Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1909)
- Date
- 1909-04-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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,3 ls Mr Gemetndebote. Berlin, 9. April 1909. Drilsge zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums. korrklpmiÄkN?en und Igchrichtkn. Dnttschlaud. 8. Berlin, 1. April. In Ergänzung unseres letzten Repräsentantenberichtes (s. vorige Nummer) sind aus der umsangreichen Tagesordnung noch drei Vorlagen hervorzuheben. Die Vorlage betreffend Aenderung des Statuts des Krankenhauses führte zu einer zwar kurzen, aber durch die Erklärung des Gemeindevorstandes bemerkenswert scharfen Debatte. Der Referent, Geheimrat Blumenth al, legte dar, daß der vorberatende Ausschuß III beschlossen habe, die Leitung des Krankenhauses einer ausden beiden dirigierenden Aerzten und dem Verwaltungsdirektor gebildeten Direktion zu übertragen. Die. Befugnisse des Verwaltungsdirektors und der dirigierenden Aerzte innerhalb der Direktion sollen noch besonders geregelt, werden. Er wies darauf hin, daß Verfügungen des Polizeipräsidiums und des Ministeriums verlangen, daß die Aerzte Sitz und Stimme in der Krankenhausverwaltung haben. Der Gemeindevorstand will dagegen in seinem Beschlüsse nur einen allein verantwortlichen Verwaltungsdirektor .anstellen und den Aerzten die Berechtigung gewähren, den Sitzungen des Krankenhausvorstandes mit beratender Stimme beizuwohnen. Unabhängig von dieser Vorlage ersucht der Ausschuß den Gemeindevorstand, mit den Vorarbeiten für den Bau des neuen Krankenhauses unverzüglich vorzugehen und Sorge zu tragen, daß derselbe noch im laufenden Jahre begonnen werden kann. Der Referent begründet diese Forderung damit, daß ein ungeheurer Zinsverlust entsteht, wenn das Terrain nicht baldmöglichst bebaut wird. Schließlich wünscht der Ausschuß noch, daß die vom Gemeindevorstand gestrichene Institution der Ehrendamen im Krankenhaus weiter bestehen solle. Der Referenthält es für unrecht, die Funktion der Ehrendamen auszuschalten in einer Zeit, wo man mit bestem Erfolge die Damen zu allen Humanitären Leistungen heranziehe. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes verlas als Antwort auf diese Beschlüsse eine lange Erklärung. Ter Gemeindevorstand ist danach der Ueberzeugung, daß die beste Gewähr für eine allen Anforderungen entsprechende Verwaltung darin zu finden ist, daß die Leitung des Krankenhauses einem allein verantwortlichen Verwaltungsdirektor übertragen wird, und daß als solcher nicht ein Subalternbeamter, sondern ein höherer Beamter von anerkannter Tüchtigkeit angestellt wird. Soll der Verwaltungsdirektor die Verantwortung mit den beiden Aerzten, die zudem nur wenige Stunden täglich im Krankenhause anwesend sind, gemeinschaftlich tragen, so Hort die Verantwortung auf, und es entfällt damit nach Ueberzeugung. des Gemeindevorstandes die Möglich- . keit, für eine dem Bedürfnis entsprechend geordnete Verwaltung einzustehen. Sollten die Repräsentanten wider Erwarten der Meinung sein, daß sie dieser Ansicht nicht zustimmen können, so wird eine Verständigung zwischen den sich entgegenstehenden Anschauungen herbeigeführt werden müssen. Eine solche Verständigung wird durch Einsetzung eines Verwaltungsdirektoriums dann möglich sein, wenn es gelingt, die Zuständigkeit der Aerzte und des Verwaltungsdirektors innerhalb des Direktoriums in einer Weise festzustellen, welche die vom Gemeindevorstand geforderte volle Verantwortlichkeit des Verwaltungsdirektors sicherstellt. In keinem Falle darf nach Ueberzengung des Gemeindevorstandes mit den Vorbereitungen des Krankenhausbaues begonnen werden, bevor die Einigung aller in Betracht kommenden.Instanzen über die erforderlichen Statutenänderungen erzielt ist, da andernfalls keinerlei Sicherheit dafür besteht, daß bei Fertigstellung des Neubaus die dringend erforderliche Verwaltung eingerichtet sein wird. Falls die Repräsentanten in einer Resolution die sofortige Inangriffnahme des Nestbaus verlangen sollten, bevor eine Einigung .über die Aenderung des Krankenhausstatuts erzielt ist, so müßte der Gemeindevorstand — mit dieser Drohung schließt die Erklärung — es zu seinem Bedauern' ablehnen, die Geschäfte der Gemeindeverwaltung weiterzuführen, und würde sich genötigt sehen, die ihm anvertrauten Aemter in die Hände der Repräsentantenversammlung zurückzulegen. Der Referent Geheimrat Blumenthal hält die Differenz in den Anschauungen des Gemeindevorstandes und der Repräsentanz garnicht für so erheblich, als daß man damit drohen sollte, die ganze Verwaltung in Grund und Boden gehen zu lassen. Die Vorschläge des Ausschusses betreffs des Direktoriums seien bereits in verschiedenen hiesigen Krankenhäusern (Moabit, Charitö, Virchow. Krankenhaus) durchgeführt. Zu einem Konflikte werde es die Repräsentanten-Versammlung nicht kommen lassen. Die unerfreuliche Debatte erhielt einen glücklichen Abschluß durch den Antrag Blaschke, der die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung der Statutenänderung und Ueberweisung der Beschlüsse des Ausschusses an diese als Material forderte. Syndikus Justizrat.Lilienthal glaubt die Erklärung abgeben zu können, daß dieser Antrag dem Gemeindevorstand genehm sein werde, und dankte Herrn Professor Blaschke für die Stellung dieses Antrages, der einstimmig zum Beschluß erhoben wurde. — In einem längeren Referate beschäftigte sich zu Punkt 8 der Tagesordnung Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn mit der Antwort des Gemeindevorstandes auf verschiedene Beschlüsse und Resolutionen der Repräsentantenversammlung, über welche bisher seitens des Gemeindevorstandes eine Antwort noch nicht erfolgt ist. Danach wird der Gemeindevorstand auch in Zukunft, vor Eintritt in Verhandlungen mit der Regierung über Abänderung des Synagogenbezirkes zunächst mit den Repräsentanten beraten. Eine spezielle Aufstellung aller Einnahmen und aller Ausgaben der einzelnen Synagogen glaubt der Vorstand erst nach Eröffnung der Synagoge Fasanenstraße geben zu können, wenn, wie in Aussicht genommen, die Rabbiner auf bestimmte Synagogen beschränkt werden. Die Einrichtung einer Synagoge im Nordwesten hat, wie erinnerlich, der Gemeindevorstand abgelehnt, da zwei Synagogen nicht zu gleicher Zeit gebaut werden können. Dagegen hat sich der Gemeindevorstand in Erledigung eines weiteren Antrages, die Frage der Erbauung neuer Synagogen in gemischter Deputation zu beraten und dieser eine Darstellung der Verteilung der Kultstätten und Gemeinde- Mitglieder vorzulegen und ihr den Antrag Weinberg (Bauplätze für Synagogen im Nordwesten und Luisenstadt) als Material zu übergeben, zunächst an das statistische Amt der Stadt Berlin wegen Beschaffung einer graphischen Darstellung gewandt. Den Abänderungsbeschlüssen betreffend Einführung einer Besoldungsskala für Religionslehrer an den Königlichen Lehranstalten ist der Gemeindevorstand beigetreten. Die Verhandlungen der gemischten Deputation, die Grundsätze über Gewährung von Subventionen unter Anhörung der Subventionskommissionzu Prüfen,sind noch nicht ab geschlossen.DerNormalbesoldungsetat soll bei der Aufstellung des nächsten Gemeindeetats weiter ausgebaut werden. Die gemischte Deputation zur Beratung des Beschlusses, den Etat künftig in anderer Form aufzustellen, soll demnächst zusammenberufen werden. Die Vorarbeiten für eine Ordnung der Ruhegehaltsverhältnisse der Beamten und der Hinterbliebenen- Versorgung sind bereits fertiggestellt. Die gemischte Deputation hat ihre Beratungen, wie der Inhalt der Thora-Abschnitte in deutscher Sprache vorgelesen werden soll, noch nicht beendet. Betreffs der Abänderungsvorschläge für die Gestaltung der Barmizwahfeier hat der Gemeindevorstand in Rücksicht auf die bereits eingeführte Neuordnung beschlossen, vorläufig von weiteren Anordnungen abzusehen. Dem Beschlüsse der Repräsentanten, jüdische Bewerber als Organisten zu berücksichtigen, ist der Gemeindevorstand beigetreten. Der fernere Antrag, für Ausbildung jüdischer Organisten zu sorgen und die Orgeln dazu zur Verfügung zu stellen, ist der musikalischen Kommission überwiesen worden, deren Äeusserung noch aussteht. Die Versammlung nahm diese Antwort des Gemeindevorstandes zur Kenntnis. Der Vorsitzende Louis Sachs bezeichnete die lange Verzögerung der Antwort auf Beschlüsse der Versammlung und die bisherige Nichterledigung fast der meisten Beschlüsse als eine Rücksichtslosigkeit gegen die Repräsentanten. — Ausführlich berichtete alsdann noch Herr