Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1909)
- Date
- 1909-04-09
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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direkter Verbindung mit ihnen stehen und wird besonders das Zustandekommen einer Konferenz herbeizuführen sich bemühen, auf welcher jede Organisation durch zwei Delegierte vertreten sein sollen. Die Institutionen, welche dabei in Frage kommen, sind folgende: Jewish Colonization Association, Alliance Isfaelite Üniyerselle, Deutsche Konferenz-Gemeinschaft, Hilfsverein der deutschen Juden, Anglo Jewish Association, die Israelitische Allianz in Wien und das American Jewish Committee in New Jork. Wir begrüßen diese Nachricht mit aufrichtiger Genugtuung. Von jeher haben wir einem Zusammenschluß dieserOrganisationen das Wort geredet, weil nur durch einen solchen Ersprießliches geleistet werden kann. ■ ■ * , -| Die Suche der englischen „JTO“ (Jüdisch-Territorialistische Organisation). nach einem für eine großzügige Kolonisation geeigneten Lande, hat ein neues Projekt zutage gefördert. Soeben hat das Londoner Bureau den ausführlichen Bericht einer Expedition herausgegeben, welche unter der Leitung des Generalgouvernenrs von Tripolis und des Glasgower Professors Dr. Gregory die Nordküste Afrikas und das westliche Aegypten bereist und schließlich das türkische Territorium Eyrenaica an der Ostgrenze von Tripolis für eine Kolonisation in Vorschlag gebracht hat. Dieser Vorschlag erscheint von allen denen, welche die „JTO“ in den vier Jahren ihres Bestehens zur Diskussion gestellt hat, als der plausibelste, denn das Land steht unter der judensreundlichen türkischen Verwaltung und steht ferner im weiteren Sinne zu den Nachbarländern Palästinas, welches doch als Zentrum der jüdischen Kolonisationsbestrebungen angesehen werden muß. Ein genaueres Urteil wird man sich wohl erst nach dem Studium des offiziellen Berichtes bilden können. Doch geht die Meinung der Kenner des Landes dahin, daß Cyrenaica sich wesentlich für Viehzucht eignet. Im übrigen ist das Land bisher eine terra incognita gewesen. Man hat also alle Ursache, Israel Zangwill dankbar zu sein, der die Expedition veranlaßte. Und dieser Dank. würde sich noch steigern, wenn das neuentdeckte Land sich wirklich für jüdische Kolonisation eignen sollte. * Die rus fisch en Antisemiten agitieren erfahrungsgemäß in der Osterzeit am lebhaftesten. Das ist natürlich kein Zufall. Und so wird denn auch schon aus verschiedenen Städten Volhyniens und Polens-Won Pogromfurcht geschrieben. Bemerkenswert ist in dieser Beziehung der folgende, uns aus Lodz zugehende Erlaß des dortigen Polizeimeisters: „Anläßlich der bevorstehenden jüdischen Osterfeiertage ordne ich an, daß sämtliche Bezirks-Polizeipristawe die polizeiliche Aufsicht in denjenigen Teilen der Stadt Lodz verstärken, wo hauptsächlich die jüdische Bevölkerung konzentriert ist, und besonders in denjenigen Gegenden, wo die jüdischen Synagogen und Bethäuser gelegen sind, sowie auch, wo das Backen von Mazzes (Osterkuchen) vor sich geht. — Jegliche Anhäufung von Volk auf den Straßen der angeführten Stellen darf auf keine Weise geduldet werden, besonders müssen Differenzen zwischen Juden und Christen, die auf Grund von Vorurteilen und religiösen Mißstimmungen entstehen-könnten, beseitigt werden.“ * - * Aber leiderfind nicht alle Polizeidirektoren so vernünftig. Und die unteren Polizeiorgane noch weniger. Werden sie doch vor allem von der „schwarzen Bande" beständig gegen die; Juden aufgehetzt. ° Diese Gesellschaft hat übrigens in der Duma neulich i schlecht abgeschnitten. In der Sitzung vom 1. d. M. hat eines; ihrer eifrigsten Mitglieder, der Deputierte Mankow, die.fran- - zösischen Heereszustände in einer Weise kritisiert, die.einen wahren 1 Sturm der Entrüstung aller Parteien erregte. Als Haupt- ' 171 mängel.wieses Heeres führte -er hie -Demokratisierung des französischen Offizierkorps und das Eindringen, des Judentums in dieses an. Er erhielt dann wegen Beleidigung .; der französischen Armee einen Ordnungsruf. Der brave Mann hat bei seiner Aeußerung übersehen, daß das Judentum nicht jetzt in die französische Armee eindringe, sondern schon seit mehr als einem halben Jahrhundert in derselben treu und redlich seine Pflicht getan habe, ja daß man viel eher behaupten könne, es sei seit der Hetzkampagne des , antisemitisch-jesuitischen Nationalismus in Frankreich eher ein Rückgang als eine Vermehrung des jüdischen Elements in der Armee zu verzeichnen. Der hilksoerem der Drutlchen Juden. . - Berlin, 31. März, m 28. d. M. fand hier, wie bereits kurz mitgeteilt, eine Sitzung des.Zentralkomitees und im Anschluß an diese die ordentliche Mitglieder-Versammlung des Hilssvereins unter dem Vorsitze des Herrn James Simon statt. Wir erhalten darüber den folgenden Bericht: Der Vorsitzende gedachte zunächst der seit der .vorjährigen Sitzung dahingeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees, der Herren Charles L. Hallgarten, Frankfurt a. M.; Kommerzienrat Paul Mende, Frankfurt a. O.; Adolf Salzburg, Dresden; besonders erschütternd, wirkte die vor Beginn der Sitzung eingetroffene Nachricht, daß Herr Justizrat Lachmann-Berlin, gleichfalls Mitglied des Zentralkomitees, verstorben sei, der dem Hilfsverein seit seiner Begründung auf vielen Gebieten -ein treuer Mitarbeiter gewesen. Ferner widmete der Vorsitzende den dahingegangenen Herren Gustav Tuch in Hamburg und dem führenden russischen PhUauthropen Horace von Günzburg, die in . dem Hilsswerk für Galizien und Rußland dem Hilfsverein allezeit zur Seite gestanden, einen warmen.Nachruf. Die Versammelten erhoben sich zur Ehrung , des Andenkens der Verschiedenen von den Plätzen. Der Geschäftsbericht des Hilfsvereins,, der den Mitgliedern des Zentralkomitees statutengemäß zurPrüfung zugestellt war, wurde, ohne daß irgendeine Einwendung gegen ihn erhoben wurde, einstimmig genehmigt. Alsdann wurden gemäß dem gemachten Vorschläge die. Herren Rechtsanwalt Felix Makower-Berlin, Louis Ladewig-Chemnitz und Justizrat Berger-Königshütte einstimmig in das Zentralkomitee kooptiert, die die Bestrebungen und Interessen des.Hilfsvereins in tatkräftiger Weise schon bisher gefördert haben und durch die Kooptation' mit dem Werke des Hilfsvereins nunmehr noch enger verbunden sind. Auf Anregung des. Herrn Simon. votiert das Zentralkomitee Herrn Jacob H. Schiff für seine hochherzige Spende von 100.000 Dollars für das Technikum, das auf Initiative des Hilfsvereins in Haifa begründet wird, seinen aufrichtigen Dank. In der Generalversammlung der Mitglieder wurde.in kurzem Abriß der 'Geschäftsbericht erstattet. Der Vorsitzende stellte zu lebhafter Genugtuung der Versammelten fest» daß der Verein sich in bester Entwicklung befindet. Die Mitgliederzah)..ist von. 18 000 auf über 20 000 gestiegen. Die Mitgliederberträge haben, sich, auf 151000 Mark erhöht. Damit hat der Hilfsve^W eine Ausdehnung angenommen, , die..kaum von einer zweiten jüdischen Organisation "erreicht fein wird. In 683 Orten in. Deutschland .nehmen Lokal- .komitees und Vertrauensleute die Interessen des Vereins wahr. Weit über die Grenzen Deutschlands und Europas, hinaus hat der .Hilfsverein Anhänger und Freunde gewonnen.; Für erfolgreiche Propaganda ist hör allem- Herrn-:Siegmnnd Ber.gel, dem Chef der Propagandakömmission desiHilfsvereins üm Ehrenamte. Anerkennung zu zollen. .. i.-./.i.,- Auch einmalige. Spenden sind dem Hilfsverein in reichem. Maße zugeflossen. Die Stiftungen für Vereinszwecke und. für .Unternehmungen,. die der Hilfsverein begründet,^betragen bisher bereits über eine Million Mark.