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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-16 · Heft 16 (16.4.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Salzbrunn" gegründet, zu dem Zweck, arcken jüdischen Kranken- Badekuren zu ermöglichen. Der Plan, ein eigenes Kurhospital zu errichten, hat sich bis jetzt noch nicht verwirklichen lassen. Dagegen wurden, bisher,64- Kranke nach 'Salzbrunn gesandt und auf Kosten des Vereins in Pflege gegeben. Die fürstlich Pleß'sche Brunnen- Verwaltung hat einen Bauplatz für das zu errichtende Hospital kostenfrei zur Verfügung gestellt, unter der Bedingung, daß längstens innerhalb zweier Jahre mit demBau begonnen wird. Infolgedessen bittet der Verein um Zuwendungen, da die vorhandenen Mittel zur Errichtung eines eigenen Heims noch nicht ausreichen. Ehrenpräsident des Vereins ist Herr Geh. Medizinal-Rat Prof. Dr. Senator-Berlin, Vorsitzender Herr Dr. Rothenberg-Salzbrunn, Schatzmeister Herr Paul Kosterlitz- Berlin. Das Bureau befindet sich Berlin^., Schlüterstr, 45 pari. — Berlin, 11. April. Wie jüdische Steuerzahler zu den evangelischen Kirchen steuern zw an gsweise beitragen müssen, wird in der „Berl. Volks-Ztg." anschaulich geschildert. Das Blatt schreibt nämlich: „Die evangelische Kirche in Groß-Berlin schätzt jüdische Mitbürger nicht nur tapfer zur evangelischen Kirchensteuer ein; sie betreibt und verficht auch die Einziehung gegen alle dagegen eingelegten Rechtsmittel, sie schlachtet einen formalen Fehler der zu Unrecht Eingeschätzten frohgemut für sich aus, nur um einen ansehnlichen Satz evangelischer Kirchensteuern auch von jüdischer Seite einzuheimsen, und sie findet dabei,- was das Interessanteste ist, eine Stütze in dem für derartige Angelegenheiten zuständigen allerhöchsten preußischen Gerichtshöfe! So unglaublich das klingt, so unerschütterlich wahr ist es, denn uns liegt das Original der Oberverwaltungs- Gerichtsentscheidung vor, die einen jüdischen Steuerzahler zur Zahlung von 144.92 Mark evangelischer Kirchensteuer verhält, nur weil der irrtümlich Herangezogene — man lache nicht — gegen die zu Unrecht unternommene Veranlagung zur evangelischen Kirchensteuer nicht fristgemäß Einspruch erhoben hatte!" Die katholische Kirchenverwaltung hat in ähnlichen Fällen eS abgelehnt, sich eine solche formale Unterlassung des Einspruchs zunutze zu machen. Die evangelische Kirche scheint jedoch das Christuswort von dem ungerechten Mammon für solche Fälle außer Kurs zu setzen. Diese spekulative Brandschatzung jüdischer Steuerzahler für die Bedürfnisse der evangelischen Kirche macht sich besonders schön in einem Augenblick, wo die erdrückende Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses den freisinnigen Antrag auf Gewährung staatlicher Beihilfen für notleidende jüdische Kultusgemeinden einfach niederstimmt. — Berlin, 8 April. Ein Provinzblatt läßt sich von hier berichten: „In den letzten Monaten sind, wie man uns mitteilt, an das Berliner Polizei-Präsidium von hiesigen jüdischen Anwälten zahlreiche Gesuche abgegeben worden, worin die Genehmigung zu Namens» änderungen beantragt wurde. Die betreffenden Herren erblicken, wie es den Anschein gewinnt, in ihrem Vatersnamen, sobald derselbe einen zu ausgeprägt jüdischen Charakter an sich trägt, eine Schädigung ihrer geschäftlichen Interessen. Auch mögen es zum Teil Erwägungen ästhetischer Natur sein, die den Gesuchen zugrunde liegen. Zum Beispiel wird es von einzelnen als störend empfunden, sich Jsaaesohn, Jtzigsohn, Mosessohn oder Abrahamsohn nennen zu sollen. Dieser und jener, der von antisemitischen Anwandlungen sich völlig frei fühlt, trägt^nach Ansicht der Antragsteller gleichwohl Bedenken, sich in einer Rechtssache von Trägern derartiger Namen vertreten zu lassen, und die betreffenden Herren selberwünschen nichts so wenig, als von vornherein durch ihren bloßen Namen ihre jüdische Abkunft zu erkennen zu geben. Es ist das Bestreben vorhanden, sich von der großen Menge jüdischer Rechtsanwälte dadurch abzusondern, daß neue Namenbenennungen ersonnen werden, die einen sofortigen Schluß auf die Abstammung verhindern. Ohne von der väterlichen Religion sich abzuwenden, wird der väterliche Name preisgegeben, gerade so, wie dies geschah, wenn Juden sich taufen ließen. Diese wollten dann durch nichts mehr an ihr-Vvrleben erinnert werden, während jetzt nur die jüdische Abstammung durch neue Namen verdeckt werden soll. Man will Jude bleiben, aber als Christ gelten. Neu ist diese Erscheinung durchaus nicht: wir haben seit Jahren jüdische Schriftsteller, deren Namen christlichen Ursprungs sind, und denen viel daran gelegen ist, nicht als Jude angesehen zü werden. Neu ist nur, daß die Namenflucht unter den jüdischen Anwälten auftritt. Viele derselben gewahren wohl, daß der Rechtsanwaltstand in den letztenJahren zü'Äele jüdische Juristen in sich-'ausgenommen hat, und daß hierdurch ein Mißverhältnis entstanden ist, das auch' dem Publikum nicht hat entgehen können. Nun soll das Publikum auf weniger jüdische Namen stoßen, wodurch aber das Mißverhältnis nicht gehoben, sondern nur verdeckt wird." Die Tendenz dieser Mitteilung ist klar und läßt deutlich erkennen, daß hier unter.der Flagge der unparteiischen Berichterstattung das Gift antisemitischer Verhetzung in Kreise hineingetragen werden soll, die demselben sonst unzugänglich sind. Ein bekannter Rechtsanwalt hat deshalb die Beschuldigung auf ihre Berechtigung nachgeprüft und mitgeteilt, daß während der letzten sechs Monate von allen jüdischen Rechtsanwälten Berlins zwei, sage zwei Gesuche um Namensänderung beim Polizei-Präsidium gestellt haben, welche auch genehmigt wurden. , i. Potsdam, 11. April. Auf eine Beschwerde des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" darüber, daß bei Ausschreibung der Stelle eines A-ssistenzarztes für das allgemeine städtische Krankenhaus ausdrücklich ^nur Bewerber evangelischer Konfession 'verlangt wurden, hat der Potsdamer Magistrat folgenden Bescheid erteilt: „Auf Ihr Schreiben erwidern wir Ihnen, daß die betreffende Bekanntmachung in der Berliner Klinischen Wochenschrift vom 11. Januar 1909 ohne die Mitwirkung der städtischen Verwaltung erlassen ist. Es entspricht durchaus nicht ' unserer-Auffassung, daß bei Ausschreibung einer solchen Stelle eine Konfession vorgeschrieben wird, vielmehr treten wir den in.Ihrem Schreiben, hierzu gemachten Ausführungen durchaus bei. Wir haben . daher den Chefarzt unserer städtischen Krankenhäuser veranlaßt, die Stelle nochmals, und zwar unter Weglassung der Konfession auszuschreiben," Lüneburg, 8. April. Am 31. v. M. ist hier der Lehrer Th. Philipp nach 44 jähriger segensreicher Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Seit dem 14. Juli 1865 wirkte er als Lehrer, Prediger und Vorbeter.der hiesigen israelitischen Gemeinde und waltete seines Amtes mit Gewissenhaftigkeit und Treue. Seiner Gemeinde war er stets ein Vorbild in hingebender Pflichterfüllung und in der Pflege des Friedens. Eine selten rednerische Begabung war ihm eigen; darum verfehlten seine Ansprachen, wenn er an Freud und Leid seiner Gemeindeglieder teilnahm, nie ihre Wirkung; er sprach aus dem Herzen zum- Herzen. Diese trefflichen Eigenschaften brachten ihm die uneingeschränkte Verehrung der Gemeinde, und auch in weiten Kreisen der hiesigen Bürgerschaft genoß er Wertschätzung. Möge nach seinem arbeitsreichen Leben ein gütiges Geschick ihm einen ungetrübten Lebensabend verleihen. Zu seinem Nachfolger hat die Synagogengemeinde den Lehrer Wolff aus Aurich gewählt, der bisher als Lehrer in Neustadt am Rübenberge tätig war. i. Essen, 9. April. Der Israelitische Frckuenverein hielt im Kasinosaale seine Hauptversammlung ab, die vom Beirät desselben, Herrn Rabbiner Dr. Samuel geleitet wurde, der nach seiner Begrüßungsansprache des verstorbenen Vorstandsmitgliedes -Frau N. Samson in warmen Worten gedachte. Den Jahresbericht erstattete Frau Dr. Samuel, indem sie auf die mannigfachen charitativen Bestrebungen hinwies, die der Verein in den Bereich seiner Aufgaben gezogen habe. Neben der neuorganisierten Brockensammlung, der Wöchnerinnenpflege und der Aufstellung von Sammelsparbüchsen in den Familien erinnerte sie an die Festtage, die der Verein im letzten Jahre aus Anlaß seltener Geburtstagsfeiern einiger Vorstandsmitglieder begehen konnte. An den Bericht schloß sich eine kurze Aussprache, die beherzigenswerte Vorschläge ergab. Der von Frau I. Geldern erstattete Kassenbericht soll wie im Vorjahre auch diesmal allen Interessenten gedruckt überreicht werden. Hierauf fanden die Ergänzungswahlen für den Vorstand statt. Es wurden Frau I. Geldern, Frau M: Neubeck und Frau Dr. Samuel wieder- und Frau I. Cohen, Frau Bernhard Meyer, Frau Albert Rosenbaum und Frau Wwe. S. Wertheim neugewählt; Frau Dr. Cohn hatte eine Wiederwahl abgelehnt: Die wegen ihres hohen Alters ausscheidenden Vorstandsdamen Frau Wwe. Jakob Lewy und Frau Wwe. Prediger Blumenfeld wurden für ihre langjährige verdienstvolle Tätigkeit um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Zürn Schluss^ fand eine Versteigerung der beim Wohltätigkeitsbazar nicht ausgelosten und dem Verein überwiesenen Gewinne statt, die der Vereinskasse ein ganz nettes Sümmchen eintrug. äa-4.

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