Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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in den. verschiedensten Berufen,' auch irn wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen, fast durchweg zu achtbares zum Teil sogar ' zu angesehener Stellung emporgearbeitet haben. In Buchform veröffentlicht hat Professor Strelitz die von dem besten Cicero-Kennern Deutschlands. C. F. W. Müller als grundlegend Anerkannte Schrift l)e gntiguo 6i66roni8 de re publica librorum emendatore und Ciceros Laelius im Verlage von F. A. Perthes in Gotha, eine Reihe von Aufsätzen und Rezensionen in den Jahrbüchern für klassische Philologie und Pädagogik und anderen Zeitschriften. :N. s. Berlin, 30. März. Der Verein Freunde der Taubstummen „Jedide Jlmim" 'versendet in diesem Jahre zur Feier seines 25 jährigen Bestehens einen etwas umfangreichen Bericht, der sich schon äußerlich von den sonstigen grauen Heftchen als Festschrift dokumentiert. Er enthält wie gewöhnlich zunächst Mitteilungen über das verflossene Vereinsjahr, es'wird aller Spenden gedacht, über die Taubstummenanstalt in Weißensee berichtet und zum Schluß.recht eindringlich' aus die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaues der Anstalt hingewiesen. Sodann folgt eine interessante Abhandlung, die Geschichte des Vereins, oder besser, die Geschichte der israelitischen Taubstummenanstalt für Deutschland, die sich „in ihren Anfängen, wie die Geschichte eines persönlichen Werdegangs ausnimmt", nämlich des Werdegangs des Direktors und Gründers der Anstalt Marcus Reich. Aus dev Darstellung ist zu ersehen, mit wieviel Mühen und Widerwärtigkeiten der Begründer der Anstalt zu kämpfen hatte, ehe der jetzt jubilierende Verein ihm die Sorgen abnehmen konnte. In dankbarer Erinnerung wird aller verstorbenen Vorstandsmitglieder uud Wohltäter gedacht, insbesondere des seligen Geheimrats Dr. Moritz Marcuse, dessen Bild neben dem des Direktor Reich in dem Bericht enthalten ist. Da es sich nicht bloß um die Geschichte des Vereins, sondern in der Hauptsache um eine Geschichte der Anstalt handelt, so vermissen wir unter den. vielen Namen die Erwähnung der früheren und auch der jetzigen Lehrer, der Mitarbeiter des Direktors im Institute selbst; nur einer, der erste, der schon 1894 die Anstalt verlassen hatte, ist genannt. Einzelne von ihnen haben, wie uns bekannt ist. unter der Leitung Reichs und in Gemeinschaft mit ihm als-Lehrer und Erzieher der unglücklichen Kinder Hervorragendes geleistet, beziehungsweise leisten sie es noch. Hätten nicht wenigstens ihre Namen (zwei von ihnen sind gegenwärtig Leiter von anderen Erziehungsinstituten) bei einer solchen Gelegenheit genannt werden können? Wenn aus irgend welchen Gründen vielleicht nicht alle genannt werden konnten, so durfte der Name eines Mannes, der seit 15 Jahren an der Anstalt mit anerkannten: Erfolge wirkt und sich unter ehemaligen und jetzigen Zöglingen außerordentlicher Beliebtheit erfreut, nicht unerwähnt bleiben. Es ist dies Herr Kolodzinsky, der sich nicht nur praktisch, sondern auch wissenschaftlich auf dem Gebiete des Taubstummenwesens betätigt und der Begründer und Leiter des in dem Berichte genannten Vereins ehemaliger Zöglinge der Anstalt ist. Im übrigen gibt der Bericht ein hochersreuliches Bild von dem Werden und Wachsen der Anstalt und des Vereins. Der Rechnungsabschluß zeigt, daß sich die materiellen Verhältnisse des Vereins durch einmalige größere Beiträge sowie durch Spenden, zum B.aufond im vergangenen Jahre ganz bedeutend verbessert habend Und es ist anzunehmen, daß es dem Verein möglich sein wird, den notwendigen Erweiterungsbau der Anstalt vorzunehmeu. Weiter enthält der Festbericht wie alljährlich die Aufzählung der Stiftungen und Legate (alle, selbst die kleinsten Beträge sind verzeichnet) und endlich die vielen, vielen Namen der Mitglieder des Vereins, nach den Wohnorten geordnet. 8. Berlin, 28. März. Der soeben ausgegebene 19. Jahresbericht über das Jüdische Mädchenstift, Lothringerstraße 16, weist einen günstigen Fortgang dieser Anstalt auf, welche 15 unbemittelten jüdischen Mädchen vollständig unentgeltlichen Unterhalt und hauswirtschaftliche Ausbildung zur Vorbereitung für den Dienstboten beruf bietet. In der Leitung des Heims ist durch den aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Rücktritt der in 17 Jahren treu bewährten und verdienstvollen Hausmutter Frau Henriette Baer ein Wechsel vorgegangen. Im abgelaüfenen Jahre sind 7, im ganzen bisher 104 .Mädchen in den Dienst getreten. Für längeren treuen Dienst bei derselben Herrschäft wird eine Prämie von 40 Mark gewährt; eine solche konnte bereits 19 mal verteilt, werden.. Die.Ausgaben, sind von 9900 Mark auf 10 218 Mark, das ist pro Kopf von 660 Mark auf - 681.25 Mark gestiegen, während die Verpflegung sich mit 57 Pfennig pro Kopf und Tag etwa auf gleicher Höhe, wie im Vorjahre hielt. Das Stift erstrebt die Ausdehnung seiner Wirksamkeit über die bisherigen engen Grenzen hinaus, bedarf aber dazu dringend größerer Mittel. Vorsitzende sind: Waisenhausdirektor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. s. Berlin, 28. März. Am 25. d. M. ist hier im 64. Lebensjahre der praktische Arzt Falk Feilchen feld gestorben. Er hatte ursprünglich Theologie am Breslauer Seminar studiert und stand bereits vor dem Examen, als er zu einem Wechsel des Berufs schritt. Er studierte Medizin, hatte aber nicht die Mittel zum Abschluß des Studiums und praktizierte eine Zeitlang ohne Approbation. Als er die Mitte - der Dreißiger schon überschritten hatte, ging er dann von neuem zur Universität und erlangte 1884 in Rostock die ärztliche Approbation. In Moabit, wo er sich dann niederließ, wurde er bald als Arzt und als Mensch gleich beliebt. Seine Praxis war eine der größten in der Gegend, besonders in Offizierskreisen. Feilchenfeld war ein glaubenstreuer Jude, ein liebenswürdiger Mensch, ein vortrefflicher Arzt. Ehre seinem Andenken! Lp. Aus-er Provinz Posen, im März. Kantor Stern berg in Tremefsen ist mach Zempelburg berufen worden. — In der jüngst stattgehabten Generalversammlung des jüdischen Frauenvereins zu Rakel wurde Frau Henriette Pinn zur Vorsitzenden wiedergewählt. Der Verein verfügt über ein Vermögen von 7540 Mark und hatte im letzten Vereinsjahre eine Einnahme von 1670 Mark, die zu Unterstützungen verwendet wurden. — Rentier Freudenthal in Wongrowitz ist zum Ehrenmitglied der dortigen freiwilligen Feuerwehr ernannt worden. Freudenthal war Mitbegründer der Wehr vor 40 Jahren. — Das Caspar Lachmannsche Waisenhaus in G r a u d enz hatte im Jahre 1908 insgesammt 28Waisen zu versorgen. Eine neue Stiftung von 5000Mark ist demselbenzugeflossen. Tie Einnahme im letzten Jahre bezifferte sich aus 23 619 Mark, die Ausgabe auf 23342 Mark. Das Vermögen beläuft sich auf 426 700 Mark, wovon 244 000 Mark zinslich angelegt sind. — Der im November 1908 verstorbene Rentier Markus Leß in Crone a. Br. hat die dortige Synagogengemeinde in seinem Testament mit einem Legat von 1000 Mark bedacht. — Kaufmann Max Berne in Witrowo ist als Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde von der Regierung bestätigt worden. Es war gegen seine Wahl protestiert worden, weil er Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums ist. Der Protest ist nicht für stichhaltig erachtet worden. n. Breslart, 13. März. Gestern in der Mittagstunde ist Stadtrat Hugo Milch, dieser ausgezeichnete Mitbürger, das älteste Mitglied des Magistratskollegiums und der älteste Ehrenbeamte der Stadt, in der Familiengruft auf dem israelitischen Friedhofe an der Loheiiraße beigesetzt worden. Vorher fand in der Leichenhalle, wo der Sarg unter Palmen und schwarzem-Trauerschmuck aufgebahrt und mit Blüten, Lorbeerkränzen und Widmungsschleifen ganz verhüllt war, eine Trauer- und Abschiedsfeier statt. Erschienen waren: das gesamte Magistratskollegium mit Oberbürgermeister Dr. Bender an der Spitze, eine offizielle Abordnung der Stadtverordneten-Versammlung, der Rector Magnificus Geh. Medizinalrat Dr. Uhthoff, der Vorstand der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, die Mitglieder des Kuratoriums der Kommerzienrat Fraenkelschen Stiftungen, viele andere Vorstände von Korporationen und Vereinen, Mitglieder der schlesischen Finanzwelt, Geistliche beider christlichen Konfessionen, Vertreter der heimischen Kunstwelt und Männer und Frauen aus allen Kreisen der Bürgerschaft. — Rabbiner Dr. Güttin an n verlieh den Empfindungen der Trauerversammlung in einer Gedenkrede den trefflichsten Ausdruck. Er bezeichnet^ das Wort des Propheten Jesaias: „Ein Edler ersinnt Edles, und auf Edlem beharrt er" als den Schlüssel zum Wesen des Mannes, der da im Sarge schlief. In allen den Kreisen, in die sich die vielverzweigte Arbeitstätigkeit dieses Mannes erstreckt habe, lebe das Gesühl, daß mit Hugo Milch eine große und seltene Kraft dahingegangen sei, und daß der Platz, den er im Leben eingenommen, so leicht von keinem anderen ausgefüllt werden könne. Nicht nur auf. das, was er geleistet, gründe sich seine Bedeutung; sie gründe sich auch auf die Eigenart und die Würde seiner Persönlichkeit, durch die jedes seiner