Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228852-3228867--65451-3277576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

73. Jahrgang. Nr. 14. ► Berlin, 2. April 1909. Vrtlsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". 'kurrelpondknsrn und Mschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 29. März. Zu einer mehr als dreistündigen Abendsitzung kamen heute die Repräsentanten zusammen. Trauerstimmung slagerte über der Versammlung. Gruppenweise standen vor Beginn der Verhandlungen die GemeindevertreLer zusammen, um den schmerzlich frühen Heimgang des ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Justizrat Dr. Edmund Lachmann zu beklagen. In schlichten, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten gab alsdann der Vorsitzende der Repräsentanten-Versammlung, Herr Louis Sachs dieser Trauer Ausdruck, und mit tränenerstickter Stimme dankte der Vorsitzende des Gemeinde- Vorstandes Herr. Julius Jacobh für die Anteilnahme der Repräsentanten (siehe den Artikel in dieser Nummer). Beide Reden hörte die Versammlung stehend an. Dann gings in flottem Tempo an die Bewältigung der Tagesordnung, die wiederum 32 Punkte umfaßte, aber bis auf wenige größere Vorlagen nur Wiederwahlen, Zusammensetzung von Kommissionen und Bewilligungen erforderter Ausgaben bot. Der Beginn der Sitzungen wurde während der Sommermonate von der nächsten Sitzung ab bis Ende September auf Sonntag vormittag 10 Uhr anberaumt. In die Kommission zur Vorberatung der Ersatzwahl eines neuen Mitgliedes des Gemeindevorstandes, welche statutengemäß innerhalb sechs Wochen erfolgen muß, wurden die Herren Blumenthal, Manheimer, Minden, Hirsch, Veit Simon und Dr. Ignatz Cohn entsandt. Es wurden alsdann fast debattelos angenommen die Zuwendungen des Herrn Geheimrat Dr.^Emil Peltesohn im Betrage von 10000 Mark an das Krankenhaus zur Errichtung einer Martha Kahn geb. Peltesohn- Stiftung, des Freiherrn Dr.'Wilhelm von Landau im Betrage von 10 000 Mark zu Wohltätigkeitszwecken ohne nähere Bestimmung, des Herrn Leopold Simon zu Grabeserhaltungszwecken und des Herrn Louis Aschenheim im Betrage von 1000 Mark zur Bestreitung der Kosten für seine Bestattung. Mit der Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Schul- und Talmud-Thora- Vorstandes, des Kuratoriums des Reichenheimschen Waisenhauses, des Vorstandes des^Krankenhauses, der Veranlagungskommission und der Zuwahl eines Mitgliedes zur Kommission für die Beschaffung des Koscherfleisches erklärte sich die Versammlung einverstanden. — Die Einsetzung einer Prüfungskommission für die Erwerbung einer über den Elementarunterricht hinausgehenden Qualifikation zur Erteilung jüdischen Religionsunterrichts. wurde beschlossen. In die gemischte Deputation zur Beratung der Herausgabe einer Bibelübersetzung wurden die Herren Professor Blaschke, Geheimrat Blumenthal, Professor Kalischer und Geheimrat Senator abgeordnet, vom Gemeindevorstand sind die Herren Justizrat Timendorfcr und Dr. Feilchenfeld entsandt worden; mit dem Vorsitz ist Justizrat Timendorfer betraut worden. Die Kommission zur Revision der Kassen und des Depositoriums wurde aus den Herren Emil Cohn, Hirsch, Kommerzienrat Simon und Lewinski zusammengesetzt. Herr Weinberg, derfür diese Kommission nominiert war, lehnte die Wahl ab. da nach seiner Ansicht eine Laienkommission allein nicht die Verantwortung übernehmen könne und ihr eine Treuhandgesellschaft oder ein vereideter Bücherrevisor zur Seite gestellt werden müßte. Die Vorlagen betreffend Neuregelung des Kontos „Liegende Gründe" und Schaffung eines Reservefonds wurden auf Antrag des Herrn Emil Cohn einer gemischten Deputationüberwiesen. Der Zuschuß für die Fürsorge-Kommission wurde um 1000 Mark erhöht. Eine Reihe von Ausgaben für bauliche Veränderungen, zur Einrichtung einer dritten Klasse in der Religions- schule zu Friedenau, zur Pessachbeköstigung jüdischer Strafgefangener in Brandenburg wurde debattelos genehmigt. In der alten Synagoge wurde ein Teil der Plätze im Preise reduziert. Zwei größere Vorlagen, bei denen es zu bemerkenswerten Debatten kam, sowie den Rechnungsabschluß der Gemeindehauptkasse pro 1907/08 werden wir in der nächsten Nummer bringen. Der öffentlichen Sitzung folgte eine geheime, in der die Wahl eines Generalsekretärs der jüdischen Gemeinde erfolgte; diese fiel aus Herrn Dr. M. Friedländer, den bisherigen Sekretär der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. s. Berlin, 29. März. Gestern fand im Hotel Prinz Albrecht unter dchu Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des Zentralkomitees und in unmittelbarem Anschluß daran die ordentliche Mitgliederversammlung des Hilfsvereins der Dentschen Juden statt. Beide Versammlungen waren sehr gut, auch von auswärts, besucht. Es waren Vertreter auswärtiger Komitees des Hilfsvereins und Zentralkomiteemitglieder aus Frank furt a. M., Posen. Bromberg, Königsberg, Hamburg, Leipzig, Thorn, Dessau und Tilsit erschienen. Den ausführlichen und interessanten Bericht über die Sitzung können wir Raummangels wegen erst in der. nächsten Nummer zum Abdruck bringen. s. Berlin, 26. März. Nicht würdiger konnte die Arbeitssaison des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" beschlossen werden, als durch den ausgezeichneten Vortrag des Baseler Universitüts' Professors Dr. Karl Jo el über „Jüdische Gestalten aus der Zeit der Romantik". Allerdings, wer da weiß, daß Joel der feinste Kenner der philosophischen Romantik ist, der darf auch von ihm eine Darstellung erwarten, die die Fäden entwirrt, welche Judentum und Deutschtum verbinden und die Zusammenhänge aufweist, die von den philosophischen Aufklärern Mendelssohn, Maimon, Herz, Bendavid zu den romantischen Frauen Dorothea Schlegel, Henriette Herz, Rahel Levin führen. Die Schilderung dieser Uebergänge, Verbindungen und Seelenzustände war aber in Inhalt und Darstellung ein Meisterwerk, das man nicht analysieren, sondern nur genießen kann. Hoffentlich erscheint der Vortrag, in dem die tiefe jüdische Empfindung des Redners besonders wohltuend berührte, bald im Druck. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Rixdorf sprach Dr. Eisenstadt über „Die Sozialpsychologie der Juden im Lichte der Religionspsychologie", in Königsberg Dr. Kälter-Danzig über „Moritz Lazarus", in Tilsit Dr. Pick-Straßburg über „Geisteskämpfe innerhalb des Judentums im 13. Jahrhundert", in Schwetz Dr. Poritzky-Berlin über „Ludwig Börne", in Straßburg derselbe über j „Herman Heijermans", in Gollub über „MaximlGorki", in Brom berg Dr. Guttmann-Culm über „Manasse benIsrael", Dr. Silberstein-Elbing über „Herder und seine Beziehungen zum Judentum" in Lissa Frl. Schellenberg-Lemberg über „Vorträge und Lieder aus dem jüdischen Leben", in Marburg und Lippstadt Lehrer Alexander-Marburg über assyrisch-babylonische Ausgrabungen, in Unna derselbe über „Ein christlicher Rechtsgelehrter als Verteidiger: des Judentums", in Hattingen Regisseur F. Richard-Berlin „Rezitationsabend", in Köln Dr. L. A. Rosentl/al-Berlin über den „Prophetismus in der Bibel", in Straßburg i. E. Dr. Weill- Buchsweiler über „Die Bedeutung des Sabbats in unserer Zeit". — Ein Literaturverein wurde begründet in Neustadt b. P. Die Zahl der Literaturvereine in Deutschland schließt in der zu Ende gehenden Saison mit der Zahl 226 ab. K6n jirbeh! s; Berlin, 22. März. Der Direktor der Baruch Auerbachschen Waisen-Erziehungsänstalten Dr. Adolf Strelitz.ist zum Professor ernannt worden. 1851 in Gnesen geboren und auf dem dortigen Gymnasium vorgebildet, studierte er vorzugsweise klassische Philologie aus der Universität Breslau, wo er 1874 insgua eum lauäe promovierte und ein Jahr darauf die Unterrichtsbefähigung in den klassischen Sprachen, Deutsch und philosophischer Propädeutik erlangte. Noch in demselben Jahre nach kurzer Lehrtätigkeit als Probekandidat in seiner Vaterstadt an das Gymnasium zu Rostock berufen, wirkte er hier 10 Jahre lang, bis er 1885 sein gegenwärtiges Amt übernahm. In diesem hat er etwa 250 Zöglinge herangebildet, die sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.