Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228867--65454-3277579- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
des Antisemitismus": in 7 Wien begründet und ist selbstin Wort und Schrift. stets gegen die Angriffe auf die/Juden ausgetreten. Ehre seinenü Andenken! L. Meran, im März. Am 23. v. M. ist, wie schon gemeldet, hier das neue große Heim für mittellosekranke Israeliten eingeweiht worden. Das Werk ist geradezu großartig und muß Bewunderung erregen. Man bedenke, aus welch geringen Anfängen das jüdische Leben in Meran, beziehungsweise in Tirol, hervorgegangen ist, und daß es noch vor ungefähr 30 Jahren keine Spur jüdischer Institutionen in Meran gab, und man wird den Männern, die seither mit vereinten Kräften unter größten Mühen eine Pflanz- ' stätte jüdischen Lebens geschaffen haben, aufrichtige Anerkennung nicht versagen. Ein neuer Friedhof mit Zeremonienhalle, eine Synagoge mit allen Kultusinstitutionen und nun dieses neue Heim — das sind die Schöpfungen der Königswarter-Stiftung und des Asyl-Vereins. Das Gebäude hat eine Frontlänge von 38% Meter und eine Tiefe von 15 Meter und wird von einem Garten, der sich auf zirka 8000 Quadratmeter ausdehnt, eingeschlossen. Es werden in diesem neuen Hause ausschließlich solche Mittellose ausgenommen, welche nach ärztlicher Aussage durch einen Aufenthalt in Meran wieder berufsfähig werden können. In diesem Sinne ist auch das Haus mustergültig eingerichtet. Die Zimmer der Pfleglinge — es sind deren 60 — sind durch Südsonne. Licht und Luft, durch Einrichtung und Liegebalkons so freundlich, daß man schwerlich noch Besseres hätte bieten können. Es sei nicht verschwiegen, daß die Herren vom Vorstand, an ihrer Spitze Dr. med. M. Koref und Dr. Wilhelm Hersch, im Dienste dieses Werkes Großes geleistet haben. Der Festgottesdienst und die Einweihung des Hauses war für das jüdische Publikum in Meran, welches an der Arbeit des Vorstandes und an dem Werke selbst stets lebhaftes Interesse genommen hatte, eine erhebende Feier. Die Festpredigt, die Rabbiner Dr. Viktor Kurrein hielt, zeichnete sich durch Gedankenfülle und Formvollendung aus. Das Haus ist in seiner Art das einzige in Oesterreich und wird zweifellos in kürzester Zeit Nicht nur seine Notwendigkeit, sondern seine Vorzüglichkeit und seine Mustergültigkeit beweisen. Es ist nur recht und billig, daß es von allen Juden nach Kräften gefördert wird: es ist aber sogar eine gebieterische Forderung an alle Glaubensgenossen, die sich einer Organisation freuen, diesen wackeren Arbeitern im Dienste des Judentums in Meran, wo es keine Kultusgemeinde gibt, und der Jude nur auf sich selbst angewiesen ist, hrlfreichen Beistand zu leisten. Von MH und jfrrn. — Der in der vorigen Woche hier verstorbene berühmte Architekt Geheimer Rat Alfred Messel war ein geborener Jude. Die Eltern liegen auf dem jüdischen Friedhof in Darmstadt begraben. — Im 49. Lebensjahre ist hier Herr Emil Stern, Mitbegründer des Fürsorgevereins für hilflose jüdische Kinder und Vorsteher verschiedener gemeinnütziger Vereine, gestorben. Ehre seinem Andenken! — In Münster i. W. haben sämtliche Prüflinge der Marks-Haindorfschen Stiftung die erste Lehrerprüfung vor der Kgl. Prüfungskommission (wie stets in den letzten elf Jahren) bestanden und sind bereits für Volksjchulstellen engagiert. — Der österreichisch-ungarische Generalkonsul Maximilian Freiherr von Goldschmidt-Rothschild zu Frankfurt a. M. hat das Komturkreuz mit dem Stern des Kaiserlich Oesterreichischen Franz Josephordens erhalten. — Inder hessischen Deputiertenkammer brachte Abgeordneter Reinhardt die Wünsche israelitischer Lehrer vor, daß den israelitischen Gemeindebehörden das Recht der Anstellung genommen würde. Geheimer Rat Eisen - huth: Die vom Abgeordneten Dr. Osann vorgebrachten Gesichtspunkte könnten bei einer Revision des Volksschulgesetzes berücksichtigt werden. Bei der Anstellung israelitischer Religionslehrer sei die Regierung vielfach auf Widerstand bei den/Gemeinden gestoßen. — In Büren ist am 21. v. M. der Gutsbesitzer Hermann Aronstein, seit 16 Jahren Vorsteher der dortigen Gemeinde, im 72. Lebensjahre gestorben.— Herrn Bernhard Lang, Schwedischer und Dänischer Konsul in Nürnberg, Mitglied der israelitischen Kultusverwaltung daselbst, wurde vom Prinzregenten von Bayern die Prinzregenten- .Luitpold -Medaille. dem Kommerzienrat Julius Freun dlich - in München der Michaelsorden IV/ Klasse verliehen. — In Neum arkt (Oberpfalz) ist am 22. März nach längerem Leiden Oberlehrer Salomo n Kahn, der seit 48 Jahren im Dienste der Volksschule wirkte und ein Älter von 68 Jahren erreichte, gestorben. Seinen erfolgreichen Leistungen ist wiederholt die Anerkennung seitens der Kultusgemeinde und der Aufsichtsbehörde zuteil geworden. 1904 erhielt er den Oberlehrertitel. — Der Fabrikant Max Liebhold in Heidelberg ist zum Stadtrat daselbst gewählt worden. — In Merchingen (Baden) ist der Lehrer D. Katlner, der sich in seiner Gemeinde allgemeiner Beliebtheit zu erfreuen hatte, gestorben. — In Colmar hat sich ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gestellt hat, den Kampf für die. Reorganisation der israelitischen Kultusverfassung aufzunehmen. — Im Departement Yonne wurde der Ingenieur Jean Javal zum Deputierten gewählt. Er ist ein Sohn des im vorigen Jahre verstorbenen Augenarztes und ein Enkel von Leopold Javal, welche beide ebenfalls dasselbe Departement in der Kammer vertraten. — Die Stadtgemeinde in Wilna hat den in Rußland bekannten Realitätenbesitzer I. A. Lipetz in Anerkennung seiner Verdienste im öffentlichen Leben der Stadt und des Staates zum Ehrenbürger der Stadt Wilna erwählt. Herr Lipetz spielt auch im Leben der Wilnaer jüdischen Gemeinde eine hervorrage Rolle. — In Feodosija (Krim) wurde im Plenum der Friedensrichter der Prozeß des Millionärs Kusma Iwanow verhandelt. Derselbe war beschuldigt, während des Pogroms aus einem Manufakturmagazin Waren gestohlen zu haben. Es erwies sich vor Gericht, daß Iwanow am Pogrom teilnahm. Diese Angelegenheit wurde dem Untersuchungsrichter übergeben. — Im Prozeß des Mordes des Lodzer Fabrikanten Silberstein in Lodz wurden zwei Personen zu fünf», fünf zu zwölf-, fünf zu zehn-, und zwei zu achtjähriger Zwangsarbeit verurteilt. — Im „Rjetsch" finden wir folgende Mitteilung: „Eine Gruppe von Russen, die im Dorfe Tscheremschow (Jrkutsker Gouvernement) in Sibirien wohnen, wendeten sich brieflich an den Deputierten Belousow, indem sie gegen die Ausweisung der Juden aus dem Gouvernement protestieren, trotz des-bekannten Zirkulars des Ministers des Innern vom 22. Mai 1907. Bloß aus jenem Dorfe allein wurden 25 Familien entfernt, die lange vor dem 1. August 1906 wohnen, die Familien, Geschäft und sogar Haushaltungen besitzen. Unter den ausgewiesenen Juden gibt es auch solche, die in diesem Flecken mehr als 20 Jahre ansässig sind. Die Petenten bitten die Deputierten „die grausame Verfolgung der Juden" einzustellen. — Der Vorschlag des finnischen Senats, das Schächten zu verbieten, hat die kaiserliche Bestätigung erhalten und ist damit zum Gesetz geworden. — Israel Zangwill kündigte an, das von ihm ausgesuchte Territorium sei die Cyrenaica, der Küstenstrich zwischen Aegypten und Tripolis, den die I.L.O.-Expedition für den geeignetsten zur Ansiedlung hält. — In der letzten Vorstandssitzung der Anglo Jewish Association berichtete der Sekretär Mr. M. Duparc, daß nach einer Mitteilung des Direktors der Allianceschule in Mossul (Arabien) infolge dessen Intervention das britische Konsulat einen jungen Juden namens Sasson Semach zum Konsularsekretär ernannt hat. — Frau Taft, die Gattin des neuen amerikanischen .Präsidenten, hat Fräulein Alice Blech zu ihrer Social. Secretary erkoren. Fräulein Blech, die bisher als Korrespondentin im Bureau der amerikanischen Republik beschäftigt war nimmt auch an den Arbeiten der „Vereinigten jüdischen Frauenvereine von Amerika" lebhaften Anteil. — In New York ist am 10. v. M. der Major E. L. G. Z alinski im Alter von 60 Jahren gestorben. Er galt als hervorragende Autorität auf dem Gebiete der Kriegstechnik und hat auch mehrere bedeutende Erfindungen gemacht. Zalinski war in Kurnik in Posen geboren und kam damals als vierjähriges Kind nach Amerika. Er hatte ein warmes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten. Ehre seinem Andenken! — Der Pascha von Jerusalem hat die alte Verfügung aufgehoben, wonach Juden, die türkische Untertanen sind, bei Ankauf von Häusern und Grundstücken bisher verpflichtet waren, einen Revers zu unterfertigen, daß sie die erworbenen Immobilien nicht an jüdische Einwanderer vermieten und auf demselben keine Synagogen errichten werden. Siehe Inserat: Pastor Hasemann, Vorbereitung.