urteilsgründe des König!. Landgerichts Zweibrucken und legte den Privatklägern die Kosten der drei Instanzen zur Last. GesterreichMngarii. □ Wien, 11. April. In der vorigen Woche fand hier die Generalversammlung des „Galizischen Hilfsvereins" unter reger Teilnahme statt: Der Bericht über die Tätigkeit desselben ist ein im ganzen erfreulicher. Zu Ende des Jahres 1908 gab es also, nach . Einrechnung der neuen Ortsgruppen Nadworna und Tarnow und nach Abrechnung der Ortsgruppen Salzburg und Neusandez, so wie Ende 1907, zusammen 47 Ortsgruppen. An Mitgliedsbeiträgen ^wurden im Jahre 1908 32 906.07 Kronen, an Spenden 569.57 Kronen, an Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammen demnach 33 475.64 Kronen eingenommen. Gegenüber dem Vorjahre war also der Eingang an Mitgliedsbeiträgen um 131.67 Kronen höher, der an Spenden um 830.33 Kronen niedriger, so daß der Gesamteingang an Mitgliedsbeiträgen und Spenden im Jahre 1908 hinter dem im Jahre 1907 um 698.66 Kronen zurückblieb. Besonders hervorzuheben ist die Steigerung an Mitgliedsbeiträgen aus Galizien. Die Gesamteinnahmen des Vereins beliefen sich im Jahre 1908 auf 46 263.63 Kronen; sie waren also um 2403.20 geringer, als im Vorjahre. Die Gesamtausgaben stellten sich im Berichtsjahre auf 53 945.22 Kronen das ist um 18 607.32 Kronen höher, als im Vorjahre. Diese Steigerung wurde dadurch herbeigeführt, daß für die Industrien mit Einschluß der Unterbringung von Lehrlingen im Jahre. 1908 32 887.55 Kronen ausgegeben wurden, während die entsprechenden Auslagen im Jahre 1907 bloß 15 287.15 Kronen betragen hatten. Insbesondere verursachte die Einführung der Spitzenklöppelei infolge der Heranziehung von zehn neuen Klöppellehrerinnen Mehrauslagen im Betrage von 13 985.45 Kronen.. Wenn die Ausgaben mit den Einnahmen verglichen werden, so zeigt sich, daß jene im Jahre 1908 um 7681.59 Kronen höher waren als diese, während sich im Jahre 1907 ein Ueberschuß von 13 328.93 Kronen ergeben hatte. Dieses Plus an Ausgaben ist jedoch nicht als eine betrübende Erscheinung zu betrachten; der Verein hat nicht die Aufgabe, Vermögen anzuhäufen, sondern seine Mittel, soweit es nötig ist, für den Vereinszweck zu verwenden. — In Budapest wurde vor einiger Zeit ein „Ungarisch- Israelitischer Kulturverein" begründet. Derselbe hielt vor kurzem im Prunksaale der Pester Israelitischen Religionsgemeinde seine konstituierende Versammlung, zu welcher sich ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Rabbiner Dr. Hevesi begrüßte im Namen des Vorbereitungskomitees die Erschienenen und skizzierte den Zweck des Vereines, der darin besteht, das ungarische Judentum mit den reichen, geistigen Schätzen seines Glaubens bekannt zu machen. Der Verein wird ferner die Aufgabe haben, die Zukunft der in ihrem Bestände gefährdeten jüdischen Schule zu sichern, auf patriotischer und religiöser Grundlage -das jüdische konfessionelle Leben zu stärken. Hierauf wurde der Statutenentwurf angenommen. Dann folgte die Wahl des Vorstandes. Zum Präsidenten wurde einhellig Baron M. L. Herzog gewählt; zum Kopräsidenten Rabbiner Dr. Hevesi, zu Vizepräsidenten Dr. W. Grauer, Dr. A. Kohner, Dr. A. Lettner, Manfred v. Weiß und die Rabbiner Dr. Adler- Dr. Fischer; zum Sekretär Dr. E. Weiller. Der neugewählte Präsident Baron Herzog wurde durch eine Deputation eingeholt und bei seinem Erscheinen lebhaft akklamiert. Er hielt dann folgende vielbeachtete Ansprache: „Wenn ich mit unendlicher Freude es unternehme, hier.mitzuwirken, so ist die Triebfeder dabei — aufrichtig gesprochen — jene erhabene Parole, welche unser soeben