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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-16 · Heft 16 (16.4.1909) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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Helsingfors, Abo. Wiborg, Tavastehuus, Tammerfors, Fredorikshavn, Sordavala, Kuopio und Wasa weiter leben zu bleiben. Sie müssen zweimal jährlich ihre Pässe revidieren lassen und können auch ihre Kinder bei sich behalten, nur diejenigen Jüdinnen, die sich mit auswärtigen Juden verheiraten, erwerben damit nicht das Wohnrecht sür ihre Gatten, während die Söhne nach ihrer Verheiratung auch mit auswärtigen- Jüdinnen ihnen das Wohnrecht verschaffen. So drakonisch diese Verordnung auch war. sie wurde in der Praxis entschieden nicht wörtlich gehandhabt. Im Gegenteil sind seither viele Juden, die zuerst auf der Durchreise in Finnland Aufenthalt genommen haben, und auch andere ohne die geringste Berechtigung in Finnland wohnen geblieben und haben sich dann in der Folge mit Bittschriften um das Wohnrecht beim Senat bemüht, der solchen unberechtigt nach Finnland gezogenen Juden, die bereits über fünf Jahre im Lande lebten, das Wohnrecht gewährte. So wurden 1907 von 29 Juden, die um das Wohnrecht nachgesucht hatten, 15 zum Aufenthalt in Finnland berechtigt. 1908 suchten 99 Juden um das Wohnrecht nach, von diesen wurde es 30 erteilt, 33 wurden mit ihrem Gesuch abgewiesen, die übrigen haben bis jetzt noch keinen Bescheid erhalten. Die Polizei, welche die Ausweisung der Juden, deren Gesuch um das Wohnrecht vom Senat abschlägig beschieden war, zu vollstrecken hatte, ging dabei mit viel zu großer Energie vor und bemaß die Zeit, die zur Auswanderung einer Familie nötig ist, viel zu niedrig, so daß der Senat sich am 14. Dezember1908 mit einer diesbezüglichen Bittschrift der Juden zu beschäftigen hatte. Seither, das heißt bis zum 16. Januar 1909 ist das Ausweisungsgesetz nur gegen einen einzigen Juden in Anwendung gekommen. Von finnischer Seite sind wiederholt Schritte getan worden, um die Rechtslage der finnischen Juden zu verbessern; so beantragte Leo Michelin 1872 im Landtage den Juden volle Bürgerrechte zu verleihen. Der Antrag wurde jedoch vom Landtage äbgelehnt. 1877 wurde im Landtage eine Vorlage über Religionsfreiheit eingebracht, die jegliche Disqualifikation finnischer Bürger vom religiösen Standpunkte aufheben wollte, allein der Landtag gewährte nur den protestantischen Dissenters die Religionsfreiheit. 1894 wurde dem Landtage eine neue Petition um Verleihung der Bürgerrechte für die Juden überreicht, die jedoch der Landtag zu erledigen nicht Zeit. fand. Im Jahre 1895 machte der Senat dem Zaren den Vorschlag, auf administrativem Wege die Rechtslage in einem sür die Juden günstigen Sinne zu regulieren, aber der Zar Nikolaus II. beschied diese Proposition abschlägig. Im Jahre 1897 wurde vom Landtage eine Petition angenommen, die den Juden zwar keine Bürgerrechte, wohl aber Wohn- und Gewerberechte sicherte. Diesmal widersetzte sich der Generalgouverneur, dem die freie Religionsausübung der Juden bedenklich schien. 1899 wurde schließlich dem Senat gestattet, dem Zaren eine Judengesetzvorlage einzureichen. Leider fiel diese Erlaubnis mit dem Manifest vom 21. Februar zusammen, das bekanntlich — eine Revolution von oben — die ganze Ordnung in Finnland umstürzte, und die Judenfrage blieb wieder unerledigt. Im Juli 1906 hielten die finnischen Juden in Wiborg eine Versammlung ab» deren Resolution in Form, einer Bittschrift sich an den Senat um Verbesserung der Lage der Juden wandte. Darauf beauftragte der Senat im folgenden Jahre 1907 die gefetzevorbereitende Kommission mit der Ausarbeitung eines «Judengesetzes, das erst im Jahre 1910 fertig sein wird; jedenfalls sichert es, soweit schon jetzt bekannt ist, den Juden, die bereits zehn Jahre in Finnland gelebt haben, das volle Bürgerrecht und gewährt den Juden, die daS Bürgerrecht nicht erwerben können, Wohn- und Gewerberecht, wenn sie aus ihren Gemeinden freien Abzug erhalten. * Bei der offiziellen Visite, die der Chachambaschi wie au er Hohen Pforte so dem Kammerpräsidenten abstattete, richtete dieser an ihn unter anderm folgende Worte: „Wir sind der Treue der Juden zum ottomanischen Vaterlande bei jeder Prüfung absolut sicher. Wir sind überzeugt, daß die Juden große Fähigkeiten besitzen, und daß sie in allen Ländern der Welt ein Element des Fortschrittes, einen wichtigen Faktor der Zivilisation' darstellen, daß die Juden eifrig für das Glück des Vaterlandes arbeiten und es herzlich lieben. Wir wünschen sehr zu sehen, daß die Juden anderer Länder, wie die russischen und die rumänischen, in unser Land kämen und uns die Mithilfe ihrer Intelligenz und ihrer Tugenden brächten. Geben Sie diese unsere Gesinnung Ihren Glaubensgenossen in Europa, und den jüdischen Organisationen Kind. Unser Reich leidet an einer großen Armut, während sein Boden immense natürliche Reichtümer enthält. Es gibt ungeheure Strecken im Reich, wo nur fünf Seelen auf den Quadratkilometer kommen. Die Juden wären imstande, diese Gegenden zu bevölkern, ihre Kultur über sie auszubreiten und mit Hilfe der Wissenschasb aus der Erde die Reichtümer zu ziehen, die sie verborgen hält." Die Rede Ahmed Risas, die der offiziöse „Tiempo" wörtlich wiedergibt, hat auf die leitenden Kreise der hiesigen Judenschaft einen großen Eindruck gemacht. * Vor einigen Wochen brachten antisemitische Blätter ein Interview des New Horker Korrespondenten der «NowojeWremja“ mit dem dortigen japanischen Botschafter Grafen Okuma, das so gehässig gegen die Juden war, daß man schon damals an der Echtheit desselben großen Zweifel hegte. Wir erhalten nun in dieser Suche die folgenden dankenswerten Mitteilungen unseres geschätzten Mitarbeiters Prof. Deutsch in Cincinnati: „In meinem Briefe vom 5. Februar d. I., abgedruckt in Ihrer geschätzten Zeitschrift S. 120, versprach ich Ihnen weitere Berichte, welche die augenfällige Unwahrheit des. von der russischen Journalistin Frau Gorjatschewska veröffentlichten Interviews mit dellr japanischen Grafen Okuma beweisen sollten. Graf Okuma soll nach dem von Ihnen, S. 39 aus der „Staatsbürgerzeitnng" gebrachten Interview gesagt haben, daß Japan es verstanden habe, sich die Juden vom Leibe zu halten und daß Rußland, um sich zu retten, das gleiche tun nlüsse. Ich ersuchte Herrn Leo Wise, Herausgeber des American Israelite", an den japanischen Botschafter in- Washington um Aufklärung zu schreiben, da ich voraussetzte, daß der letztere in Rücksiclft auf die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten und ganz. besonders in Rücksicht auf die Agitation in Kalifornien, welche japanische Kinder von dem Besuche der öffentlichen Schulen ausschließen will, einem angesehenen Blatte die Antwort nicht verweigern würde. Herr Wise schrieb mit Darstellung des ganzen Sachverhaltes an den Botschafter am 5. Februar, erhielt aber erst gestern eine vom 20. März datierte Antwort. Es 'ist demnach wahrscheinlich, daß der Botschafter sich erst vom auswärtigen Amte in Tokio Instruktionen holte. Der Wortlaut der Antwort ist folgender: ' Kaiserlich Japanische Botschaft Washington. \ Mr. Leo Wise, Leo Wise L Co. Cincinnati, Ohio 20. März 1909. Der erste Präsident des türkischen Parlaments Ahmed Risa Bey, hat die Juden aller Länder, in denen sie leiden, aufgefordert, in die Türkei einzuwandern. Der hohe Posten, auf dem Ahmed Risa steht, hebt diese Aufforderung aus der Sphäre des Persönlichen heraus und gibt ihr die Resonanz des gesamten türkischen Volkswillens, den er in erster Linie repräsentiert. Ahmed Risa Beh richtete seine Worte an den Großrabbiner der Türkei, in dem er den erwählten Sprecher der jüdischen Nation seines Landes sieht. Geehrter Herr! Ihr Brief vom 5. Februar an den. Botschafter bezüglich eines angeblichen Interviews mit dem Grafen Okuma wurde von ihm rechtzeitig empfangen.' Ich habe den Auftrag, Ihnen zu erwidern, daß es in Japan weder jetzt Gesetze gibt, noch jemals seit das Land dem Fremdenverkehre eröffnet wurde, Gesetze gegeben hat, welche gegen Juden oder irgend eine andere Nasse Ausnahmebestimmungen enthalten. Obwohl er von dem angeblichen Interview des Grafen Okuma keine Kenntnis hätte, ehe er Ihren Brief erhielt, bezweifelt er ernstlich

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