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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-09 · Heft 15 (9.4.1909) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 15 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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unzerstörbare Geist der Lehre, der den Pfad israelitischer Bestimmung zu jeder Zeit erhellt hat! In der Tat, ein erhabenes Vorbild auch für unsere Generation! , Der äußere Druck hat aufgehört; der Geist der Freiheit zieht durch die Lande; selbst die äußersten Anstrengungen der Mächte der Finsternis vermögen seinen Siegeszug nicht mehr aufzuhalten und eine neue ägyptische Verfolgung heraufzubeschwören. Aber die Freiheit würde zur Zügellosigkeit führen, ohne den. Dienst Gottes, ohne die Weihe der Religion. Darum sollen wir uns auch am Hellen, klaren Tage der neuen Zeit als Scharen Gottes fühlen, die, aus so vielen Mizrajims älter und neuer Zeit befreit, der großen Mission dienen sollen, seinen Namen in alle Enden der Erde zu tragen. „Damals sangen Mose und die Kinder Israel dieses Lied." Und Heute singen wir es ihnen in allen Ländern des bewohnten Erdenrunds nach. Und noch in fernen Jahrhunderten — so hoffen'wir mit inniger Zuversicht — werden dankbare Enkel dieses Lied treu und fre^ wiederholen. Was sagen die Herren Delitzsch, Wellhausen und Harnack zu dieser Entwicklung, und können sie sie etwa auch bestreiten? Dir Mache. Berlin, 7. April. on den Verhandlungen des Reichstags in dieser Woche war für uns die die interessanteste, in der so bewegliche Klage über die Zurücksetzung des bürgerlichen Elements bei den diplomatischen Stellenbesetzungen geführt wurde. Schade nur, daß sich nicht Einer im Hohen Hause veranlaßt fühlte, darauf hinzuweisen, daß genau dieselbe Klage, die das bürgerliche Element über die Zurücksetzung im diplomatischen Dienst, das jüdische Element über die Zurücksetzung in allen Staats¬ und Verwaltungsstellen führen könnte. Mit aufrichtiger Genugtuung wird man überall die Versicherungen des Herrn Staatssekretärs lesen: , „Solange ich an der Spitze des Amtes stehe, werde ich zwischen Adel und Bürgertum keinen Unterschied machen. (Beifall.) Esist nicht meines Amtes, diesem oder jenem Stande zuliebe oder zuleide zu handeln. Meine Aufgabe ist es vielmehr, Männer zu finden, nicht Salonhelden, die wirklich nach Charakter und Kenntnissen eine Gewähr dafür bieten, daß sie dem Vaterlande nützliche Dienste leisten können. (Beifall.) Wie sie heißen, ob es Prinzen, Grafen, Edelleute, oder Bürgerliche sind, kommt gar nicht in Betracht. (Beifall.) Melden sich in Zukunst mehr junge Leute aus dem Bürgerstande, die zur Diplomatie geeignet sind, so sind sie willkommen." Daran aber wird man wohl die Frage knüpfen dürfen: Gelten diese Verheißungen auch für die Staatsbürger jüdischen Glaubens? Oder sind diese etwa weniger für den diplomatischen Dienst geeignet als andere deutsche Bürger? Wie kommt es dann, daß der deutsche, zu Otterberg in Bayern geborene Jude Oscar S. Straus plötzlich in Amerika die Fähigkeit erhalten, amerikanischer Gesandter in Japan zu werden? Und dann: Wenn der Staatssekretär versichert, daß das blaue Blut hier gar nicht in Frage komme, so darf man wohl die weitere Frage aufwersen, welchen Wert hat das Taufwasser, das so' oft aus diplomatisch ungeeigneten Juden große christliche Diplomaten gemacht hat? Und endlich, da wir nun einmal beim Fragen sind: Sollte nicht dieselbe Gleichheit, die dem bürgerlichen Element im allgemeinen zugesichert wird, auch für den jüdischen Teil desselben in allen staatlichen Stellungen gelten? -- Es ist noch nicht lange her, daß ein Breslauer Domherr die folgenden Mitteilungen^veröffentlicht hat: „ i,Bon absolut zuverlässiger Seite ist mir vor einiger Zeit bei Gelegenheit eines Gesprächs mitgeteilt.worden, daß der Herr Reichskanzler Fürst Bttlow ernstlich bemüht ist, in den ihm unterstellten Ressorts mit größtem Nachdruck dahin zu wirken, daß bei der Besetzung höherer Aemter die Katholiken entsprechend berücksichtigt werden, und daß er. sich auch vergewissert, ob und wie seinen diesbezüglichen Weisungen Folge gegeben wird. Auf meine Frage, ob ich ermächtigt bin, von dieser. Mitteilung Gebrauch zu machen, wurde mir eine entschieden bejahende Antwort gegeben. Ich habe davon bisher keinen öffentlichen Gebrauch gemacht, tue es aber jetzt hiermit in bester Absicht für diejenigen Kreise, welchen von dieser Gesinnung des Herrn Reichskanzlers noch nichts bekannt gewesen ist." Wir meinen, die Gerechtigkeit sollte es erfordern, die gleichen Grundsätze auch für das jüdische Element in Anwendung zu bringen. Dies ist aber, wie jedermann, weiß leider, nicht der Fall. In bezug auf ein Ressort wurde dies erst jüngst festgestellt. So war vor einiger Zeit in einem liberalen Blatt folgendes zu lesen: , ' „Wir haben Männer gehabt, die diesem Gerichtshof (dem Reichsgericht) zur Zierde gereicht hätten, die geradezu ein Bedürfnis für ihn waren. Es sei nur an Hermann Staub erinnert. Wie hat ernicht die Rechtsprechung befruchtet. Wie unendlich oft hat nicht das Reichsgericht auf Staubs Schriften Bezug genommen! Wenn ein Ruf nach Leipzig an ihn ergangen wäre, wäre ihm Staub ohne Bedenken gefolgt, obwohl er eine höchst ergiebige Anwaltspraxis hätte aufgeben müssen. Er betrachtete es als Ehrenpflicht, seine Kraft in den Dienst des Reichsgerichts zu stellen. Darüber hat er seinen Freunden keinen Zweifel gelassen. Aber er ist niemals in die Lage gekommen, das Angebot einer Reichsgerichtsstelle anzunehmen oder auszuschlagen. Weder ihn noch einen anderen jüdischen Juristen ersten Ranges — und deren gibt es auch heute eine ganze Anzahl in Deutschland — hat das Reichsjustizamt für würdig gehalten, dem höchsten Gerichtshof anzugehören. Das Reichsjustizamt steht der Berufung von Juden an.das Reichsgericht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Der frühere Reichsgerichtspräsident von Seckendorfs hat sich gelegentlich entschuldigt anchm liege es nicht, wenn die Juden ausgeschlossen werden. „Aber," fügte er achselzuckend hinzu, „fragen Säe in Berlin die Herren vom Reichsjustizamt!" Und doch hat gerade das Reichsjustizamt die Ausgabedie Ausführung der Reichsgesetze zu überwachen." Dieselbe Aufgabe aber, die Ausführung der Reichsgesetze über die Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetz ohne Unterschied der Konfession zu überwachen und durchzuführen, haben auch alle übrigen Ressorts. Es ist bedauerlich, daß unsere Abgeordneten in letzter Zeit nur beim Militäretat Klagen darüber geführt haben, daß Juden nicht zu Reserveoffizieren ernannt werden. Und doch wäre es viel wichtiger, darüber zu klagen, daß die Juden in allen Staatsanstellungen, in der Justiz sowohl wie im Unterrichtswesen und allen anderen Ressorts, nicht nur zurückgesetzt, sondern überhaupt so gut wie ausgeschaltet werden. * Wie bekannt, werden seit längerer Zeit Anstrengungen gemacht,um eine Verbindung aller großen Institutionen herzustellen, die sich dem Hilsswerk für die Juden des Ostens und der Kolonisation derselben widmen. In Berlin wie in New Jork, hat man sich alle Mühe gegeben, diese ausgezeichnete Idee zu verwirklichen, in der Ueberzeugung, daß nur durch ein Zusammenwirken große Erfolge erzielt werden könnten. Bisher hatte man den Zusammenschluß nur angesichts großer Katastrophen gesucht. Einen wichtigen Schritt zur Erreichung dieses Zieles hat nun bie Jewish Colonization Association unternommen, indem sie ein Bureau einrichtete, an welches sich in gegebenen Fällen die jüdischen Organisationen, die sich zu gemeinsamer Aktion verbunden haben, wenden können. Dieses Bureau wird in

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