Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1909)
- Date
- 1909-04-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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73; Jahrgang. Nr. 16. Berlin, 16. April Deilsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Rvrrkkpondrn?rn und Kschrichtrn. Deutschland. s. Berlin, 13. April. Die Jubiläumsfeier des Predigers der Reformgemeinde Dr. M. Levin erstreckte fidi aus eine ganze Woche. 'Am Sonntag den 4. d. M. hatten, wie« bereits in der vorigen Nummer erwähnt, der Vorstand und . die Repräsentanten im Hause des Jubilars ihre Glückwünsche dargebracht. Um jedoch auch oie Eemeindemitglieder an der Ehrung ihres beliebten Predigers teilnehmen zu lassen, fand am 6. d. M im Anschluß an den Festgottesdienst eine Feier im Gotteshause statt. Die Kanzel war mit herrlichen Frühlingsblumen festlich geschmückt und eine sehr zahlreiche Schar von Gemeindemitgliedern und Gästen hatte sich eingefunden, um ihrem Dank und ihrer Verehrung dadurch Ausdruck zu geben. Prediger Dr. Jelski richtete im Namen der Gemeinde und der Kollegen eine erhebende Ansprache an den Jubilar. Dieser antwortete im Anschluß an seine Festpredigt, indem er den Elias-Kelch in sinniger Weise auf sein Verhältnis zur Gemeinde deutete. Er danktetiefbewegten Herzens für all die Liebe und das Vertrauen, das man ihm jederzeit während seiner 25 jährigen Wirksamkeit entgegengebracht. Gesang beendete die stimmungsvolle Feier. — Die Konfirmation, die der Jubilar am 11. April vollzog, bildete sodann die Schlußfeier. Es wurden 33 Konfirmanden, die dem reiferen Jugendalter angehören (15 Mädchen und 18 Knaben), eingesegnet. Das einleitende Gebet sprach Doris Salinger, das Religionsbekenntnis Rudolf Pels. Wenn irgend eine Einrichtung der Gemeinde von ihrem religiösen Geiste zeugen soll, so ist es die Art und Weise ihrer Konfirmationsseier. Hier erscheint sie jeden privaten Charakters völlig entkleidet und erweist sich als ein in der Gesamtheit mitivirkender Faktor. Wie die Reformgemeinde sich ihrer Aufgabe bewußt ist, die sie für die Gesamtheit zu erfüllen hat, davon gibt sie für sich selbst ein ehrendes Zeugnis in der Adresse, die sie ihrem Prediger an seinem Ehrentag überreicht hat- Sie hat folgenden Wortlaut: Hochgeehrter Herr! Ein Vierteljahrhundert ist verflossen, seit Sie zum Prediger unserer Gemeinde berufen wurden. Wie das Judentum unter den übrigen Religionen, nimmt die Berliner Reformgemeinde unter allen jüdischen Religionen eine Sonderstellung ein. Das Streben, die ewige und unverrückbare Grundlage des religiösen Empfindens mit den Erfordernissen des niodernen Lebens in Einklang zu bringen, hat niemals und nirgends lebhaftere Betätigung gefunden als bei uns. Wir sind eine jüdische Gemeinde, wollen eine jüdische - Gemeinde bleiben und finden die starken Wurzeln unserer Kraft ' in dem uralten Glaubensbekenntnis unserer Väter. Aber wir sind auch Kinder unserer Zeit und verschließen uns keinem neuen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, keinem Fortschritt in Kultur und Gesittung. Mit Stolz sehen wir, daß unsere jüdischen Brüder überall, wenn auch zögernd und widerstrebend, den Neuerungen folgen, ivelche in unserer Gemeinde schon bei ihrer Begründung eingesührt wurden. Unser Eifer wird gestärkt durch die Ueberzcugnng, daß die Ausgabe des Judentums noch nicht erfüllt ist, und daß dasselbe noch ebensoviel Leben in sich hat wie vor Jahrtausenden. Niemand ist besser geeignet als Prediger und geistiger Führer unserer Genleinde zu wirken als Sie, verehrter Herr Doktor. Die Wärme Ihres Herzens, die Schärfe Ihres Denkens, die kristallene Klarheit Ihrer Rede befähigen Sie hierzu in höchstem Maße. Im Einklang mit den Zielen unserer Gemeinde steht alles, was Sie als Lehrer unserer Jugend, als Seelsorger, von dem jedes Herz Erbauung und Erholung heimtrug, als Redner, der den Geist unserer Propheten in sich ausgenommen hat, geleistet haben. Der Same, den Sie ansgesäet, wird noch in später Zukunft reiche Früchte tragen. Es drängt uns, im Namen unserer Gemeinde Ihnen unseren wärmsten Dank auszusprechen und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß Sie noch recht lange aus der Kanzel unseres Gotteshauses wirken mögen! Berlin, 4. April 1909. Der Vorstand und die Repräsentantenversammlung der jüdischen Reform-Gemeinde. Rudolf Mosse, Dr. jur. G. Minden, Waldemar Vendix, Alexander Loewenberz, Dr. I. Ginsberg, Paul Lachman-n, Paul Pincus, Dr. Köhne. Julius Friedemann, Sanitätsrat Dr. Benno Holz, Ludwig Cohn, Ignaz Lange, Heinrich Friedmann, Dr. Heinrich Byk, M. Werthauer, Hermann Landsberger, Oskar Italiener, Justizrat Sandberg, Professor R. Wolfsenstein, D. Rom. Eugen Blumenfeldt, Max Kallmann, Max Behr. 8. Berlin, 10. April. Der achte Bericht über die Tätigkeit der Pensions-Witwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen- Lehrervereine im Deutschen Reiche pro 1908 ist erschienen. Da während eines großen Teils des Berichtsjahres die Kasse infolge der Einsetzung der Ausgleichskommission gesperrt war, so konnte sie eine lebhaftere Tätigkeit nicht entfalten. Der Vorstand hat drei Sitzungen 'abgehalten, in denen zur Resolution des vierten Verbandstages des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich Stellung genommen, drei neue Mitglieder in die Rechtskasse ausgenommen, zwei Aufnahmegesuche abgelehnt wurden, das eine, weil Petent sich in pensionsberechtigter Stellung befindet, das andere, weil Petent die Altersgrenze überschritten hat. Drei Gesuche mußten wegen der Sperre zurückgelegt werden. Außer den Vorstandssitzungen fand eine Kuratoriumssitzung statt, in der der Resolution des vierten Verbandstages zugestimmt und die näheren Modalitäten für die Arbeiten der Kommission festgesetzt wurden. — Die ordnungsmäßige Generalversammlung fand am 14. April statt. Sie erledigte die in den Sitzungen vorgesehenen Punkte und wählte das Mitglied der Rechtskasse, Herrn Lehrer Hirschfeld, ins Kuratorium, während an seiner Stelle Herr Lehrer Abramsohn als Kassenrevisor gewählt wurde. Die Ausgleichskommission hat am 28. Dezember 1908 unter Vorsitz des Obmanns Herrn Landgerichtsrat Loewe getagt und die durch das Verbandsorgan des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich veröffentlichten Beschlüsse gefaßt. Im Laufe des Berichtsjahres ist Herr Professor Dr. Philippson aus dem Kuratorium geschieden. Aus dem Kassenbericht sei hervorgehoben, daß der Kapitalsonds 215210.89 Mark, der Fonds der Apolant-Stiftnng 10890.35 Mark beträgt. Die Rechtskasse ergab einen Ueberschuß von 1048.97 Mark, die Hilfskasse einen solchen von 3829.65 Mark. Der Bestand der Zentralhilfskasse betrug 2043.76 Mark. 8. Berlin, 13. April. Die 16. Generalversammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin hat am Sonntag den 28. März d. M. stattgefunden. Die ausscheidendefi Vorstandsmitglieder Herr Rentier Julius Oliven, Herr Stadtverordneter Louis Sachs, Herr Sanitätsrat Dr. I. Stern, Herr Stadtverordne!- •; H. Witkowski, Frau Kommerzienrat Julie Gerfon-Liebermann, Frau C - heimer Kommerzienrat Clara Goldberger wurden einstimmig wiedi - gewählt. Dem Verein gehören zurzeit über 69 Schwestern ui 15 Schülerinnen an- Von den Schwestern wirken 40 für die Privatpflege und die Armenpflege in Berlin, sieben Schwestern im Krankenhause der jüdischen Gemeinde, während acht Schwestern in dem jüdischen Schwesternheim München und neun Schwestern als Logenschwestern in verschiedenen Gemeinden Deutschlands, Dortmund Mannheim, Leipzig usw. wirken. Das Schwesternheim Auguststraße 17 wird seit Begründung des Vereins von der Oberin Fräulein Rose Blau geleitet, welche auch Meldungen von Schülerinnen entgegennimmt. L2 Berlin, 11. April. Wie bekannt, wurde im Februar 1905 mit dem Sitz in Berlin ein Verein „Jüdisches Kurhospital Bad