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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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Literarische Mitteilungen. — Moses ben Maimon, sein Leben, seine Werke Hrd sein Einfluß. Leipzig 1908. Erster Band. Dieses von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Angriff genommene Werk verspricht, nach dem uns vorliegenden ersten Bande zu urteilen, ein stanäarä work zu werden, das auf durchaus wissenschaftlicher Grundlage uns über das Leben, die Werke und die Bedeutung des größten jüdischen Philosophen des Mittelalters die beste und sicherste Auskunft erteilt. — Einen Begriff von der Vielseitigkeit und.Gediegenheit des Inhalts vermag der allein zu bekommen, der diese neueste Publikation der Gesellschaft selbst liest. Nicht weniger als zwölf Mitarbeiter — alle aus dem von ihnen behandelten Gebiete Meister — haben Beiträge geliefert. Nicht nur der Inhalt der von Maimonides verfaßten philosophischen und theologischen Werke wird in kurzen Umrissen dargelegt und Plan und Anlage derselben einer näheren Untersuchung unterzogen, auch Einzelsorschungen über seine Philosophie und Theologie werden angestellt und der Einfluß jener auf das christliche Abendland behandelt; dazu kommt noch, daß Maimonides auch als medizinischer Schriftsteller gewürdigt wird. Was ihn auszeichnet und allen seinen Werken den Stempel seines Geistes aüfdrückt, das ist die Selbständigkeit und Originalität seines Denkens. Schon in der systematischen Durchdringung seines Stoffes kömmt diese zum Ausdruck, mehr noch aber in der Darstellung und Beweisführung seiner Gedanken und Grundsätze. Nicht als ob er sich von den Anschauungen seiner Zeit hätte vollständig emanzipieren können, im Gegenteil. Er zahlt auch dem Zeitgeiste seinen Tribut, doch geht er nicht gänzlich in ihm auf. Als Philosoph ist er zwar Anhänger der arabisch-aristotelischen Philosophie, wahrt sich ihr gegenüber aber sein eigenes Urteil. Am deutlichsten zeigt sich dies in feiner Ethik, wo er an die Stelle der Eudämonie das Prinzip der Selbstvervöllkommnung setzte und allen Materialismus aus ihr ausschied, um sie in die reine Sphäre der sittlichen Idee zu erheben. 'Als Theologe tritt er bei aller Hochschätzung für die Gaonen ihren halachischen Entscheidungen entgegen, wo ein sachlicher Grund für ihn vorlag, und verfährt ganz selbständig bei der Anlage seiner Schrift: Das Buch der Gesetze mit direkter Polemik gegen seinen Vorgänger auf diesem Gebiete, gegen Simon aus Kahira. Als Mediziner verehrt et in Galen seinen Meister; dies hindert ihn aber nicht, in seinen sogenannten Aphorismen Kritik an dessen Werken zu üben und ihm vielfache Widersprüche nachzuweisen. Kein Wunder daher, daß Maimonides durch seine Werke einen großen Einfluß auf die Nachwelt ausgeübt hat. Besonders giltndies von seinem religionsphilosophischen Hauptwerk, dem More Nebucliim. Vielleicht kein anderes Buch, Bibel und Talmud ausgenommen,-hat auf das Judentum und seine innere Gestaltung so tief und nachhaltig ingewirkt als dieses. Aber auch von Christen und Mohammedanern wurde es eifrig studiert, und namentlich waren es die Scholastiker — Dominikaner wie Franziskaner in gleicher Weise — die sich bei ihrer Anseinandersetzung mit der aristotelischen Philosophie der Führung des Maimonides anvertrauten. Wer sich über Maimonides näher unterrichten will, der. lese dieses auch für gebildete Laien bestimmte Buch, und er wird mannigfache Anregung und Förderung erfahren. Dr. A Caro. * . — Some Aspects of Rabbinic Tiieology by S. Schechter, New York. The Macmillan Go., 1909, pp. 384. 8°. Wer Professor Schechters wertvolle Leistungen auf dem Gebiete wissenschaftlicher Forschungen seit Jahren und Jahrzehnten kennt, wer da weiß, mit welchem Fleiß Schechter das Material zu seinen Arbeiten aus den entferntesten'Quellen herholt, mit welcher Gründlich-und Gewissenhaftigkeit er sich in dem zu verarbeitenden Stoffe vertieft, wird auch dieser literarischen Leistung von vornherein das günstigste Prognostikon stellen. Das Werk, welches nach Angabe des Verfassers auf eine Werdezeit von mehr als 15 Jahren zurückblickt, ist die reise Frucht ernster, sorgfältiger Studien und wird zweifellos in theologisch - gelehrten Kreisen auch Europas freudige Begrüßung finden. Um dem hier in Rede stehenden Buche gerecht zu werden, wollen wir den gelehrten Autor zur näheren Erläuterung seiner Intentionen sprechen lassen. „Vorliegendes W^rk, beißt es nntervanderem in der Vorrede, beabsichtig weder die LiMe der Shnckgö^e philosophisch zu durchdringen, noch deren SystemLLausLinanderzusetzen ... Die Aufgabe, welche ich mir setzte, war, elnHMzahl ^>isch-theologischer Grundgedanken, die vom. Volke zm eitlem inteWerenden1 Bestandteil der jüdischen Religion erhöhen wurden, so zu kenwzeichnen, wie sie uns aus der rabbinischerpMiWatur entgegenleuchten." Das Buch umfaßt, außer der Vorre^, 28 Essays, oder wie der Verfasser sie nennt, chapters (Kapitel),.>bW denem einige bereits im Jahre 1894 in der „iewish Quarterly Review“ erschienen sind. Die Menge neuer und origineller Gedanken in diesem Buche läßt sich in keiner Weise auch nur annähernd wiedergehen, weswegen ich an dieser Stelle von einer Inhaltsangabe völlig' absehe. Das Buch verdient nicht nur gelesen, sondern eingehend studiert zu werden. New Uork. Dr. G. Salkinowitz. 4 — Dr. Ludwig Venetianer: A pröf&tailekcziök eredete. összeha* sonlitö liturgia-törteneti tanulmäny. Budapest 1908. Venetianer leuchtet in dieser ^ungarischen Abhandlung „Ueber den Ursprung der Prophetenlektionen" mit großem Wissen und bewährtem Scharfsinn in das Dunkel hinein, das über den liturgischen Terminus „Maphtir" wie auch über die Entstehung der Haftaroth bis zu seiner Entdeckung verbreitet war. Denn eine Entdeckung im besten Sinne des Wortes kann man es nennen, was der Verfasser diesmal geleistet hat Venetianer bringt die trefflichsten Beweise für das Vorhandensein der Maftirinstitution im Urchristentum einerseits und der Verwertung der Haftara-Abschnitte in der römisch-katholischen Liturgie anderseits. Da folgt Schlag auf Schlag, Argument auf Argument, alles so klar, so überzeugend, daß man sich nur wundern muß darüber, wie es möglich war, solange an der herkömmlichen Erklärung vom Entstehen der Hastarainstitution festzuhalten. In vierzehn geistvollen Abschnitten legt der Verfasser auf Grund seiner eingehenden vergleichenden Studien dar, daß er sämtliche Haftara-Abschnitte — sowohl die zu den sogenannten ausgezeichneten Sabbaten — wie auch die zu sämtlichen Fest- und Fasttagen in der römisch-katholischen Liturgie wiedergefunden hat. Venetianer beweist an der Hand der wichtigsten Haftaroth daß die junge Gemeinde der Urchristen gerade aus diesen Prophetenabschnitten die bedeutendsten Lehren des Christentums abgeleitet hat. Unter solchen Verhältnissen galt es ein entsprechendes Gegengewicht zu schaffen und die Synagoge sah sich veranlaßt, eben dieselben Prophetenabschnitte in den Bereich ihrer apologetischen Sabbat- und Festtagsvorträge zu ziehen. Von unschätzbarem Werte sind namentlich die Belege, welche der Verfasser aus der alten Midraschsammlung, der Pesikta herbeiholt, die uns eine Reihe solcher Vorträge apologetischen Charakters erhalten hat. Es sind völlig neue Resultate die Venetianer in dieser seiner jüngsten Arbeit bietet. Jede Seite dieser Abhandlung bringt neues — enthält eine Fülle von Anregungen. Die Disziplin wer vergleichenden Liturgie hat durch diese Arbeit eine höchst nennenswerte Bereicherung erfahren. Da die Abhandlung in ungarischer Sprache erschienen ist, könnte die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums die baldige Uebersetzung veranlassen; aufrichtiger Dank seitens der Gelehrten wäre ihre sichere Belohnung. Mit Venetianers Studie über den Ursprung der Haftaroth erschließt sich eine neue reiche Quelle für wichtige Untersuchungen aus dem Gebiete der Liturgiegeschichte. Es ist eine ebenbürtige Geistesarbeit zu seiner Abhandlung über den Einfluß griechischer Mysterien auf den jüdischen Kult. Von dem gelehrten Verfasser hat unsere Wissenschaft*) noch viel zu erwarten; zu dieser Hoffnung berechtigt uns sein großes Wissen und sein weiter Blick. Luxemburg. Dr.S.Fuchs. *) Vor einigen Jahren hat Venetianer, der gelehrte Oberrabbiner von Ujpest, in dem gediegenen Jahrbuch der ungarisch-indischen Literaturgesellschaft im Anschluß an die Haeckel-Harnack- und Delitzschtheorien eine größere Abhandlung veröffentlicht, in der er für die jüdische Wissenschaft ein Programm entworfen, das mir von solch großer Tragweite erscheint, daß ich auch diese Arbeit der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums zur Verbreitung nicht genug empfehlen kann. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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