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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Werke das besondere Gepräge seines Geisten empfangen'habe. Der. Redner zeichnete ihn als einen Charakter, der mit einer gewissen unnahbaren Würde die höflichsten Umgangsformen und eine gewinnende Liebenswürdigkeit zu verbinde» wußte. Als eine geschlossene, festgefügte, auf sich selbst beruhende Persönlichkeit, die unerschütterlich ihrer Ueberzeugung gefolgt sei,, immer genau gewußt ^l)abe, was sie wollte, und die mit bewunderungswürdiger Energie ihre Ziele zu erreichen wußte. Nachdrücklich betonte er. daß Hugo Milch in der Zeit, in der er dem Vorstande der Synagogengemeinde angehörte, erfolgreich bestrebt gewesen sei, den Bedürfnissen aller Richtungen in der Gemeinde gerecht zu werden, und daß er dadurch den Frieden wahren und die Einigkeit fördern half. Begeistert pries er die Liebe des Verewigten zu seiner Vaterstadt und dessen heißes Streben, an dem Wohle und dem Fortschritt Breslaus aus ganzer Kraft mitzuarbeiten. Die. Abschiedslieder des Sängerchors schlossen die ergreifende Feier. 6h. Hamburg, 26. März. Der Rektor Josef Feiner, der Begründer und Vorsitzende des Lehrervereins „Mendelssohn", feierte heute sein 25 jähriges Lehrerjubiläum. Feiner ist Schüler des Münsterschen Lehrerseminars, das er nach bestandener Prüfung im März 1884 verließ. Er amtierte zuerst in Sonsbeck a. Rh., sodann in Fürstenwalde, und seit dem Jahre 1892 an der Stistungsschule von 1815 (Realschule) in Hamburg; etwa zehn Jahre war er nebenamtlich als Religiouslehrer an der höheren Mädchenschule von Dr. Löwenberg tätig. Im Jahre 1892 legte er die Mittelschul- und im Jahre 1901 die Rektorprüfung ab. Die Fortbildungskurse für jüdische Lehrer, die vielfach ihren Hörern hervorragend geistige Anregung gegeben und segensreich gewirkt haben, sind zum größten Teile sein Werk. Feiner ist Begründer und Vorsitzender des Lehrer- Vereins ,-Mendelssohn" in Hamburg und gehört seit zehn Jahren dem Vorstande des Verbandes der jüdischen Lehrervereine an, dessen Vorsitzender er vor Jahresfrist geworden ist. Auch sonst ist er im öffentlichen Leben gar vielfach tätig; im Israelitischen Gemeinschaftsheim. der Schöpfung unseres unvergeßli^en Gustav Tuch bekleidet er das Amt eines zweiten Vorsitzenden. Die jüdische Lehrerschaft hat ihrem Verbandsvorsitzenden an seinem Ehrentage mancherlei Ovationen bereitet. — Herr Hermann Gumpertz ist aus dem Vorstand des Deutsch-Israelitischen Synagogen-Verbandes ausgetreten. Die Verdienste des Herrn Gumpertz um die Entwicklung und Ausgestaltung des .Synagogen-Verbandes wurden anläßlich seiner 25 jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit im Verband von Herrn Oberrabbiner M. Hirsch in gebührender Weise geschildert. Seit Bestehen des Synagogen-Verbandes hat noch kein Vorstandsmitglied eine so lange Amtstätigkeit zu verzeichnen gehabt. Seine Amtsniederlegung wird in der Gemeinde allgemein bedauert, der Name Hermann Gumpertz wird mit der Geschichte des Synagogen-Verbandes stets eng verknüpft bleiben. — In der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und des Delegiertenkollegiums wurde Herr Ludwig Mainz zum Vorstandsmitglied gewählt. Der neue Vorsteher entstammt einer bekannten Frankfurter Familie, hat jedoch schon seit längeren Jahren seinen Wohnsitz in Hamburg, eine geraume Zeit gehörte er auch dem Delegiertenkollegium an. Herr Mainz erfreut sich auch in weiteren Kreisen allgemeiner Wertschätzung und wird die Wahl als eine glückliche bezeichnet. Zum Vorsitzenden des Synagogen-Verbandes wurde Herr Dr. B. Levy gewählt. ---Aachen, 14. März. Eine prinzipiell wichtige Frage ist hier zur Entscheidung gelangt. Bei der Einsetzung der durch das neue Schulunterhaltungsgesetz geschaffenen Schuldeputation entstand im März vorigen Jahres im Stadtverordnetenkollegium eine Debatte über die grundsätzlich bedeutsame Frage, ob es gestattet sei, bei der Verstärkung der einzelnen Kategorien von Mitgliedern ungleichmäßig zu verfahren. Das Gesetz sprickt von ein bis drei Verwaltungs- Vertretern „der gleichen Zahl" Stadtverordneten, „mindestens der gleichen Zahl" erziehungskundiger Personen und den Geistlichen, gestattet aber den Gemeinden, „mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörden die Zahl abweichend festzusetzen." Gegen die Stimmen der Verwaltung und der Minderheit beschloß das Kollegium damals, in die Schuldepütation zu berufen drei Vertreter der Verwaltung, sieben Stadtverordnete, sechs Erziehungskundige und fünf Geistliche, und zwar drei katholische und einen evangelischen Geistlichen, sowie einen Rabbiner: Dieser Beschluß fand aber nicht die Genehmigung der Regierung, die zwar den grundsätzlichen Standpunkt der Stadtratsmehrheit nicht verwarf, aber doch keinen Grund zum, Abweichen von der Gleichmäßigkeit der.Vertretung in den einzelnen Kategorien anerkennen wollte. Nicht nur die stärkere Vertretung der Stadtverordneten, sondern auch die der katholischen Geistlichkeit wurde als aus den bestehenden Verhältnissen nicht hinreichend gerechtfertigt angesehen. Um. wenigstens die letztere, die selbst die Verwaltung angesichts des starken Ueberwiegens des katholischen Volksteiles (18 700 katholische, 700 evangelische und 70 jüdische Schulkinder) von vornherein für wünschenswert gehalten hatte, zu erreichen, kam es bei der erneuten Beratung zu einem Kompromiß, wonach von den vier Kategorien je fünf Personen, und zwar die Geistlichen in dem ursprünglichen Verhältnis, gewählt werden sollten. Jetzt hat, nach etwa zehnmonatiger Dauer, der Kompromißbeschluß tatsächlich die Genehmigung erhalten. — Gesterrelch-Nnsam. n Wien, 29. März. Hier denkt man jetzt nur an den Krieg, obwohl die Gefahr vorüber ist. So ist es denn kein Wunder, daß auch die Juden daran dachten, einen Versorgungsfonds für jüdische Reservisten zu schaffen. Wie wir vernehmen, beschäftigten sich der „Oesterreichisch-Jsraelitische Gemeindebund" und die Wiener Kultus^ gemeinde mit dieser Frage, und verschiedene Projekte wurden erwogen. Tie genannten Korporationen werden sich große Verdienste erwerben, wenn sie ihre Absichten in Tatsachen verwandeln. Man sollte, auch nicht zögern, sofort mit der Realisierung zu beginnen. Denn erstens ist in diesem Falle Zeit Geld, und zweitens würde der bloße Beginn der Aktion schon den bangen Druck erleichtern, der auf Dielen Familien jüdischer Reservisten lastete, die ihren Ernährer zu den Fahnen.schicken mußten. — Im hiesigen. Franz Josef-Spital ist das Ideal der Antisemiten jetzt verwirklicht. Dort speisen nicht mehr Juden und „Arier" an einem Tisch. Die deutschen Aerzte weigerten sich, mit ihren jüdischen Kollegen gemeinsam zu speisen. Schließlich wurde die Trennung von Tisch durchgesührt. Eine spanische Wand teilt den Speisesaal in zwei Räume, und den Ariern wird durch den Anblick, der Juden der Appetit nicht mehr verdorben. Das muß aber ein trautes Zusammenarbeiten sein! — Das Magnatenhausmitglied und der Präsident der Budapester Waren- und Effektenbörse und der ungarischen allgemeinen Kreditbank Baron Sigmund Kornfeld ist am 24. d. M. nach längerer Krankheit verschieden. Schon zu zwanzig Jahren hat. er als Direktor des böhmischen Bankvereins, bald nachher in gleicher Eigenschaft bei der.Allgemeinen Böhmischen Bank und dann bei der Kreditanstaltsfiliale in Prag gewirkt. Die Allgemeine Ungarische Kreditbank in Budapest auf das Finanzgenie Kornfelds, dessen organisatorisches Talent und Scharfblick aufmerksam gemacht, hatte ihn sofort berufen und nach dem.im Jahre 1899 erfolgten Tode des Grafen Palaviccini an dessen Stelle zum. Generaldirektor ernannt. Als solcher und als Verwaltungsrat vieler Bankinstitute hat er durch bedeutende Finanzoperationen und namentlich bei der Valutaregulierung sich um den Staat erhebliche Verdienste erworben, die auch vom Kaiser durch Verleihung des Ordens der Eisernen Kröne 2. Klasse gewürdigt wurden. Was den Lebenslauf dieses Mannes schmückt und ihn weit über viele erhebt, ist seine wahre Anhänglichkeit an das Judentum. Nicht allein, daß er sich seines Judentums nicht schämte, trug er auch bei allen sich darbietenden Anlässen zur Verherrlichung desselben in nachahmenswerter Weise bei. Er war Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Budapest, Mitglied des Kuratoriums des dortigen Nabbinerseminars, ein Freund und Förderer jüdischer Wissenschaft. 'Ehre feinem Andenken! — Der Kaiser, hat den Präsidenten der Advokatenkammer und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Szeged in Dr. Jzso v. Rosai und den Direktor der. Hebammenschule daselbst Dr. Jakob Mann zu Hofräte'n ernannt. — In Teschen ist am 2,7. d. M. der rühmlichst bekannte Superintendent Dr. Theodor Haase gestorben. Mit ihm ist einender besten Freunde, die die Juden Oesterreichs hatten, dahingegangen. Er hat im Mai 1891 mit einigen anderen hervorragenden Männern den „Verezn zur Abwehr

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